Seite 7 von 7 ErsteErste ... 34567
Ergebnis 61 bis 69 von 69

Thema: Griechenland die neuen EU-Rebellen?

  1. #61
    Erfahrener Benutzer Avatar von AreWe?
    Registriert seit
    20.07.2010
    Beiträge
    20.149
    Blog-Einträge
    186
    Mentioned
    245 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 468704

    Ausstieg aus Hilfsprogramm Athen erhält eine Milliarde Euro aus Rettungsfond

    Griechenland ist auf der Zielgeraden, um aus den Hilfsprogrammen entlassen zu werden. Athen will nicht mehr das Problem Europas sein. Doch ausgerechnet diese letzten Meter sind schmerzhaft. Nun gibt es eine weitere Finanzspritze.

    Das Direktorium des Eurorettungsfonds (ESM) hat am Donnerstag einer weiteren Auszahlung an das hochverschuldete Griechenland in Höhe von einer Milliarde Euro zugestimmt. Damit ist die letzte Tranche der von den Finanzministern der Eurogruppe im Januar bewilligten Zahlung von 6,7 Milliarden Euro ausgezahlt. Die EU-Behörden belohnten damit die jüngsten Reformen Griechenlands. Im März waren bereits 5,7 Milliarden Euro nach Athen geflossen.

    Die Entscheidung des ESM-Gremiums sei "ein gutes Omen für die Diskussionen über den Austritt aus dem Programm", schrieb Eurogruppen-Chef Mario Centeno im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die Eurogruppe kommt in der nächsten Donnerstag mit Experten der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammen, um über eine Ende des Hilfsprogramms für Griechenland zu beraten.

    Mit der Auszahlung vom Donnerstag hat Griechenland insgesamt 46,9 Milliarden Euro aus dem dritten Hilfspaket bekommen, das 2015 vereinbart wurde. Es läuft bis August dieses Jahres. Danach hofft Athen sich wieder vollständig über den Markt (= die Banken!) finanzieren und somit wieder auf eigenen Füßen stehen zu können. Das mehrfach vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland hängt seit 2010 am Tropf internationaler Geldgeber.

    weiter hier: https://www.t-online.de/nachrichten/...ogramm-ab.html
    Auch die obige Milliarde geht doch nicht an die Bürger, sondern an die Banken!

    LG
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

  2. #62
    Erfahrener Benutzer Avatar von AreWe?
    Registriert seit
    20.07.2010
    Beiträge
    20.149
    Blog-Einträge
    186
    Mentioned
    245 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 468704

    Rettunsaktion für Griechenland endet Euro-Länder einigen sich auf letztes Hilfspaket

    Das werden wir noch sehen, ob das wirklich das Ende war.

    Acht Jahre dramatischer Rettungsaktionen kommen zu einem vorläufigen Ende: In einer weiteren Nachtsitzung starteten die Euro-Finanzminister die letzte Etappe der Griechenland-Rettung – und einigten sich auf eine weitere Finanzspritze.

    Zum Abschluss der jahrelangen Rettungsprogramme soll Griechenland im Sommer noch einmal Milliardenhilfen und Schuldenerleichterungen bekommen. Darauf einigten sich Deutschland und die übrigen Europartner am frühen Freitagmorgen in Luxemburg mit der Regierung in Athen. Demnach sollen Laufzeiten für ältere Kredite um zehn Jahre verlängert werden, zudem soll das Land eine Auszahlung von 15 Milliarden Euro erhalten, wie die Deutsche Presse-Agentur von Teilnehmern erfuhr.
    Ziel ist, dass sich Griechenland ab August wieder ohne Hilfe am Kapitalmarkt finanzieren kann. Damit kämen acht Jahre dramatischer Rettungsaktionen zu einem vorläufigen Ende. Doch soll Athen den strikten Spar- und Reformkurs auf Jahre hinaus weiter führen, was auch regelmäßig überprüft werden soll.

    weiter hier: https://www.t-online.de/nachrichten/...echenland.html
    LG
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

  3. #63
    Erfahrener Benutzer Avatar von green energy
    Registriert seit
    30.06.2011
    Ort
    Wien & OÖ
    Beiträge
    9.140
    Blog-Einträge
    3
    Mentioned
    73 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 331639

    AW: Rettunsaktion für Griechenland endet Euro-Länder einigen sich auf letztes Hilfspaket

    Zitat Zitat von AreWe? Beitrag anzeigen
    Das werden wir noch sehen, ob das wirklich das Ende war.

    LG
    @AreWe?,
    ...so lange die Kuh Milch bringt wir sie nicht geschlachtet!


    So viel hat Deutschland an Schulden Griechenlands verdient

    Die Bundesregierung hat laut dpa auf eine Anfrage der Grünen mitgeteilt, wie viel Deutschland seit 2010 an Ankäufen griechischer Staatsanleihen im Rahmen eines Programms der Europäischen Zentralbank verdient hat.

    Seit 2010 soll es vor allem Gewinne aus Ankäufen griechischer Staatsanleihen im Zuge des „Securities Market Programme“ der Europäischen Zentralbank gegeben haben, die dem Bundeshaushalt überwiesen wurden.

    Bis 2017 habe Deutschland damit circa 3,4 Milliarden Euro eingenommen. Laut der Antwort aus der Bundesregierung wurde aber nur 2013 ein Gesamtbetrag von zwei Milliarden Euro an Griechenland transferiert. 2014 gingen rund 1,8 Milliarden Euro auf ein Sperrkonto des Euro-Rettungsschirms ESM.
    weiter: https://de.sputniknews.com/wirtschaf...-griechenland/

    LG

  4. #64
    Erfahrener Benutzer Avatar von AreWe?
    Registriert seit
    20.07.2010
    Beiträge
    20.149
    Blog-Einträge
    186
    Mentioned
    245 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 468704

    Ökonom: Griechenland-Rettung ist eine politische Farce

    Die sogenannte Lösung der griechischen Schulden-Krise ist kein Akt der europäischen Solidarität, sondern bedeutet für Generationen von Griechen ein Joch, dem sie nicht entkommen können.

    weiter hier: https://deutsche-wirtschafts-nachric...itische-farce/
    Liebe Grüße
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

  5. #65
    Erfahrener Benutzer Avatar von green energy
    Registriert seit
    30.06.2011
    Ort
    Wien & OÖ
    Beiträge
    9.140
    Blog-Einträge
    3
    Mentioned
    73 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 331639

    AW: Griechenland die neuen EU-Rebellen?

    Griechischer Verteidigungsminister: Wegen NATO durfte unsere Armee nicht helfen

    Es klingt unfassbar, ist aber leider wahr: Die Waldbrände, die in der Umgebung von Athen wüteten und mindestens 83 Todesopfer forderten, hätten effektiver bekämpft werden können. Und womöglich würden dadurch einige der umgekommenen Menschen heute noch leben.


    Mita liegt wenige Kilometer östlich von Athen und war ein beliebter Badeort, nicht nur für die Hauptstädter. Heute ist der Küstenort völlig zerstört, die "Höllennacht" hat eine Schneise der Vernichtung gezogen. Schaut man sich die Bilder von Mita an, drängt sich einem unweigerlich der Gedanke auf, was diese Menschen in den Stunden des Infernos hier durchmachen mussten. Und ob man denn nicht etwas dagegen hätte unternehmen können. Immerhin sind schwere Waldbrände in Griechenland nichts Neues, und man müsste meinen, dass die Behörden für solche Katastrophen vorbereitet sind.


    Aber genau das machen die Menschen der Regierung zum Vorwurf. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Bei einem Besuch der Katastrophengebiete, wurde Verteidigungsminister Panagiotis "Panos" Kammenos von Überlebenden mit Vorwürfen konfrontiert. Eine Frau schimpfte:
    Sie haben die Menschen ohne Grund verbrennen lassen. Sie haben uns der Gnade Gottes ausgeliefert.
    Kammenos gab anschließend dem britischen Sender BBC ein Interview und beschwerte sich darüber, dass viele Häuser in diesem Gebiet illegal gebaut und damit einige Fluchtwege versperrt worden seien. Sowohl der Videoausschnitt des Interviews als auch der BBC-Artikel dazu versuchen das Bild zu vermitteln, dass der Verteidigungsminister die Schuld für das Ausmaß der Katastrophe den Menschen zuschiebe.


    Dass der illegale Häuserbau ein Problem darstellt, ist sicherlich nicht zu leugnen. Dieses Problem kennen vermutlich alle Länder in Südosteuropa. Was die BBC aber verschweigt, ist der Teil des Interviews, in dem Kammenos eine politische Bombe platzen lässt. Denn er gibt die (Teil-)Schuld nicht etwa den Bürgern, sondern der NATO!
    Der griechische Verteidigungsminister :
    Die Streitkräfte waren vom ersten Tag an in Bereitschaft. Und wir sind verpflichtet, dem NATO-Plan zu folgen. Es ist uns nicht erlaubt, gleichzeitig mit den Zivilbehörden zusammenzuarbeiten.
    Hätten die NATO-Regeln also eine Teilnahme der griechischen Streitkräfte bei der Brandbekämpfung erlaubt, dann hätte man die zivilen Einsatzkräfte besser unterstützen können. Damit sollen nicht etwa Fehler der Lokalbehörden entschuldigt oder unter den Teppich gekehrt werden. Aber es steht außer Frage, dass die griechischen Streitkräfte sowohl bei der Brandbekämpfung als auch bei der Evakuierung der Menschen eine positive Rolle hätten spielen können. Und damit eben auch Menschenleben retten.
    Mehr zum Thema - Der NATO-Schirm schützt nicht vor Waldbränden


    Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass ein NATO-Mitglied bei Brandkatastrophen plötzlich alleine dasteht. Vergangenes Jahr musste Montenegro die gleiche Erfahrung wie Griechenland machen, als insbesondere auf der Halbinsel Luštica ein Waldbrand wütete. Auch damals waren es NATO-Regeln, die einer schnellen Hilfe im Wege standen.
    weiter: https://deutsch.rt.com/europa/73913-...-nicht-helfen/



    lg

  6. #66
    Erfahrener Benutzer Avatar von green energy
    Registriert seit
    30.06.2011
    Ort
    Wien & OÖ
    Beiträge
    9.140
    Blog-Einträge
    3
    Mentioned
    73 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 331639

    AW: Griechenland die neuen EU-Rebellen?

    Vermeintliche Griechenland-Rettung: Ein europäisches Massaker mit Ansage

    Das letzte Rettungsprogramm für Athen ist abgeschlossen, insgesamt 289 Milliarden Euro an Krediten überwiesen. Griechenland sei nun wieder ein "normales Land", sagt EU-Kommissar Moscovici. Doch bei dieser "Normalität" kann einem Angst und Bange werden.



    von Timo Kirez
    Der Begriff "Zynismus" stammt ursprünglich aus dem antiken Griechenland. "Zynismus", das sich von dem griechischen Wort für Hund (κύων kyon) ableitet, bezeichnete die Lebensanschauung und Lebensweise der sogenannten "Kyniker". Eine antike philosophische Schule, die ethischen Skeptizismus und Bedürfnislosigkeit lehrte. Einer ihrer Gründer war Diogenes von Sinope, der bekanntlich gerne mal eine Nacht in einem Vorratsfass verbrachte. Doch der antike Philosoph lebte freiwillig und aus Überzeugung wie ein Bettler – viele seine Nachfahren hingegen haben schlicht keine andere Wahl. Der Zynismus der Europäischen Union scheint keine Grenzen mehr zu kennen.

    Während sich bei den Eurokraten in den letzten Tagen so manche Jubelfaust in den Brüsseler Himmel reckte, dürften die meisten Griechen eher die Faust in der Tasche geballt haben. Der Grund für die Partylaune in Brüssel: Nach acht Jahren verlässt Griechenland den Euro-Rettungsschirm. "Ihr habt es geschafft", twitterte denn auch EU-Ratspräsident Donald Tusk euphorisch und gratulierte dem griechischen Volk.

    Vielen Griechen war indes nicht zum Feiern zumute, und auch Ministerpräsident Alexis Tsipras hielt sich zunächst auffällig zurück. Die Jubelarien in Brüssel machen in der Tat einem englischen Sprichwort des 18. Jahrhunderts alle Ehre. Es lautet im Original: to add insult to injury. Wörtlich übersetzt: Nach der Verletzung folgt nun auch noch die Beleidigung.

    Denn von "gerettet" kann nicht die Rede sein. Acht Jahre, drei Kreditprogramme mit insgesamt 289 Milliarden Euro und immer wieder neue Spar- und Reformprogramme auf Druck der EU-Partner und des Internationalen Währungsfonds: Der Abschluss der scheinbar endlosen Rettungsbemühungen markiert in jedem Fall einen tiefen Einschnitt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bemühte das Bild des "neuen Kapitels", Finanzkommissar Pierre Moscovici sprach von einem "symbolischen Schlussstrich unter eine existenzielle Krise des Euro-Währungsgebiets". Beide lobten die Anstrengungen der Griechen und versprachen Beistand und Freundschaft. Das dürfte in den Ohren vieler Griechen eher nach einer Drohung klingen.

    So sieht zum Beispiel der Athener Buchhalter Nikos Wroussis die Sache deutlich realistischer. "Für mich und meine Kunden ändert sich nichts", sagte der Prokurist gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wroussis, der Kleinunternehmen in Arbeitervierteln im Westen Athens betreut, verweist zum Beispiel auf anhaltende Kapitalverkehrskontrollen. Die Griechen dürfen bei einer Ausreise höchstens 3.000 Euro mitnehmen und auch nur begrenzt Geld elektronisch ins Ausland überweisen. Auch die "Hyperbesteuerung" stört Wroussis: Für jede 100 Euro, die ein Händler, ein Rechtsanwalt, ein Arzt kassiere, müssten 72 Euro als Steuern, Renten- und Krankenkassenbeiträge gezahlt werden.

    Schuldenkrise noch lange nicht gelöst
    In absehbarer Zeit wird sich daran auch nichts ändern. Der griechischen Regierung fehlt auch nach dem Ende des Hilfsprogramms der Spielraum. Für die billigen Kredite aus dem Euro-Rettungsschirm ESM und künftige Schuldenerleichterungen musste sie beispiellos harte Auflagen akzeptieren. Der Staat muss so viel Geld sparen, dass er bis 2022 jährlich Primärüberschüsse von 3,5 Prozent erreicht - gemeint sind Haushaltsüberschüsse ohne Berücksichtigung von Zins und Tilgung für Kredite. Bis 2060 soll Jahr für Jahr ein Primärüberschuss von 2,2 Prozent bleiben. Wroussis nennt dies eine "ökonomische Zwangsjacke".

    Doch damit nicht genug: Die Gläubiger wollen mit weiteren strikten Kontrollen verhindern, dass Griechenland die während der Rettungsaktion brachial erzwungene Reformpolitik aufgibt. Schon in der Woche ab dem 10. September sollen wieder sogenannte Experten der Kreditgeber nach Athen reisen und dann regelmäßig im Rhythmus von drei Monaten. Diese "Experten" sind die Nachfolger der gefürchteten "Troika". Bei dem von dieser Dreiergruppe bestehend aus der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfond und der Europäischen Kommission angerichteten menschlichen Leid ist man fast geneigt, an die "Troika" aus Zeiten des "Großen Terrors" in der Sowjetunion zu denken. Damals verantwortete eine Kommission aus drei Personen die Todesurteile.

    Dass die EU in nächster Zukunft die Daumenschrauben lockern wird, ist nicht zu erwarten. Weitere Rentenkürzungen für griechische Pensionäre sind zugesagt, aber noch nicht umgesetzt. EU-Kommissar Moscovici wurde am Montag gefragt, ob diese denn - bei entsprechenden Haushaltsspielräumen - zu umgehen wären. Das könne er nicht kommentieren, sagte der Franzose, machte dann aber doch eine klare Ansage: "Gemachte Zusagen müssen respektiert werden." Immerhin würden nun keine neuen Vorgaben mehr gemacht. "Griechenland ist jetzt ein normales Land", sagte Moscovici.

    Was der EU-Funktionär unter normal versteht, stellt sich folgendermaßen dar: Der gigantische Schuldenberg des Landes beträgt rund 180 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Das Gesamtvolumen der Staatsschulden beläuft sich auf 349,87 Milliarden Euro. Das Land verlässt den Rettungsschirm mit Rücklagen von lediglich 24 Milliarden Euro und könnte sich, wenn alles gut läuft, notfalls knapp zwei Jahre lang selbst finanzieren. Doch zu welchen Konditionen sich Griechenland an den internationalen Kapitalmärkten wieder frisches Geld beschaffen kann, ist noch völlig unklar.

    Wenn es nach Griechenlands ehemaligem Finanzminister Yanis Varoufakis geht, der während der Eurokrise kurzzeitig zum Gegenspieler des damaligen deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble wurde, hat sich nichts Substanzielles verändert.

    "Griechenland steht am selben Punkt, vor dem gleichen schwarzen Loch, und es versinkt jeden Tag tiefer darin. Auch, weil die Sparvorgaben der Gläubiger Investitionen und den Konsum behindern", sagte Varoufakis am Montag der Bild. Der Staat sei aber noch immer pleite, die Privatleute seien ärmer geworden, Firmen gingen noch immer bankrott, und das Bruttosozialprodukt sei um 25 Prozent gesunken.

    Soziale Erosion hält Griechenland weiter im Griff
    Doch das ist nur ein Teil der griechischen Schreckensbilanz. Rund 500.000 Griechen haben das Land verlassen. Vor allem junge Menschen, die in ihrem Land keine Perspektive mehr gesehen haben. Seit Beginn der Eurokrise gab es 22 Rentenkürzungen, jeder vierte Rentner muss mit weniger als 372 Euro auskommen. Zum 1. Januar 2019 werden die Renten erneut um bis zu 18 Prozent gekürzt, 2020 sinkt der Grundfreibetrag in der Einkommensteuer von heute 8.636 auf 5.685 Euro.

    Zwar wächst die Wirtschaft seit 2017 wieder, aber mit 1,4 Prozent eher schwach. Die Arbeitslosenquote ist auf 19,5 Prozent gefallen. Vor der Eurokrise, im Jahr 2009, betrug sie 9,6 Prozent. Doch auch die Abnahme der Arbeitslosigkeit sagt wenig über die realen Verhältnisse in dem Land aus, da immer weniger Menschen Vollzeitjobs haben. Von den 1,7 Millionen Beschäftigten in der Privatwirtschaft arbeitet jeder Dritte in Teilzeit – für durchschnittlich 394 Euro im Monat. Somit haben sie nur geringe Chancen, nennenswerte Rentenansprüche zu erarbeiten.

    Zudem wird das Arbeitslosengeld, 360 Euro für einen Single, 504 Euro für eine vierköpfige Familie, maximal ein Jahr lang gezahlt. Eine Grundsicherung wie Hartz IV gibt es in Griechenland nicht. Oft ist die Arbeitslosigkeit der erste Schritt in die Obdachlosigkeit. Laut einer Studie der griechischen NGO Klimaka waren in Griechenland bereits im Jahr 2011, also während der ersten Jahre der Wirtschaftskrise, an die 20.000 Personen obdachlos. Im Jahr 2016 wurde die Zahl auf 40.000 geschätzt. Das bei einer Gesamteinwohnerzahl von knapp über zehn Millionen in Griechenland. Zum Vergleich, in Deutschland mit seinen über 80 Millionen Einwohnern sind geschätzt etwas mehr als 50.000 Menschen obdachlos. Auch hier droht weiteres Ungemach: Bis 2021 soll es in Griechenland laut Forderung der Gläubiger 130.000 Zwangsversteigerungen geben.

    Folgen der Sparpolitik: Steigende Selbstmordrate und Prostitution

    Die sozialen Erosionen infolge der Eurokrise haben aus Griechenland ein anderes Land gemacht. Wie Forscher2015 im Fachblatt BMJ Open berichteten, stieg die Suizidrate in Griechenland im Juni 2011 um rund 36 Prozent an - das entspricht etwa elf Selbsttötungen im Monat. Damals hatte die Regierung eines der ersten Sparpaket verabschiedet, begleitet von heftigen Protesten. Wie die CretePost unter Berufung auf die Washington Post und die Times ebenfalls 2015 berichteten, verkaufen sich junge griechische Frauen mittlerweile zum Preis eines Sandwiches an Freier.

    Die Studie, die Daten über mehr als 17.000 in Griechenland tätige Sexarbeiterinnen zusammengestellt hat, stellte fest, dass inzwischen griechische Frauen die Prostitutionsbranche des Landes beherrschen und die osteuropäischen Frauen verdrängten. Und dass der Sex, der in Griechenland verkauft wird, der billigste in Europa ist. "Manche Frauen machen es einfach für eine Käsepita oder ein Sandwich, weil sie hungrig sind", wird Gregory Laxos, Soziologieprofessor an der Panteion-Universität in Athen, zitiert. "Andere tun es, um Steuern zu zahlen, Rechnungen, für dringende Ausgaben oder schnelle Drogen", so Laxos weiter, der die dreijährige Studie leitete.

    Staatliche Unternehmen werden privatisiert - Militärausgaben bleiben hoch

    Außerdem wurden wichtige griechische Staatsunternehmen zu Schleuderpreisen an ausländische Investoren verhökert. So pachtete das deutsche Unternehmen Fraport in letzten Jahr 14 griechische Flughäfen. Das erste Geschäftsjahr bis Ende 2017 verlief dem Fraport-Geschäftsbericht zufolge auch gleich erfolgreich. Der Passagieranstieg um mehr als zehn Prozent auf 27,6 Millionen Menschen führte zu einem Umsatz von 235 Millionen Euro - leicht oberhalb der Erwartungen - und einem Gewinn von 13,5 Millionen Euro.

    Auch die staatliche Eisenbahngesellschaft TrainOSE kam unter den Hammer. Hier schlugen die Italiener zu. Ferrovie dello Stato (FS) kaufte das Unternehmen für 45 Millionen Euro auf. TrainOSE ist der alleinige Betreiber des griechischen Personen- und Güterverkehrs. Dieser Verkauf, wie auch alle anderen, beruht auf den Forderungen der EU im Zusammenhang mit den Rettungspaketen der Troika an die griechische Regierung. Die Privatisierung ist eine Grundbedingung für Zahlungen aus dem Rettungsfond. Dazu gab es in Griechenland noch Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen. Nur an einer Stelle wurde nicht gespart: beim Militär.

    Eine Aufstellung aus dem Jahr 2016 kam zu dem Ergebnis, dass Griechenland trotz sieben Jahren akuter Finanz- und Wirtschaftskrise und mittlerweile drei Milliardenkrediten der Euroländer bei den Militärausgaben an zweiter Stelle hinter den USA steht. Die Syriza-Regierung gab 2016 rund 2,38 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung aus, für die USA stehen 3,61 Prozent zu Buche. Die NATO-Richtlinie von zwei Prozent des BIP erreichten 2016 sonst nur Großbritannien, Estland und Polen. 2017 gaben nur zwei weitere Länder in Europa, nämlich Estland und Griechenland, mit jeweils 2,2 Prozent und 2,4 Prozent mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für ihr Militär aus.

    Diese Zustände muss man vor Augen haben, wenn man sich die Lobeshymne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu Gemüte führt. Macron lobte den Mut und die Würde der Griechen. "Frankreich bleibt an seiner Seite, damit wir gemeinsam mit unseren Partnern die Zukunft der Europäischen Union aufbauen können", schrieb Macron via Twitter. Sein glückloser Amtsvorgänger François Hollande hatte sich hingegen für einen "Grexit", also einen Austritt des Landes aus der Eurozone, eingesetzt und war in der Griechenland-Krise auch auf Distanz zum harten Sparkurs in Berlin gegangen. Auch Teile der deutschen Presse scheinen in Feierlaune zu sein. So findet die Tagesschau, "dass sich etwas bewegt", und ist "verhalten optimistisch". Beim Deutschlandfunk ist man da schon weiter. Da wird Griechenland offen paternalistisch gratuliert: "Gut gemacht, Griechenland!"

    Somit wird der ehemalige griechische Finanzminister Varoufakis vermutlich leider Recht behalten. Schon bei seinem Regierungsantritt 2015 warf er den Geldgebern "fiskalisches Waterboarding" vor und warnte vor einem "sozialen Holocaust" in Griechenland.

    Mehr zum Thema
    - Krisenprofiteur Deutschland: Fast 3 Milliarden Euro Gewinn mit Griechenland-Hilfe
    weiter: https://deutsch.rt.com/europa/74845-...er-mit-ansage/
    ...wer die Euroretter als "Freunde" hat, der braucht keine "Feinde"!

    LG

  7. #67
    Erfahrener Benutzer Avatar von AreWe?
    Registriert seit
    20.07.2010
    Beiträge
    20.149
    Blog-Einträge
    186
    Mentioned
    245 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 468704

    Proteste in Thessaloniki Tsipras verspricht Griechen steigenden Lebensstandard

    Meine Güte, was für ein Lügenpresse-Artikel!

    Gläubiger = Rothschild-Banken = IWF

    Wie sollen die Griechen Arbeitsplätze bekommen, wenn über die IWF Knebelverträge US-Firmen für den Aufbau eingesetzt werden?

    Nebenbei: Sowas wünschen sich die Eliten in ihren feuchten Träumen auch für Syrien!

    Griechenland lässt die Zeit harter Sparmaßnahmen langsam hinter sich. Regierungschef Tsipras sieht einen Silberstreif am Horizont: Löhne und Renten sollen steigen, Steuern sinken. Viele Griechen sehen das nicht ganz so rosig und gehen auf die Straße.
    Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat für die kommenden Monate und Jahre höhere Löhne und Renten sowie niedrigere Steuern versprochen. Allerdings müssten die Reformen fortgesetzt werden. Alle Maßnahmen zur Anhebung des Lebensstandards würden im Einklang mit den Gläubigern angegangen. "Wir sind entschlossen, das (mit den Gläubigern) Vereinbarte einzuhalten", sagte Tsipras am Samstagabend bei einer Rede zur Eröffnung einer Handelsmesse in Thessaloniki. Die Gewerkschaften riefen dennoch zu Protesten gegen Arbeitslosigkeit und Sparpolitik auf. Überschattet wurde die Eröffnung der Messe durch eine gewalttätige Demonstration von Nationalisten, die gegen den zwischen Athen und Skopje erzielten Kompromiss im Streit um den Namen Mazedoniens protestierten.

    Tsipras hob in seiner Rede hervor, dass die griechische Wirtschaft dieses Jahr voraussichtlich um 2,5 Prozent wachsen werde. Die Arbeitslosigkeit sei von 27,5 Prozent vor vier Jahren auf 19,1 Prozent gefallen. In weiteren fünf Jahren solle sie auf zehn Prozent gedrückt werden. Das Land erziele einen primären Haushaltsüberschuss - ohne den Schuldendienst - von deutlich über 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.
    Dass Griechenland auf dem richtigen Weg sei, attestierte auch der US-Handelsminister Wilbur Ross, der zusammen mit Tsipras den amerikanischen Pavillon auf der Messe besuchte. Ross erklärte, zahlreiche US-Unternehmen seien bereit, in Griechenland zu investieren, zum Beispiel in Werften. Das Land sei ein Ort der Stabilität im östlichen Mittelmeer.

    Tausende protestieren in Thessaloniki gegen Sparkurs

    Die Gewerkschaften sehen die Situation nicht ganz so rosig und riefen zu Demonstrationen in Thessaloniki auf. Mehrere Tausend Menschen gingen in der Hafenstadt auf die Straßen und protestierten gegen die Sparpolitik. "Wir wollen Jobs und nicht endlose Steuern", stand auf Transparenten.
    Nach acht Jahren hatte Griechenland am 20. August den EU-Rettungsschirm verlassen. Nach der Ende Finanz-Hilfsprogramme muss sich das Land wieder aus eigener Kraft am Kapitalmarkt finanzieren. Zurzeit sind die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen mit etwa 4,3 Prozent ungünstig - das ist der höchste Stand seit Ende Juni. Griechenland hat nach den Worten von Tsipras aber ein Kapitalpolster von 24 Milliarden Euro und brauche sich deswegen keine Sorgen zu machen.
    Nationalisten bewerfen Polizisten mit Steinen

    Bei der Demonstration der Nationalisten bewarf eine Gruppe Vermummter in Thessaloniki die Polizei mit Steinen. Diese setzte Tränengas, Blendgranaten und Schlagstöcke ein, um die Randalierer auseinander zu treiben, wie das Fernsehen zeigte. Beide Länder hatten sich darauf geeinigt, dass die ehemalige jugoslawische Teilrepublik künftig Nord-Mazedonien heißen soll und sich damit von der nordgriechischen Provinz Mazedonien (griechisch: Makedonia) unterscheidet. Als Gegenleistung will Athen den Weg des Landes zur Nato und in die EU nicht länger blockieren.


    Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/...sstandard.html
    LG
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

  8. #68
    Erfahrener Benutzer Avatar von AreWe?
    Registriert seit
    20.07.2010
    Beiträge
    20.149
    Blog-Einträge
    186
    Mentioned
    245 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 468704

    Odious debts

    Die Griechen sind in vielerlei Hinsicht betrogen worden!

    Habt Ihr davon gewusst oder gehört/gelesen?

    Odious debts (englisch: verabscheuungswürdige Schulden, auch Diktatorenschulden) ist ein von Alexander Nahum Sack, russischer Minister und nach der Russischen Revolution Professor des Rechts in Paris, in den 1920er Jahren entwickelter völkerrechtlicher Begriff, der aber in seiner Gesamtheit bisher nicht in geltendes Völkerrecht eingegangen ist.
    Nach der Theorie der odious debts gelten Staatsschulden als verabscheuungswürdig und illegitim und müssen daher nicht zurückgezahlt werden, wenn:

    1. diese ohne Zustimmung der Bevölkerung zustande gekommen sind, aufgrund des Fehlens einer durch demokratische Wahlen legitimierten Regierung,
    2. die Gelder zur Unterdrückung des Landes genutzt wurden und die damit bezahlten Leistungen den Menschen geschadet haben, und
    3. die Kreditgeber von beidem Kenntnis hatten oder bei zumutbarer Nachforschung hätten haben können.

    Es gibt keine klar definierten Kriterien, ab wann Schulden odious debts sind. Die Rückzahlungsverpflichtungen der Schulden stehen im Widerspruch zu den Interessen der Nachfolgeregierung. Da die durch Kredite aufgenommenen Gelder in Eliten flossen, zur Unterdrückung der Bevölkerung dienten, oder eine andere Verwendung fanden, die nicht im Interesse der Bevölkerung war, soll nach der Doktrin der odious debts die Verpflichtung der Folgeregierung nicht zugemutet werden. Damit sollen zugleich potentielle Kreditgeber davon abgehalten werden, entsprechende Regime zu unterstützen.
    Präzedenzfälle

    • 1898 weigerte sich die US-Regierung am Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges, Kubas Schulden gegenüber Spanien zu übernehmen, da diese Schulden odious und deshalb nicht einklagbar seien, weil sie der kubanischen Bevölkerung aufgezwungen wurden, um die kubanische Befreiungsbewegung zu unterdrücken.
    • 1923 entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten zugunsten der neu gegründeten Regierung von Costa Rica, dass die von Federico Tinoco Granados hinterlassenen Schulden persönliche Schulden des Diktators und nicht der Bevölkerung von Costa Rica seien, da sie im Exil aufgenommen und zur Verhinderung der Einführung einer demokratischen Regierung eingesetzt worden seien.
    • 2003 folgten die USA nach dem Dritten Golfkrieg dem Prinzip, um den besetzten Irak weitgehend zu entschulden.[1]
    • 2008 wurde in Ecuador ein Auditdurchgeführt, der zu dem Schluss kam, dass ein Teil der Schulden "odious" sei und folglich nicht zurückgezahlt werden würde.


    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Odious_debts
    Wurde in Griechenland ein Schulden-Audit durchgeführt?

    Griechenland: Schulden-Audit angekündigt

    Die Präsidentin des griechischen Parlaments, Zoe Konstantopoulou, hat auf einer Pressekonferenz am 17.März 2015 die Einrichtung einer Kommission angekündigt, die die griechischen Staatsschulden prüfen soll.«Das Anliegen ist, alle illegalen oder illegitimen griechischen Staatsschulden ausfindig zu machen. Das griechische Volk hat das Recht zu verlangen, dass jedweder Teil der griechischen Schulden, der sich als illegal herausstellt, gestrichen wird», so die Parlamentspräsidentin. Schon wird Zoe Konstantopoulou von verschiedenen politischen Parteien (Nea Dimokratia, PASOK und To Potami) vorgeworfen, die Flamme der Zwietracht anzufachen.
    Sie wird jedoch weitermachen: «Ein ganzes Volk wurde in die Knie gezwungen, und wir können nicht akzeptieren, dass wir einer solchen Propaganda ausgesetzt werden … Wir haben die Pflicht zu handeln, sonst belasten diese Schulden unsere zukünftigen Generationen.»


    weiter hier: http://www.sozonline.de/2015/04/grie...-angekuendigt/
    Das war der "Aufhänger"!

    Jens Wernicke: Im eingangs erwähnten Aufsatz im Buch »ARD & Co.« haben Sie das ja exemplarisch am Beispiel der Berichterstattung der »Süddeutschen Zeitung« zum Thema Griechenland untersucht. Welches Bild zeichnete sich denn hier?
    David Goeßmann: Die SZ hat über den ganzen Krisenverlauf hinweg nahezu ausschließlich aus der Perspektive der deutschen Regierung, der Troika-Politik, der »Gläubiger« berichtet. Als die SYRIZA-Partei Anfang 2015 an die Macht kam, legte sie schließlich alle journalistischen Manieren ab und bezeichnete die griechischen Verhandlungspartner Varoufakis und Tsipras als »Hasardeure« und irre »Achterbahnfahrer«, die mit einer »Harakiri-Politik« eine »Vertrauensimplosion« mit einem »Maximalschaden für die Menschen« erzeugen wollten.
    Chef-Kommentator Stefan Kornelius betitelte den »irren Kurs« der SYRIZA-Regierung mit den Worten »Ins Graos« [4]. Der vermeintlich »irre Kurs« von SYRIZA bestand dabei vor allem darin, Wirtschaft und Beschäftigung ein wenig beleben zu wollen, um überhaupt eine Basis für die Rückzahlung der Schulden zu schaffen. Grund genug für die SZ, mehr irrationale Troika-Politik zu fordern und ein »Graos« an die Wand zu malen!

    Natürlich macht es ökonomisch überhaupt keinen Sinn, eine Volkswirtschaft in einer tiefen Rezession durch Kürzungen aus der Krise führen zu wollen. Weder in der Theorie noch in der Praxis. Deutschland selbst oder auch die USA haben das in der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 daher auch nicht getan, im Gegenteil: Sie befeuerten die Volkswirtschaft mit einem massiven Konjunkturprogramm, finanziert mit neuen Schulden. Im Guardian, in der New York Times oder in der Financial Times rieben sich ob der ideologischen Fixierung Deutschlands im Falle Griechenlands dann auch Nobelpreisträger verwundert die Augen.
    In der SZ wurde diese Kritik jedoch schlicht als »politischer Aktivismus« abgestempelt. Nur einige wenige Journalisten in deutschen Zeitungen schrieben gegen diesen offensichtlichen deutschen Irrsinn an. So etwa Harald Schumann vom Tagesspiegel, Ulrike Herrmann von der taz und Wolfgang Münchau von SPIEGEL ONLINE. Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig Diskussion hier zugelassen wurde und wie rigide gefiltert und auch direkt manipuliert worden ist…
    Jens Wernicke: Nun also doch … manipuliert?
    David Goeßmann: In diesem Fall, ja. Ein Beispiel: So behaupteten die Medien etwa, allen voran erneut die SZ, dass die privaten Gläubiger und Banken sich »in der Nacht, als das Wunder geschah«, mit über 100 Milliarden Euro an der »Rettung« beteiligt hätten, dem sogenannten »Haircut«. Zum ersten Mal seien die Banken auf einer Riesensumme sitzen gelassen worden, hieß es. Jeder konnte wissen, dass den Banken der größte Teil davon von den Steuerzahlern kompensiert wurde. Die Medien verschwiegen das aber.
    Und noch etwas ist wichtig: Diese ganze ökonomische PR im Dienste der Troika-Politik wird nämlich von einer Art »Ideologie der Schulden« zusammengehalten, die so tief in die Berichterstattung eingelassen ist, dass sie gar nicht mehr thematisiert werden muss. Sie besteht im Prinzip darin, dass die Griechen zahlen müssen – selbst dann, wenn die Schulden, um die es geht, vollkommen illegitim und keineswegs von »den Griechen« überhaupt zu verantworten sind.
    Ein Beispiel: Im Frühling 2015 kommt der unabhängige Wahrheitsausschuss unter Leitung des führenden Schuldenexperten Éric Toussaint, eingesetzt vom griechischen Parlament, in einem Schuldenaudit zu dem Ergebnis, dass alle griechischen Schulden illegitim, illegal und nach internationalem Recht »verwerflich« sind und daher gestrichen werden müssen. Das Audit und die Schlussfolgerungen basieren auf einem enormen Fundus an Material und Dokumentation. So geht ein Großteil der griechischen Schulden etwa zurück auf Kredite der Militärdiktatur zwischen 1967 und 1974. Diese sind nach internationalem Recht »odious debts« [engl.: verabscheuungswürdige Schulden, auch Diktatorenschulden; H.S.] und müssen nicht zurückgezahlt werden.

    Dazu kommen Kredite aus korrupten Deals, meist Rüstungsgeschäfte mit französischen oder deutschen Konzernen, sowie risikoreiche Kredite europäischer Großbanken nach der Euro-Einführung. Die Griechen stimmten diesen Deals weder zu, noch profitierten sie davon. Die griechische Staatsquote lief in der ganzen Zeit unterhalb des EU-Durchschnitts. Nach Ausbruch der Krise wurden den ausländischen Banken ihre griechischen Ausfallrisiken dann von der Troika abgenommen, getarnt als »Griechenlandrettung«. Gepaart mit einem Kürzungsprogramm katapultierte man dann die griechische Schuldenquote in astronomische Höhen.
    Dabei verstießen die Troika, die bilateralen Kreditgeber und die griechischen Regierungen gegen diverse rechtliche Bestimmungen, insbesondere menschenrechtliche Garantien, so das Audit. Von der SZ erfährt man über das Audit aber nur so viel, dass der »Kreuzzug Varoufakis«, der gar nichts mit dem Audit zu tun hatte, »gefährlicher Unfug« sei – ohne dass die Ergebnisse der Wahrheitskommission überhaupt zur Kenntnis genommen werden. Die Reparations- und Schuldenforderung der Griechen gegen Deutschland deklariert das nationale Leitmedium umgehend als »illusorisch«, die rechtlichen Tricksereien der Bundesregierung hingegen als »juristisch betrachtet« überzeugend [5].
    Die Lektion ist: Griechische Schulden müssen zurückgezahlt werden, auch wenn sie jeglicher Legitimität entbehren, das Land ökonomisch weiter in die Krise treiben und die Last auf unbeteiligte Dritte und die Schwächsten abgewälzt wird. Bei »unseren« Schulden hingegen gelten andere Maßstäbe, so etwa bei den deutschen Reparationsschulden, der deutschen Zahlungsverweigerung bei der Entwicklungshilfe oder den Klimaschulden, die einfach übergangen werden können. Ohne diese journalistische Doppelmoral würden politische Medienkampagnen mit Slogans wie »Geisterfahrer Tsipras« oder »Pleitegriechen« sofort in sich zusammenbrechen und als Heuchelei öffentlichem Gelächter anheimfallen.


    Quelle: https://kritisches-netzwerk.de/forum...n-im-interview
    LG
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

  9. #69
    Erfahrener Benutzer Avatar von AreWe?
    Registriert seit
    20.07.2010
    Beiträge
    20.149
    Blog-Einträge
    186
    Mentioned
    245 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    0
    Renommee: 468704

    Tsipras unterliegt Konservative erringen in Griechenland absolute Mehrheit

    Die konservative Partei Nea Dimokratia hat nach einer ersten Hochrechnung die Parlamentswahl in Griechenland gewonnen. Die Partei des Regierungschefs erhielt demnach deutlich weniger Stimmen.

    Bei der Parlamentswahl in Griechenland liegen die Konservativen von Kyriakos Mitsotakis laut Hochrechnungen deutlich vorn. Das Innenministerium meldete nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend, die bisherige Oppositionspartei Nea Dimokratia komme auf rund 39,8 Prozent der Stimmen. Die linksgerichtete Syriza-Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras erreichte demnach nur rund 31,5 Prozent. Tsipras räumte am Abend seine Niederlage ein.

    Stärkste Partei erhält 50 Sitze zusätzlich

    weiter hier: https://www.t-online.de/nachrichten/...-mehrheit.html
    Liebe Grüße
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

Seite 7 von 7 ErsteErste ... 34567

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •