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Thema: Globale Trinkwasserkrise

  1. #1
    Moderator Avatar von Joe
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    Globale Trinkwasserkrise

    Globale Trinkwasserkrise spitzt sich zu
    EM - Das Ziel der Vereinten Nationen (VN), bis 2015 die Zahl der Menschen ohne Zugang zu
    Trinkwasser zu halbieren, wird nicht erreichbar sein. Zu diesem Schluss kommt Zafar Adeel,
    Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der University of the United Nations
    (http://www.inweh.unu.edu) in einem pressetext-Interview. Anlass war die Konferenz der UNOWasserexperten
    (http://www.unwater.org) im kanadischen Hamilton, deren Vorsitz Adeel
    innehat.
    Die bessere Trinkwasserversorgung gehört zu den Entwicklungszielen, die sich die VN 2000 in
    der Millenniumserklärung gesetzt hat. Laut dieser sollten bis 2015 zumindest zwei statt wie bisher
    nur ein Drittel der Menschheit Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser besitzen. Zehn
    Jahre sind bisher vergangen, doch der UN-Experte versprüht kaum Optimismus, dass das Ziel
    innerhalb des Zeitlimits erreicht werden könnte. „Während die Versorgung in städtischen Slums
    PDF Article List Page 5 of 76
    http://localhost/eurasischesmagazin.de/ ... nk/pdf.asp 08.03.2010
    teilweise voranschreitet, ist das besonders in ländlichen Gebieten sehr schwierig. Für das Ziel
    wären viele zusätzliche Mittel für Investitionen notwendig. Erreicht werden muss letztlich jedoch
    die Vollversorgung", so Adeel.
    An mehreren Stellen des Planeten spitzt sich derzeit eine Wasserkrise zu. „Am stärksten betroffen
    sind große Teile des afrikanischen Kontinents, der mittlere Osten und Zentralasien. Vielerorts liegt
    hier die Verfügbarkeit von Wasser weit unter dem absolut nötigen Minimum, zudem auch die
    Qualität des Wassers. Das bedroht die Produktivität und häufig sogar das menschliche
    Überleben“, erklärt der VN-Experte. Es sei abzusehen, dass sich die Situation vor allem in diesen
    Regionen zukünftig weiter verschlimmern werde, falls keine nachhaltigen Gegenmaßnahmen in
    großem Stil eingeleitet werden.
    Für eine Besserung der Situation sollten die Industriestaaten diesen Ländern Finanzmittel,
    technische Ausrüstung und Know-how zur Verfügung stellen. Zudem sei es wichtig, dass sie
    selbst zu beispielhaften Modellen würden, wie man in Zeiten des Klimawandels mit den
    schwindenden Wasserreserven umgeht. „Auch in reichen Staaten des Nordens wie etwa in Kanada
    oder Westeuropa wird die Wasserversorgung immer schwieriger und die Qualität sinkt trotz des
    vermeintlichen Wasserreichtums. Was den Umgang mit dieser Problematik und deren Verständnis
    betrifft, sind viele Industrieländer noch Entwicklungsländer.“
    Die aktuelle Finanzkrise beinhalte laut Ansicht Adeels die Chance, die flächendeckende
    Wasserversorgung neu und effizienter zu gestalten. Das Thema Wasser müsse daher in
    internationalen Verträgen eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die Ernährungssicherheit,
    Klimawandel, globaler Frieden und Stabilität.
    Trinkwasserressourcen in Entwicklungsländern bedroht
    EM - Das Jahr 2008 war von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der
    Sanitärversorgung erklärt worden. Am Weltwassertag, 22. März, soll auf die untragbare Situation
    von 2,6 Milliarden Menschen weltweit aufmerksam gemacht werden, die unter
    menschenunwürdigen sanitären Bedingungen leben. Wie dramatisch die Situation ist, zeigen auch
    Untersuchungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). „Wir beobachten
    seit mehr als 40 Jahren die Grundwassersituation in den Entwicklungsländern. Dabei haben wir
    festgestellt, dass die fehlende sanitäre Infrastruktur in zunehmendem Maße zu einer massiven
    Verschmutzung von wertvollem Grundwasser durch versickernde Abwässer führt“, erklärt Dr.
    Thomas Himmelsbach, bei der BGR zuständig für Grundwasserschutz. Eine Situation, die umso
    dramatischer sei, da Grundwasser in den trockenen Regionen der Welt häufig die einzige
    Ressource zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser darstelle.
    Wird Grundwasser durch Fäkalien verunreinigt und dennoch als Trinkwasser genutzt, treten
    verstärkt Durchfallerkrankungen auf, die vor allem für Kinder oft tödlich enden. Jedes Jahr
    sterben 2,2 Millionen Menschen an den Folgen der sanitären Versorgungskrise. Insofern zeigen
    die Ergebnisse der BGR sehr deutlich, wie wichtig eine nachhaltige Sanitärversorgung für den
    Grundwasserschutz und damit auch für den Schutz der Trinkwasservorkommen sei.
    Mehr:
    http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Wasser ... _node.html
    http://www.bgr.bund.de/EN/symposium2008

    LG Joe
    sut Yahusha ilu samesa

  2. #2
    Gast

    Re: Globale Trinkwasserkrise

    Brüssel erwägt Auflagen für Wassernutzer
    Die Europäische Kommission nimmt sich den Wasserverbrauch vor: In einem internen Arbeitspapier ist die Rede davon, dass die EU eine Richtlinie erwägt, um die Wasserverschwendung in der Gemeinschaft einzudämmen.
    weiter hier: http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A3 ... ntent.html

    LG

  3. #3
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    Re: Globale Trinkwasserkrise

    Und was heisst das durch die Blumen, dass das Wasser, eigentlich eigemeine Gut, wird teuer , wahrscheinlich durch neue Steuer...
    Überlege mal, wir bezahlen schon Regenwasser Gebühren Abwasser Gebühren, für jede Tropchen Wasser bezahlen wir schon zwei mal
    Luft wagen sich nicht zu versteuern, dann eben Wasser so weit wie es geht

    Große Geister
    sind immer auf den
    erbitterten Widerstand
    Mittelmäßiger gestoßen.

    - Albert Einstein –


    http://stores.ebay.de/steinreiki

  4. #4
    Moderator Avatar von Joe
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    Re: Globale Trinkwasserkrise

    Das ist echt paradox AreWe,
    wenn ich den Artikel lese, dann frag ich mich warum es bei den Menschen nicht klick macht.
    Die Wasseraufbereiter (ist ja auch nicht mehr nur in öffentlicher Hand, die ganzen Wassenentnahmestellen werden privatisiert) erhöhen die Preise fürs Abwasser, weil die Kanalisation für bestimmte Mengen Wasser mal gebaut wurde und diese Menge nicht erreicht wird,dank unserer Sparmaßnahmen in den Haushalten und dann sagen sie das die Reinigung teurer wird.
    Und wir sollen noch mehr Wasser sparen.Was für ein Quatsch.Die interessiert unsere Verknappung ein Sch.. Dreck.Die wollen nur Kohle machen und machen uns wieder mal ein schlechtes Gewissen als wenn wir die Verursacher wären.Die en sind da ja wohl eher in der kommunalen Wasserversorgung und dereren Planung zu suchen,oder irre ich da?
    Das die ganzen Quellen privatisiert werden stößt bei mir auch sauer auf.Da wittere ich schon wieder ne krumme Sache.

    LG Joe
    sut Yahusha ilu samesa

  5. #5
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    Re: Globale Trinkwasserkrise

    Hallo zusammen,

    ja da gab es eine neuere EU-Norm für den Bau von Kläranlagen und Diese ist seit 2005 gültig.
    Darum wurden in den Jahren davor irre viele neue Kläranlagen gebaut und auch saniert.
    Auch wurden viele Kläranlagen an die USA verkauft, ob an das Land oder private Gesellschaften, das kann ich nicht
    konkret sagen.
    Viele Grundstücke -ob Kläranlagen, U-Bahnnetzte oder auch Festspielhäuser wurden an die USA verkauft
    und nun werden Diese von uns gepachtet.
    Somit konnte die Gesellschaften hier einmal den Verkaufswert sich einstecken, durch die hohen Bauausgaben viel
    absetzen und die Pachtgebühr kann nun auch immer abgesetzt werden.
    -Nun gehört uns vieles gar nicht mehr und die USA -oder so- kann darüber verfügen und bestimmen.
    Das finde ich nicht wirklich gut, aber da werden schon die entsprechenden Leute dahinter stecken.

    Gruß, Marion

  6. #6
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    Re: Globale Trinkwasserkrise

    hier in österreich wird auch luft versteuert
    zwar nicht für jedermann - aber als geschäftstreibender muss man sich mit dieser luftsteuer doch auseinandersetzen - seis wegen der reklametafel die 2 cm breit an der hausmauerhängt - bis hin zum zigarettenautomat der einige cm vorsteht - und nicht zu vergessen diverse gastgärten

    siehe hier http://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchsabgabe

    lg sindarella
    Weil die Klügeren immer nachgeben, regieren die Deppen die Welt!
    http://sindarella.meinblog.at

  7. #7
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    Re: Globale Trinkwasserkrise

    Forscher warnen

    Prognosen deuten auf baldige Verschärfung der globalen Wasserkrise hin



    Forscher prognostizieren, dassin vielen Regionen der Erde innerhalb einer Generation die Nachfrage nach Wasser um 40 Prozent höher sein wird als das Angebot. - Foto: REUTERS/Akhtar Soomro

    2020 hat jeder Dritte weniger als die Hälfte des benötigten Wassers

    Ottawa - Die Umwälzungen im globalen Wasserhaushalt wird in nicht allzuferner Zukunft Auswirkungen auf jede Gesellschaft und jedes Ökosystem der Erde haben. Davor warnen Wissenschafter bei der Konferenz des "Canadian Water Network international". Ihre aktuellen Prognosen deuten auf eine baldige und deutliche Verschärfung der Wasserkrise. Diese geht vor allem auf die steigende Nachfrage nach Wasser in der Landwirtschaft und Energieproduktion sowie auf den Klimawandel zurück.

    Innerhalb einer Generation wird in vielen Regionen die Nachfrage nach Wasser um 40 Prozent höher sein als das Angebot, so die Schätzung der Forscher. Dadurch wird weltweit jeder dritte Mensch nur halb so viel Wasser bekommen wird wie er zur Deckung der Grundbedürfnisse braucht.

    Fünf "Jahrhundertkatastrophen" pro Jahrhundert

    Gleichzeitig mit der Knappheit steht jedoch auch die Zunahme von Flutkatastrophen bevor. In Risikogebieten werden bislang als "Jahrhundertereignisse" eingestufte Hochwasser wie zuletzt in Pakistan und Australien alle 20 Jahre stattfinden. "An manchen Orten wird es zuviel Wasser geben, an anderen zu wenig, ohne dass wir genau vorhersagen können, wo", fasst UN-Water-Vorsitzender Zafar Adeel zusammen.

    Mit der Not um das Wasser steigt die Bedeutung der Wassertechnologien und -dienstleistungen. Derzeit wird der Markt weltweit auf 400 Milliarden Dollar geschätzt, 2020 soll er jedoch bereits eine Billion Dollar jährlich betragen. Das ist ein Viertel der globale Bauindustrie, die aktuell bei 4,5 Bllionen Dollar rangiert. Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Es geht ums Aufspüren von Wasservorkommen, um Wassermanagment, Filterung, Desinfektion, Entsalzung, Verbesserung der Infrastruktur und Verteilung, Linderung von Flutschäden sowie um Verbrauchseinsparung in Haushalten, Industrie und Landwirtschaft.

    "Die wichtigsten Technologien zur Bewältigung des Wasserproblems existieren bereits. Dringender als deren weitere Entwicklung brauchen wir daher politischen Willen für ihre Umsetzung, denn selbst internationale Abkommen sind ohne Handlungen auf lokaler Ebene zahnlos", erklärt CWN-Wasserexpertin Margaret Catley-Carlson im pressetext-Interview.

    6.000 Liter Wasser für eine Jeanshose

    Einen Umdenkprozess der Verbraucher erwarten die Forscher durch die Propagierung des "virtuellen Wassers", welches den Wasserverbrauch im gesamten Produktkreislauf einer Ware anzeigt. Während dieser Wert bei einem Desktop-PC 1.500 Liter beträgt, ist es für eine Jeanshose 6.000 Liter, für ein Kilo Weizen 1.000 Liter, ein Kilo Hühnerfleisch 3.000 Liter und für ein Kilo Rindfleisch sogar über 15.000 Liter. Der Welthandel an "virtuellem Wasser" überschreitet schon heute 800 Mrd. Tonnen Wasser pro Jahr, was der zehnfachen Menge des Nils entspricht.

    "Das virtuelle Wasser zeigt, wie notwendig gutes Wassermanagement ist und gibt dem Konsument Möglichkeit, durch die Wahl im Supermarkt Wasser zu sparen. Die Bewohner der Industrieländer Europas und Nordamerikas würden auf andere Weise kaum erkennen, in welcher Form Wasser alle Lebensbereiche betrifft", so CWN-Direktorin Bernadette Conant gegenüber pressetext. Es sei deshalb sinnvoll, den virtuellen Wasserbedarf auf der Produktinformation zu zeigen. (red/pte)

    Quelle :

    http://derstandard.at/1297819229780/Forscher-warnen-Prognosen-deuten-auf-baldige-Verschaerfung-der-globalen-Wasserkrise-hin

  8. #8
    Erfahrener Benutzer Avatar von m.A.o
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    Re: Globale Trinkwasserkrise

    China geht das Wasser aus
    Schuld daran ist nicht nur die Industrie, die Abwässer ungeklärt in Trinkwasserreservoire ablässt, oder der Mangel an Klärwerken. Klimawandel und das rasante Bevölkerungswachstum sorgen für zunehmenden Wassermangel: Schmelzwasserzuflüsse versiegen, Flüsse trocknen im Sommer aus und der Grundwasserspiegel sinkt rapide.

    Mit gemeinsamen Projekten versuchen chinesische und deutsche Forscher einer befürchteten Katastrophe zu begegnen. Wissenschaft im Brennpunkt berichtet über Konzepte und Erfolgsaussichten.


    wenn ich daran denke, wie wir (damit meine ich die hochtechnisierten nationen) mit den resourcen umgehen, komme ich schon arg ins grübeln, ob nicht diese eingriffe (siehe unten) auch für die vielen katastrophen weltweit verantwortlich sind.

    Zitat Zitat von dradio.de
    10.07.2011
    China geht das Wasser aus
    Manuskript zur Sendung
    Von Michael Stang


    China schreitet mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran. Wachstumszahlen von Wirtschaft und Bevölkerung überschlagen sich und Megastädte schießen zuhauf aus dem Boden. Doch bei alle dem Glanz kämpft China zunehmend mit einem Versorgungsproblem. Denn dem "Reich der Mitte" geht das Wasser aus.

    Bernd Wünnemann: "Grundsätzlich geht es darum, dass die Wasserverfügbarkeit ja für China ein zunehmend ernsteres Problem wird: in Anbetracht der wachsenden Bevölkerung und auch in Anbetracht der Verringerung der Niederschläge in den Trockenräumen und auch in Anbetracht der nach wie vor schrumpfenden Wasserreserven aus den Gletschern."

    China geht das Wasser aus. Und immer mehr Wasser wird für immer mehr Menschen benötigt.

    Hartwig Steusloff: "Es brennt lichterloh, bis hin zu einem Artikel in 'China Daily', das ist die regierungsamtliche, englische Ausländerzeitung, und da stand drin: Wenn Peking nicht innerhalb der nächsten Dekade sein Wasserproblem löst, dann wird die Hauptstadt verlegt!"

    Die vielfältigen Wasserprobleme betreffen aber nicht nur Peking, Shanghai und die anderen Megacities, sondern nahezu das ganze Land mit seinen heute 1,3 Milliarden Einwohnern.

    Wünnemann: "Das hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre eigentlich kontinuierlich verschlechtert, das heißt, es ist ein natürlicher Prozess, der jetzt gar nicht unbedingt mit dem Anstieg der Bevölkerungszahl parallel läuft, sondern der zunehmende Bedarf der Bevölkerung an Trinkwasser ist gewissermaßen noch ein Prozess, der das Ganze noch toppt."

    "Bernd Wünnemann, ich bin Geograph und betreibe Forschung im Bereich der Klimaentwicklung, vor allen Dingen in asiatischen Räumen."

    Eigentlich sei er ja nur ein einfacher Wissenschaftler an der Freien Universität Berlin. Doch seit 2008 gilt seine Schaffenskraft fast ausschließlich China. Der Professor für Physische Geographie arbeitet im Rahmen einer Langzeitdozentur an der Nanjing Universität. Dort verstärkt er einerseits als ausländischer Experte die Ausbildung der Studierenden. Auf der anderen Seite erforscht er den Klimawandel vor Ort, mit dem China zunehmend zu kämpfen hat. Und Klimawandel bedeutet dort fast immer: weniger Trinkwasser.

    "Das ist ein grundsätzliches Problem, was nicht grundsätzlich heißt, dass nicht Wasser da wäre. Das verfügbare Wasser sollte eigentlich in China effektiver und vernünftiger genutzt werden, vor allen Dingen in solchen sensitiven Räumen, wo das Wasser sehr knapp ist."

    Vor allem im Norden trocknen Flüsse aus, viele Seen verlieren immer mehr Wasser und im Himalaja schmelzen die Gletscher immer schneller. Dort sind die Eismassen in den vergangenen drei Jahrzehnten um mehr als 130 Quadratkilometer zurückgegangen. Wünnemann:

    "Das sind Probleme, die auf jeden Fall die sensitiven Räume in China betreffen, vor allem die Trockenräume, das heißt also, die Gobi-Wüste gehört dazu, aber auch natürlich Räume auf dem Tibet-Plateau und das Tibet-Plateau ist einer der wichtigsten Quellgebiete für die großen Flüsse Asiens und wenn dort eben halt weniger Wasser zur Verfügung steht, was vor allem eben aus den Gletschern kommt, dann hat das langfristig Auswirkung auf die Verfügbarkeit auch in den sehr bevölkerungsintensiven Räumen Chinas."

    Versiegen die Schmelzwasserzuflüsse, wäre die Versorgung von mehr als 100 Millionen Menschen gefährdet. Wasserreservoirs fangen zunehmenden Schmelzwasserflüsse auf.

    "Wenn man diese Trockenräume, also beispielsweise die Gobi-Wüste und den Nordrand des Tibet-Plateaus, betrachtet, dann wird dort das Wasser gespeichert in großen Reservoirs seit Beginn der 1970er-Jahre, um das Wasser ganzjährig zur Verfügung zu halten. Das bedeutet aber auch, dass große Mengen des Wassers nicht mehr in die eigentlichen Trockenräume hineinkommen, sondern vorher eben halt gespeichert werden."

    Weil das Wasser gestaut und vor allem für die Gegend entlang des Gansu-Korridors genutzt wird, einer sich stark entwickelnden Region von Zentralchina bis in den Nordwesten des Landes, fehlt das Wasser in den anderen besiedelten Oasenräumen dieses Trockenraumes. Bernd Wünnemann hat ein paar Sachen gepackt. Er will zum Taihu-See fahren und Kollegen an der dortigen Forschungsstation besuchen. Zweieinhalb Stunden später streckt sich der deutsche Forscher nach der Busfahrt erst einmal. Er hat sich mit Boqiang Qin verabredet, der hier die Forschungsstation am "großen See" leitet. Der Taihu ist mit 2250 Quadratkilometern der drittgrößte Süßwassersee Chinas. Auf ihm gibt es 48 Inseln, eingerahmt wird er von mehr als 70 Bergen. Er liegt im Jangtsekiang-Delta nahe der Stadt Wuxi.

    "This is the experimental area of our station."

    Boqiang Qin hält die Hand vor die Augen, um vom Steg aus auf den See blicken zu können.

    "In this area we conduct some experiments about the nutrification control."

    Regelmäßige Wasserproben ziehen, das sei die Hauptaufgabe seiner Mitarbeiter, erklärt der Direktor der Taihu-Forschungsstation. Es sei schon ein schöner Arbeitsplatz, so mitten in der Natur.

    "Man kann hier schwimmen, aber ich würde das nicht empfehlen. Vor allem im Sommer haben wir hier große Probleme mit der Algenblüte. Dann können einem die Blaualgen gefährlich werden, da sie Stoffe produzieren, die die Leber angreifen können."

    Zehn Techniker und einige Forscher überprüfen hier regelmäßig die Wasserqualität. Boqiang Qin zeigt auf ein Boot.

    "Unsere Mitarbeiter da vorne holen gerade Sedimentproben vom Boden des Sees. Auf diese Weise messen wir die Konzentration von Stickstoff und Phosphor im Wasser. Wir fangen auch Fische, etwa Karpfen und schauen, ob und wie ihnen das belastete Wasser zusetzt. Wir wollen aber nicht nur die Algen reduzieren, um die Wasserqualität zu verbessern, wir müssen auch die großen Pflanzen an der Wasseroberfläche loswerden, die kaum Licht durchlassen."

    Proben werden aber nicht nur in Ufernähe gezogen. Qin:

    "Jeden Monat fahren wir weit raus und nehmen Wasserproben. Der Taihu ist riesig, es dauert immer zwei Tage, bis wir alle 32 Stellen im Seen abgearbeitet haben."

    Bis in die frühen 1980er-Jahre sei das Wasser in Ordnung gewesen, erinnert sich der Professor. Erst mit Chinas wachsender Wirtschaft habe die Wasserqualität zunehmend abgenommen.

    "Vor fünf Jahren ist der See dann praktisch umgekippt. Wir haben danach viele Wasserpflanzen gesetzt, die allmählich das Wasser wieder reinigen sollen. Das Problem ist, dass dieser See eigentlich das Trinkwasserreservoir für Wuxi ist. Und das ist natürlich nicht gut, wenn das Wasser hier so verschmutzt ist."

    Der Taihu war bis zu dieser Umweltkatastrophe die einzige Trinkwasserquelle für Wuxi. 4,5 Millionen Menschen waren betroffen. Während der Forschungsleiter über Einzelheiten berichtet, tritt Hucai Zhang hinzu, Professor am Institut für Geographie und Limnologie der Nanjing Universität. Die Regional-Regierung habe aber schnell reagiert und die Bevölkerung sofort mit Trinkwasser aus Flaschen versorgt. Dass der See so stark verunreinigt sei, dafür gebe es mehrere Gründe.

    "Viele Fabriken haben das Wasser aus dem Taihu für ihre Produktion benutzt und es wieder ungeklärt zurückfließen lassen. Wissen Sie, hier sind die Fabriken in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen und die Regierung kam mit den Kontrollen kaum hinterher. Mittlerweile wurden aber viele der kleinen Fabriken wieder geschlossen. Der zweite Wasserverschmutzer ist die Landwirtschaft. Viele Düngemittel gelangen in den See. Hinzukommen schließlich noch die Haushalte, die ihre Abwässer auch in den See fließen lassen. Also, der ganze See ist voll mit Schmutzstoffen."

    Das sei wohl der Preis, den das Land für seine Industrialisierung habe zahlen müssen, sagt Hucai Zhang noch hinterher. Die Leute hier wüssten zwar, dass sich die Situation für jeden Einzelnen nur über eine florierende Wirtschaft verbessern könne. Aber den wenigsten sei bewusst, dass sie sich keinen Gefallen tun, wenn sie ungehemmt ihre Abwässer weiter in den See leiten. Zhang:

    "Wir denken aber, dass den Menschen hier mit zunehmendem Wohlstand auch die Umwelt wichtiger werden wird. Dann realisieren sie hoffentlich, dass eine saubere Umwelt wichtig ist. Dann werden sie auch bereit sein, etwas für sauberes Wasser zu tun. In dieser Hinsicht bin ich optimistisch. Wenn dann auch noch die Regierung unsere Forschung weiter unterstützt, dürften wir auf einem guten Weg sein. Das sieht alles sehr viel versprechend aus."

    Den Optimismus seines Kollegen kann Boqiang Qin nicht teilen. Zwar haben er und seine Mitarbeiter den Behörden in Wuxi Vorschläge gemacht, wie das Wasser wieder eine bessere Qualität erreichen kann, diese haben jedoch erst einmal einen anderen Weg eingeschlagen. Qin:

    "Die Stadt Wuxi will das Trinkwasser für die Bevölkerung zukünftig vom Jangtse-Fluss abzweigen. Die Qualität ist nicht viel besser als die vom Taihu-See, ein bisschen besser vielleicht."

    Die langfristigen Folgen für Natur und Umwelt seien nicht absehbar. Experten vermuten, dass das verschmutzte Wasser weitaus mehr Schaden anrichten könnte als bislang angenommen. Qin:

    "Ich habe gehört, dass Regierungsangehörige davon sprachen, dass es hier in der Gegend viele Fälle von Leberkrebs gegeben hat, vor allem in Wuxi. Es kann natürlich sein, dass das mit der Wasserverschmutzung zusammenhängt, eindeutige Beweise dafür haben wir aber nicht."

    Einen Funken Hoffnung gebe es aber. Die Wasserqualität sei seit einigen Jahren stabil, verschlechtere sich also nicht mehr. Grund genug daran zu glauben, dass sich der Taihu in absehbarer Zeit wieder erholt? Qin:

    "Ja, vielleicht, möglicherweise. Ich hoffe es zumindest."

    China plant den Bau der größten Stadt der Welt und sprengt damit alle bisherigen Dimensionen. Für den Bau der noch namenlosen Megacity, in der 42 Millionen Menschen wohnen sollen, sind 221 Milliarden Euro veranschlagt. Die Stadt soll durch die Zusammenlegung von neun Gemeinden in nur sechs Jahren Bauzeit im Pearl River Delta im Südosten des Landes entstehen. Zusammen soll die Megacity eine Fläche von 41.000 Quadratkilometern haben und wäre damit fast so groß wie die Schweiz.

    Die Dimensionen des chinesischen Wasserproblems hat anfangs auch Hartwig Steusloff überrascht. Der Ingenieur vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung in Karlsruhe war 2004 zusammen mit einem Team der Wasserbehörde Pekings beauftrag worden, in einem kurzfristigen Projekt die Trinkwasserversorgung der chinesischen Hauptstadt langfristig sicherzustellen.

    "Aus Sicht der Beijing Water Authority war das Ziel, ein Entscheidungs-Unterstützungssystem, das heißt, es sollte eine Grundlage geschaffen werden, um langfristige, mittelfristige und auch dann später kurzfristige Entscheidungen über die Verwendung und den Einsatz der Wasserressourcen, die Verfügbarkeit der Wasserressourcen, die Verteilung, die Nutzung der Wasserressourcen zu schaffen."

    In Peking leben heute rund 15 Millionen Einwohner, mit einer jährlichen Wachstumsrate von knapp einer Million. Die politischen Entscheidungsträger hatten erkannt, dass die Stadt auf ein, wie es in der Ingenieurssprache heißt, Wasserverfügbarkeitsproblem zuläuft. Durch die wirtschaftliche Entwicklung und die Zunahme der Bevölkerung war der Wasserbedarf in den Jahren zuvor kontinuierlich gestiegen. Ziel des so genannten "Management- und Entscheidungs-Unterstützungssystem" sei eine optimierte Verwaltung und Steuerung der Wasserressourcen gewesen; für eine Fläche, die 6300 Quadratkilometer umfasst, mehr als das Doppelte der Fläche Luxemburgs. Für die Modellierung des Grund- und Oberflächenwassers lagen anfangs kaum Daten vor, die sie für die Erstellung eines solchen gewaltigen Projekts benötigten, da es etwa eine Erfassung des Verbrauchs über Wasserzähler zumindest in den Haushalten nicht gab. Daher mussten die Forscher Vergleichsdaten schätzen, um fehlende Daten zu ersetzen. Mit der Zeit bekam das Modell Konturen. Steusloff:

    "Wir haben den Grundwasserleiter dreidimensional modelliert, so dass wir das Verhalten des Grundwasserleiters abbilden konnten, räumlich und zeitlich. Und daraus stammen dann letztlich auch die ganzen Erkenntnisse, wie sich das Grundwasser in Zukunft verhalten wird. Nachdem dieses Modell mal da ist, können wir sagen: Wenn wir so und so viel entnehmen an den und den Stellen, dann wird sich der Grundwasserspiegel so und so einstellen."

    In das Modell wurden sämtliche Daten über Wasserzuläufe und den Verbrauch eingespeist, um eine Wasserbilanz zu erhalten. Errechnet sind Frischwasser, Abwasser, Grundwasser, Regenwasser, Verdunstung und Abflüsse. Dabei fiel auf, dass die Niederschlagsmengen immer geringer wurden.

    "Die Oberflächenwasserressourcen reichen einfach nicht. Und Peking hat ja sieben Jahre Dürre, fast biblische sieben Jahre Dürre, hinter sich, wo von den 600 Millimetern pro Jahr, die notwendig wären um die Stadt zu versorgen, nur etwa 400 Millimeter tatsächlich runterkamen. So und jetzt ist also die Frage: Wie ersetzt man das?"

    Der geringe Niederschlag verschärfte die ohnehin schon kritische Wassersituation. Es war ihm schnell klar, dass Peking zukünftig sparsamer - oder überhaupt äusserst sparsam mit dem wertvollen Nass umgehen muss, sagt Michael Birkle, der für die Grundwassermodellierung und später auch für die Systemintegration vor Ort zuständig war. Lösungsvorschläge mussten her.

    "Das sind die Dinge, für die man letzten Endes diese Modelle auch benötigt. Wie wird sich das verändern, wenn der Wasserpreis sich erhöht? Wie stark wird der Verbrauch zurückgehen? Was wird geschehen, wenn man das Wasser kontingentiert? Das sind Dinge, die man in ihren Auswirkungen jetzt mit diesen Modellen betrachten kann und abwägen kann."

    Nachdem einmal klar war, wo rasch viel Wasser gespart werden könnte, sei seiner Beobachtung zufolge vor allem die Wiederverwendung des Abwassers in den Fokus gerückt, etwa zur Bewässerung städtischer Anlagen. Ob sich auch die Bevölkerung dieser Wasserknappheit bewusst sei, könne er nicht sagen.

    "Wie weit das in die Bevölkerung eingedrungen ist, weiß ich nicht. Und bis sich dieses Verhalten nennenswert ändert, das wird Zeit brauchen. Da wird die Regierung die Randbedingungen entsprechend setzen müssen, sei es über den Preis oder sei es über Verbote und man wird dort auch die Technik bereitstellen müssen, um wassersparender zu bewässern."

    2008 übergaben Hartwig Steusloff und Michael Birkle in Peking ihr System der Wasserbehörde und integrierten es vor Ort. Die Arbeit von vier Jahren Forschung habe letztendlich auf eine DVD gepasst. Hartwig Steusloff hofft, dass sie mit ihrer Arbeit auch ein Bewusstsein dafür schaffen konnten, dass die Wasserbehörde eine Verantwortung hat: einmal für die Trinkwasserversorgung Pekings und für die Politik, um Informationen zu liefern, wie sie die Probleme angehen kann. Denn diese liegen bei weitem nicht nur in der Menge des zur Verfügung stehenden Wassers. Steusloff:

    "Peking hat drei große Oberflächenwasserreservoire und eines dieser Reservoire ist - das größte sogar - ist inzwischen nicht mehr brauchbar, weil das Sediment dermaßen mit Industriegiften verseucht ist, dass das Wasser nicht benutzbar ist, das heißt also in dieser Situation, wo absehbar das Grundwasser zu Ende ist, ist der größte Oberflächenwasserspeicher, den die Stadt hat, nicht benutzbar wegen Sedimenten und deren Verschmutzung und deren Giftigkeit."

    Verseuchte Sedimente könne man zwar entfernen, aber nicht bei dieser Größe: Der Speicher hat ein Fassungsvermögen von bis zu 4,2 Milliarden Kubikmeter Wasser. Ihn ausbaggern zu wollen sei daher illusorisch. Also muss Peking seinen Durst auf andere Weise stillen.Steusloff:

    "Eine der Möglichkeiten zu ersetzen ist der Süd-Nord-Wassertransport. Das ist ein Grund gewesen, warum dieses Projekt überhaupt in die Gänge kam: den trockenen Nordosten Chinas mit Wasser zu versorgen. Da haben die Mengen immer mal wieder variiert, von denen gesprochen wurde, aber ich sage es mal so: Die Chinesen sind dabei einen Fluss zu bauen der Größe des Rheins bei Basel. "

    Chinas Regierung zufolge wird von dem Süd-Nord-Wassertransferprojekt aber nicht nur Peking profitieren, sondern der gesamte Nordosten Chinas. Das Leitungsnetz soll Wasser aus dem Süden in die nordchinesische Ebene pumpen und dort auf einer Strecke von 1270 Kilometern insgesamt 20 Städte mit Wasser versorgen. Doch auch hier sollte es nicht nur nicht nur um die Quantität gehen, mahnt Steusloff.

    "Die Frage nach der Wasserqualität, das ist zurzeit im Nordosten wie in ganz China ein Riesenproblem. Der Süden hat genug Wasser, aber in einer Qualität, die für sehr viele Anwendungen nicht mehr verwendbar ist. Und das Wasser, was vom Jangtse nach Norden transportiert werden soll, ist offensichtlich zunächst mal mit genügend Qualität verfügbar, aber wie gesagt, was da im Norden ankommt, das wissen wir alle nicht. Und wenn wir die Wasserverfügbarkeit nicht mit der Wasserqualität koppeln, dann machen wir einen Riesenfehler."

    Vor fünf Jahren, im Mai 2006 wurde der Drei-Schluchten-Damm eingeweiht. Die Talsperre verfügt über das weltweit größte Wasserkraftwerk, ein Schiffshebewerk und einer Schleusenanlage im Jangtsekiang, dem mit 6380 Kilometern längsten Strom Chinas. Der Stausee erstreckt sich über mehr als 600 Kilometer. Das Großprojekt in der Volksrepublik soll neben der Energieerzeugung die Schifffahrt und den Hochwasserschutz verbessern. Gegner befürchten viele Nachteile für die Bevölkerung: Knapp zwei Millionen Menschen mussten umgesiedelt werden. Zudem drohen eine instabile Geologie und ökologische Folgen. Auch viele Tier- und Pflanzenarten sind durch das Projekt bedroht. Experten schätzen, dass mehr als 2800 Pflanzenarten, rund 330 Fischarten und viele Säugetiere durch den Bau ihres natürlichen Lebensraums beraubt und vom Aussterben bedroht sind.

    Wo die Flüsse weniger Wasser führen und es zunehmend weniger regnet, wird in China vermehrt Wasser aus dem Untergrund gepumpt. Eine bedenkliche Entwicklung, so der deutsche Geograph Bernd Wünnemann

    "Das Wasser, wie wir wissen inzwischen durch viele Untersuchungen, ist fossiles Wasser, ist also sehr alt, ungefähr 30.000 Jahre alt. Das wird also jetzt zunehmend mehr gepumpt, das heißt, man pumpt also gewissermaßen ein Grundwasserreservoir ab und nutzt damit eben halt das Wasser für die lokale Bewässerungslandwirtschaft."

    Prognosen zufolge sinkt der Grundwasserspiegel immer weiter, mancherorts im Schnitt 1,5 Meter pro Jahr. Wünnemann:

    "Wenn man das jetzt projiziert auf die nächsten Jahre oder Jahrzehnte, dann bedeutet das, dass zunehmend der Grundwasserspiegel weiterhin abgesenkt wird und irgendwann dieses Wasser einfach verbraucht ist und leider ist es so, dass dieses Wasser nicht erneuerbar ist, also was heute regnet, trägt nicht zur Grundwasserneubildung bei."

    Eines dieser trockenen Gebiete liegt im Nordwesten Chinas: Urumqi, Hauptstadt der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang. Dort reicht das Regenwasser ebenfalls nicht mehr aus, um die Stadt zu versorgen.

    "Wir haben dort Niederschläge, die so im Umkreis von Urumqi bei 250, 270 Millimeter liegen, das ist ungefähr die agronomische Trockengrenze. Das bedeutet: da kann man so gerade noch landwirtschaftliche Nutzung betreiben über Regenfeldbau. Das reicht aber nicht aus wegen der großen Trockenheit und insbesondere auch den hohen Temperaturen im Sommer, so dass man das Schmelzwasser absolut braucht. Sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Trinkwasserbedarf."

    Das Hochland verfügt über Kohle- und Ölvorkommen, dazu Erdgas und Salz. Das macht die Region wirtschaftlich interessant, sagt Olaf Bubenzer. Der Geograph von der Universität Heidelberg sieht Urumqi als eine Art Modellprojekt. Die Stadt, die er und seine Kollegen im Rahmen des Future Megacities Projekts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersuchen, erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung - und braucht sehr viel Wasser. Bubenzer:

    "Zurzeit wird eine Zahl von 4,2 Millionen angenommen, das heißt, das ist auch das BMBF-Projekt RECAST Urumqi, dass es darum geht eine schnell wachsende, zukünftige Megastadt - Megastädte werden so etwa definiert ab fünf Millionen Einwohner, diese werden in Zukunft sehr schnell erreicht werden, dass man die untersucht."

    Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um etwa zehn Prozent. Vor allem Zuwanderungen treiben die Einwohnerzahl in die Höhe. Aber nicht nur die Stadt hat es Olaf Bubenzer angetan. Urumqi liegt in einer Region, die weltweit mit am weitesten von allen Ozeanen entfernt liegt. Die umliegenden Gebirge ragen deutlich über 5000 Meter in die Höhe. Dadurch entsteht große Trockenheit.

    "Die große Fragestellung ist die nachhaltige Wasserversorgung der Stadt Urumqi sicherzustellen und auch Verständnis zu schaffen für die sehr wahrscheinlich zukünftige Entwicklung, die so aussieht, dass im Rahmen des Klimawandels die Gletscher mehr und mehr abschmelzen."

    In 30 Jahren werden die Flüsse rund ein Drittel weniger Wasser führen als heute. Deshalb richten die Heidelberger Forscher ihren Blick auf eine effiziente Wassernutzung. Am Anfang des Projekts RECAST Urumqi ging es vor allem darum, den Wasserkreislauf zu verstehen. Wie viel Wasser wird direkt aus den Schmelzwasserflüssen genommen, wie viel durch Grundwasserentnahme und wie und wozu wird das Wasser in der Stadt und im Umfeld genutzt? Antworten auf diese Fragen sucht auch die Heidelberger Geographin Katharina Fricke.

    "Ich beschäftige mich mit hydrologischen Modellierungen, also wie kann ich die Wasserressourcen, den Wasserverbrauch modellieren, sei es jetzt physikalisch oder konzeptionell und versuche mir eben die notwendigen Daten zu beschaffen, die ich für diese Modellierung brauche. Und da versuche ich auch viel über Fernerkundung herauszufinden, also über Fernerkundungsdaten, Satellitendaten, die mir Informationen über die Landnutzung, Landbedeckung, Vegetation, Schneebedeckung und solche weiteren Faktoren geben können."

    Das Einzugsgebiet, das Katharina Fricke untersucht, umfasst rund 1000 Quadratkilometer. Die Daten zum Wasserverbrauch durch Haushalte und Industrie bekommt sie von ihren chinesischen Partnern. In ihre Modelle fließen ebenso die Daten der Landwirtschaft: Ein wichtiger Aspekt sind auch die Untersuchungen des neuen Stadtgebiets Midong in Urumqi. Das geplante Industriegebiet entstand 2005. Dadurch mussten einstige landwirtschaftlich genutzte Flächen der Stadt weichen und wurden in Richtung Wüste verlegt, was den Wasserbedarf von Stadt und Umland erheblich vergrößerte. Das Schmelzwasser der Gletscher allein reicht schon lange nicht mehr aus. Fricke:

    "Das Grundwasser ist fast 50 Prozent genutzt, um den Wasserbedarf der Gesamtstadt zu decken. Das Grundwasser wird vor allem dann benutzt, wenn man den Bedarf von Haushalten und Industrie decken will, weil diese Verwendungszwecke eine höhere Wasserqualität brauchen als jetzt die Landwirtschaft zum Beispiel. Deswegen kann man sehen, dass vor allem in der Industrie und den Haushalten Grundwasser verwendet wird."

    Die Stadt wächst und der Wasserverbrauch steigt. Auf lange Sicht kann Urumqi nur überleben, wenn verbrauchtes Wasser effizient genutzt und anschließend wieder aufbereitet wird. Mögliche Pläne der Regierung zum Wassersparen sind das eine, sagt Katharina Fricke, wichtig sei jedoch ebenso auch, dass in den Haushalten Wasser gespart werden muss. Eine Umfrage zusammen mit ihren Kollegen bei der Bevölkerung in Urumqi habe deutlich gezeigt, dass bis heute Wasser verschwendet wird.

    "Was aus der Haushaltsumfrage in Bezug auf Wasser zu sehen war ist, dass ihnen die Qualität des Wassers wichtig ist oder dass ihnen auch Wasserschutz und die Reinhaltung des Wassers wichtig ist. Was ich denke was aber schwierig ist im Haushalt irgendwie ein Aktionismus oder irgendwelches verändertes Verhalten davon zu erwarten, denn das Wasser ist einfach viel zu billig, das heißt, sie haben selber keinen Anreiz das Wasser, das sie im Haushalt verbrauchen, einzusparen."

    Alle fünf Jahre plant die Kommunistische Partei Chinas eine neue Revolution - eine wirtschaftliche. Im März dieses Jahres gab Peking die neue Richtung der Volksrepublik bis 2015 vor. Der 12. Fünfjahresplan soll eine Art Vorbote zur grünen Revolution werden. Experten zufolge hat die Regierung Pekings erkannt, dass das Land unter Fluten und Wassermangel leidet, die mit der Umweltverschmutzung und dem Klimawandel zusammenhängen. Daher sollen zukünftig die Energieversorgung breiter aufgestellt und saubere Technologien gefördert und noch in diesem Jahr der Anteil der vier wichtigsten Luft- und Wasserverschmutzungsstoffe um 1,5 Prozent reduziert werden. Wie groß die Effekte sind hinsichtlich der rasant wachsenden Megacities, des gigantischen Energiebedarfs des Landes und der immer schwieriger werdenden Wasserver- und entsorgung, das bleibt abzuwarten

    China schreitet weiter voran. Gigantische Projekte wie Staudämme, neue Megacities von nie da gewesenen Dimensionen und eine stetig wachsende Wirtschaft beeindrucken auf den ersten Blick. Zwar hat die Regierung einzelne Kommunen dazu angehalten, ihr Wirtschaftswachstum in gemäßigtem Rahmen zu betreiben, damit der Energie- und Wasserbedarf vielleicht über nachhaltige Ressourcen gestillt werden kann. Jedoch reichen diese Pläne in den Augen vieler Skeptiker nicht aus, um die Probleme mit dem Klimawandel, dem Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Wasserverschmutzung in den Griff zu bekommen. Langfristige Lösungen scheinen daher auch mit dem neuen Fünf-Jahresplan noch nicht gefunden zu sein. Hartwig Steusloff:

    "Also, der Kontext des Fünf-Jahresplans schimmert natürlich überall durch, aber das Problem als solches ist nicht an den Fünf-Jahresplan gekoppelt, sondern da ist ganz klar: Es muss so schnell wie möglich was passieren."

    Pläne, Wasser von einer Region in die andere zu leiten, bedeuteten auch immer, dass einer Region das Wasser abgegraben wird. Skeptiker prognostizieren, dass sich Chinas Wasserproblem in Zukunft noch weiter verschärfen werden. Ein Ende ist nicht abzusehen.

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/1500370/
    um apollo 11 auf den mond zu bekommen, war eine rechnerleistung von DREI commodore 64 notwendig...
    um heute einen ticket zu lösen, ist EIN pentium-prozessor nicht ausreichend.


  9. #9
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    Re: Globale Trinkwasserkrise

    und ich muss noch eins drauflegen....

    Zitat Zitat von dradio.de
    03.07.2011 · 11:50 Uhr
    Explosives Trinkwasser
    Nicht alles, was der Umwelt dient, ist auch ungefährlich
    Von Udo Pollmer

    Unlängst warnte "Der Spiegel": "Gasbohrungen machen Trinkwasser explosiv". Müssen wir etwa damit rechnen, dass uns demnächst nicht die Gasleitung, sondern der Duschkopf um die Ohren fliegt?

    Ernüchternd" seien die Ergebnisse, meldete kürzlich der Spiegel. Neue Bohrtechniken, um Erdgas zu fördern, würden unser Trinkwasser verseuchen. Diese Bohrtechniken, Fracking genannt, erlauben es, Methan aus dem bisher kaum genutzten Tonschiefer zu fördern. Überall auf der Welt lagern darin gigantische Mengen, die allerdings in kleinen Gasblasen verteilt sind und deshalb bisher nicht wirtschaftlich gefördert werden konnten. Methan gilt als umweltfreundliche Energiequelle.

    Um dieses Erdgas zu gewinnen, wird das Gestein angebohrt und dann in der Tiefe unter hohem Druck mit Wasser aufgebrochen. Durch die Risse im Fels diffundiert das Gas in die Bohrung. Um den Prozess zu optimieren, werden dem Wasser spezielle Chemiecocktails zugesetzt - wie Rostschutzmittel für die Pumpen oder auch feiner Sand, damit sich die Risse im Fels nicht mehr schließen können, wenn der Druck wieder nachlässt. Hier wird gerne Sand verwendet, der von Natur aus radioaktiv ist, so kann man seine Verteilung im Fels leichter messen. Da ist es nur verständlich, dass viele Menschen verstört reagieren. Verschiedentlich wurden in Deutschland bereits Bürgerinitiativen gegründet.

    Wenn wir diesen Prozess einmal unabhängig von Fragen der Energieversorgung betrachten, ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel des Menschen betroffen: Unser Trinkwasser. Beim Fracking werden die Chemikalien direkt in den Untergrund verpresst, wo ein erheblicher Teil verbleiben wird. Der Öffentlichkeit gegenüber nennen die Energiekonzerne möglichst nur Substanzen, die wir aus der Küche kennen, wie Zitronensäure oder Kochsalz. Oder Zusätze aus Kosmetika und Putzmitteln, wie Isopropanol zum Fensterreinigen oder Petroleumdestillate in Make-up-Entfernern und Grillanzündern.

    Nun ist der Untergrund kein schadstofffreier Ort, der nun verunreinigt wird - viele Gifte wie Schwer-metalle, Radionuklide, giftige Salze werden aus der Tiefe gefördert. Die Welt zu unseren Füßen ist vielschichtig und voller Überraschungen. Da gibt es Schichten mit Wasser, das sich für den Menschen als Trinkwasser eignet, andere, die Öl oder Kohle enthalten. Wieder andere liefern uns seltene Erden, mit denen wir Windkraftturbinen bauen. Bei deren Förderung wird die Umwelt massiv verschmutzt. Was jeweils die bessere Lösung ist, erfordert von Fall zu Fall eine sorgfältige Güterabwägung.

    In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland ist es zwingend erforderlich, dass man weiß, welche Substanzen beim Fracking verwendet werden. Bei Pestiziden prüft man ja auch, ob sie vom Acker bis ins Grundwasser gelangen können. Doch bei der Förderung von Erdgas sind die fraglichen Stoffe in vielen Fällen nicht einmal den Behörden bekannt. Das schürt zwangsläufig das Misstrauen - auch dann, wenn die Stoffe weit unterhalb der Trinkwasser führenden Schichten eingesetzt werden.

    Das eigentliche Problem ist ja weniger eine Verunreinigung der Tiefe sondern die Verschmutzungen an der Oberfläche: zum Beispiel durch gebrauchte Bohrflüssigkeit. Die Datenlage ist erschreckend dürftig. Der einzige Hinweis kommt von der amerikanischen Umweltbehörde EPA. Die fand prompt im Wasser erhöhte Gehalte von Stoffen, die vom Fracking stammen könnten. Doch wo die wirklich herkommen, vermag auch die Behörde nicht zu sagen. Wir dürfen auf Überraschungen gefasst sein.

    Eine solche bewegt gerade die Fachwelt: Eine aktuelle Studie ergab, dass beim Fracking deutlich mehr Methan ins Trinkwasser gelangt als sonst. Methan ist ungiftig, man kann das Wasser trinken. Leider ist es in höherer Konzentration explosiv. Wenn es in die Wasserversorgung eindringt, dann könnte das ganze Haus in die Luft fliegen. Dies ist in den USA tatsächlich schon passiert. Mahlzeit!

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1495237/
    Literatur:

    - Spiegel-online: Gasbohrungen machen Trinkwasser explosiv. 10. 5. 2011

    - Osborne SG et al: Methane contamination of drinking water assompanying gas-well drilling and hy-draulic fracturing. PNAS 2011; 108: 8172-8176

    - EPA: Hydraulic fracturing research study. EPA/600/F-10/002, Juni 2010

    - Ohio Department of Natural Resources: Report on the investigation of natural gas invasion of aquifers in Bainbridge Township of Geauga County, Ohio. Sept. 2008

    - Fischetti M: The drillers are coming. Scientific American 2010; July: 82-85

    - Rahm D: Regulating hydraulic fracturing in shale gas plays: The case of Texas. Energy Policy 2011; 39: 2974-2981
    lg mike
    um apollo 11 auf den mond zu bekommen, war eine rechnerleistung von DREI commodore 64 notwendig...
    um heute einen ticket zu lösen, ist EIN pentium-prozessor nicht ausreichend.


  10. #10
    Gast

    Der Griff nach der Wasserweltmacht

    Der Griff nach der Wasserweltmacht

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    Michael Vogt im Gespräch mit Filmemacher Herdolor Lorenz über den Würgegriff der Wassergiganten und die Gefahren der Privatisierung des lebenswichtigen Naß’.

    Die Wasserversorgung ist weltweit noch zu mehr als 80% in öffentlicher Hand. Doch überall, wo finanziell klamme Kommunen nach Entlastung suchen, klopfen die weltgrößten Wasserkonzerne Veolia und Suez an die Tür. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat allein Veolia es geschafft, nach eigenen Angaben in 450 deutschen Städten die Wasserversorgung zu übernehmen oder an ihr beteiligt zu werden. Mittlerweile ist der französische Konzern incl. seiner Beteiligungen im Trink- und Abwasserbereich etwa gleichauf mit Gelsenwasser der größte Versorger in Deutschland. Ähnliche Expansionserfolge sind in Polen, den Baltischen Republiken, Lettland, Estland, Litauen, der Tschechische Republik, der Slowakei, Rumänien, Italien, Spanien, den USA und nun auch in China zu verzeichnen, wo Veolia laufend die Unterschrift neuer Verträge verkündet.

    Wenn in Kalifornien Wasserknappheit droht, empfängt Schwarzenegger Veolias Vorstandsvorsitzender Henri Proglio. Derselbe ist auch für Chinas Präsident die erste Adresse, wenn das aufstrebende Land ein 100 Mrd.-$-Programm zur Erneuerung der Abwasserversorgung auflegt. Bereits in mindestens 69 Ländern auf allen fünf Kontinenten sind Veolia und Suez präsent - ist das der unaufhaltsame Aufstieg zweier Wassergiganten zur weltweiten Hegemonialmacht einer privatisierten Wasserversorgung? Und ist das vor allem das Ende eines freien Gutes, das für Mensch und Tier und Natur überlebensnotwendig ist?

    Veolia und Suez – Namen, die man sich merken muß, denn dahinter verbirgt sich der Griff nach der Wasserweltmacht, die mit durchaus harten Bandagen angestrebt wird. Da gibt es z. B. das sog. «Eintrittsgeld», das die Compagnie Générale des Eaux (heute Veo-lia) bei Abschluß des Konzessionsvertrags z. B. mit der Stadt Toulouse gezahlt hatte. Diese 437,5 Millionen FF feierte der damalige Bürgermeister Dominique Baudis als den großen Extraerlös des Deals mit Veolia. Damit konnte die Stadt Haushaltslöcher stopfen, den Bau einiger öffentlicher Einrichtungen unterstützen und die lokalen Steuern senken. Doch in einem geheimen Passus des Konzessionsvertrags wird der Pferdefuß deutlich. Der Vertrag sieht erhöhte Wasserpreise zur Finanzierung des Eintrittsgeldes vor. Nicht Veolia, sondern die Toulouser Wasserkunden bezahlen das Eintrittsgeld. So erhält Veolia bis zum Ende der Vertragslaufzeit in 2020 sogar mehr als das Dreifache dessen, was der Konzern einst angeblich als «Geschenk» an die Stadt gezahlt hatte. Ein schöner Extraprofit für Veolia. Doch die erhöhten Gebühren sind auch versteckte Steuern. Die Wasserkunden bezahlen damit faktisch die mit dem Eintrittsgeld finanzierten Extraausgaben der Stadt.

    Inzwischen ist in Frankreich das sog. Eintrittsgeld verboten. Finanztechnik heißt aber auch, Verbote aller Art geschickt zu umschiffen. Und diese Disziplin beherrscht Veolia im internationalen Geschäft natürlich ebenso. 2005 kaufte der Konzern nach den Stadtwer-ken auch die Abwasserwirtschaft Braunschweigs. Bürgermeister Gert Hoffmann jubelt: Gebührenstabilität für 10 Jahre vereinbart! Und mit über 240 Mio. € ein außerordentlich hoher Privatisierungserlös! Erste Recherchen bringen die größte Überraschung: Statt 240 Mio. € zahlt Veolia nur 24 Mio. € für Braunschweigs Stadtentwässerung. Der Rest des «Kaufpreises» stammt komplett aus einem Kredit des Braunschweiger Abwasserverbandes. Der verpfändete dafür die Gebühreneinnahmen der nächsten 30 Jahre. Für die Tilgung ist die Stadt verantwortlich ist. Das heißt Braunschweigs Bürger zahlen faktisch 90% des Kaufpreises - und das mit Einredeverzicht. D.h. innerhalb der nächsten 30 Jahre muß die Stadt den Kredit samt Zins und Zinseszins zurückzahlen ganz unabhängig davon, ob Veolia noch Leistungen erbringt, sich zurückgezogen oder Insolvenz angemeldet hat! Der Globalplayer Veolia erhält als «Gegenleistung» dafür kostenlos das Nutzungsrecht an Braunschweigs Abwasserkanälen.

    Vielfältige Varianten undurchsichtiger Finanzierungswege, geheime Verträge, mangelnde demokratische Kontrollmöglichkeiten, Korruption und langfristig kontinuierliche Preissteigerungen sind die hervorstechenden Merkmale tausender Wasserunternehmen der Globalplayer Veolia und Suez in aller Welt.

    http://www.alpenparlament.tv/natur-umwelt-energie/454-der-griff-nach-der-wasserweltmacht

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