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Thema: Börse und Wirtschaft

  1. #21
    Lisa
    Gast

    Re: Börse und Wirtschaft

    GENAU!!!

    Original Gollum!!!
    Smeagol...



  2. #22
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    Re: Börse und Wirtschaft

    Kicher - die Ähnlichkeit ist verblüffend!!!

    LG
    Sabina

  3. #23
    Super-Moderator Avatar von lamdacore
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    Re: Börse und Wirtschaft

    Der Euro-Zone droht der Zerfall

    Europa fehlen strukturelle Reformen und vernünftige finanzpolitische Entscheidungen, in Randstaaten wie Irland, Griechenland und Spanien schrumpft das Bruttoinlandsprodukt. Im besten Fall kann sich die Euro-Zone noch fünf Jahre durchwursteln. Im schlimmsten Fall bricht sie auseinander.


    Im Sommer konnten sich die Europäer in die Sonne legen und ihre Sorgen vergessen. Jetzt aber holt sie die Realität ein. Denn die grundlegenden Probleme der Euro-Zone sind keineswegs gelöst.

    Erstens: Im Mai hatte das eine Billion Dollar schwere Rettungspaket die unmittelbar bevorstehende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands und einen Zerfall der Euro-Zone verhindert. Inzwischen sind die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Randstaaten der Euro-Zone wieder auf den Stand geklettert, den sie auf dem Höhepunkt der Krise im Mai hatten.

    Zweitens: Die getürkten "Stresstests" sollten die Märkte überzeugen, dass die europäischen Banken nur 3,5 Milliarden an frischem Kapital benötigen. Nun aber stellt sich heraus, dass allein die Anglo Irish Bank wohl eine Kapitallücke von 70 Milliarden Euro aufweist. Das wirft ernste Bedenken über den Zustand anderer Banken in Irland, Spanien, Griechenland und Deutschland auf.

    Und schließlich: Auch wenn der vorübergehende Wachstumsanstieg im zweiten Quartal den Finanzmärkten und dem Euro Auftrieb verliehen hat, ist nun klar, dass wir ein Strohfeuer erleben. In allen Randstaaten der Euro-Zone schrumpft das Bruttoinlandsprodukt (Spanien, Irland, Griechenland) oder es wächst nur marginal (Italien und Portugal).

    Sogar hinter Deutschlands zeitweiligem Erfolg stehen viele Fragezeichen. Während der Finanzkrise von 2008 und 2009 fiel das BIP viel stärker als in den USA - aufgrund der Abhängigkeit von Exportmärkten. Wenn jetzt der Aufschwung umso stärker ausfällt, ist das wenig überraschend. Aber die deutsche Industrieproduktion liegt noch unter dem Stand vor der Krise. Dazu kommt, dass all jene Faktoren, die zu einem Konjunkturabschwung in den meisten Industriestaaten in der zweiten Hälfte von 2010 und in 2011 führen werden, in Deutschland und in der Euro-Zone bereits Wirkung zeigen. Konjunkturspritzen machen Sparmaßnahmen Platz, und die belasten das Wachstum.

    Die Aufstockung der Lagerbestände, die das Wachstum ein paar Quartale lang stimulierte, ist abgeschlossen, und steuerliche Anreize wie die Abwrackprämie sind ausgelaufen. Der globale Konjunkturabschwung wird unweigerlich auf die Exporte durchschlagen, auch in Deutschland. Und dieser Trend setzt schon ein. Das zeigen die neuesten Statistiken.

    Für die Randstaaten haben Rettungspakete und gar nicht so stressige Stresstests Zeit herausgeschunden. Aber die Probleme existieren nach wie vor: hohe Haushaltsdefizite und enorme Schulden. Es wird schwierig, sie angesichts schwacher Regierungen und öffentlicher Proteste gegen Sparmaßnahmen und strukturelle Reformen abzubauen. Ebenso problematisch sind Zahlungsbilanzdefizite und Verbindlichkeiten des privaten Sektors. Dazu kommen ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, niedriges potenzielles und reales Wachstum und massive Risiken im Finanzsystem (mit Ausnahme Italiens).

    Deshalb ist Griechenland pleite, eine zwangsweise Restrukturierung ist unvermeidlich. Deshalb stecken Spanien und Irland in ernsthaften Schwierigkeiten. Und deshalb kann sich nicht einmal Italien sicher fühlen, obwohl es auf vergleichsweise soliden Füßen steht. Aber seit einem Jahrzehnt sind dort keine strukturellen Reformen erfolgt, und das Pro-Kopf-Einkommen stagniert.

    Sparprogramme bedeuten kurzfristig Druck auf Wachstum und Preise. Daher brauchen wir eigentlich eine lockere Geldpolitik und mehr Binnennachfrage in Deutschland - durch die Verschiebung von Sparhaushalten. Aber die beiden wichtigsten Akteure in der Euro-Zone, die Europäische Zentralbank und die deutsche Regierung, wollen damit nichts zu tun haben. Sie geben sich der Hoffnung hin, dass gute BIP-Daten in einem Quartal bereits einen Trend hergeben.

    Der Rest der Euro-Zone ist kaum in einem besseren Zustand als die Randstaaten. In Frankreich ist die wirtschaftliche Entwicklung bestenfalls anämisch, nur im Immobiliensektor steckt noch Leben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als neun Prozent, das Budgetdefizit bei acht (mehr als in Italien), und die öffentlichen Schulden steigen steil an. Nicolas Sarkozy ist mit viel Gerede über strukturelle Reformen an die Macht gelangt. Aber jetzt ist er selbst in der eigenen Partei angeschlagen. Selbst Angela Merkel ist in ihrer Koalition geschwächt. Andere Führungspersönlichkeiten in der Euro-Zone haben mit starkem politischem Widerstand zu kämpfen.

    Die Euro-Zone, die Sparprogramme, strukturelle Reformen und vernünftige makroökonomische und finanzpolitische Entscheidungen benötigt, ist also geschwächt. Im besten Fall wird sie sich noch fünf Jahre durchwursteln können. Im schlimmsten Fall wird sie auseinanderbrechen.
    Quelle: Handelsblatt

    Lebe dein Leben so wie es dir gefällt, ohne daß du Jemandem etwas aufdrängst!

    Der, der nicht weiß, und nicht weiß, daß er nicht weiß, ist ein Narr - meide ihn.
    Der, der nicht weiß, und weiß, daß er nicht weiß, ist ein Kind - lehre ihn.
    Der, der weiß, und nicht weiß, daß er weiß, schläft - erwecke ihn.
    Doch der, der weiß, und weiß, daß er weiß, ist ein Weiser - folge ihm.

  4. #24
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    Re: Börse und Wirtschaft

    Für den Fall das es hier noch nicht gepostet wurde

    C. Vogt: "Katastrophe steht bevor - Anleger werden viel Geld verlieren!"





    Gruß, Ghosti

    PS: Vielleicht ein versteckter Hinweis auf die kommende Währungsreform
    Irgendwann wird die Wahrheit herauskommen, dann werden viele aus ihrer heilen "Scheinwelt" erwachen...

    Alle meine gemachten Beiträge basieren auf das GG Art. 5 und 21 i.V. GG Art. 20

  5. #25
    Gast

    Re: Börse und Wirtschaft

    Lehren aus der Finanzkrise

    Rainer Sommer 19.09.2010

    Verfügt ein Staat über eine eigene Währung, kann das Bankensystem immer gerettet und die Regierungen nie zahlungsunfähig werden
    Eine Welt, in der die öffentliche Verschuldung der OECD-Staaten in Friedenszeiten im Schnitt bald 90 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, die private Verschuldung so hoch ist wie nie zuvor und Banken mit Summen gerettet werden, die überwiegend zweistellige Anteile der jeweiligen Sozialprodukte erreichen, ist historisch offenbar einzigartig.

    Folglich fußen auch die Rezepte, die die traditionelle Wirtschaftswissenschaft zur Lösung dieser Probleme bereitstellt, zwangsläufig mehr auf analytischen Theorien als auf empirischen Erfahrungen. Besonders die traditionelle ökonomische Theorie, die zudem die monetären Verhältnisse ausblendet, und für die für den Staat in Hinsicht auf die Haushaltsführung im Grunde dieselben Regeln gelten wie für jedes andere Wirtschaftssubjekt, entspricht dabei offenbar längst nicht mehr den realen Gegebenheiten. Insofern verwundert, warum sie als Ratgeber der Wirtschaftspolitik noch immer nicht ausgedient und von realitätsnäheren Ansätzen wie den "Modern Monetary Economics" ( "Modern Monetary Economics" auf dem Weg zum ?konomischen Mainstream? (1)) abgelöst wird.

    Nimmt man die realen monetären Verhältnisse aber zur Kenntnis, dann lassen sich anhand der Ereignisse der letzten Jahrzehnte jedenfalls grob drei Arten von Währungsregimes unterscheiden, die den wirtschaftspolitischen Spielraum des betroffenen Staates definieren. Ganz oben stehen dabei Staaten wie die USA, Großbritannien, die Schweiz oder Japan, die über eine eigene Fiat-Money-Währung (2) verfügen, die von der Regierung kontrolliert wird. Diese Kontrolle ist insofern absolut, als alle Beschränkungen, die etwa in einer formalen Unabhängigkeit der Notenbank von der Regierung liegen kann, sich der betreffende Staat selbst auferlegt hat und daher auch autonom ändern kann.

    Hat der Staat aber die volle Kontrolle über die Notenpresse, kann er die eigene Zahlungsunfähigkeit folglich stets vermeiden, da er nur die Notenbank anweisen muss, dem Staatskonto die nötige Deckung einzuräumen, was in der Notenbank mit einem Federstrich erfolgen kann. Das Land riskiert im Falle umfassender Misswirtschaft zwar steigende Inflationsraten und hohe Langfristzinsen im Inland sowie einen fallenden Außenwert. So lange ein Staat aber vorschreiben kann, dass sämtliche Steuerzahlungen etc. ausschließlich in eigener Währung erfolgen müssen, ist die Position der Währung als Zahlungsmittel alternativenlos, sieht man von Extremszenarien wie der deutschen Hyperinflation von 1922/23 ab.

    Wesentlich weniger Spielraum haben Staaten, die ihre Währung an eine andere Währung fix angebunden haben und diesen Wechselkurs am Finanzmarkt durchsetzen müssen. Dadurch verliert die Regierung die Budgethoheit, die die Staaten der ersten Gruppe genießen, die theoretisch ja sämtliche Staatsausgaben mit eigenem Fiat-Money bezahlen können. Die Staaten aus dieser Gruppe können ein zu starkes Ansteigen ihrer Währung nun einfach damit verhindern, dass sie unbegrenzte Mengen ihres Geldes zu ihrem erwünschten Höchstpreis auf den Markt werfen und so eine feste Obergrenze einziehen, da niemand freiwillig mehr bezahlen wird, als die Notenbank für ihr Geld verlangt. Durch diese Käufe stockt sie zudem ihre Devisenreserven auf, die ein Land benötigt, um den Kurs zu stützen, wenn sie einen zu niedrigen Wechselkurs bekämpfen will.

    Freilich sind die Devisenreserven anders als ihr "Fiat Money" nicht unbeschränkt. Die Notenbank ist daher gegebenenfalls gezwungen, die Leitzinsen anzuheben, um ausländische Gelder ins Land zu holen, während sie die Zinsen aus konjunkturellen Gründen eigentlich senken sollte. Kommt dadurch eine Abwärtsspirale in Gang, so wie bei den asiatischen Tigerstaaten in den Jahren 1997/98, wird die Verteidigung des Wechselkurses irgendwann zu teuer und aufgegeben. Das behindert dann zwar die Wirtschaft, die nun Probleme mit ihren Fremdwährungsschulden bekommt, allerdings gewinnt die Regierung durch das Ende der Währungsanbindung ihre volle Souveränität zurück und genießt nun – abgesehen von den Devisenschulden – dieselben monetären Vorteile wie die Länder der ersten Gruppe.

    Schwierige Situation für die Mitglieder der Eurozone

    Am schwierigsten dürfte sich die Situation indes für die Mitglieder einer Währungsunion wie der Eurozone darstellen. Sie haben ihre monetäre Autorität an eine Zentralbank abgetreten und sich damit der offenbar unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten eines Fiat-Money-Systems begeben. Da Notenbank und Finanzministerium nun nicht mehr nur einer einzigen Autorität unterliegen stellen sie so etwas wie den modernen Goldstandard dar. Denn diese Regierungen müssen ihre Rechnungen nun in einer Währung bezahlen, die auch außerhalb ihrer Landesgrenzen über Kaufkraft verfügt. Der Konkurs eines Mitgliedslandes wäre nun der Pleite einer Stadt oder einer Provinzregierung innerhalb eines souveränen Staates vergleichbar, die zwar auch jederzeit von der Regierung vermieden werden könnte, aber nicht zwingend erfolgen muss. Eine Staatspleite hätte dann voraussichtlich die Form eines Ausscheidens aus der Währungsunion, das analog zum Goldstandard, wo ein Ausscheiden einem Staatsbankrott gleichzusetzen war.

    Wie das Beispiel Griechenlands zeigt, könnte ein von einer schweren Krise betroffener Staat dann zwar durchaus auf die Hilfe der Zentralbank rechnen, nur liegt eine monetäre Rettung nicht im autonomen Entscheidungsbereich der Regierung, sondern muss mit den europäischen Institutionen und den einzelnen Partnerländern verhandelt werden. Und hier ist offenbar nicht ausgeschlossen, dass deren Interessen einer Rettung entgegenstehen und diese verhindern können. Besteht aber Konsens über eine Rettung, dann bestehen wie bei den Staaten der ersten Gruppe jedenfalls alle Möglichkeiten dazu.

    Szenario eines Finanz-Super-Gaus

    Wie sich im Crash nach der Lehman-Pleite gezeigt hat, müsste der Finanz-Super-Gau einen massiven Vertrauensverlust und eine Kreditverweigerung der Banken untereinander umfassen. Anders gesagt: So lange die Banken den Handel untereinander nicht einstellen, ist jede Krise nicht so schlimm. Vertrauen die Banken sich aber untereinander nicht, treten sofort realwirtschaftliche Konsequenzen auf. So war im Herbst 2008 die internationale Handelsfinanzierung kollabiert, was den Welthandel augenblicklich um rund ein Drittel reduziert hatte. Und als die kurzfristigen Finanzierungen über den Interbankenmarkt einfroren, gerieten auch die besten Banken in Liquiditätsnöte, sobald ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten abreiften und um keinen Preis prolongiert werden konnten.

    Ohne Hilfe der Notenbank würde der Crash vermutlich so in der Realität ankommen, dass die Banken die Bankomaten nicht mehr befüllen, in den Filialen keine Kredite mehr ausgeben und auch die Guthaben nur noch so lange auszahlen, bis der Run auf das Bargeld sie überwältigt. Die Bevölkerung verlöre jeden Zugang zu frischem Bargeld und auch der elektronische Zahlungsverkehr würde bestenfalls eingeschränkt funktioniert. Cash wäre jetzt King, und wer sein Geld nicht unter der Matratze hortet oder etwa Gold- und Silbermünzen zu Hause hat, bekäme Schwierigkeiten, seinen Alltag zu meistern. Vermutlich würden die Menschen bald mehr mit der Nahrungsbeschaffung beschäftigt sein, als arbeiten zu gehen, was das Funktionieren der Infrastruktur rasch gefährden könnte. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass einige große Unternehmen und insbesondere wichtige Infrastruktur- und Versorgungsunternehmen organisatorisch stark genug sein würden, um die Versorgung ihrer Mitarbeiter zu sichern und den Produktionsbetrieb zumindest teilweise aufrecht zu erhalten, das wäre jedenfalls eine Erfahrung aus der deutschen Inflationskrise.

    Würde die Notenbank einen solchen Zusammenbruch tatsächlich zulassen, ist jedenfalls zu befürchten, dass angesichts der enormen Zunahme an Komplexität in den Wirtschafts- und Finanzbeziehungen die damalige Katastrophe wohl locker übertroffen werden könnte. Klar ist, dass jede Regierung einen solchen Ausgang um jeden Preis vermeiden wird und mit der Kontrolle über die Notenbank stehen ihr die Mittel zur Verfügung, dies auch tatsächlich zu vermeiden.

    Lehman-Pleite hätte verhindert werden können

    Selbst wenn die meisten Banken bereits alle Sicherheiten verpfändet hätten, könnte die Notenbank das Geld eben "auf Luft" zuteilen, egal ob ihre Statuten das erlauben oder nicht. All das ist offenbar allein eine Frage der politischen Willensbildung, wie etwa die Lehman-Pleite zeigte. Denn es ist kaum glaublich, dass eine Regierung zwar die mindestens ebenso marode Investmentbank Bear Sterns und den Versicherer AIG legal hatte retten dürfen, es ihr aber an den gesetzlichen Möglichkeiten gebrach, Lehman zu retten, wie es der zuständige Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke später öffentlich behauptet hatten. Inzwischen ist klar, dass diese offizielle Rechtfertigung, warum man Lehman habe untergehen lassen, Unsinn ist. So wurde inzwischen bekannt, dass etwa Bernanke am entscheidenden Lehman-Wochenende extra in Washington ausgeharrt hatte, um sofort die entsprechenden Maßnahmen umsetzen zu können, hätte sich die Regierung für eine Rettung entschieden. Und schon Wochen zuvor wurden in der New Yorker Fed schon unterschiedliche Varianten durchgespielt, wie Lehman gerettet werden könnte, sollte der Auftrag dazu erteilt werden.

    Will man also dem Ex-Goldman Sachs Chef Finanzminister Paulson nicht unterstellen, er hätte Lehman im Rahmen eines finsteren Plans aus eigenen Profitgründen sterben lassen, lässt sich vermuten, dass die Entscheidungsträger sich vielleicht von den harschen Warnungen unter anderem von Paul Volker haben einschüchtern lassen, der heute offiziell als einer der wichtigsten Berater des Präsidenten genannt wird. So hatte der Vorgänger von Alan Greenspan als Chef der Fed ein halbes Jahr zuvor, nachdem die Investmentbank Bear Sterns mit Fed-Garantien gerettet worden war, unter anderem davon gesprochen, dass die Fed die ehernen Prinzipien der Geldpolitik bis zum "Point of no Return" durchbrochen habe, anstatt ihre "erste Pflicht zu erfüllen und den Wert der Währung zu schützen". Auch an dieser Stelle ( Ex-Fed-Chef Paul Volcker kritisiert US-Notenbank (3)) wurde damals vor dem "Moral Hazard" gewarnt, den es für das Verhalten der Bankmanager und Trader bedeuten würden, wenn sie sich aufführen können, wie sie wollen und trotzdem gerettet werden, wenn sie nur ausreichend hohe Verpflichtungen gegenüber systemrelevanten Mitspielern eingegangen sind.

    Offenbar hatten die US-Politiker die Stabilität des Finanzsystems überschätzt – immerhin hatten die schweren Finanzmarktcrashes während der "Great Moderation" der letzten 40 Jahre kaum auf die Realwirtschaft durchgeschlagen. Politik und Notenbanker kamen dann zwar doch noch so richtig ins Laufen, die Lehman-Pleite ist aber jedenfalls mutwillig zugelassen worden, wobei freilich niemand sagen kann, ob sich durch eine Rettung der allgemeine Bankencrash hätte vermeiden lassen. Vermutlich wäre es aber sinnvoller gewesen, die Ratschläge und Sorgen der traditionellen Ökonomik zu ignorieren, die gegen eine Rettung gesprochen hatten.

    Eine andere Frage ist es auch, ob die entsprechend drastischen Maßnahmen in einer Krise tatsächlich erforderlich sind,oder ob z.B. einige Bankdirektoren die politischen Entscheidungsträger mit unbestätigten Weltuntergangsszenarien oder anderem dazu gebracht haben, deren riskante Positionen zu garantieren. Im Falle eines allgemeinen Bankencrashes könnte die Notenbank beispielsweise zuerst einfach sämtliche Forderungen der Banken als Sicherheiten zulassen. Wenn eine Bank damit immer noch nicht auskommt, weil sie sich vielleicht im Derivatengeschäft heillos verspekuliert hat, wäre die Notenbank zwar vermutlich ohnehin gut beraten, diese Institute sterben zu lassen. Sollte aber auch das nicht erwünscht sein, steht es der Notenbank letztendlich frei, dem Institut die benötigten Reserven dennoch gutzuschreiben und dafür einfach einen Schuldschein zu akzeptieren. Das kostet die Notenbank vorerst gar nichts, da sie ja nur eine Ziffer am Reservekonto der Bank ändern muss und schon ist das Geld da.

    Der von der traditionellen Wirtschaftswissenschaft für diesen Fall befürchtete "Vertrauensverlust" in das "einzige Kapital einer Notenbank, ihre Glaubwürdigkeit", scheint hingegen eher ein Popanz als eine reale Gefahr zu sein, jedenfalls haben die aus traditioneller Sicht extrem verwegenen geldpolitischen Aktionen der japanischen, britischen oder der US- Notenbank haben weder deren Außenwert ins Bodenlose krachen noch die Langfristzinsen explodieren lassen. Das heißt zwar noch lange nicht, dass das nicht noch geschehen könnte, es zeigt aber eindeutig, dass es zumindest nicht zwangsläufig und sofort erfolgt.

    Quantitative Easing - Neue monetäre Realität

    Natürlich stellt das einen dramatischen geldpolitischen Paradigmenwechsel dar, mit dem die seit Walter Bagehots Lombard Street (4), einer legendären Analyse des Londoner Banksystems, fest etablierte Regel des Notenbankgeschäfts, im Krisenfall Geld "frei" an jeden zu verleihen, der gute Sicherheiten bietet und dafür einen "Strafzins" zu verlangen. Wer keine guten Sicherheiten – d.h. früher gute Handelswechsel, später erstklassige Staatsanleihen – geben konnte, erhielt folglich nichts und ging bankrott. Die Möglichkeit eines Scheiterns hat offenbar nicht unerheblich zur Stabilität des britischen Bankenplatzes beigetragen, wo es selbst in der Bankenkrise von 1932 weder zu einem Bank-run noch zu einer ernsten Bankenpleite gekommen ist.

    Dieses bis vor kurzem universalgültige Prinzip wurde von Bagehot allerdings 1873, in der Zeit des Goldstandards, niedergeschrieben, als die Notenbanken ihr Geld noch nicht per Federstrich produzieren konnten, sondern sich zumeist verpflichtet hatten, das von ihnen ausgegebene Geld jederzeit in Edelmetalle oder Devisen zu tauschen. Dadurch wurde das Abgehen vom Goldstandard gleichbedeutend mit einem Staatsbankrott und in den 1930er Jahren hatten dann auch diejenigen Länder am schwersten zu leiden, die am Goldstandard festhielten und dadurch zu strengster öffentlicher Sparsamkeit gezwungen waren.

    Sofern eine Regierung aber die Kontrolle über "Fiat Money" hat, wird diese Sparsamkeit überflüssig. Das zeigen die Beispiele der USA, Japans und Großbritanniens, die diese neue monetäre Realität mit ihrem "Quantitative Easing" bereits in großem Stil vorweggenommen haben.

    Bislang wurde in Einklang mit der neoliberalen Wirtschaftstheorie eine sparsame staatliche Haushaltsführung nicht nur aufgrund einer angenommenen Analogie zu den normalen Haushalten gefordert, sondern vor allem deshalb, weil die Bondmärkte andernfalls höhere Zinsen verlangen würden. So hatte noch Präsident Bill Clinton in den 1990er Jahren einige seiner Programme zurückfahren müssen, weil die Bondmärkte dagegen waren, was einen von Clintons Mitarbeitern zu dem berühmten Bonmot verleitete, er wolle als Bondmarkt wiedergeboren werden, weil er dann jeden einschüchtern könne.

    Nun kann aber beispielsweise in den USA schon seit zehn Jahren von Sparsamkeit oder solider Haushaltsführung keinesfalls mehr die Rede sein, dennoch bewegen sich die Langfristzinsen auf lächerlich niedrigem Niveau. Das dürfte zwar auch mit dem nach wie vor hohen Sicherheitsbedürfnis vieler Investoren zusammenhängen, ganz sicher sind kaum 3,5 Prozent Zinsen für 30jährige Laufzeiten aber ein gutes Rezept für massive Kaufkraftverluste.

    Für die niedrigen Zinsen dürfte vermutlich weniger das große Vertrauen der Finanzmärkte in die US-Regierung verantwortlich sein, sondern die Tatsache, dass die Notenbank ihren Bilanz seit der Lehman-Pleite von rund 860 Milliarden Dollar um 250 Prozent auf aktuell rund 2,3 Billionen Dollar angehoben hat. Dabei hatte sie zuerst vor allem direkte Liquiditätshilfen und Kredite an die Banken vergeben, ab Anfang 2009, als diese Liquiditätshilfen von den Banken zurückflossen, aber direkt in lang laufende US-Staatsanleihen und in staatlich garantierte Immobilienpapiere investiert, so dass sie jetzt mehr als 1,5 Billionen Dollar an Hypothekarpapieren und - über ihren traditionellen Bestand hinaus - fast 300 Mrd. Dollar an zusätzlichen Staatsanleihen in den Büchern hat – bezahlt mit selbst fabriziertem Geld.

    Mervin King, der Chef der britischen Notenbank, der diese Politik in ähnlichen Dimensionen betreibt, hatte dabei schon vor einem Jahr zugegeben, dass das "Quantitative Easing" entgegen der traditionellen Lehrbuchmeinung nicht dazu diene, die Banken durch die vermehrte Zuteilung von Reserven zu mehr Kreditvergaben zu motivieren, denn dann wäre diese Politik ein krasser Fehlschlag gewesen. Viel mehr hätten die Wertpapierkäufe schlicht den Zweck, die Preise an den direkt betroffenen Märkten zu heben und damit gleichzeitig den gesamten Anleihenmarkt zu stabilisieren.



    Allerdings führt diese Politik die Welt in unbekannte ökonomische Gewässer. Betrachtet man mit Japan das einzige Land, das diese Politik schon seit Jahren verfolgt, kann zumindest konstatiert werden, dass die nominellen Langfristzinsen dadurch offenbar nicht in die Höhe getrieben wurden. Allerdings kämpft Japan dennoch seit Jahren mit sinkenden Preisen und Stagnation und es sieht so aus, als hätten das japanische "Quantitativ Easing" und die hemmungslose Aufschuldung der Regierung dazu beigetragen, überfällige Reformen zu vermeiden.

    Was die Wirkung der aktuellen Versuche der USA, Großbritanniens und der EZB angeht, so wird entscheidend sein, welchen Beschäftigungseffekt die Maßnahmen haben werden. Das ist natürlich schwer abzuschätzen, weil keiner wissen kann, wie es ohne diese gelaufen wäre. Immerhin ist klar, dass in einer Welt mit starken "automatischen Stabilisatoren" (gemeint ist, dass in Krisenzeiten die Staatsausgaben über höhere Arbeitslosenzahlen usw. ansteigen, während die Staatseinnahmen sinken) vor allem die Konjunktur über staatliche Überschüsse oder Defizite entscheiden, und kaum die mehr oder weniger ausgeprägte Sparsamkeit einer Regierung. Das heißt natürlich nicht, dass staatliche Misswirtschaft nicht auch höchst negative Konsequenzen haben wird, aber ohne starkes Wachstum ist es bislang noch keinem Staat gelungen, das Verhältnis von Staatsschulden zur Wirtschaftsleistung zu verringern. Genau dieses Wachstum wird durch sinkende Staatsausgaben gedämpft.

    Immerhin ist Wachstum abhängig von der Gesamtnachfrage und wenn der Staat seine (kreditfinanzierten) Ausgaben senkt, müsste eben der Privatsektor dies mit wiederum kreditfinanzierter Nachfrage kompensieren. Sonst führt ein Rückgang der staatlichen Nachfrage einfach zu einem gleich hohen Rückgang der Wirtschaftsleistung. In der Diskussion zwischen der Forderung nach mehr Stimulierung auf der einen Seite und der Aufforderung zum staatlichen Sparen auf der anderen Seite ist klar, dass Eurozonenländer, denen die monetären Möglichkeiten nicht gegeben sind, zumindest verbal eher eine Austeritätspolitik vertreten als die USA oder Großbritannien. Denn anscheinend macht nur eine eigene Notenbank jede dieser Politiken möglich, indem sie über den Kauf staatlicher Schuldtitel letztlich Ausgaben jeder Höhe finanzieren kann. Da diese Politik inzwischen aber von einigen der größten Volkswirtschaften praktiziert wird, wird die Erfahrung zeigen, welche langfristigen Folgen das jeweils haben kann.
    Links

    Telepolis Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33315/1.html

  6. #26
    Gast

    Re: Börse und Wirtschaft

    Der Goldpreis "Explodiert" gerade !!!

    Gestern (21.09.2010) um 14:30 Uhr Lokalzeit in New York durchbrach der Goldpreis alle Rekorde und ging über 1'290 Dollar die Unze.



    Hier zum Vergelich der Glodkurs vom 21.09.2000 (vor genau 10 Jahren war der Wert bei 269,70 !!!)



    Der Silberpreis machte den gleich Sprung.

    Was ist passiert? Es wird behauptet, es liegt an der Aussage von Fed-Chef Ben Shalom Bernanke, die Aussichten für die amerikanische Wirtschaft sind trübe und sie sind bereit mehr Geld zu drucken. Ausserdem bleibt der Zinssatz bei 0 bis 0,25 Prozent. Aber das ist ja nichts neues und wurde erwartet.

    Oder der Grund ist, der oberste Wirtschaftsberater von Präsident Obama hat seinen Rücktritt nach den Wahlen im November verkündet. Lawrence Summers geht zurück zur Harvard Universität. Einige meinen, die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

    Ich meine aber da haben einige schwere Jungs ihre Chips eingetauscht, sie haben ihr Papiergold sich physisch ausliefern lassen. Nur, das ist ein Problem für die "cleveren" Edellmetallhändler, denn sie haben den Goldmarkt mindestens 45 Mal gehebelt und jetzt haben sie Probleme zu liefern.

    Das heisst, für 45 Unzen Gold welche verkauft wurden, gibt es nur 1 Unze echtes Metall. Wenn nur 2 Prozent der Besitzer von Papiergold auf Auslieferung bestehen, dann fliegt das ganze Betrugssystem auf und der Goldpreis geht durch die Decke. Bei Silber ist es noch schlimmer, da ist der Faktor mindestens 100 zu 1.

    Quelle Zitat...
    Hier die Aktuellste LIVE-Grafik zum Goldpreis (Aktueller Kurswert in Grün dargestellt...):



    Quelle : http://www.kitco.com/

  7. #27
    Gast

    Re: Börse und Wirtschaft

    Albert Edwards: „Der Kurssturz wird verheerend sein“

    Albert Edwards, Anlagestratege der Société Générale, ist für seine provokanten Thesen bekannt. Seine Prognose für 2011: Ein Depressionsszenario, das nicht nur die US-Aktien abstürzen lässt. Handelsblatt-Redakteur Ingo Narat sprach mit ihm über den Ausblick für die Märkte.



    Albert Edwards: Der Anlagestratege der Société Générale ist für 2011 überaus pessimistisch gestimmt. Quelle: Pressebild

    Herr Edwards, wie beurteilen Sie die Reaktionen auf die jüngsten überraschend guten US-Daten?

    Die Aktienkurse sprangen nach oben, die Anleihekurse sackten durch – richtig. Aber das war mehr technisch bedingt. Der US-Anleihemarkt war so stark überhitzt wie nie zuvor, wenn man die Panik im Jahr 2008 einmal außen vor lässt. Jede auch nur halbwegs gute Nachricht hätte die Aktienkurse nach oben und die Anleihekurse nach unten gebracht.

    Und Ihre Perspektive?

    Große „Bären“ an den Märkten sagen: Ja, es kommt wie in Japan, Deflation ist das Thema. Ich sage: Es kommt in den USA noch schlimmer. Andere Länder werden sich vom wirtschaftlichen Sturzflug nicht abkoppeln können.

    Was heißt das für die Märkte?

    Es sind meine Prognosen für das nächste Jahr, die viele schockieren: US-Aktien fallen um 60 Prozent, ein S&P 500 auf 450 Punkte – derzeit liegt er bei 1 100. Einem Dax beispielsweise blüht das Gleiche, weil andere Märkte kein Eigenleben führen können. Meine Prognose wären hier 3 600 Zähler. Der wirtschaftliche Rückfall stützt natürlich die Anleihen auf ihrem Höhenflug. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries rutscht dann im Extrem noch auf eineinhalb Prozent, die der deutschen Bundesanleihen sogar darunter.

    Woher nehmen Sie diese Horror-Prognosen?

    Die Anleihemärkte stellen sich ja schon auf mein Depressionsszenario ein. Sie reagieren meist recht schnell. Nur die Aktienmärkte sind noch blind auf beiden Augen.

    Und wann stürzen die Kurse?

    Bis jetzt ist Berufsoptimismus angesagt. Aber die Stunde der Wahrheit kommt bald. Dann werden die Analysten beginnen, ihre Gewinnschätzungen für die Unternehmen nach unten zu korrigieren. Und dann stürzen die Märkte. Das wird psychologisch verheerend wirken. Uns steht die dritte große Baisse in einem Jahrzehnt ins Haus.

    Alle anderen Analysten leugnen also die Realität. Nur Sie kennen die Wahrheit?

    Nicht alle Analysten sind bullish. Es gibt sogar noch größere Bären als mich. Aber ich habe ja Argumente etwa anhand der Gewinnschätzungen. Außerdem zeigen wichtige konjunkturelle Frühindikatoren aus den USA nach unten. Beispielsweise dürfte der US-Einkaufsmanagerindex ISM demnächst klare Signale für eine bevorstehende Rezession geben. Und darüber hinaus sind die meisten Analysten so optimistisch, dass Enttäuschungen bei absackender Konjunktur programmiert sind.

    Und wenn die Notenbanken stützend eingreifen würden?

    Das Ergebnis wäre höchstens eine Unterbrechung der Baisse.

    Kann China die Industrieländer mit seinem Wachstum retten?

    Nein, China ist in einer Schuldenblase. Wachstumsraten von zehn Prozent sind bald Vergangenheit. Null Prozent sind möglich. Einen größeren Schock für die Märkte kann ich mir kaum vorstellen. So wird auch klar, warum Exportweltmeister Deutschland mit seinen zuletzt guten Wirtschaftsdaten keine Insel der Seligen bleibt.

    Quelle : handelsblatt.com

  8. #28
    Gast

    Re: Börse und Wirtschaft

    +++++ KOPP-Eilmeldung: Spanien wird herabgestuft +++++
    Michael Grandt

    Ratingagentur Moody’s senkt Bonitätsnote - Spanien verliert das »Triple-A«.



    Die zweitgrößte Ratingagentur der Welt, Moody’s, hat erneut Zweifel an der Bonität eines EU-Landes und stuft es herunter. Diesesmal trifft es Spanien. In der heute veröffentlichten Meldung heißt es, dass die neue Bewertung nun bei »Aa1« liege. Der Ausblick sei »stabil«.

    Damit verliert Spanien als erstes großes EU-Land auch bei Moody’s das begehrte »Triple-A«-Rating, was eine Verteuerung der Refinanzierung am Kapitalmarkt bedeutet. Ende Mai hatten bereits die Ratingagenturen Standard Poor's und Fitch die Kreditwürdigkeit Madrids heruntergestuft.

    Das Scheibenschießen auf die EU-Problemländer Griechenland, Portugal, Irland und Spanien geht in die nächste Runde.

    In meinem Buch »Der Staatsbankrott kommt!«, das jetzt in 6. überarbeiteter und erweiterter Auflage erschienen ist, habe ich bereits im März auf diese Entwicklung hingewiesen. Doch noch immer versuchen die Politiker das Volk mit »Schönreden«, unvollständiger Konjunktur- und gefälschten Arbeitslosenzahlen für dumm zu verkaufen.



  9. #29
    Gast

    Re: Börse und Wirtschaft

    Das ENDE des Dollar`s kommt wohl immer näher...

    »Sparer und Besitzer von Bargeld werden betrogen werden«

    Der Vermögensverwalter Marc Faber ist einer der gefragtesten Analysten für die internationalen Finanzmärkte und für seine Ansichten jenseits des Mainstreams bekannt. In einem Interview spricht er Klartext über das Ende des Dollars, eine bevorstehende Hyperinflation, Gold und Aktien.



    Zur Person: Marc Faber, Jahrgang 1946, ist gebürtiger Schweizer, promovierter Ökonom, Finanzmarktanalyst, Vermögensverwalter und Herausgeber eines Börsenbriefes. Er lebt seit 1978 in Hongkong und gründete dort im Jahr 1990 seine eigene Investmentgesellschaft, die Marc Faber Ltd. Er gilt als pessimistischer »Börsenguru« und ist bekannt für seine Ansichten jenseits des Mainstreams. Aber er hat alle vergangenen Crashs und auch die jüngste Finanzmarktkrise vorhergesagt.

    Im Handelsblatt gab Marc Faber ein sehr aufschlussreiches Interview, das ich zum Teil wiedergeben will (Hervorhebungen durch mich):


    »Grundsätzlich ist das System einfach pleite«

    Zur internationalen Schuldenkrise und einer eventuell folgenden Hyperinflation sagt er: »Die Notenbanken mit den USA an der Spitze versuchen es mit dem Ankauf von Staatsanleihen, sie drucken also Geld, um das Wirtschaftssystem in Schwung zu bringen. Die Europäische Zentralbank wird der amerikanischen Notenbank folgen. Langfristig wird die EZB der Politik von Robert Mugabe in Simbabwe folgen, der sein Land mit Hyperinflation in den Ruin geführt hat. Das Endspiel kommt in ein paar Jahren: der Schuldenzusammenbruch. Dann werden die Verbindlichkeiten zu einem großen Teil oder vielleicht auch ganz abgeschrieben werden. Grundsätzlich ist das System einfach pleite.«

    US-Präsident Obama und US-Notenbankchef Bernanke beurteilt Faber folgendermaßen: »Das sind Akademiker und Clowns. Obama und Bernanke entwickeln in ihren Elfenbeintürmen absurde Theorien über eine Wirtschaft, die man wie ein Auto steuern kann. Das kann man aber nicht.«


    »Die Märkte spielen ein Inflationsszenario«

    Über den Euro und die Eurozone sagt Faber: »Der etwas höhere Euro spiegelt eher die Dollarschwäche wider. Die Laune unter den Anlegern schwankt gewaltig (…) Die Märkte bewerten die expansive Kreditpolitik der Notenbanken und spielen ein Inflationsszenario. Deswegen sinkt der Dollar, steigen Aktien, steigen Rohstoffe, steigt das Gold. Kurzfristig kann das jetzt korrigieren.«


    »Kein Staatsbankrott kann durch Gelddrucken verhindert werden«

    Wovor muss sich der Anleger also schützen?

    »Schützen muss er sich vor den Folgen der Schuldenpolitik: Inflation. Da bin ich ultrapessimistisch. Kein Staatsbankrott kann durch Gelddrucken verhindert werden. Die Notenbanken werden die Zinsen niedriger halten als die tatsächliche Geldentwertung. Anders gesagt: In den kommenden zehn Jahren werden wir keine restriktive Geldpolitik mehr sehen, keine Realzinsen oberhalb von Null. Sparer und Besitzer von Bargeld werden betrogen werden. US-Anleihen können (…) sogar wertlos verfallen.«

    Sein Rat an die deutschen Anleger:

    »Über ein Jahrhundert haben sie mehrere Male ihre Ersparnisse verloren. Aber eine Aktie wie eine BASF gibt es heute immer noch. Aktien sind reale Werte (…) In einer Inflation können Gold und Aktien dazwischen oder auf einem höheren Niveau den gleichen absoluten Wert erreichen. Zum Gold: Anleger sollten es so lagern, dass der Staat es ihnen nicht wegnehmen kann.«

    Ein Blick auf den aktuellen Goldkurs lohnt sich immer (Aktueller Kurs wird in Grün dargestellt...)


  10. #30
    Gast

    Re: Börse und Wirtschaft

    Wechselkurs

    IWF warnt vor weltweitem Währungskrieg

    [size=110:i2s190gq]Der Wettlauf um die billigste Währung gewinnt an Fahrt. Die Angst, dass Devisenspannungen in Handelskriege ausarten, steigt




    Die Angst vor einem Währungskrieg und in der Folge vor neuen Handelsschranken nimmt zu. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, warnte am Mittwoch vor einer Abwertungsspirale, die die Erholung der Weltkonjunktur abwürgen könnte. In einem Interview mit der Financial Times kritisierte er die Versuche, die Währungspolitik als Druckmittel einzusetzen.

    Im Zentrum der Währungsdifferenzen steht China, dessen Regierungschef Wen Jiabao beim EU-China-Gipfel in Brüssel mit Forderungen der Union nach einer stärkeren Aufwertung der Landeswährung Yuan konfrontiert wurde. Der Premier wies dies erneut zurück.

    Wien - Erst kam die Finanzkrise, dann der Einbruch der Realwirtschaft; die Interventionen der Regierungen gegen Banken- und Konjunkturkollaps mündeten dann in die Staatsschuldenkrise. Die Anzeichen, dass die dritte Etappe direkt in die vierte Abstiegsphase übergeht, häufen sich: Die Rede ist vom Währungskrieg, den manche Ökonomen und Politiker ausgerufen haben.

    Erst gebrauchte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega das Wort vom "Währungskrieg" . In die boomende Nation strömen gewaltige Kapitalsummen, die die Landeswährung Real nach oben treiben. Am Mittwoch stimmte Währungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn in den Chor ein und warnte via Financial Times davor, dass die Abwertungsspirale die konjunkturelle Erholung abwürge und die "Stabilität der Weltwirtschaft in ernste Gefahr" bringe.

    Starökonom Joseph Stiglitz heizte die Diskussion an und gab den Notenbanken der Eurozone und der USA die Schuld: Die zur Stützung der Wirtschaft und der Banken gewählte lockere Geldpolitik führe zu einer Liquiditätsflut und destabilisiere die Devisenmärkte, erklärte der Wirtschaft-Nobelpreisträger.

    Der Investment-Guru Marc Faber legt noch eines drauf: Er rechnet infolge der riesigen Staatsschulden und der Währungsturbulenzen mit einem Zusammenbruch des Finanzsystems. Die Verbindlichkeiten würden dann "zu einem großen Teil oder vielleicht auch ganz abgeschrieben werden" , sagte er zum Handelsblatt. Das münzt er besonders auf den Dollar, US-Anleihen könnten sogar wertlos verfallen, meint Faber, der für seinen Pessimismus bekannt ist.

    Jedenfalls sind die Kassandrarufe längst nicht mehr nur aus der Ecke publicitygeiler Ökonomen und Analysten zu vernehmen. Auch der Internationale Bankenverband IIF befürchtet in einer neuen Untersuchung, dass die expansive Niedrigzinspolitik der USA, Eurozone, Japans und Großbritanniens zu einem weiteren Anstieg der Kapitalströme in die Schwellenländer führen, was neue Abwehrmechanismen auslösen könnte. Das bedeutet in der Regel Kapitalverkehrskontrollen, Verzicht auf stärkere Zinserhöhungen (weil die zusätzlich Geld anlocken) und Interventionen am Devisenmarkt, zu denen in den letzten Monaten neben Brasilien u. a. Thailand, Südkorea und Kolumbien griffen. Die dank attraktiver Renditen in die Schwellenländer fließenden Geldströme explodieren laut Bankenverband-Direktor Charles Dallara von 581 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 845 Milliarden heuer.

    Die eigentliche Gefahr freilich sind nicht die Devisenmarkt-Spannungen, sondern die Folgen, da keiner gewinnen kann, wenn alle abwerten. Wie schon das Beispiel China versus USA zeigt, kann der Versuch, sich über die Währungspolitik Vorteile im Außenhandel zu verschaffen, direkt in den Protektionismus führen. In den USA liegt derzeit eine Vorlage des Repräsentantenhauses, die auf die Verhängung von Strafzöllen auf chinesische Importe abzielt. Im wahlkämpfenden Washington erhofft man sich von einem Rückgang der Importe aus dem Reich der Mitte mehr Jobs im Inland.

    Europa drängt Peking

    Beim EU-China-Gipfel legt sich auch Europa mit Peking an. Auf die Aufforderung zur Stärkung der Landeswährung lächelt Regierungschef Wen Jiabao regelmäßig und verlautet höflich aber bestimmt, dass eine deutliche Verteuerung des Yuan zu einer Pleitewelle im Binnenmarkt führen werde. Und: Das Drehen an der Währungsschraube führe lediglich zu einer Verlagerung der Produktion in andere Billiglohnländer wie Vietnam oder Bangladesh. Mehr Jobs in den USA oder Europa - so der Sukus - werde der Schritt jedenfalls nicht bringen.

    Die aktuelle Entwicklung erinnert bereits bedrohlich an die Große Depression der 30er-Jahre. Währungsabwertung und Handelsschranken waren für viele Ökonomen der weit wichtigere Grund für den langen Niedergang als verabsäumte Konjunktur- und Bankenspritzen. Deshalb werden die Forderungen nach einer neuen Währungsordnung nun lauter. Internationaler Währungsfonds und G-20 dürften ein neues Top-Thema gefunden haben. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2010)[/size]

    Quelle : der standart.at

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