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Thema: Interessante Fundstücke aus dem Netz

  1. #21
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    Franz Anton Mesmer. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Karlsruhe, 1781.

    Abhandlung über die Entdeckung
    des thierischen Magnetismus


    Die schon so lange gewünschte Entdeckung eines auf die Nerven würkenden Principiums muß allen Menschen höchstwichtig seyn. Sie betrifft einen Gegenstand der ihre Einsichten erweitert und sie zugleich glücklicher macht, der ihnen ein Mittel anbietet, Krankheiten zu heilen, die man bißher selten mit glücklichem Erfolg behandelte. Die Vorzüge und das sonderbare dieses Lehrgebäudes, liessen vor einigen Jahren das Publicum, die erste, von mir hierüber gegebene, Fingerzeige äusserst begierig aufnehmen. Neid, Stolz und Mißtrauen entstellten, versetzten sie dadurch, in kurzer Zeit, unter die Betrügereyen, machten, daß man sie vergaß.
    Vergeblich bemüht' ich mich, durch eine Menge von Thatsachen, sie wieder in Gang zu bringen. Vorurtheile siegten und die Wahrheit blieb ihr Opfer. Aber - Worinn besteht denn diese Entdeckung? - Wie sind Sie darauf verfallen? - Was hat man sich von ihren Vortheilen zu versprechen? - Warum haben Sie diß alles nicht Ihren Landsleuten mitgetheilt? - Lautet Fragen, die mir, seit meinem Aufenthalt in Paris, von Personen gemacht wurden, die gewiß alle Fähigkeiten hatten, neue Fragen gründlich zu untersuchen.
    Beruhigende Antworten hierauf, eine allgemeine Idee von meinem Lehrgebäude zu geben, die Irrthümmer, die man muthwillig darein verflochte, davon abzusondern, die widrigen Vorfälle, welche seine Bekanntmachung verhinderten, öffentlich zu erzählen, ist die Absicht dieser Schrifft, die nur ein Vorläufer meiner Theorie seyn soll, und diese werd' ich heraus geben, so bald mir die Umstände gestatten, die pracktische Regeln, der Methode, die ich hier ankündige, bekannt zu machen. Aus diesem Gesichts = Punkt, bitt' ich, den Leser, diß kleine Werkgen zu beurtheilen. Ich weiß es gar zu wohl. Er wird auf manche Schwierigkeiten stossen - allein, man mache die nothwendige Bemerkung: Sie können unmöglich durch blosse Vernunft = Schlüsse, ohne Erfahrungen, gehoben werden. Diese allein werden die Nebel zerstreuen - die höchstwichtige Warheit in das vollste Licht setzen: Die Natur bietet dem Menschen = Geschlecht ein allgemeines Heil = und Verwahrungs = Mittel gegen alle Krankheiten an.
    Der Mensch ist von Natur Beobachter. Von der Geburt an ists seine einige Beschäftigung, um den Gebrauch seiner Glieder kennen zu lernen. Würde ihm nicht das Auge unnützlich seyn, wenn ihn nicht die Natur gleich anfänglich antriebe, die kleinste Veränderungen, deren dasselbe fähig ist, zu bemerken. Abwechselnder Genuß und Mangel lehren ihn das Daseyn des Lichts und seine verschiedene Grade kennen, aber nie würde er von Weite, Grosse und Gestalt der Gegenstände einige Känntniß erhalten, wenn er nicht die Eindrücke der übrigen Empfindungs = Werkzeuge damit vergliche, verbände, und einen durch den ändern berichtigte. Der größte Theil seiner Empfindungen sind demnach Resultate seines Nachdenkens, über die vereinigte Eindrücke seiner Empfindungs = Werkzeuge.
    So bringt der Mensch seine erste Jahre zu, um zu einem schnellen und richtigen Gebrauch seiner Sinne zu gelangen. Ein ihm anerschaffener Beobachtungstrieb, setzt ihn in Stand, sich selbst zu bilden, und die Vollkommenheit seiner Fähigkeiten, hängt, von der mehr oder weniger ununterbrochenen Anwendung, dieses Triebs ab.
    Unter unzähligen Gegenständen, die sich ihm nach und nach darstellen, fällt seine Aufmerksamkeit wesentlich auf diejenige, die ihm durch ganz besondere Verhältnisse wichtig werden. Beobachtungen der allgemeinen beständigen Wirkungen der Natur auf jedes Individuum sind kein ausschliessungsweise erhaltenes Vorrecht des Weltweisen. Der allgemeine Vortheil macht fast jeden einzelnen zum Beobachter, und diese vervielfältigte, zu allen Zeiten, aller Orten angestellte Beobachtungen lassen uns an ihrer Richtigkeit nicht zweifeln.
    Allein die Thätigkeit des menschlichen Geistes, verbunden mit der unersättlichen Wißbegierde, verläßt, indem sie die schon erworbene Känntnisse zu vervollkommnen sucht, den Weg der Beobachtung, will diese durch unbestimmtes oft unnützes Grübeln ersetzen, bildet und häuft Lehr = Gebäude, die kein Verdienst als von einer Geheimnus vollen Abstracktion haben, und entfernt unmerklich von der Wahrheit, so daß man auf dem Punkt steht, sie aus dem Gesicht zu verliehren, ja Unwissenheit und Aberglauben an ihre Stelle zu setzen.
    An diesen so entstellten menschlichen Känntnissen, sieht man keine Spuhr mehr von der Wahrheit, die sie im Anfang so vorzüglich auszeichnete. Oefters bemühte sich die Weltweisheit sich von Irrthümmern und Vorurtheilen loszureißen. Da sie aber diese Gebäude allzuhitzig zerstöhrte, bedeckte sie die Trümmer mit Verachtung, ohne einen aufmerksamen Blick, auf die unter ihnen verborgene Kostbarkeiten zu werfen.
    Wir sehen, daß sich, einerley Meynungen, bey verschiedenen Völkern, unter einer so unvortheilhafften, dem menschlichen Verstand so wenig Ehre bringenden Gestalt erhalten haben, daß es gar nicht wahrscheinlich ist, daß sie im Anfang so aussahen.
    Betrug und Verwirrung der Vernunft hätten sich umsonst bemühet, ganze Völker zu vereinigen, so augenscheinlich ungereimten und lächerlichen Lehrgebäuden allgemeinen Beyfall und Annahme zu verschaffen, wie sie noch jetzo haben. Wahrheit und allgemeines Interesse allein waren fähig, dergleichen Meynungen allgemein zu machen.
    Es läßt sich daher behaupten, daß sich unter den allgemeinen Meynungen aller Zeiten (wenn sie änderst ihren Grund nicht in dem menschlichen Herzen haben) sehr wenige finden, sie mögen auch so lächerlich, ja ausschweiffend seyn als sie immer wollen, welche nicht als Ueberbleibsel einer anfänglich anerkannten Warheit, könnten betrachtet werden. Dergleichen Betrachtungen, stellte ich über die menschliche Känntnisse überhaupt, insonderheit aber über das Schicksal der Lehre: Vom Einfluß der Himmelskörper auf unsere Erde, an. Betrachtungen, die mich veranlaßten, unter den Trümmern, dieser, durch Unwissenheit, verächtlich gewordenen Wissenschafft, das, in ihr vielleicht enthaltene Nützliche und Wahre aufzusuchen.
    Titelblatt der gedruckten Doktorarbeit von F.A.Mesmer "De Planetarum Influxu" mit Angabe des Datums der öffentlichen Disputation (17. Mai 1766). Die erste Seite der Doktorarbeit Mesmers "De Planetarum Influxu".
    Meine Gedanken, über diesen Gegenstand, gab ich 1766 in Wien in einer Abhandlung: Vom Einfluß der Planeten in den menschlichen Körper1 heraus. Nach vorausgeschickten, bekannten, durch Erfahrungen bestättigten Grundsätzen, der allgemeinen Attracktion, die uns überführen, daß ein Planet auf den ändern in seiner Laufbahn wirkt, und daß Mond und Sonne, auf unserer Erde, Ebbe und Fluth so wohl im Meer, als im Dunstkreis verursachen und lenken; behauptete ich: Diese Weltkörper wirken auch gerade zu auf alle wesentliche Bestandtheile lebendiger Körper, vorzüglich aber auf das Nerven = System, vermittelst einer alles durchdringenden Flüssigkeit. Ich bestimmte die Art dieses Einflusses, und sagte: Daß er die Eigenschafften der Materie und der organischen Körper, z.B. die Schwere, Zusammenhang, Schnellkraft, Reitzbarkeit und Elecktricität, bald verstärke bald schwäche.
    Ich behauptete ferner: Daß diese, in Absicht auf die Schwere entgegen gesetzte Wirkungen, welche auf der See, die merkliche Veränderung der Ebbe und Fluth verursachen, daß Verstärkung und Schwächung der oben bemerkten Eigenschafften, da sie einerley Wirkungs = Quelle haben, auch in lebendigen Körpern, entgegen gesetzte, der Ebbe und Fluth ähnliche Wirkungen verursachen; daß auch im thierischen Körper, weil er den nemlichen wirkenden Kräfften ausgesetzt ist, eine Art von Ebbe und Fluth statt finde. Diese Eigenschafft thierischer Körper, welche sie des Einflusses der Himmels und unseres Erdkörpers fähig macht, nannt' ich thierischen Magnetismus.
    Aus ihm erklärt' ich die monatliche Zeiten des Frauenzimmers, und überhaupt alle periodische Veränderungen, welche alle Aerzte, in der ganzen Welt, von je her, bey Krankheiten beobachtet haben.
    Damals sucht ich nur die Aufmerksamkeit der Aerzte rege zu machen, ich bemerkte aber bald, daß man, mich, (statt meine Absicht zu erreichen) als einen Sonderling, als einen Systemwürker ansähe, ja mir, aus meiner Neigung, den gewöhnlichen Weg in der Arzneykunst zu verlassen, ein Verbrechen machte.
    Nie verbarg ich, in diesem Punkt, meine Gedenkungs = Art. Ich konnte mich wirklich nicht überreden, daß wir in der Heilkunde so grosse Schritte sollten gemacht haben, wie wir uns schmeichelten. Ich glaubte vielmehr, je weiter wir in der Känntniß des mechanischen, der Oekonomie des thierischen Körpers kämen, desto mehr müßten wir unser Unvermögen eingestehen. Eben die, obschon noch sehr unvollkommene neuere Einsichten in die Natur und Wirkung der Nerven, läßt uns gar nicht hieran zweiffeln. Wir wissen, daß sie die erste Triebfeder des Empfindens und der Bewegung sind, aber wir können sie nicht wieder in den natürlichen gesunden Zustand setzen, wenn dieser etwa zerstöhrt, unterbrochen würde. Ein Vorwurf der uns gewiß trifft, denn unsre Vorfahren kannten sie zu wenig, als daß er ihnen hätte gemacht werden können. Das abergläubische Zutrauen, welches sie selbst auf ihre unfehlbare Mittel und Formeln setzten, und ändern einflößten, machte sie zu stolzen Despoten.
    Ich verehre die Natur zu sehr, als daß ich mich überreden könnte: Sie habe die Erhaltung jedes einzelnen Menschen, dem Ohngefehr der Entdeckungen und unbestimmten Beobachtungen überlassen, welche seit mehrern Jahrhunderten gemacht wurden, um das Eigenthum einiger einzelnen Personen zu werden.
    Vollständig sorgte Sie für das Entstehen jede Individuums, das Erzeugungs = Werk wird ohne System ohne Künsteleyen verrichtet. Und sollte nicht für die Erhaltung eben so herrlich gesorgt seyn? Warlich ihre Vorsorge für die unvernünftige Thiere beweißt das Gegentheil.
    Eine unbestrichene in Bewegung gesetzte Magnet = Nadel, setzt sich blos durch den Zufall wieder in eine bestimmte Lage, hingegen die bestrichene vom nemlichen Stoß bewegte, wird nach verschiedenen, dem Stoß und der mitgetheilten magnetischen Krafft proportionirten Schwingungen ihre erste Lage wieder finden, und denn stille stehen. Eben so ungewiß, wird, nach meiner ersten Voraussetzung, die einmal gestöhrte Harmonie organischer Körper wieder hergestellt, wenn es nicht durch ein allgemein wirkendes bestimmtes Principium geschieht, von dessen Daseyn ich überzeugt bin. Diß allein kann diese Harmonie wieder in ihren natürlichen Zustand versetzen. Man fand aber auch, daß Krankheiten, bald ohne, bald beym Gebrauch der Arzney = Mittel, bey verschiedenen Systemen, bey völlig sich entgegen gesetzten Methoden, oft gefährlicher, oft gehoben wurden. Diese Betrachtungen überzeugten mich vollends, es müsse in der Natur ein allgemein wirkendes Principium vorhanden seyn, welches, ohne unser Zuthun das verrichtet, was wir sehr unbestimmt der Kunst und der Natur zuschreiben. Dergleichen Betrachtungen entfernten mich nach und nach von der alltäglichen Strasse. Ich unterwarf meine Ideen einer zwölfjährigen Erfahrung, die ich den genauesten Beobachtungen aller Arten von Krankheiten widmete, und hatte endlich das Vergnügen, die von mir vermuthete Grundsätze ohne Ausnahme bestättigt zu sehen.
    Vorzüglich übernahm ich in den Jahren 1773 und 1774 die Besorgung der 29 jährigen Jungfer Oesterlin, welche schon viele Jahre von den Gichtern geplagt wurde. Die schlimmsten Zufälle bey ihr waren, daß das Blut ungestümm in den Kopf drang, und die fürchterlichste Zahn = und Ohren = Schmerzen verursachte, welche mit Wahnwitz, Wuth, Erbrechen und Ohnmächten verbunden waren. Diß war für mich die beste Gelegenheit, mit der größten Genauigkeit die Art von Ebbe und Fluth, welche der thierische Magnetismus im menschlichen Körper verursachet, zu beobachten. Oft zeigten sich bey der Kranken sehr heilsame Crisen, worauf beträchtliche Erleichterung folgte, aber sie dauerten nur einige Augenblicke, und blieben immer unvollkommen. Die Begierde den Grund dieser Unvollkommenheit zu entdecken, und meine ununterbrochene Beobachtungen führten mich nach und nach so weit, daß ich die Wirkungen der Natur einsah, genug entdeckte, um voraus mit voller Gewißheit, die abwechselnde Gänge dieser Krankheit bestimmen zu können. Aufgemuntert durch diesen ersten glücklichen Erfolg, zweiffelte ich nicht an der Möglichkeit, es biß zur Vollkommenheit zu treiben, wenn ich so glücklich wäre, die Entdeckung zu machen: Daß in denen auf unserer Erde befindlichen Körpern, auch eine wechselsweise, dem Einfluß der Himmels = Körper ähnliche Einwirkung statt finde, die mich in Stand setzen könnte, durch die Kunst, die periodische Ebbe und Fluth, wovon ich bereits gesprochen, nachzuahmen.
    Ich hatte vom Magnet die gewönliche Känntnisse. Seine Wirkung auf das Eisen, die Möglichkeit, diß Mineral mit unsern Säfften zu verbinden, die verschiedene in Frankreich, Teutschland und Engelland bey Magen = und Zahnschmerzen damit gemachte Versuche, waren mir bekannt. Diß alles, die Aehnlichkeit dieser Materie mit meinem allgemeinen System, machten, daß ich den Magnet als das schicklichste Mittel zu dergleichen Versuchen ansähe. Mich davon durch Erfahrungen zu überzeugen, bereitete ich die Kranke, wenn sie von ihren Anfällen frey war, durch anhaltenden Gebrauch der Eisen = Mittel, dazu vor. Nun stund ich mit dem Jesuiten, Herrn Pater Hell, Professor der Astronomie in freundschafftlichen Verbindungen. Ich bat ihn daher, mir durch seinen Künstler, einige Magneten verfertigen, aber ihnen eine zu meinem Gebrauch schickliche Figur geben zu lassen. Hell sagte ja, und versprach mir sie zu schaffen.
    Den 28ten Julius 1774. bekam die Kranke aufs neue einen ihrer gewöhnlichen Anfälle, und ich brachte bey ihr drey künstliche Magnete, einen auf dem Magen, zween auf den beyden Füßen an. Diß verursachte ihr, in sehr kurzer Zeit, ausserordentliche Empfindungen. Sie fühlte, innerlich, ein schmerzhaftes Ströhmen einer sehr feinen Materie, welches sich bald da, bald dorthin, endlich aber in die untere Theile des Körpers zog, und sie 6 Stunden von allen fernem Anfällen befreyte. Die Lage der Kranken veranlaßte mich, den folgenden Tag, den nemlichen Versuch zu machen, und er glückte mir wie das erstemal. Die Beobachtung dieser Wirkungen, verbunden mit meinem allgemeinen System, gab mir ein neues Licht, bestättigte meine vorhergehende Gedanken, von dem Einfluß eines allgemein würkenden Principiums, überzeugte mich, daß ein vom Magnet ganz verschiedener Stof, (dann er für sich kann unmöglich auf diese Art auf die Nerven wirken) ihn wirksam mache, daß ich nur noch einige Schritte bis zu meiner Nachahmungs = Theorie, dem Gegenstand meiner Untersuchungen, zu thun hätte.
    Einige Tage darauf, begegnete ich Herrn Pater Hell, sprach mit ihm unter ändern, von der Besserung meiner Kranken, den guten Wirkungen meines Verfahrens und der Hofnung die ich daraus schöpfte, bald ein Mittel gegen die Nerven = Krankheiten zu entdecken. Kurz darauf erfuhr ich durchs Publicum und die Zeitungen, daß Herr Hell seinen berühmten astronomischen Namen mißbrauchte, sich eine Entdeckung zueignete, deren Natur und Vorzüge er nicht kannte, ja so gar sich erkühnte bekannt zu machen: Er habe ein Mittel erfunden, die gefährlichste Nerven = Krankheiten durch den Magnet zu heilen, dann ihm und seiner besondern Figur schrieb er diese hierinnen vorzügliche Krafft zu. Diesem Einfall ein desto grösseres Gewicht zu geben, schickte Er an verschiedene Akademien ganze Sammlungen künstlicher Magnete von mancherley Figuren, und bestimmte nach ihrer Figur die Aehnlichkeit, welche sie mit verschiedenen Krankheiten haben sollten. Man höre ihn selbst: "Ich entdeckte, in diesen, dem magnetischen Wirbel ähnlichen Figuren, eine Vollkommenheit, von welchen ihre specifische Krafft gegen die Krankheiten abhänget. Der Mangel dieser Vollkommenheit machte, daß die in Frankreich und Engelland damit angestellte Versuche, nicht glücklich ausfielen." Ja er stellte sich, als ob er die äusserliche Gestalt der Magnete, mit der Entdeckung, wovon ich mit Ihm gesprochen hatte, verwechselte und schloß: "Er habe alles den Aerzten, vorzüglich mir bekannt gemacht, und würde sich meiner ferner zu seinen Versuchen bedienen."
    Hell schrieb verschiedenes über diesen Gegenstand, und dadurch verbreitete sich in dem, nach einem specifischen Mittel gegen die Nerven = Krankheiten äusserst begierigen Publicum, die ungegründete Meynung: Daß die ganze Entdeckung in dem Gebrauch des Magnets bestehe. Nun schrieb ich zwar, um diesen Irrthum zu zerstöhren: Vom wirklich vorhandenen, wesentlich vom Magnet verschiedenen thierischen Magnetismus. Allein das von dem berühmten Hell eingenommene Publicum, blieb auf seiner irrigen Meynung.
    Ich setzte meine Versuche bey verschiedenen Krankheiten fort, um meine Einsichten allgemeiner, ihre Anwendung vollkommener zu machen. Weil ich nun den Herrn Baron von Störk, Präsidenten der Medicinischen Facultät zu Wien und Kayserlichen Ersten Leibarzt genau zu kennen die Ehre hatte, es auch überdiß sehr schicklich war, Ihn genau von der Natur und dem Gegenstand meiner Entdeckung zu benachrichtigen; so erklärte ich Ihm alle kleine Umstände meiner Bemühungen, vorzüglich aber die Mittheilung und das Ströhmen der thierisch magnetischen Materie, bat ihn, sich selbst davon zu überzeugen, mit der Versicherung: Daß ich ihm in der Folge genaue Nachricht, von dem Fortgang meiner neuen Entdeckungen geben, ja Ihn desto gewisser von meiner Anhänglichkeit an Ihn zu überzeugen, alle meine Handgriffe, ohne einiges Zurückhalten, mittheilen würde. Aber die natürliche Forchtsamkeit dieses Arztes, vielleicht von Bewegungs = Gründen unterstützt, die ich nicht untersuchen mag, ließ Ihn mir antworten: Er verlange von allem, was ich ihm hier sagte nichts zu wissen, und riethe mir, die Facultät, durch Bekanntmachung dieser Neuerungen, nicht mit ins Spiel zu ziehen.
    Titelblatt des Buches Schreiben über die Magnetkur von Herrn A. Mesmer, Doktor der Arznengelährtheit an einen auswärtigen Arzt
    Nun veranlaßten mich die vorgefaßte Meynungen des Publicums und dessen Ungewißheit wegen der Beschaffenheit meiner Mittel, den 5ten Jenner 1775, ein Schreiben an einen auswärtigen Arzt bekannt zu machen,2 worinn ich meine Theorie, und den bißherigen und vermuthlich noch zu hoffenden Erfolg, bestimmt, entwickelte. Ich beschrieb die Natur, Wirkung und Aehnlichkeit der Eigenschafften des thierischen Magnetismus, mit dem Magnet und der Elecktricität, mit dem Beysatz: "Es sind also alle Körper, so gut als der Magnet, der Mittheilung dieses magnetischen Principiums fähig, diese Flüssigkeit durchdringt alles, läßt sich wie die elecktrische anhäuffen und verstärken, und wirkt auch in der Entfernung. Es giebt zweyerley lebendige Körper. Einige sind dieses Magnetismus fähig, andere haben eine entgegen gesetzte Krafft, welche seine Wirkung hindert." Kurz ich erzählte die verschiedene Wirkungen, und unterstützte meine Sätze durch die Erfahrungen, die mich veranlaßt hatten, sie zu behaupten.
    Kurz vor der Bekanntmachung dieses Briefs, erfuhr ich, daß Herr Ingenhaus, Mitglied der Königlichen Akademie in Londen und Pokken = Einimpfer in Wien, der dem Adel und ändern Standes = Personen, durch Versuche mit der verstärkten Elecktricität, und durch manche angenehme Veränderungen der magnetischen Wirkungen, viel Vergnügen gemacht, sich aber dadurch den Namen eines Naturforschers erworben hatte, daß dieser Herr Ingenhaus, als Er von meinen Curen gehört, sie für Grillen erklärt habe, ja so weit gegangen seye zu behaupten: "Nur das Genie eines Engelländers seye im Stand eine solche Entdeckung zu machen, wenn sie ja möglich seyn sollte." Er besuchte mich, nicht in der Absicht sich besser zu unterrichten, sondern einig mich zu überzeugen, daß ich Gefahr liefe zu irren, und die Bekanntmachung gänzlich verhindern müßte, wann ich nicht, wie es sonst gewiß geschehen würde, lächerlich werden wollte.
    Ich versetzte: Er hätte nicht genug Känntnüsse von dieser Sache um mir so rathen zu können, und ich würde mir ein Vergnügen daraus machen, Ihn bey der ersten Gelegenheit hievon zu überzeugen. Diese zeigte sich gleich nach zween Tagen. Jungfer Oesterlin stand einen Schrecken und Verkältung aus, welche Ihr ein plötzliches Aussenbleiben der monatlichen Reinigung verursachten, und nun waren die ersten gichtenschen Zufälle wieder da. Ich bat Herrn Ingenhaus zu mir. Er kam mit einem jungen Arzt, und die Kranke lag, eben, von den Gichtern überfallen, in Ohnmacht. Ich sagt' ihm, diß wäre gerade die beste Gelegenheit, sich selbst, von der Wirklichkeit, des von mir behaupteten Principiums, und von dessen Mittheilbarkeit, überzeugen.
    Ich entfernte mich von der Kranken, hieß ihn sich nähern und sie anrühren, und sie regte sich nicht. Ich bat Ihn wieder zu mir zu kommen, theilte ihm, durch Anfassen seiner Hände, die magnetische Krafft mit, blieb immer von der Kranken entfernt, Ihn aber ersuchte ich, sich ihr noch einmal zu nähern und sie anzurühren, worauf gichterische Bewegungen erfolgten. Oefters berührte Er sie auf diese Art mit der Spitze seines Fingers, bald nach der, bald nach jener Richtung, und immer, würkte diß, zu seinem grossen Erstaunen, in dem angerührten Theil Zuckungen. So bald diß vorbey war, gestund Er mir: Er seye überzeugt.
    Ich aber schlug ihm eine zwote Probe vor. Wir entfernten uns so von der Kranken, daß sie uns nicht hätte sehen können, wann sie auch bey sich selbst gewesen wäre. Ich gab Herrn Ingenhaus sechs porcellain Tassen, mit dem Ersuchen, selbst zu bestimmen, welcher ich die magnetische Krafft mittheilen sollte. Die von ihm gewählte, rührte ich an, ließ ihn eine nach der ändern von diesen 6 Tassen, an die Hand der Kranken bringen, und als man an die von mir berührte kam, bewegte sich ihre Hand mit Zeichen des Schmerzens. Ingenhaus wiederhohlte den Versuch mit allen sechs Tassen, und fand immer die nemliche Wirkung.
    Man setzte hierauf die Tassen wieder an ihren vorigen Ort, und nach einer kleinen Weile, ergriff ich seine eine Hand, und bat Ihn mir der ändern, welche er wollte von den Tassen anzurühren. Er thats, man brachte, wie vorher, dieselbige an die Kranke, und auch hier erfolgte die vorige Wirkung.
    Nun war Herr Ingenhaus, durch seine eigene Augen, von der Mittheilbarkeit des Magnetismus überzeugt, und ich schlug Ihm den dritten Versuch vor, um Ihm die Wirkung desselben in die Ferne und seine durchdringende Stärke zu zeigen. In dieser Absicht, streckt ich, in einer Entfernung von acht Schritten, meinen Finger gegen die Kranke aus, und den Augenblick darauf bekam sie so starke, mit anscheinenden Schmerzen begleitete gichterische Zuckungen, daß sie beynahe im Bett in die Höhe geworfen wurde. Ich fuhr fort, stellte aber Herrn Ingenhaus zwischen mich und die Kranke, und sie bekam die nemliche Anfälle. Diese Proben wurden, so oft Herr Ingenhaus verlangte, wiederholt, worauf ich Ihn fragte: Ob Er zufrieden, und von den wunderbaren Eigenschafften des thierischen Magnetismus, die ich Ihm voraus gesagt hätte, überzeugt seye? Widrigenfalls war' ich erbötig, alles noch einmal zu wiederholen. Er versetzte: Vollkommen, ich bin überführt, aber ich bitte Sie, aus Freundschaft: Machen Sie dem Publicum nichts davon bekannt, damit Sie Sich nicht seinem Unglauben blos stellen. Wir schieden von einander, ich setzte mit der Kranken die Behandlung mit so glücklichem Erfolg fort, daß sich am nemlichen Tage die Reinigung wieder einfand, und dadurch alle, von der Unterdruckung derselbigen veranlaßte Zufälle, gehoben wurden.
    Zwey Tage darauf hört' ich mit Erstaunen, daß Herr Ingenhaus im Publicum gerade das Gegentheil von dem behauptete, was er gegen mir erklärt hatte, den glücklichen Erfolg, aller der Versuche, wovon er ein Augenzeuge gewesen war, läugnete, den thierischen Magnetismus vorsetzlich mit dem gewöhnlichen Magnet vermengte, und meinen Ruf durch das Vorgeben zu kränken suchte: Er seye so glücklich gewesen, durch Hilfe vieler Magneten, womit er sich vorhin versehen hätte, mir die Larve wegzunehmen, zu entdecken: Daß alles, nichts als eine lächerliche abgeredte Betrügerey seye. Ich gestehe es, kaum könnt' ich diß alles anfänglich glauben, es geschah mir sauer, Herrn Ingenhaus vor den Urheber dieses Gerüchts zu halten. Aber sein genauer Umgang mit dem Jesuiten Hell, die abgeschmackte Schrifften des letztern, um dergleichen ärgerliche Behauptungen zu unterstützen, und die Wirkungen meines Schreibens vom 5ten Jenner zu vereiteln, erlaubten mir nicht mehr Herrn Ingenhaus für unschuldig zu halten.
    Ich widerlegte den Pater Hell, und war im Begriff ihn zu verklagen, als Jungfer Oesterlin Herrn Ingenhausens Verfahren erfuhr, und sich so sehr darüber ärgerte, daß man sie auf diese Art beschimpft hatte, daß sie noch einmal ihre vorige Zufälle, und überdiß ein schlimmes Nervenfieber bekam. Ihre Lage zog, meine ganze Aufmerksamkeit, 15 Tage, auf sich. Und gerade dieser Umstand, der mich veranlaßte, meine Untersuchungen fortzusetzen, verschaffte mir das Glück, alle mir im Weg liegende Schwierigkeiten zu überwinden, meiner Theorie die selbst gewünschte Vollkommenheit zu geben. Die erste Frucht davon war, die vollständige Genesung dieser Jungfer, und ich hatte das Vergnügen, sie, seit diesem Vorfall vollkommen gesund, verheyrathet und mit Kindern gesegnet zu sehen.
    Inzwischen entschloß ich mich auch in diesen fünfzehn Tagen mein Betragen zu rechtfertigen, dem Publicum einen richtigen Begriff von meinen Mitteln zu geben, und die Aufführung des Herrn Ingenhaus jedermann vor Augen zu legen. Ich gab Herrn von Störk von allem Nachricht, bat Ihn, Befehle vom Hof, zu einer Commission, von Seiten der medicinischen Facultät, auszuwirken, welche alle diese Thatsachen untersuchen, bestättigen und bekannt machen sollte. Mein Betragen schien dem Präsidenten der Aerzte angenehm, und Er Theil an meiner Gedenkungsart zu nehmen. Er versprach mir, so, wie ich wünschte zu handlen, nur bedung er sich nimmer aus, kein Mitglied von der Commission zu seyn. Oefters schlug ich Ihm vor, die Jungfer Oesterlin zu sehen, und sich selbst von dem Erfolg meiner Cur zu überzeugen. Aber hierauf antwortete Er immer unbestimmt und unentscheidend. Ich machte Ihm die Vorstellung, wie vortheilhafft für die Menschheit, die Einführung meiner Methode in den Hospitälern werden müßte, und bat um die Erlaubnus den Nutzen derselben in dem Spanischen zu zeigen. Diß bewilligte Er, und ertheilte Herrn Reinlein dem Arzt dieses Hauses die nöthigen Befehle. Acht Tage war dieser letztere ein Zeuge von den Wirkungen und dem Nutzen meiner Besuche, bezeugte mir oft sein Erstaunen, und gab Herrn von Störk Nachricht davon. Aber bald bemerkt' ich, daß man Herrn von Störk anders gestimmt hatte. Ich sah Ihn fast täglich, um mein Gesuch wegen der Commission zu erneuren, und Ihn an die wichtige Dinge, wovon ich Ihn unterhalten hatte, zu erinnern. Aber ich beobachtete von seiner Seite nichts als Gleichgültigkeit, Kälte und Abneigung gegen alles, was einigen Bezug auf diesen Gegenstand hatte. Da ich nun nichts ausrichten konnte, Herr Reinlein mir keine Nachrichten mehr gab, und anderswo erfuhr, daß diß veränderte Betragen, eine Folge von Herrn Ingenhausens Bemühungen war; so fühlt ich mein Unvermögen, den Wirkungen der heimlich entworfenen Maasregeln zu widerstehen, und nahm mir vor zu schweigen.
    Ingenhaus aber, durch den Erfolg seiner Bemühungen kühn gemacht, trieb es immer ärger, machte sich ein Verdienst aus seinem Unglauben, und brachte es in kurzer Zeit so weit, daß man alle für schwache Köpfe hielte, welche ihr Urtheil aufschoben, oder nicht dem seinigen beytratten. Mehr war freylich nicht nöthig die Menge abwendig zu machen, und mich, aufs gelindeste, für einen Träumer zu erklären, um so mehr, da die Gleichgültigkeit der Facultät diese Meynung unterstützte. Am seltsamsten aber kam es mir vor, daß im folgenden Jahr, Herr Klinkosch, Professor der Medicin in Prag, sich auf die Seite meiner Gegner schlug. Dieser hatte, ohne mich zu kennen, ohne einen Begriff von dem, wovon eigentlich die Frage war, zu haben, (um mich nicht stärker auszudruken) die Schwachheit, in öffentlichen Schafften,3 die seltsame Erzählung von angeblichen Betrügereyen, die Herr Ingenhaus auf meine Rechnung verbreitet hatte, zu unterstützen.
    Damals mochte das Publicum davon denken, was es wollte, so glaubt' ich doch, daß die Wahrheit nicht besser, als durch That = Sachen könnte vertheidigt werden. Ich machte mich an die Cur verschiedener Krankheiten, unter ändern einer Hemiplygie die eine Folge einer Apoplygie war, an unterdruckte monatliche Reinigungen, Blut = Erbrechen, häufige Colicken, durch gichterische Bewegungen, von Kindheit an unterbrochenen Schlaf, der mit Blutspeyen und anhaltenden Augenschmerzen verbunden war. An dieser letzten Krankheit litte der so berühmte Herr Bauer, Professor der Mathematick zu Wien. Der glücklichste Erfolg krönte meine Bemühungen, und Herr Bauer hatte die Güte, selbst eine umständliche Erzählung seiner Genesung dem Publicum vorzulegen. Aber die Vorurtheile waren schon zu rief eingewurzelt. Inzwischen hatte ich das Vergnügen, daß mich ein grosser Minister, ein geheimer Rath und ein Hofrath sehr genau kennen lernten, wahre Menschen = Freunde, welche, da sie die Wahrheit unterstützten und vertheidigten, sie selbst erkannten, und verschiedene Versuche machten, das Dunkel, worein man sie zu hüllen suchte, zu zerstreuen: Aber man wies sie immer unter dem Vorwand ab: Der Ausspruch der Aerzte seye allein fähig hierinnen zu entscheiden. Ihre beste Absichten konnten also weiter nichts, als mir anbieten: Sie wollten meine Schrifften in fremden Ländern so bekannt machen, als es meine Lage erforderte.
    Auf diese Art kam mein Schreiben vom 5ten Jenner 1775 in die Hände der meisten Akademien der Wissenschafften und einiger anderer Gelehrten. Die einige Berliner Akademie antwortete den 24ten Merz im nemlichen Jahr, schrifftlich. Weil sie aber die Eigenschafften des von mir beschriebenen thierischen Magnetismus, mit den Eigenschafften des gewöhnlichen Magnets, den ich doch nur als einen Leiter angebe, verwechselte, so gerieth sie in verschiedene Irrthümmer, und erklärte sich: Ich müßte mich selbst getäuschet haben.
    Sie begieng aber nicht allein diesen Irrthum den thierisch und mineralischen Magnetismus zu verwechseln, ohngeachtet ich in allen meinen Schrifften ausdrücklich gezeigt hatte, daß der Gebrauch des letztern zwar nützlich, aber doch ohne die Theorie des erstem immer unvollkommen seye. Naturkundiger und Aerzte, mit denen ich im Briefwechsel stund, oder die mir meine Entdeckung für sich abzulocken suchten, behaupteten, und gaben sich alle Mühe es auszubreiten, entweder, daß ich alles durch den gewöhnlichen Magnet verrichte, oder daß ich die Electricität damit verbinde, blos weil man wußte, daß ich von beyden Gebrauch gemacht hatte. Nun belehrte zwar die meiste ihre eigene Erfahrung von ihrem Irrthum. Statt aber der von mir beschriebenen Wahrheit beyzufallen, schlössen sie: Weil sie durch diese beyde Mittel nichts ausrichteten, die von mir beschriebene Curen müßten erdichtet, meine Theorie ein täuschendes Hirngespinst seyn. Um nun auf immer dergleichen ähnliche Irrthümer unmöglich zu machen, und die Wahrheit in das gehörige Licht zu setzen, entschloß ich mich, seit 1776, gar keinen Gebrauch mehr, weder von der Elecktricität noch dem gewöhnlichen Magnet zu machen.
    Die schlechte Aufnahme meiner Erfindung, und die wenige Hofnung, daß es künftig besser gehen würde, bewog mich, gar keinen öffentlichen Versuch mehr in Wien zu machen. Ich reisete nach Schwaben und in die Schweitz, mich selbst durch Thatsachen immer mehr von der Wahrheit zu überführen, meine Erfahrungen zu vermehren. Und wirklich hatt' ich das Vergnügen viele auffallende Curen in Schwaben, aber auch in Bern und Zürich, unter den Augen der Aerzte, in den Hospitälern, zu verrichten, welche Ihnen nicht den geringsten Zweiffel über das Daseyn des thierischen Magnetismus, und den Nutzen meiner Theorie übrig liessen, auch den Irrthum, worein sie meine Gegner schon verleitet hatten, völlig zerstreuten.
    Ein gewisser ehrlicher, aber allzueifriger Geistlicher,4 brachte, in den Jahren 1774 und 1775 in dem Regensburger Kirchsprengel, bey mehreren Kranken die an den Nerven litten, Wirkungen hervor, welche in den Augen der uneingenommensten aufgeklärtesten Personen dieser Gegend übernatürlich schienen. Sein Ruf verbreitete sich biß nach Wien, und da war man in zwo Parthien getheilt. Die eine gab alles für Betrügereyen und Blendungen aus, die andere für Wunder der göttlichen Allmacht. Beyde irrren und mich lehrte, von der Zeit an, meine Erfahrung, daß dieser Mann nichts als blosses Werkzeug der Natur war. Sein Stand und ein glückliches Ungefähr, vereinigten in ihm gewisse natürliche Verbindungen, daß Er die periodische Zufälle dieser Krankheiten erwecken konnte, ohne die wirkende Ursache zu kennen. Man sahe das Aufhören der Anfälle als vollendete wirkliche Curen an, und die Zeit allein konnte dem Publicum seinen Irrthum benehmen.
    Als ich gegen das Ende 1775 Jahrs nach Wien zurück reisete, gieng ich durch München. Hier hatten Ihro Durchlaucht der Churfürst von Bayern5 die Gnade, mich über diese Materie zu fragen, Sie wollten wissen: Ob ich Ihnen diese angebliche Wunder erklären könnte? Ich machte auch vor seinen Augen Versuche, welche Ihm alle Vorurtheile benahmen, und nicht den geringsten Zweifel, gegen die von mir behauptete Wahrheiten übrig liessen, und kurz darauf erwieß mir, die Münchner Akademie der Wissenschafften, die Ehre, mich unter ihre Mitglieder aufzunehmen.
    Im Jahr 1776 reisete ich zum zweyten mal nach Bayern, und war in der Cur verschiedener Krankheiten eben so glücklich, als das erstemal. Vorzüglich aber bey Herrn von Osterwald, Direcktor der Akademie der Wissenschafften in München, der lahm war, und einen unvollkommenen Staar hatte. Er war so gütig, dem Publicum hievon und von ändern Curen, die er mit angesehen hatte, Nachricht zu geben.6 Da ich nach Wien zurück kam, blieb ich, biß ans Ende des nemlichen Jahrs, bey meinem Vorsatz, nichts mehr zu unternehmen, ich würde auch denselben nicht geändert haben, wann sich nicht alle meine Freunde dagegen vereinigt hätten. Ihr Bitten, mein Verlangen, die Wahrheit siegen zu sehen, machten mir Hoffnung, durch einen neuen glücklichen Erfolg, vorzüglich aber durch eine auffallende Cur, meinen Wunsch zu erreichen. In dieser Absicht nahm ich, nebst ändern Kranken, die 18jährige Jungfer Paradis deren Eltern bekannt genug sind, in die Cur, Ihro Kayserlich Königl. Majestät kannten sie selbst, dann sie erhielte, seit ihrem 4tenjahr, als eine stockblinde Person, von Ihrer hohen Milde, ein Gnadengehalt. Diese Jungfer hatte einen vollkommenen Staar und Gichter in den Augen, war melancholisch, und litte an Verstopfungen der Milz und Leber, die Ihr öfters solche Anfälle von Wahnsinn und Wuth zuzogen, daß man sie beynahe für gänzlich toll halten mußte.
    Ueberdiß nahm ich eine gewisse Zwelferinn von 19 Jahren, in die Cur. Sie war vom zweytenjahr an blind, hatte den Staar, ein runzlichtes sehr dickes Fell auf den Augen, und der Augapfel war ganz geschwunden. Zudem wurde sie von einem periodischen Blutspeyen öfters angefallen. Dieses Mädgen erhielt ich aus dem Wienerischen Waysenhaus, und zugleich von den Aufsehern desselben ein Zeugnis ihrer Blindheit.
    Die dritte Kranke, deren Besorgung ich zugleich übernahm, war Jungfer Ossine von 18 Jahren, die auch, als die Tochter eines Kayserlichen Officiers von Ihro Kays. Königl. Majestät ein Gnadengehalt bezog. Sie war schwind= und Lungensüchtig, sehr melancholisch, hatte oft Gichter, Toben, Erbrechen, Blutspeyen und Ohnmächten. Diese drey Kranke, befanden sich, so wie die andere, in meinem Haus, um sie ununterbrochen nach meiner Art besorgen zu können. Und ich war so glücklich, sie alle drey herzustellen.
    Die Eltern der Jungfer Paradis, waren Zeugen ihrer Genesung, des immer zunehmenden Gebrauchs ihrer Augen, und bemüheten sich diesen Vorgang und ihre Freude überall zu verbreiten. Alles überlief mich, sich davon zu überzeugen, jederman setzte die Kranke auf eine Art von Probe, und gieng voll Verwunderung, mit den verbindlichsten Ausdrücken gegen mich, aus meinem Hause.
    Auf wiederholtes Bitten des Herrn Paradis, kamen die beyde Präsidenten der medicinischen Facultät, an der Spitze einiger von derselben Abgeordneten, zu mir, untersuchten die Kranke und vereinigten ihren lauten Beyfall mit der Stimme des Publicums. Herr von Störk, einer von diesen Herren, der diese Jungfer persönlich kannte, weil er sie zehn Jahre ohne einigen Erfolg, in der Cur gehabt hatte, bezeugte mir sein Vergnügen über eine so wichtige Heilung, und bedauerte, daß er so lange gezögert hätte, durch seinen Beyfall diese wichtige Erfindung zu begünstigen. Noch mehrere Aerzte folgten dem Beyspiel unserer Oberhäupter, u. gaben der Wahrheit ihren freudigen Beyfall.
    Nach allen diesen unverwerflichen glaubwürdigen Vorfällen, suchte mir Herr Paradis seine Dankbarkeit zu bezeugen, und machte die ganze Geschichte, durch seinen eigenen Aufsatz in ganz Europa bekannt. Er rückte, um diese Zeit, die wichtigste Umstände, von der Genesung seiner Tochter, in alle öffentliche Blätter ein.
    [Die Abhandlung von Mesmer wird nach dem Anhang fortgesetzt]

    * * *
    Anhang
    Die versprochene, vom Herrn Paradis selbst, aufgesetzte Kranken = Geschichte seiner Tochter. Ich liefere hier einen getreuen Auszug aus der vom Vater selbst, in deutscher Sprache aufgesetzten Erzählung. Er schickte sie mir im Merz 1777, um sie bekannt zu machen, und wirklich liegt sie vor mir. So weit Herr Mesmer.
    Marie Therese Paradis, einige Tochter des Kays. Königl. Secretars, Herrn Paradis, wurde den 15 May 1759. in Wien, mit vollkommenen gesunden Augen, gebohren. Den 9ten Decemb. 1762. entdeckte man, bey ihrem Aufstehen, daß sie nicht mehr sahe. Ihre Eltern erstaunten und betrübten sich desto mehr über diesen plötzlichen Zufall, da man, so lang sie auf der Welt war, keine Veränderung an ihren Augen bemerkt hatte. Es war ein vollkommener Staar, der vermuthlich, durch eine zurückgeschlagene Feuchtigkeit oder Verkältung entstanden, indem das Kind, in der nemlichen Nacht, durch einen, vor seiner Kammerthüre entstandenen Lärmen vielleicht veranlasset worden, sich derselben auszusetzen.
    Ihre untröstliche Eltern, wandten den Augenblick, alles an, was man nur für das dienlichste hielte, diesen Zufall zu heben, z.E. Blasenpflaster, Blutigel und Fontanelle. Ja man trieb das erste Mittel so weit, daß in Zeit von zween Monaten der ganze Kopf mit einem einigen Pflaster bedeckt war, welches eine ununterbrochene Eiterung unterhielte. Hiermit verband man mehrere Jahre den Gebrauch abführend und eröfnender Mittel, wie auch der Pulsatille7 und Baldrian Wurzel. Aber alle diese Mittel halfen nichts, die Kranke bekam Gichter in den Augen und den Augenliedern die auf das Gehirn und hierdurch ein Rasen wirkten, welches eine völlige Verrückung besorgen ließ. Die Augen fiengen an zum Kopf heraus zu stehen und waren so verdreht, daß man oft nichts als das Weise davon sahe, welches alles, mit den Gichtern verbunden, einen scheußlichen fast unausstehlichen Anblick verursachte. Vor einem Jahr, nahm man seine Zuflucht zur Elektricität, welche an ihren Augen mit mehr als 3000 Erschütterungen, oft 100 nach einander, angebracht wurde. Aber diß letzte Mittel hatte traurige Würkungen. Es vermehrte ihre Reitzbarkeit und Gichter dermassen, daß man nur durch oft wiederholtes Aderlassen vorbeugen konnte.
    Bey dem letzten Aufenthalt des Herrn Baron von Wenzel in Wien, geruhten Ihro Majestät die Kaiserinn Königinn, Ihm den Auftrag zu ertheilen, den Zustand meiner Tochter zu untersuchen, und ihr, wo möglich, zu helfen. Er thats, erklärte aber auch, daß Er sie für unheilbar halte. Dieser schmerzhaften Lage ungeachtet, trachteten die Eltern ihr die beste Erziehung zu geben, und sie in ihrem Leiden zu zerstreuen. Sie brachte es weit in der Tonkunst, und ihre Geschicklichkeit auf der Orgel und Clavier, verschaffe ihr das vorzügliche Glück der Kayserinn Königinn persönlich bekannt zu werden. Gerührt durch ihr Unglück, setzten ihr, Ihro Majestät ein Gnadengehalt aus.
    Nun beobachtete, der, seit einigen Jahren, durch die Entdeckung des thierischen Magnetismus bekannte Herr D. Mesmer, ein Zeuge der ersten Curen, welche man mit ihr in der Kindheit vorgenommen hatte, diese Kranke, eine Zeitlang mit einer besondern Aufmerksamkeit. Er erkundigte sich nach allen Umständen, womit die Krankheit verknüpft gewesen war, und den Mitteln, deren man sich bisher bedienet hatte. Das, was er am meisten mißbilligte, und ihn am stärksten zu beunruhigen schiene, war die Art, wie man die Elektricität bey ihr angewendet hatte.
    Ungeachtet des hohen Grads auf welchen die Krankheit gestiegen war, machte Er doch ihren Eltern Hofnung: Daß er ihren Augen wieder die natürliche Lage verschaffen, die Gichter stillen, und die Schmerzen lindern wollte. Und ungeachtet man nachher erfuhr, daß er sich schon damals Hofnung gemacht hatte, ihr wieder zum Gesicht zu verhelfen, so ließ Er doch die Eltern nicht das mindeste davon merken, dann diese hatten, durch ihre unglückliche Versuche und ausgestandenen Jammer bewogen, sich entschlossen, in einer Sache, die sie für unmöglich hielten, gar nichts mehr zu versuchen. Herr Doct. Mesmer fieng seine Cur den 20ten Januar dieses Jahrs an. Ihre erste Wirkungen waren: Hitze im Kopf und Röthe des Gesichts, auf diese folgte ein Zittern an Händen und Füssen nebst einem kleinen Zucken im Genick, welches den Kopf rückwärts zog, nach und nach zu nahmen, und sich mit den Gichtetn in den Augen vereinigte.
    An dem 2ten Tag der Cur, brachte Herr Mesmer eine Wirkung hervor, welche alle Anwesende in die größte Verwunderung versetzte. Er saß neben der Kranken, und streckte sein spanisch Rohr, gegen das in einem gegenüberhangenden Spiegel sich zeigende Bild der Kranken aus. So wie er sein Rohr bewegte, bewegte sich auch der Kopf der Kranken, und diß so stark, daß derselbe, die verschiedene abgeänderte Bewegungen des Stocks, deutlich anzeigte.
    Man bemerkte sehr bald, daß das Zucken der Augen ungemein merklich bald zu, bald abnahm, auf die häufigere äusserlich und innerliche Bewegungen derselben, folgte bißweilen eine gänzliche Ruhe, die am 4ten Tag Stand hielte, und da hatten die Augen ihre natürliche Lage wieder, wobey sich aber auch zeigte, daß das Linke kleiner als das Rechte war, doch wurden sie, bey fortgesetzter Cur einandet vollkommen gleich. Auch das Zittern der Glieder verlohr sich nach wenigen Tagen, allein sie fühlte einen den Kopf durchdringenden Schmerzen im Hinterhaupt, der sich, so wie er sich vorwärts zog, verstärkte, und als er den Theil, wo sich die Sehe = Nerven vereinigen, erreichte, glaubte Sie. 2 Tage lang, ihr Kopf würde sich in zwey Stücken theilen. Der Schmerz verbreitete sich längst den Sehe = Nerven, nach ihrer Beschreibung, wie Nadelstiche, die sich ihren Aufäpfeln näherten, sie durchbohrten, und indem sie sich auf der netzförmigen Haut ausbreiteten, vermehrten. Und diß Gefühl, war oft, von Erschütterungen begleitet.
    Schon viele Jahre lang roch die Kranke nichts, es sonderte sich auch kein Rotz durch die Nase ab. Aber während der Cur schwoll das Innre der Nase und die benachbarte Theile, ja es floß innerhalb 8 Tagen, eine Menge grünen zähen Schleims heraus. Zur nemlichen Zeit stellte sich ein ausserordentlich starker Durchlauf ein, die Schmerzen der Augen nahmen zu, und sie klagte über Schwindel. Herr Mesmer schrieb diß den Eindrücken des Lichts zu, und nahm von dieser Zeit die Kranke in sein Haus, um die nothwendige Maasregeln aufs sicherste nehmen zu können. Ihre Augen wurden so empfindlich, daß er, ohngeachtet sie mit einem dreyfachen Tuch verbunden waren, sich doch genöthiget sahe, sie in einem finstern Zimmer wohnen zu lassen, und diß um so mehr, da der geringste Eindruck des Lichts, auf alle Theile ihres Körpers, eine so heftige Wirkung äusserte, daß sie davon niederstürzte. Der Schmerz in den Augen änderte allmählig seine Beschaffenheit. Anfänglich war er allgemein und höchstempfindlich, hierauf ein blosses lebhaftes Zucken, und endlich war es ihr bloß, als wenn man mit einem Pinsel sanft über das Aug wegführe.
    Alle diese nach und nach erfolgte Wirkungen liessen Herrn Mesmer vermuthen, seine Cur dürfte weit genug vorgerückt seyn, um der Kranken die ersten Begriffe vom Licht und dessen Veränderungen geben zu können. Er nahm die Binde von ihren Augen, ließ sie in dem zimlich dunkeln Zimmer, sagte ihr aber zugleich: Sie möchte auf die Empfindungen ihrer Augen aufmerksam seyn, und legte ihr bald weise, bald schwarze Gegenstände vor. Die ersten, machten, nach ihrer Beschreibung, den nemlichen Eindruck auf sie, als wenn man ihre Augäpfel mit feinen Nadeln durchstäche, und diese schmerzhafte Empfindung pflanzte sich biß ins Gehirn fort, ja der Schmerz und die ihn begleitende Gefühle wuchsen oder verminderten sich nach dem Grad des Weisen, welches ihr vorgehalten wurde. Herr Mesmer nahm also alles Weise hinweg, und zeigte ihr nur schwarze Gegenstände.
    Durch diese immer abwechselnde und entgegen gesetzte Wirkungen, überzeugte Er die Kranke: Daß der Grund ihrer Empfindungen in einer äusserlichen Ursache liege, daß sie eben deswegen, von denen bisher gefühlten sehr verschieden seyen, und so lehrte er sie den Unterschied zwischen Licht und Finsternis sowohl, als den Stuffen von beyden kennen. Er zeigte ihr ferner verschiedene Farben, und beobachtete nun eine sanftere Wirkung des Lichts, die einige bleibende Eindrücke zurücke ließ. Sie unterschied die Farben, und konnte sie vergleichen, aber nicht ihre Namen behalten, ungeachtet sie ein herrliches Gedächtnis hatte. Beym Anblick der schwarzen Farbe sagte sie ganz traurig, daß sie nichts mehr sähe, und sich dadurch an ihre vorige Blindheit erinnerte.
    In den paar ersten Tagen, dauerte, der von einem erblickten Gegenstand, auf die netzförmige Haut gemachte Eindruck ungefehr eine Minute und wenn sie einen ändern davon unterscheiden, nicht mit dem ersten verwechseln wollte, so war sie genöthiget, die Augen, so lange der erste Eindruck dauerte, zu zuschliessen.
    Sie sahe im Finstern, wo andere Personen mit Mühe etwas unterscheiden konnten, deutlich. Allein, diß verlohr sich, in dem Maas, wie ihre Augen mehr Licht ertragen lernten. Bißher waren die zur Bewegung des Augs bestimmte Muskeln von ihr nicht gebraucht worden. Man mußte sie also ihren Gebrauch kennen lernen, damit sie die Augen nach Gefallen bewegen, Gegenstände aufsuchen, erblicken, fest fassen, und ihre Lage beurtheilen lernte. Die hiebey nöthige unzählige Bemühungen, lassen sich nicht beschreiben, und es kostete desto mehr Schwierigkeit, da sie oft durch melancholische Anfälle, eine Folge ihrer Krankheit, unterbrochen wurden.
    Den 9. Febr. machte Herr Mesmer den ersten Versuch ihr Figuren und Bewegungen zu zeigen. Er tratt selbst in einem etwas dunkeln Zimmer vor sie hin. Im Anfang erschrack sie über die menschliche Gestalt, die Nase kam ihr lächerlich vor, und mehrere Tage konnte sie dieselbe nicht ohne ein lautes Gelächter ansehen. Sie verlangte, einen Hund, der ihr sehr lieb war, zu sehen, und diß Thier gefiel ihr besser als der Mensch. Da sie von keiner Figur den Namen wußte, so zeichnete sie den Umriß sehr genau mit dem Finger. Am schwersten hielt es, ihr zu zeigen, wie sie das Gesehne befühlen und diese beyde Sinne mit einander verbinden müßte. Sie hatte gar keinen Begrif von der Entfernung, alles, es mochte so weit weg seyn als es wollte, hielt sie für gleich nahe, und die Gegenstände schienen sich ihr in dem Maas, zu vergrössern, wie sie sich ihnen näherte.
    Die beständige Uebung, die sie anstellen mußte, ihre Ungeschicklichkeit zu verbessern, und die Menge von Dingen die sie zu lernen hatte, ärgerten sie oft so sehr, daß sie sich fast wünschte wieder blind zu seyn, um so mehr, da man, in diesem Zustand, ihre Geschicklichkeit und Klugheit bewundert hatte. Aber ihre natürliche Munterkeit überwand alles, und Herrn Mesmers unermüdete Sorgfalt, machte sie immer vollkommner. Allmählig lernte sie das volle Licht ertragen, und die Gegenstände in jeder Entfernung richtig unterscheiden. Nichts entgieng ihrem Blick, so gar in Miniatur = Gemählden, von denen sie die Züge und Stellung der Figuren nachahmte. Ja sie hatte die sonderbare Gabe, mit einer ausnehmenden Richtigkeit, den Charakter der Personen, welche sie sahe, aus ihren Gesichtszügen zu beurtheilen. Als sie des erstemal den gestirnten Himmel erblickte, zeigte sie Erstaunen und Bewunderung, und von diesem Augenblick an, schienen ihr alle Gegenstände, die man schön und angenehm nannte, weit unter dem Anblick der Sterne zu seyn, welchen sie einen ausserordentlichen Vorzug gab, und die sie mit ganz besonderem Vergnügen betrachtete.
    Die Menge von allerley Personen, welche sie sehen wollten, ließ Herrn Mesmer besorgen, sie möchte sich allzusehr ermüden, und seine Klugheit nöthigte ihn deßwegen vorsichtige Maasregeln zu ergreiffen. Diß, und die Ungeschicklichkeit dieser jungen Person, machten sich seine Gegner zu Nutz, die Wirklichkeit seiner Cur in Zweiffel zu ziehen. Allein Herr Mesmer versichert, daß ihr Gesicht vollkommen hergestellt seye, und daß sie den Gebrauch desselben, durch anhaltende Uebung immer vollkommener machen werde.
    * * *

    [Fortsetzung der Abhandlung von Mesmer]
    Unter den Aerzten, welche ihre Neugierde zu befriedigen, mich besucht hatten, befand sich Herr Barth, Professor der Anatomie, der sich vorzüglich mit Augenkrankheiten und dem Staarstechen beschäfftigte. Er selbst hatte zweymal die Jungfer Paradis für sehend erklärt. Aber aus Neid erkühnte Er sich im Publicum auszustreuen: Sie sey noch blind, er habe sich selbst davon überzeugt, und unterstützte diß Vorgeben dadurch: Weil sie die Namen der ihr vorgelegten Dinge oft nicht wußte, oft verwechselte. Jedermann antwortete ihm: Er vergässe hier den nothwendigen Unterschied, den man zwischen Blindgebohrnen, oder die wenigstens in ihrer zarten Kindheit blind geworden wären, und zwischen Blinden, die erst nach mehrern Jahren vom Staar befallen, nachher aber durch die Kunst ihr Gesicht wieder erlangt hätten, machen müßte. Jene könnten unmöglich die Kenntnisse wie diese haben. Wie ists möglich, sagte man, daß ein Mann von Ihrem Handwerk so einen groben Irrthum begehen kann? Aber seine Unverschämtheit behauptete von allem gerade das Gegentheil. Das ganze Publicum mochte ihm noch so oft tausend Zeugen ihrer völligen Genesung anführen, er allein leugnete alles weg, und schlug sich also zu dem schon oben angeführten Herrn Ingenhaus.
    Diese beyde Männer, welche anfänglich, von rechtschaffenen, vernünftigen Personen für seltsame Köpfe gehalten wurden, brachtens endlich doch so weit, daß sie, durch die Bemühungen des Partheygeistes, die Jungfer Paradis meiner Cur entrissen, ehe sie ihre Augen vollkommen brauchen gelernt hatte, verhinderten, daß sie Ihro Kayserlichen Majestät nicht, wie ich vorharte, vorgestellt wurde, und so wurde nun, dem verbreiteten Gerücht, daß alles Betrügerey gewesen, völlig Glauben beygemessen. Ja man machte, in dieser Absicht dem Herrn Paradis, durch die Furcht, er möchte das Gnadengehalt seiner Tochter verliehren, und hundert andere ihm versprochene Vortheile, den Kopf warm, biß er seine Tochter aus meinen Händen haben wollte. Diese aber, und ihre Mutter dachte eben so, weigerte sich, weil sie besorgte, daß ihre Genesung unvollkommen ausfallen möchte. Man drang in sie, diß widerwärtige Betragen erneuerte ihre gichterische Anfälle, und veranlaßte einen unglücklichen Rückfall, doch hatte derselbe keine Folgen auf ihr Gesicht, in dessen Gebrauch sie sich immer vollkommener zu machen suchte.
    Kaum sahe sie ihr Vater besser, so erneuerte er, vom Partheygeist aufgehetzt, sein voriges Betragen, verlangte von mir mit Hitze seine Tochter, und zwang seine Frau sie mir abzufordern. Die Tochter weigerte sich aus den ersten Bewegungs = Gründen. Die Mutter, welche sie bißher unterstützt, und mich gebeten hatte, die Seltsamkeiten ihres Manns zu entschuldigen, sagte mir den 29ten April, daß sie entschlossen seye, ihre Tochter auf der Stelle aus meinem Hause zu nehmen. Sie haben ihr zu befehlen, versetzt ich, wenn sie aber neue Anfälle bekommen sollte, denn thu' ich keinen Zug mehr. Diß hörte ihre Tochter, und wurde so empfindlich dadurch gerührt, daß sie neuerdingen die Gichter bekam. Der Herr Graf von Pellegrini, einer meiner Kranken, kam ihr zu Hülfe, die Mutter aber, welche ihr Geschrey hörte, verließ mich plötzlich, riß ihre Tochter halb wüthend aus den Händen, die ihr zu Hülfe gekommen waren, und sagte: Unglückliche! Du spielst auch mit den Leuten dieses Hauses unter einem Hütgen! ja sie stieß ihr den Kopf in der Wuth gegen die Wand. Nun erneuerten sich alle Anfälle dieser Unglücklichen. Ich eilte auf sie zu, ihr zu helfen, die noch immer wüthende Mutter stürzte über mich her, mich zu hindern und schimpfte was sie konnte. Ich aber ließ sie durch einige Personen meines Hauses entfernen, und gieng wieder zur Tochter, um für sie zu sorgen. Indem ich hiemit beschäfftiget war, hört ich ein neues wüthendes Geschrey und abwechselnde wiederholte Bemühungen, die Thüre des Zimmers, worinn ich mich befand, aufzureissen und wieder zuzuschmettern. Diß war Herr Paradis. Seine Frau hatte ihn durch einen ihrer Bedienten ruffen lassen. Er kam mit blossem Degen in mein Haus, und suchte in das Zimmer zu dringen, mein Bedienter aber bemühte sich ihn abzuhalten, und stellte sich vor die Thüre. Endlich wurde der Rasende entwafnet, und verließ, unter tausend Flüchen über mich und die Meinige, meine Wohnung. Seine Frau hingegen lag in Ohnmacht, ich ließ ihr die nöthige Hülfe leisten, und sie begab sich nach einigen Stunden hinweg. Aber ihre unglückliche Tochter bekam Erbrechen, Gichter und Anfälle von Wuth, welche das geringste Geräusch, vorzüglich der Ton der Glocken biß zum Erstaunen vermehrte. Ja sie wurde durch den hefftigen Stoß, den ihr ihre Mutter gegeben hatte, wieder blind, und diß ließ mich sehr viel für ihr Gehirn befürchten.
    Diß waren, für sie und mich, die traurige Folgen dieses betrübten Auftritts. Leicht hätt' ich alle diese Vergehungen, gerichtlich durch das Zeugnis des Herrn Grafen von Pellegrini, und noch acht Personen, die sich bey mir befanden, erhärten können, ohne von eben so viel Nachbarn zu sprechen, welche alle im Stand waren die Wahrheit zu bezeugen. Allein, einzig damit beschäfftigt, wenn es immer möglich wäre, die Jungfer Paradis zu retten, vernachlässigte ich alle rechtliche Mittel. Umsonst vereinigten sich meine Freunde, mir die Sonnenklare Undankbarkeit dieser Leute, und die fruchtlose Bemühungen meiner Arbeiten vorzustellen. Ich blieb bey meinem ersten Entschluß und würde mich noch dazu glücklich geschätzt haben, wenn ich durch Wohlthaten die Feinde der Wahrheit, und meiner Ruhe hätte besiegen können.
    Den folgenden Tag erfuhr ich, daß Herr Paradis, um seine Vergehungen zu bemänteln, die schändlichsten Beschuldigungen gegen mich ausstreute, alles in der Absicht seine Tochter aus meinem Haus zu schaffen, und durch ihren Zustand das Gefährliche meiner gebrauchten Mittel zu beweisen. Und wirklich erhielt ich, durch Herrn Hof=Medicus Ost, einen, von Herrn von Störk, als Präsidenten des Medicinal = Wesens geschriebenen Befehl, Schönbrunn den 2ten May 1777, der mir auferlegte: Dieser Betrügerey ein Ende zu machen, (diß war sein Ausdruck) "und die Jungfer Paradis ihren Eltern zurück zu geben, wenn ich glaubte, daß es ohne Gefahr für die Kranke geschehen könnte."
    Wer hätte glauben sollen, daß der, so gut, durch den nemlichen Arzt, von dem bey mir vorgefallenen Auftritt, unterrichtete Herr von Störk, der seit seinem ersten Besuch zweymal gekommen war, sich von der Besserung der Kranken, und dem Nutzen meiner gebrauchten Mittel selbst zu überzeugen, daß dieser Herr sich gegen mir einen so beleidigenden verachtungsvollen Ausdruck erlauben würde? Ich hatte vielmehr alle Gründe zu vermuthen: Er, dessen eigentliche Bestimmung es erforderte, eine Wahrheit von dieser Art zu untersuchen, würde ihr Vertheydiger seyn. Ja ich unterstehe mich noch hinzusetzen: Es wäre seine, als Präsidenten der medicinischen Facultät, noch mehr als eines Mannes, der das ganze Vertrauen des höchsten Kayserlichen Hofes hatte, erste Pflicht gewesen, unter diesen Umständen ein Mitglied der Facultät zu beschützen, an dem er nichts auszusetzen wußte, einen Mann, den er hundertmal seiner Zuneigung und Hochachtung versichert hatte. Ich antwortete übrigens auf diesen unüberlegten Befehl: Die Kranke befände sich ausser Stand, ohne Lebens = Gefahr, aus dem Haus gebracht zu werden. Eben diese Lebens = Gefahr der Jungfer Paradis, machte ohne Zweifel ihren Vater zahm, und ließ ihn einige Ueberlegungen anstellen. Er bediente sich bey mir der Vermittelung zweyer liebenswürdigen Personen, um mich dahin zu bringen, noch ferner für seine Tochter besorgt zu seyn. Ich ließ ihm sagen: Es würde, doch nur unter der Bedingung, geschehen, wenn weder Er, noch seine Frau, sich in meinem Haus blicken liessen.
    Und in der That übertraf die Wirkung meiner Bemühungen, alle meine Hoffnungen. Schon in neun Tagen verlohren sich die Gichter und alle Zufälle, aber sie war noch immer blind. Eine fünfzehn tägige Cur hob auch diß, und stellte auch ihre Augen wiederum so gut her, als sie vor diesem Zufall waren. Ich wandte noch andere 15 Tage an, sie zu unterrichten, wie sie sich, um ihre Gesundheit immer vollkommener zu machen und zu stärken, verhalten müßte. Nun erfuhr das Publicum ihre Wiederherstellung, und fast jederman, bezeugte mir aufs neue, so gar schrifftlich, sein Vergnügen und Zufriedenheit darüber. Herr Paradis, der von dem Herrn Ost, welcher auf sein Ersuchen, mit meiner Bewilligung die ganze Cur beobachtete, die gute Umstände seiner Tochter erfuhr, dankte meiner Frau schrifftlich für ihre mütterliche Sorgfalt. Auch mir dankte er, mit der Bitte: Ich möchte das geschehene gütigst entschuldigen, von seiner künftigen Dankbarkeit versichert seyn, und schloß zuletzt mit der Bitte: Ihm seine Tochter zu schicken. Er gedächte sich aufs Land zu begeben, und wünschte, daß sie mit Ihm die Landluft geniessen könnte. Von da aus, würde er sie, mir so oft zurücke schicken, als ich es für nöthig erachten würde, sie noch ferner zu unterrichten, ja er hoffe, daß ich die Güte haben würde, Sie nicht zu verlassen. Ich war gutherzig genug ihm zu glauben, und schickt' ihm seine Tochter den 8ten Junius, erfuhr aber gleich den folgenden Tag, daß sein ganzes Haus sich bemühete, das Gerücht auszubreiten: Ihre Tochter seye noch blind und von den Gichtern geplagt, ja daß man sie nöthige, gichterische Bewegungen und das Betragen einer Blinden nachzuahmen, und so den Leuten zeige.
    Im Anfang wurde diesem Märchen von denen Personen widersprochen, welche selbst das Gegentheil gesehen hatten. Allein es wurde nicht nur unterstützt, sondern fand so gar, durch die schwarze Kunstgriffe, zu denen sich Herr Paradis brauchen ließ, Glauben; ohne daß es mir möglich gewesen wäre, der Wahrheit, durch die Zeugnisse der schätzbarsten Personen, z.E. des Kays. Königl. Herrn Hofrath und Staats = Canzley = Directors Spielmanns, der Kays. Königl. Räthe, Herrn von Molitor und Umlauer Kays. Königl. Arztes; Herrn von Boulanger, von Heufeld, und der Herrn Barons von Colnbach und von Weber, den Sieg zu verschaffen, welche doch, (nicht von vielen ändern Personen zu sprechen) aus eigener Bewegung, fast täglich, mein Verfahren und seine Wirkungen beobachtet hatten.
    Auf diese Art, kam man endlich, trotz aller meiner standhafften Bemühungen, so weit, die aufs unwiderleglichste bewiesene Wahrheit unter die Classe der Betrügereyen, wenigstens der allerungewissesten Dinge zu versetzen. Jedermann begreifft, welch einen Eindruck, die wüthende Begierde meiner Gegner, mir zu schaden, und die Undankbarkeit eines Hauses, welches ich mit Wohlthaten überhäuft hatte, auf mich machen mußte.
    Und dannoch setzt ich, während der letzten Hälfte 1777, die Cur der Jungfer Ossine und Zwelferinn fort. Diese letztere, hatte, wie ich schon gesagt habe, noch weit elendere Augen als die Jungfer Paradis. Glücklich verfolgte ich die Cur, der übrigen bey mir gebliebenen Kranken, namentlich der Jungfer Wipior von neun Jahren. Diese hatte auf dem einen Aug einen Auswuchs der Hornhaut, welcher gemeiniglich unter dem Namen Staphyloma bekannt ist. Und diese drey bis vier Linien hohe knorpelichte Erhöhung raubte ihr den Gebrauch des einen Auges. Ich war so glücklich, diesen Auswuchs so sehr zu zertheilen, daß sie mit diesem Aug wieder lesen konnte. Nur ein schwaches Fell war auf der Mitte der Hornhaut zurück geblieben, und ich glaube gewiß, ich würde auch diß weggebracht haben, wenn mir die Lage meiner Umstände gestattet hätte, die Cur fortzusetzen. Aber, ermüdet von meinen zwölfjährigen anhaltenden Arbeiten, noch mehr durch die unterstützte Verfolgung meiner Gegner, ohne das mindeste Vergnügen für alle meine Untersuchungen und Beschwehrlichkeiten, als dasjenige, das mir meine Feinde nicht rauben konnten, erhalten zu haben, glaubt' ich bißher alle meine Pflichten gegen meine Mitbürger erfüllt zu haben: Ueberzeugt, daß ein Tag kommen würde, wo man mir mehr Gerechtigkeit würde wiederfahren lassen, entschloß ich mich zu reisen, in der einigen Absicht, mir die höchstnöthige Erholung zu verschaffen. Um aber zugleich, so viel mir möglich war, dem Vorurtheil und den Beschuldigungen entgegen zu arbeiten, richtete ich alles so ein, daß Jungfer Ossine und Zwelferinn, während meiner Abwesenheit, in meinem Haus blieben, und gebrauchte hernach die Vorsicht, dem Publicum den Grund davon anzugeben: "Sie blieben deßwegen in meiner Wohnung, damit man ihre Lage alle Augenblick zur Steuer der Wahrheit untersuchen und bestättigen könnte". Acht Monate brachten sie da zu, und verliessen es bloß auf höhere Befehle.
    Im Februar 1778 kam ich nach Paris,8 und fieng an das angenehme der Ruhe zu gemessen, mich ganz der wichtigen Bekanntschafft der Gelehrten und Aerzte dieser Hauptstadt zu überlassen, biß ich mich endlich, um ihre zuvorkommende Höflichkeit, womit sie mich überhäufften, zu erwiedern, genöthigt sähe, ihre Neugierde zu befriedigen, und von meinem System zu sprechen. Sie stutzten über seine Beschaffenheit und Wirkungen, und wünschten meine Erklärung darüber. Ich gab Ihnen auch dieselbe in meinen 19 kurzen Sätzen.9 Diese schienen Ihnen in gar keiner Verbindung mit denen bißher bekannten Kenntnissen zu stehen. Ich fühlte wirklich selbst, die Schwierigkeit, durch blosse Vernunft = Schlüsse, das Daseyn eines Principiums zu beweisen, von dem man noch gar keinen Begriff hatte, und willigte, in dieser Rucksicht, in die Forderung, die Wahrheit und den Nutzen meiner Theorie, durch die Cur einiger schwehren Krankheiten, zu beweisen.
    Man vertraute mir verschiedene Kranke an, aber der größte Theil befand sich in so Übeln Umständen, daß meine ganze Neigung, nützlich zu seyn, erfordert wurde, um mich nur zu ihrer Annahme zu bewegen. Und doch war ich so glücklich: Eine mit krampfigtem Erbrechen verbundene von Vapeurs entstandene Melancholie, verschiedene alte Verstopfungen der Miltz, der Leber und des Gekröses, einen unvollkommenen Staar, der schon so weit gekommen war, daß die Person nicht mehr ohne Führer gehen konnte, eine allgemeine mit Zittern verbundene Lähmung, welche den viertzig jährigen Kranken einem Greis und Betrunkenen ähnlich machte, zu heilen. Diese letzte Krankheit war eine Folge des Erfrierens, und verschlimmerte sich durch ein bösartiges Faulfieber, wovon der Kranke vor sechs Jahren in America war überfallen worden. Eben so glücklich hob ich eine gänzliche Lähmung und Schwinden der Füsse; ein anhaltendes Erbrechen, welches dem Kranken eine Dörrsucht zugezogen hatte; eine Schwindsucht und Verhärtung der Drüsen (Cachexia ferophulofa) und endlich eine allgemeine Unordnung in den Ausdünstungs = Werkzeugen.
    Alle diese Kranke, deren Plage den Pariser Aerzten bekannt und von ihnen anerkannt worden war, bekamen Crisen und merkliche, der Natur ihrer Krankheiten gemässe Ausleerungen, ohne irgend ein Arzney = Mittel gebraucht zu haben, und liessen mir, nach geendigter Cur, hierüber eine umständliche Erklärung.
    Und ist diß nicht mehr als hinreichend, die Vorzüge meiner Cur = Art, unwiderleglich, zu beweisen, hatt' ich nicht Grund mir zu schmeicheln, daß es eine volle Ueberzeugung wirken würde? Aber gerade die Personen, welche mich bewogen, diese Curen zu unternehmen, setzten sich nicht in die Lage worinnen sie den Erfolg genau beobachten konnten, und diß aus Beweggründen, deren Entwickelung in dieser Schrifft am unrechten Ort stehen würde. Da diese Curen, gegen mein Erwarten, nicht dem Corps vorgelegt wurden, dessen Achtung allein die Stimme des Publicums hätte berichtigen können, so erreichten sie die Absicht, welche ich mir vorgesetzt, womit ich mir geschmeichelt hatte, nur unvollkommen. Und diß veranlaßt mich nun einen neuen Versuch für den Sieg der Wahrheit zu wagen. Hier liefere ich meine erste, aber merklich erweiterte Sätze, und mache sie hiemit öffentlich so bekannt, wie es bißher noch nie geschähe.
    Sätze
    1) Die Himmels = Körper, die Erde und die thierische Körper haben einen wechselseitigen Einfluß in einander. Und zwar vermöge
    2) Einer allgemein verbreiteren stätigen, äusserst feinen Flüssigkeit, welche ihrer Natur nach die Fähigkeit hat alle Arten von Bewegung anzunehmen, dieselbe mitzutheilen, und fortzupflanzen.
    3) Diese wechselsweise Wirkung richtet sich nach mechanischen, bißher unbekanten Gesetzen.
    4) Von ihr entspringen die wechselsweisen Würkungen, die man als eine Ebbe und Fluth ansehen kann.
    5) Diese Ebbe und Fluth ist mehr oder weniger allgemein, mehr oder weniger auf einzelne Gegenstände eingeschränkt, mehr oder weniger zusammen gesetzt, je nachdem ihre bestimmende Ursachen beschaffen sind.
    6) Auf diese Art (und es ist die aller allgemeinste, die man in der ganzen Natur findet) stehen die Himmels = Körper, die Erde und ihre wesentliche Bestandtheile in einem thätigen Verhältnus gegen einander.
    7) Und von ihr hängen die Eigenschafften der Materie und der organischen Körper ab.
    8) Auf den thierischen Körper haben die abwechselnde Wirkungen dieses Principium einen Einfluß, indem es die Substanz der Nerven durchdringt, und unmittelbar auf sie wirkt.
    9) Vorzüglich hat der menschliche Körper magnetähnliche Eigenschafften, sich entgegen gesetzte Pole, die man mit einander verbinden, verändern, zerstöhren und verstärken kann, ja man hat schon die magnetische Neigung (inclinatio) daran beobachtet.
    10) Eben diese Eigenschafft des thierischen Körpers, welche ihn des Einflusses der Himmels = Körper und der Zurückwirkung auf das, was ihn umgiebt, fähig macht, da sie sich auf eine Magnet ähnliche Art äussert, bewog mich, sie den thierischen Magnetismus zu nennen.
    11) Die Wirkung und die Krafft dieses eben beschriebenen thierischen Magnetismus, läßt sich ändern, lebendigen und leblosen Körpern mittheilen, doch sind beyde bald mehr, bald weniger geschickt, sie anzunehmen.
    12) Diese Wirkung und diese Krafft können durch die nemliche Körper verstärkt und fortgepflanzt werden.
    13) Schon die Erfahrung lehrt den Ausfluß einer sehr feinen Materie, welche alle Körper durchdringt, ohne ein merkliches von ihrer Thätigkeit zu verliehren.
    14) Sie wirkt auch in der Entfernung, ohne Beyhülfe eines ändern vermittelnden Körpers.
    15) Sie wird, wie das Licht, durch Spiegel vermehrt und zurück geworfen.
    16) Sie läßt sich durch den Schall fortpflanzen und vermehren.
    17) Diese magnetische Krafft kann angehäuffet, zusammen gedrängt, und von einem Ort an den ändern gebracht werden.
    18) Nicht alle lebendige Körper haben diese Fähigkeit in gleichem Grad, ja man findet, doch sehr selten, einige, welche so sehr die entgegen gesetzte Eigenschafft besitzen, daß ihre blosse Gegenwart, die Wirkung dieses Magnetismus in andere Körper, zerstöhrt.
    19) Auch diese entgegen gesetzte Krafft durchdringt alle Körper, läßt sich mittheilen, fortpflanzen, anhäuffen, zusammendrängen, von einem Ort an den ändern bringen, durch Spiegel zurücke werfen, und durch den Schall fortpflanzen, und ist also nicht nur eine negative, sondern wirklich, obschon entgegen gesetzte positive Krafft.
    20) Natürlich und künstliche Magnete sind, so gut als andere Körper, des animalischen Magnetismus, und so gar der ihm entgegen gesetzten Krafft fähig, ohne daß, weder im ersten noch im ändern Fall, ihre Wirkung auf das Eisen, und die Nadel, die geringste Veränderung dadurch erlitte. Ein Umstand, welcher den wesentlichen Unterschied, der Principien des thierischen und mineralischen Magnetismus, beweiset.
    21) Diß System verbreitet ein neues Licht, über die Natur des Feuers, des Lichts, die Theorie der Attraction, der Ebbe und Fluth, des Magnets und der Electricität.
    22) Es zeigt, daß der Magnet und die künstliche Electricität, in Absicht auf die Krankheiten, nur die gewöhnliche Eigenschafften, anderer, von der Natur uns angebottenen Mittel haben, und daß, wenn sie bißweilen einige gute Wirkung thaten, diese blos vom thierischen Magnetismus herrühre.
    23) Meine practische Regeln, die ich angeben werde, sollen durch die Erfahrung lehren, daß diß Principium, Nerven = Krankheiten unmittelbar, andere mittelbat heile.
    24) Daß durch seine Unterstützung, dem Arzt ein Licht im Gebrauch der Arzney = Mittel aufgesteckt wird, daß er ihre Wirkung vollkommener machen, heilsame Crisen hervorbringen, nach Gefallen lenken, und sich vollkommen zum Herrn von ihnen machen kann.
    25) In der Beschreibung meiner Methode, werde ich, durch eine neue Theorie der Krankheiten, den allgemeinen Nutzen, meines ihnen entgegen gesetzten Principiums beweisen.
    26) Ein mit diesen Einsichten versehener Arzt, wird zuverlässig, den Ursprung, die Natur und den Fortgang, auch der zusammengesetztesten Krankheiten, beurtheilen, ihr Steigen verhindern und sie heben, ohne jemals den Kranken einer gefährlichen Wirkung oder schädlichen Folgen auszusetzen, sein Alter, Temperament und Geschlecht seye beschaffen, wie es immer will. Selbst Schwangere und Gebährende können diesen Vortheil gemessen.
    27) Mit einem Wort: Diß Lehrgebäude wird den Arzt in Stand setzen, die Gesundheit eines jeden bestimmt zu beurtheilen, ihn vor allen Krankheiten, denen er etwa ausgesetzt seyn könnte, zu verwahren, und folglich die Heilkunst auf den höchsten Gipfel ihrer Vollkommenheit bringen.
    Ungeachtet unter allen diesen Sätzen nicht ein einiger ist, über welchen, mir, meine zwölfjährige unermüdete Beobachtungen, nur den mindesten Zweifel zurückgelassen hätten, so begreiff' ich doch sehr leicht, daß nach denen einmal angenommenen Grundsätzen und Kenntnissen, mein System, beym ersten Anblick eben so sehr einem Traum als der Wahrheit ähnlich scheinen werde. Allein ich ersuche alle aufgeklärte Personen, alle Vorurtheile zu entfernen, und wenigstens ihr Urtheil so lange zurück zu halten, biß mir die Umstände gestatten, meinen Grundsätzen, den Grad der Ueberzeugung zu ertheilen, deren sie fähig sind. Der Anblick so vieler, unter der Last des Jammers und des Unglücks bloß deßwegen Leidender, weil die bekannte Mittel nicht im Stand sind ihnen zu helfen, ist wohl hinreichend, den Wunsch, ja die Hoffnung, nach bessern, rege zu machen.
    Nur Aerzte, diese Vertraute des Publicums, in Absicht auf die Erhaltung und Glückseligkeit des Menschen = Geschlechts, sind, vermöge der ihrer Lage wesentlichen Känntnisse fähig, die Wichtigkeit meiner angekündigten Entdeckung reif zu beurtheilen - ihre Folgen ins Licht zu stellen. Sie allein können sie in Ausübung bringen. Der Vorzug, den ich geniesse, selbst unter eine so würdige Classe von Menschen zu gehören, läßt mich nicht zweiffeln: Sie werden sich gewiß alle Mühe geben, Grundsätze anzunehmen und zu verbreiten, welche zum größten Vortheil der leidenden Menschheit gereichen. Sie werden es gewiß thun, so bald sie durch diese, ihnen vorzüglich gewidmete Schrift einen wahren Begriff von dem thierischen Magnetismus erhalten haben.


    Anmerkungen
    1. Es geht um Doktorarbeit vom F.A.Mesmer, die in Lateinisch verfasst wurde. Originaltitel lautet "De Planetarum Influxu" [Vom Einfluß der Planeten]. - Anmerkung der Redaktion der Website.
    2. Es geht um das Buch "Schreiben über die Magnetkur von Herrn A.Mesmer, Doktor der Arznengelährtheit an einen auswärtigen Arzt", 1775. (Anmerkung der Red. d. Website).
    3. Brief über den thietischen Magnetismus und das Elecktrophor an den Herrn Grafen von Kinszky. Er wurde in die Schrifften der böhmischen gelehrten Gesellschaft vom Jahr 1776. T. II. eingerückt, aber auch besonders gedrucke, und das folgende Jahr in Wien verbreitet.
    4. Es geht um Pfarrer Johann Joseph Gaßner (1727-1778), der Exorzismus praktizierte (Anmerkung der Red. d. Website).
    5. Maximilian III Joseph, 1745-1777. (Anmerkung der Red. d. Website).
    6. Im Anfang 1778 erschien: Eine Sammlung derer durch den Magnetismus verrichteten Curen, in Leipzig. Diese unschickliche Sammlung (deren Verfasser ich nicht kenne) hat nichts als das Verdienst, getreu und ohne Partheylichkeit, alle Erzählungen und Schrifften, für und gegen mein System, gesammlet zu haben.
    7. Wiesenküchenschelle (lat. Pulsatilla pratensis). (Anmerkung der Red. d. Website).
    8. Meine, mir zu schaden immer unermüdete Gegner, bemühten sich, bey meiner Ankunft in Frankreich, alles gegen mich einzunehmen. Sie zogen so gar die Wienerische medicinische Facultät mit ins Spiel, und liessen im Merz 1778 ein Schreiben ohne Namen, in das Journal Encyclopedique p. 506. einrücken. Herr Hell, Herr zu Hirsingen und zu Lundzer, nahm keinen Anstand zu dieser Verleumdungs = Schrifft seinen Namen zu leihen. Inzwischen war ich noch nicht bekannt, und sah' sie nicht, biß man sich in Paris darüber gegen mich entschuldigte. Die Unwahrheit, erbärmliche Schlüsse und Boßheit dieses Schreibens, verdienen übrigens nichts als Verachtung. Man darf es nur lesen, um sich davon zu überzeugen.
    9. Diese nemliche Sätze, wurden 1776, von Herrn Elliot, Englischen Gesandten auf dem Reichstag zu Regensburg, nach Londen der Königlichen Gesellschaft überschickt. Ich hatte sie diesem Herrn, auf sein Verlangen mitgetheilt, da er von mir sehr viele Versuche in München und Regensburg gesehen hatte.
    Zusätzlicher Stoff



    Quelle: http://lebendige-ethik.net/de/3-Mesm...d_1781.de.html
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  2. #22
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    Kommentar

    Nachdenkenswerter Artikelkommentar!

    Magicrealm 18. June 2013 at 22:00
    Denken bedeutet Informationen zu kombinieren.
    voraussetzung für Denken ist es also, Informationen zu haben. danach muss man oftmals suchen. das heisst, man muss überhaupt Fragen haben. fragen entstehen, wenn man beim kombinieren von informationen Löcher findet.
    die grundvoraussetzung für das finden von solchen informationslöchern ist einerseits die aufmerksamkeit, mit der man informationen verfolgt (dh sich nicht mit einfachen antworten zufrieden gibt, da diese nach informationskombinationen sich als nicht ausreichend herausstellen) und andererseits die fähigkeit, informationen so zu speichern und jederzeit derart parrat zu haben, das sie zur informationskombination überhaupt zur verfügung stehen. dh sich nicht dem vergessen überantwortet.
    wahrheit ist also etwas, das sich nach kombinieren aller denkbaren informationen als das richtige herausstellt.
    wenn menschen etwas von sich geben, was ein anderer als falsch empfindet oder als hetze , dann liegen hier unterschieliche informationen und unterschiedliche informationsbearbeitungen zugrunde. hier kommt der wille ins spiel. was will ich als wahr sehn, was will ich als falsch sehen. die informationskombinationen können in falsche bahnen gelenkt werden. dies passiert jede zehntel sekunde.
    nun gibt es immer eine tatsächliche reale wahrheit. nämlich das , was tatsächlich geschieht oder geschehen ist. gehen wir von einer gemeinsamen sprache oder deren übersetzung aus und auch einer gemeinsamen wahrnehmung, dann ist ein tisch ein tisch. diese wahrheit wird dann zu einer lüge, wenn unterschiedliche interssen damit verbunden sind. wenn es zum verkauf des tisches kommt, dann haben käufer und verkäufer unterschiedliche interessen an diesem tisch und werden daher unterschiedliche vermeintliche wahrheiten über diesen tisch erzählen, um den preis zu drücken oder zu erhöhen. es gilt also, die interessen des anderen zu kennen, um dessen vermeintliche wahrheit als umgebogene wahrheit oder lüge zu entlarven.
    diese lügen haben sich im laufe der jahrhunderte von jenen mächten aufgehäuft, die mit ihren lügen macht über die gewonnen haben, über die sie herrschen. jede unerkannte lüge ist macht.
    es gibt vor dem universum nichts miserableres als ein wesen, das nicht bemerkt, belogen zu werden.
    denn es gibt etwas in uns, was jederzeit jede lüge sofot auf intuitiver ebene erkennt. dieses etwas nennt man seele, es gibt auch andere begriffe dafür. es ist nicht so, das wahrheit nur ein objektiver tatbestand ist und lüge eine verfälschung desselben. wahrheit ist auch eine kraft, ebenso wie lüge eine antipolische, gewaltsame aufrechterjhaltung dieser kraft in die falsche richtung darstellt. eine energie die, je mehr wie sie praktizieren und je unausweichlicher wir ihr folgen, uns verändert, uns zu einem anderen menschen macht. es gibt wahrheiten, die gehen in die knochen, die gehen unter die haut, die können wir kaum verkraften. diese sind dann keine einfachen informationen mehr, diese sind kein wissen-haben mehr, diese sind zu wissen-sein, zu bewusstsein geworden. um dieses bewusstsein geht es überhaupt nur auf dieser welt. erkenne dich selbst steht auf dem orakel von delphi.
    ein durch wahrheiten gewachsenen bewusstsein, erkennt jederzeit jede lüge. es erkennt die antipolische kraft in der lüge. ein solches bewusstsein nannte man im alten keltentum druvide, grosses wissen, weisheit. und die menschen dieser zeit wussten solche wissenden zu achten, sie nannten sie druiden. heute sind die lügen derart überall in den menschen festgebissen, das sie sich wie dämonen auf solche wissenden stürzen, wo immer sie solche auch nur vermuten. sich in lügen zu verstricken führt in den wahn, da kein denken mehr möglich ist. lügen verbiegen die informationen derart, das das vermögen zu kombinieren verschwindet und sich die kraft in den vordergrund schiebt, die beim erstellen von lügen vorherrscht. die antipolische kraft der wahrheit.
    als gehetze wirkt auf solche in wahn und lügen umnachteten menschen jede wahrheit. die antipolische energie will weiter ernährt werden, sie lässt nicht ab von ihrem wirt, sie vermehrt und verstärkt sich ebenso wie die wahrheit im positiven sinne. während die wahrheit aber zu bewusstsein führt, führt die lüge zum wahn.
    ich möchte in zusammenhang mit obigen thema jedem, der für gleichheit der religionen einsteht, empfehlen, sich diese religionen einmal anzusehen, den talmud, den koran und das neue testament einmal zu lesen. im querschnitt reicht.
    man sollte informationen haben darüber, worüber man spricht, was ist man denn sonst ?
    Niemand der von gleichheit der religionen spricht, hat das aber getan. niemand hat informationen über die andere religionen, kennt nichtmal die eigene ! oder er belügt die anderen um der eigeninteressen mit einer solchen vermeintlichen gleichstellung wegen.
    der leser wird überraschend feststellen, das sein wille, für gleichheit der religionen einzustehen, eben eine christliche einstellung ist, dagegen der koran und der talmud an tausenden von stellen den straftatbestand der volksverhetzung erfüllt´im bezug auf ungläubige, also nichtjuden und nichtmoslems. dort wird in leviten und suren genau beschrieben, wie der gläubige mit ungläubigen umzugehen hat. und zwar ganz bestimmt nicht seine linke backe hinhalten. ist es eine hetze, wenn man gegen eine verhetzung ist ? oder ist es die aufdringliche aufforderung zur informationsbesorgung ? ist aufklärung hetze ? wie viele menschen kamen wegen vermeintlicher volksverhetzung ins gefängniss, weil sie informationen über eine lüge bekannt gaben, dessen interesse zur aufrechterhaltung alles und jeder geopfert wird ? dieser ganze planet geopfert wird ?
    ich warne jeden, der sich auf den pfad der wahrheit begibt. es ist ein pfad ohne rückkehr. an dessen ende steht das reich der liebe , ja, aber das zu erreichen schaffen die wenigsten.
    in diesem sinne

    alles liebe
    Liebe Grüße
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

  3. #23
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    Aufstand der Eliten


    Aufstand der Eliten




    Der Sozialwissenschafter Phillip Becherhat
    kürzlich seine Studie über den Rechtspopulismus in Europa und den Vereinigten Staaten veröffentlicht.* Mittlerweile gibt es in fast der Hälfte der 27 EU-Mitgliedsstaaten Parteien rechts von der „bürgerlichen Mitte“, die Sitze in den nationalen Volksvertretungen oder dem Europäischen Parlament erlangt haben. In den USA profiliert sich die von Öl-Multis unterstütze Tea-Party-Bewegung als eine Kraft, die sozialen und demokratischen Fortschritt bekämpft. Es ist bereits von einer „Renaissance des Rechtspopulismus“ die Rede. Susann Witt-Stahl sprach mit Phillip Becher über jüngste Entwicklungen des Phänomens, die Unterschiede zum Faschismus und welche Auswirkungen der Rechtspopulismus in den Regierungen hat. Sie fragte nach dem Verhältnis von Wilders, Strache & Co zum Neokonservatismus und Zionismus, ihren neuen Ideologemen und Strategien und ob die politischen Antworten der Anti-Rechts-Bündnisse überhaupt noch zeitgemäß sind.


    Hintergrund: Ist von „Rechtspopulismus“ die Rede, assoziiert man bis heute Aschermittwochsreden, beispielsweise von Franz Josef Strauß in den 1970er-Jahren. Man denkt an Bier- und Bratwurstdunst, Law-und-Order-Rhetorik und andere Kraftmeierei, an Verbalinjurien, dumpfe Polemik und Schenkelklopfen. Was aber ist Rechtspopulismus im Kern, und welche sind seine zentralen Wesenszüge?


    Phillip Becher: Ich glaube, dieser schwierigen Frage muss man sich über zwei Begriffsebenen nähern. Zum einen sollte man sich darüber verständigen, was rechte Politik ist. Zum anderen braucht man eine Definition von Populismus. Ende des 19. Jahrhunderts hätte man wohl Gruppen wie die russischen Volksfreunde oder die People’s Party in den USA als populistisch bezeichnet. Beide vertraten bäuerliche Interessen und waren echte Bewegungen von unten, die jeweils spezifische Antworten auf die kapitalistische Modernisierung zu finden versuchten. Dementgegen hat der Sozialwissenschaftler Reinhard Opitz den Begriff „populistisch“ in den frühen 1980er-Jahren einmal mit „völkisch“ übersetzt. Man sieht hier sehr gut die Wandlung des Ausdrucks „Populismus“. Und der von Ihnen genannte Franz-Josef Strauß ist an dieser Stelle in der Tat eine Art Stichwortgeber oder Vorläufer. Opitz hat die Strauß-CSU in den 1970er-Jahren als eine Organisation zwischen Sammlungsbewegung und Partei definiert, die eine Massenbasis für administrativ-autoritäre Politik herzustellen versucht. Diese Funktion erfüllt sie in dieser Form heute nicht mehr. Ein gewisses Bedürfnis, vor allen Dingen in Krisenzeiten, aber keineswegs auf diese beschränkt, die Gesellschaft auf diesem Wege von oben „zusammenzuhalten“ – zumeist auf Kosten bestimmter gesellschaftlicher Gruppen – besteht aber weiterhin. Ich würde daher das Stichwort der administrativ-autoritären Politik als Zielstellung des neuen Rechtspopulismus definieren. Dieser tritt zwar auch als Anwalt von „Volksinteressen“ auf, definiert diese aber nicht sozial, sondern angeblich klassenblind. Hierbei erhält er, obwohl antielitär auftretend, Unterstützung von Teilen der Eliten. Die Entstehung des Rechtspopulismus hat auch mit der Entwicklung des Neoliberalismus zu tun. Der Wirtschaftswissenschaftler Herbert Schui hat überzeugend aufgezeigt, wie die rechtspopulistischen Programmatiken den neoliberalen Zeitgeist in sich aufgenommen haben. Gleichzeitig agieren die rechtspopulistischen Führer in Europa und Nordamerika jedoch als Vertreter eines systemkonformen Protests. Sie plädieren dafür, gesellschaftliche Probleme mit der Hilfe starker Sicherheitsorgane zu lösen. Auch die Agitation gegen Zuwanderer und Muslime nimmt breiten Raum ein. Den Vorwurf des Faschismus würden diese Rechtspopulisten wohl alle entrüstet von sich weisen. Rechts, das heißt, im Anschluss an Opitz, zuvorderst inhaltlich antidemokratisch, sind sie dennoch. Man grenzt sich eben verbal vom „Extremismus“ ab.

    Natürlich weisen Rechtspopulisten den Faschismusvorwurf weit von sich. Das tun verständlicherweise sogar viele Faschisten – nach den welthistorischen Verbrechen, die auf ihr Konto gehen. Aber es gibt doch nicht wenige Gemeinsamkeiten zwischen Rechtspopulisten und Faschisten. Welche sind das, und wo verläuft die Trennungslinie? Der von Ihnen erwähnte Ökonom Herbert Schui hatte Mitte der 1990er-Jahre die provokante rhetorische Frage „Wollt Ihr den totalen Markt?“ gestellt und darauf hingewiesen, dass beide immerhin das gleiche Ziel haben – nämlich die Verteidigung des Kapitalismus.

    Rechtspopulismus und Faschismus sind beide extrem rechte politische Bewegungen, die sich zum Privateigentum bekennen. Daran kann kein Zweifel bestehen, und deshalb sind die Analysen von Schui immer noch gültig. Während Rechtspopulisten tatsächlich sehr stark auf eine bürgerliche Erscheinung Wert legen, gerieren sich Faschisten hingegen immer noch subversiv und bedienen eine lautstarke Sozialdemagogie. Bei ihnen mögen sich, im Vergleich mit dem frühen 20. Jahrhundert, einige äußere Merkmale geändert haben. Der pseudo-revolutionäre Habitus ist geblieben – kommt nur eben in neuen Gewändern daher. Ein wichtiges Unterscheidungskriterium ist zudem die Haltung zur Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung. Rechtspopulisten lehnen, anders als Faschisten, Gewalt verbal ab. Bei einer rechtspopulistischen Partei wie der italienischen Lega Nord, die sich selbst als „antifaschistisch“ bezeichnet, ist diese Unterscheidung zugegebenermaßen etwas schwierig. Ihre Funktionäre, wie etwa der notorische Polter-Rassist und EU-Parlamentarier Mario Borghezio, scheuen sich zum Teil selbst nicht vor Gewaltanwendung gegen Flüchtlinge. Grundsätzlich muss man jedoch konstatieren, dass seitens des europäischen Rechtspopulismus eher eine Aufrüstung der bestehenden staatlichen Exekutivorgane und keine eigenständige politische Gewalt befürwortet wird. Man darf allerdings nicht unterschlagen, dass das Gedankengut des norwegischen Massenmörders Anders Breivik sich aus der Agitation eben dieser politischen Richtung speiste.

    Sie ordnen den Rechtspopulismus als eine Erscheinungsform der „extremen Rechten“ ein. Sie plädieren für eine „pragmatische“ Verwendung des Begriffs Rechtsextremismus, distanzieren sich aber von der sogenannten Extremismustheorie, wie sie beispielsweise von dem Politologen Eckard Jesse vertreten wird, der in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz politischen Extremismus als „Antithese des demokratischen Verfassungsstaates“ definiert und die Existenz eines Extremismus in der „bürgerlichen Mitte“ leugnet. Wie lautet Ihre Kritik an derartigen Auffassungen? Warum halten Sie gleichzeitig am Extremismusbegriff fest, und in welchem Kontext halten Sie ihn zum Zweck der Beschreibung von Phänomenen für hilfreich und sinnvoll?

    Die Extremismustheorie ist in der Tat nicht das Leitbild meines Vorschlags für ein Verständnis der extremen Rechten. Sie setzt ja bekanntlich linksgerichtete politische Kräfte mit rechten Bestrebungen gleich. Gleichzeitig werden antidemokratische Tendenzen in der „Mitte“, hier nenne ich einmal exemplarisch die Thesen von Thilo Sarrazin, nicht berücksichtigt. Das kann natürlich keine sinnvolle Idee sein und wird daher zu Recht von vielen eher kritischen Sozialwissenschaftlern in Sachen Stichhaltigkeit angezweifelt. Man sollte sich das Ganze eher so vorstellen, dass es neben den konservativen oder christdemokratischen Volksparteien ein Spektrum verschiedener rechter Politikangebote gibt. Diese lassen sich untereinander anhand der Frage unterscheiden, wie vehement sie hinter die Demokratie zurückstreben – wobei für die Beantwortung sowohl die proklamierten Ziele als auch die hierfür gewählten Mittel in den Fokus genommen werden müssen. Den Begriff des „Rechtsextremismus“ oder der „extremen Rechten“ halte ich zur Beschreibung dieses Spektrums – Sie schnitten es bereits an – aus pragmatischen Gründen für sinnvoll. Hierbei muss man sich jedoch der Problematik der Wortwahl bewusst werden. Ich persönlich kenne aber noch keinen besseren Begriff für das so abgesteckte Feld. Den Rechtspopulismus mit dem Neofaschismus in eins zu setzen, hilft nämlich auch nicht weiter – weder politisch noch wissenschaftlich. Über den Begriff der extremen Rechten, der beide umfassen soll, versuche ich daher eine analytische Abgrenzung anzustellen, die zugleich Wechselwirkungen berücksichtigt.

    Die neben der NPD derzeit führenden rechtsextremen Parteien haben, wie Sie in Ihrem Buch herausgearbeitet haben, ein unterschiedliches Verhältnis zu dem Begriff „Rechtspopulismus“. Die Pro-Parteien haben tendenziell ein positives, Die Freiheit hat ein negatives. Welches Politikverständnis steckt jeweils hinter diesen Haltungen?


    Aus meiner Sicht hängen die unterschiedlichen Haltungen zum Begriff „Rechtspopulismus“ unter anderem mit dem jeweils favorisierten Strategie-Modell zusammen, von dem man sich Erfolg verspricht. Während die Pro-Bewegung eher der belgischen und der österreichischen Rechten nahesteht, lehnt sich die Partei Die Freiheit enger an das niederländische Vorbild von Geert Wilders an. Im Einzelnen bedeutet das, dass die Pro-Parteien, deren Akteure zum Teil eine Vergangenheit im Neofaschismus haben, den Begriff „Rechtspopulismus“ als positives Merkmal nutzen, um eine Distanz zur Rechten des frühen 20. Jahrhunderts aufzubauen und sich als Anwälte der kleinen Leute darzustellen. Haider beispielsweise hat die Traditionspartei FPÖ auch „auf Vordermann gebracht“ und in rechtem Sinne modernisiert. Die stark kriselnde Partei Die Freiheit hingegen kommt aus einer anderen Richtung. Ihr Gründer, René Stadtkewitz, war lange in der Berliner CDU aktiv. Auch Geert Wilders begann seine politische Karriere als Adlatus des Christdemokraten Frits Bolkestein. Den kennt man hierzulande wohl vor allem als Verfechter der Durchsetzung neoliberaler Prinzipien in der EU. Als Abtrünnige etablierter politischer Gruppierungen sind die Genannten wahrscheinlich stärker sensibilisiert für den Vorwurf des Populismus als jene, die ihn gerade als Qualitätsmerkmal betrachten. Stilbildend für diese Wilders-Linie ist, sich als bürgerliche Demokraten zu begreifen, die die Werte des Liberalismus in Stellung bringen gegen Politiker und Zuwanderer, die diese angeblich bedrohen würden. Hierbei wird jedoch der eigentlich universelle Charakter dieser Werte abgelehnt. Neu hinzugekommen ist seit Kurzem die Partei Alternative für Deutschland (AfD), in der sich stark heterogene Kräfte versammelt haben, die durch ein gemeinsames Unbehagen am Euro zusammengehalten werden. Sie in Gänze als rechtspopulistisch zu charakterisieren, würden nicht nur ihre Akteure, wie etwa ihr Kopf Bernd Lucke, ablehnen, sondern halte auch ich – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – für nicht unproblematisch. Allerdings sind die Hinweise von Alexander Häusler von der Fachhochschule Düsseldorf bezüglich rechtspopulistischer Rhetoriken auf Seiten der AfD zu beachten. Bemerkenswert ist in jedem Falle, dass die AfD das typisch rechte Bild vom angeblich drohenden nationalen Untergang, man denke hier nur an den deutschen Geschichtsphilosophen Oswald Spengler oder eben wieder an Sarrazin, nicht primär völkisch, sondern fiskalpolitisch auflädt. Dies bringt allerdings oft nicht weniger rückwärtsgewandte Folgeerscheinungen mit sich. Schaut man sich an, was im Web 2.0, also vor allem auf Facebook in den Kommentarspalten einiger AfD-Anhänger los ist, fühlt man sich schon an Goethes Zauberlehrling und die Geister erinnert, die er rief, aber nicht mehr loswird. Abzuwarten ist eben, in welche Richtung sich die eigentlich überhaupt nicht metaphysischen, sondern materiellen Interessen entspringenden Zauberbeschwörungen seitens der AfD im Bundestagswahlkampf entwickeln – oder anders gesagt, wie scharf die Rechtskurve wird.

    Nun muss insgesamt festgestellt werden, dass die modernen neoliberalen Rechtspopulisten sich erfolgreich von den alten Rechtsradikalen-Klischees abgesetzt haben. Ihr Führungspersonal und ihre Identifikationsfiguren sind nicht mehr schmerbäuchige Hypotoniker mit Radau-Rhetorik. Heute sind eher smarte Businessdress-Träger mit gepflegtem Äußerem gefragt, die ein umfangreiches Body-Shaping-Programm absolviert haben. Pim Fortyn war der Prototyp dieser Spezies. Sie weisen in Ihrem Buch am Beispiel der Partei Die Freiheit kurz darauf hin, dass diese neuen Rechtspopulisten auch sehr versiert im Umgang mit „postmodernen Emanzipationswerten“ sind. Was genau meinen Sie damit – beispielsweise dass Pro Köln, wie jüngst geschehen, seine Teilnahme am Christopher Stress Day ankündigt? Und inwieweit haben die Rechtspopulisten womöglich ernsthafte emanzipatorische Bestrebungen?

    Wie ich bereits erwähnte, gibt es eine Linie, die vor allem vom niederländischen Rechtspopulismus geprägt wurde und sich einer angeblichen Verteidigung liberaler Werte angenommen hat. Den Begriff der postmodernen Emanzipationswerte habe ich einer interessanten Untersuchung von dem Politikwissenschaftler Gerd Reuter zu den Niederlanden und Belgien entnommen. Das Beispiel des Versuchs von Pro Köln, am Christopher Street Day teilzunehmen, eignet sich gut zur Illustration dieses Sachverhalts und seiner Tragweite. Man versucht nun von rechts, die Fortschritte, die in der Frage der Gleichberechtigung von Homosexuellen bisher erzielt werden konnten, zu besetzen und sie als durch die angeblich rückständigen und unterpriviligierten Migranten bedroht darzustellen. Emanzipatorisch ist daran jedoch gar nichts. Das Ganze dient eher dazu zu unterstreichen, dass die Eigen-Gruppe zu „den Guten“ gehört, die angeblichen Fremden aber nicht. Eigentlich fortschrittliche Grundwerte werden als exklusiv postuliert und gelten eben nicht mehr für alle gleich. Homosexuelle Migranten kommen in einem solchen Weltbild beispielsweise überhaupt nicht vor.

    Die überwältigende Mehrheit der Rechtspopulisten in Europa, die früher judenfeindliche Ressentiments verbreitet haben, distanziert sich mittlerweile vom Antisemitismus. Wie ist diese Kursänderung zustande gekommen? Ist das bloße Strategie? Welcher Zweck wird damit verfolgt?


    Auch hier übernahm die Rechte in den Benelux-Staaten eine Vorreiterrolle. Den meisten dürften die Aussagen Jean-Marie Le Pens bekannt sein, der den Völkermord an den europäischen Juden zu einem bloßen Detail des Zweiten Weltkrieges erklärte und damit zu verharmlosen versuchte. Der belgische Vlaams Belang und bereits seine Vorläuferorganisation, der Vlaams Blok, haben irgendwann den begrenzten Erfolg einer solchen Politikansprache erkannt. Anfang der 2000er-Jahre waren Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Antwerpen massiven psychischen und körperlichen Bedrohungen und Übergriffen ausgesetzt. Diese schreckliche Situation gipfelte in antisemitischen Morden. Der Vlaams Belang erkannte seine Chance, schwang sich als Beschützer der Antwerpener Juden auf und nutzte so das Sicherheitsbedürfnis der Menschen aus. Als Grundproblem wurden arabische Jugend-Gangs ausgemacht. Man sollte die tatsächliche Anzahl der Wähler des Vlaams Belang mit jüdischem Glauben keinesfalls überschätzen. Das wäre Unsinn und letztlich nur eine Reproduktion des rechten Wunschdenkens. Allerdings waren sich die Akteure von rechts der Wirkung ihrer Propaganda bewusst. Andere Rechtspopulisten sind dem belgischen Beispiel anschließend gefolgt. Ob die postulierte Gegnerschaft zum Antisemitismus heute lediglich reine Strategie ist, lässt sich in vielen Fällen nur sehr schwierig feststellen. Bei einer Traditionspartei wie der FPÖ bin ich der Meinung, dass die aus dem deutschnationalen Lager kommenden Kräfte zum Teil wahrscheinlich nach wie vor antisemitischen Denkmustern verhaftet sind. Man verzichtet bei Wahlkämpfen jedoch darauf, diese zu verbalisieren. Im Falle von jüngeren Menschen, die sich vielleicht aus Enttäuschung von der Christdemokratie abwenden und zum Rechtspopulismus finden, ist der Fall, denke ich, nicht so einfach. Diese glauben vielleicht teilweise wirklich, dass Antisemitismus ein Problem ist, das sich durch die Begrenzung von Zuwanderung aus der Welt schaffen ließe. Damit hätten die Rechtspopulisten allerdings schon einen wichtigen ideologischen Erfolg errungen – sie wollen ja von den Ursachen gesellschaftlicher Missstände ablenken. Man sollte in diesem Zusammenhang jedoch auch noch erwähnen, dass für die klassisch orientierten Neofaschisten der Antisemitismus immer noch wichtig ist. Man hat ihn in diesen Kreisen als Instrument nicht aus der Hand gegeben. Die Idee einer Weltverschwörung, laut der „die Juden“ sowohl für die Misslichkeiten des Kapitalismus als auch für die sozialistischen Opposition gegen denselbigen verantwortlich sein sollen, ist dort nach wie vor virulent.

    Die europäischen und US-amerikanischen Rechten treten heute offensiv für den Zionismus ein und unterstützten die israelische Besatzungspolitik. Einige befürworten sogar die endgültige Annektion der Westbank und die Vertreibung der Palästinenser nach Jordanien. Geert Wilders verkündete 2010: „Die Zukunft der Welt hängt an Jerusalem. Wenn Jerusalem fällt, dann werden Athen, Rom – und Paris, London und Washington – die nächsten sein.“ Israel scheint eine immense politische und symbolische Bedeutung für die Rechtspopulisten erlangt zu haben.

    Ich denke nicht, dass man wirklich von einer Parteinahme für „den Zionismus“ sprechen kann. Der marxistische Autor Theodor Bergmann hat vor einigen Jahren einen sehr bemerkenswerten Essay zum Nahost-Konflikt verfasst. Er plädiert dort für eine Unterscheidung verschiedener Strömungen des historischen Zionismus. Mit Poalei Zion beispielsweise, also der dezidiert linken Richtung des Zionismus, haben die Rechtspopulisten natürlich nichts am Hut. Was aber auf jeden Fall stimmt – und dafür ist das Wilders-Zitat ein sehr markantes Beispiel –, ist, dass die Rechte sowohl in den USA als auch in Westeuropa zum Teil Israel als Vorposten im angeblichen „Kampf der Kulturen“ betrachtet. Das ist der ideologische Widerschein einer Geopolitik, in der ein großer Teil der Militäroperationen der NATO-Staaten und ihrer Verbündeten in islamisch geprägten Ländern stattfindet und hat meistens gar nichts mit einem Eintreten für das Existenzrecht Israels oder der Sorge um die israelische Demokratie zu tun. Israel gilt dann als Teil der oft bemühten westlichen Zivilisation, die man gegen die angebliche Barbarei in Stellung bringt. Hierbei wird verschwiegen, dass die zwei anderen wichtigen Verbündeten der westlichen Staatengemeinschaft in der Region die Türkei, die von der Erdogan-AKP – sie verficht einen „neoliberalen Islam“ – autoritär regiert wird, und das auf ganzer Linie reaktionär-monarchistische Saudi-Arabien sind. Analog zu seiner Haltung zum Antisemitismus macht der Neofaschismus dies nicht mit und agitiert gegen einen „Zionismus“, der mit dem Staat Israel gleichgesetzt wird und letztlich als Chiffre für „die Juden“ dient. Beide Strategien, also die scheinbare Parteinahme für Israel als eine Art westliches Bollwerk einerseits und klassischer faschistischer Antisemitismus in zum Teil neuen Gewändern andererseits, erfüllen jeweils spezifische Anforderungen in den derzeitigen politischen Auseinandersetzungen. Der Kurs der Rechtspopulisten entspricht eben geopolitischen Erwägungen, während die Neofaschisten ihrer Menschenfeindlichkeit einen „antiimperialistischen“ Anstrich geben, der natürlich ein Trugbild ist.

    Ergänzt werden muss allerdings, dass der linke Zionismus in Israel seit Langem kaum noch eine Rolle spielt und sich die sozialistische Kibbuz-Bewegung in der Auflösung befindet – vor allem aber dass israelische Regierungen nicht wenige Anknüpfungspunkte für europäische und US-amerikanische Rechtspopulisten bieten. Bereits 2003 wurde Gianfranco Fini, ehemaliger Vorsitzender der Alleanza Nazionale, Kronprinz des italienischen Faschistenführers und Mussolini-Gefolgsmannes Giorgio Almirante, von dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon als „guter und freundlicher Anführer“ begrüßt. 2010 bereitete der damalige Außenminister Avigdor Lieberman Geert Wilders einen herzlichen Empfang. Vorläufiger Höhepunkt der Kooperation von israelischen Politikern und der europäischen Rechten war im Dezember desselben Jahres die Reise einer Delegation führender Rechtspopulisten zu der „Konferenz gegen islamischen Terror“ in Ashkelon und die Veröffentlichung der „Jerusalemer Erklärung“. Heinz-Christian Strache (FPÖ), Filip Dewinter (Vlaams-Belang), Kent Ekeroth (Schwedendemokraten) und René Stadtkewitz (Die Freiheit) durften auf der Ehrentribüne der Knesset Platz nehmen und trafen den Parlamentspräsidenten, Abgeordnete der rechten Regierungskoalition, der Schas-Partei und Liebermans Yisrael Beitenu. Im Gush-Kativ-Museum hieß sie dann noch der damalige israelische Vizepremierminister und heutige Verteidigungsminister, Moshe Yaalon, willkommen, der einen Gruß von Premierminister Netanjahu (Likud) überbrachte. Wirtschaftsminister Naftali Bennett (HaBajit haJehudi), ein Aktivist der Siederbewegung, der zumindest große Teile des Westjordanlandes annektieren will, ist ein lupenreiner Rechtspopulist. Vor diesem Hintergrund: Sind rechte Zionisten nicht ein Teil der von Ihnen beschriebenen Phänomene – besonders im Hinblick darauf, dass Rechtspopulisten seit einiger Zeit an israelischen Regierungen beteiligt sind?

    Ich bin kein Experte der israelischen Politik und habe mich in meinem Buch aus verschiedenen Gründen auf Europa und Nordamerika spezialisiert. Aber von meinem Standpunkt aus betrachtet haben Leute wie Bennett oder auch andere offenkundig starke inhaltliche Überschneidungen mit dem Rechtspopulismus. Vor diesem Hintergrund haben dann auch die Gegenbesuche von nationalistischen Politikern aus Israel in Europa Sinn. Als Beispiel hierfür lässt sich die von der Pro-Bewegung im Jahr 2011 in Gelsenkirchen veranstaltete „Deutsch-Israelische Konferenz“ anführen, die eine Schimäre sondergleichen gewesen ist – schon die Namensgebung war der blanke Hohn. Die von Ihnen genannten Kontakte zwischen den Rechten in Israel und in Europa untermauern die von einigen der Akteure favorisierte Bündniskonstellation, auf die die vertiefte internationale Solidarität mit den fortschrittlichen Kräften eine Antwort sein könnte.

    In den Vereinigten Staaten hat die Tea-Party-Bewegung, die den Aufstand der Eliten probt und offensiv Konzerninteressen vertritt, eine Schanierfunktion zwischen den Christian Rights und Neokonservativen (die beide auch, das sei nebenbei bemerkt, sehr eng mit dem rechten Lager in Israel kooperieren). In welchem Verhältnis stehen Rechtspopulismus und Neokonservatismus? Wo im Spektrum der Rechten sind die Neocons überhaupt einzuordnen?

    Ich würde den Neokonservatismus zu allererst als eine intellektuelle Strömung betrachten, während der Rechtspopulismus eine organisierte politische Bewegung ist. Man könnte den Neokonservatismus auch als eine US-amerikanische Abteilung der Neuen Rechten bezeichnen. Die Neue Rechte lief seit den 1970ern quasi als Update über das Grundbetriebssystem der „alten Rechten“ und aktualisierte einige ihrer Inhalte. Die Ergebnisse dieses Updates wirken sich auf die einzelnen Segmente der politischen Rechten sehr verschieden aus. Man kann auf jeden Fall feststellen, dass sie eine der ideologischen Quellen des heutigen Rechtspopulismus ist. Man denke nur an den Ethnopluralismus, der im Gegensatz zum alten Wertunterscheidungsrassismus hauptsächlich die angebliche Unaufhebbarkeit kultureller Differenzen postuliert. Bei der Agitation gegen Muslime spielt das beispielsweise eine ganz wichtige Rolle. Konkret für den US-amerikanischen Fall zeigt sich, dass neokonservative Denkanstöße die Tea Party inhaltlich mit befeuern. Dies betrifft vor allem die Vorstellung, dass eine durch und durch marktwirtschaftlich organisierte Gesellschaft mit traditionalistischen Verzierungen die beste aller Welten sei. Allerdings gibt es trotz der inhaltlichen Übereinstimmung auch Reibungen. Teile der Tea Party, die außenpolitisch eher isolationistisch ausgerichtet sind, fühlen sich vor den Karren der Neocons gespannt. Sie wissen aber auch nicht wirklich, wo die Reise stattdessen hingehen soll und wie ein eigenständiges Profil überhaupt aussehen könnte. Wichtig ist aus meiner Sicht, bei allem Irrationalismus, der sich einem scheinbar im Falle der Tea Party entgegenstellt, nach dem zweckrationalen Kern zu suchen, in dem sich soziale Interessen ihren Weg bahnen. Die christliche Rechte in den USA spricht sich sehr aggressiv gegen Umweltschutzmaßnahmen aus. Die Tea Party hat dieses Denkmuster aufgenommen und verbreitet es lautstark. Der Sinn erschließt sich, wenn man die großzügige Unterstützung bedenkt, die der Tea Party seitens der Öl-Industrie zukommt. Bekanntermaßen ist die Gewinnung von Öl nicht gerade umweltschonend. In einem Land, wo die Religion eine sehr große Rolle spielt, wie es in den USA der Fall ist, kleidet sich die Interessenvertretung von rechts eben auch in entsprechenden Gewändern.

    Die britischen Islamwissenschafter Robert Lambert und Jonathan Githens-Mazer bescheinigen den Neocons, in den rechtspopulistischen Islamhassern und Unterstützern des „War On Terror“ – etwa der English Defence League (EDL) oder dem Bloc Identitaire – eine Massenbasis gefunden zu haben. Sie sagen, „die EDL und verwandte Organisationen recyceln neokonservative Propaganda“, wie sie beispielsweise der Bush-Berater Richard Perle oder auch Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair verbreitet haben, und sie meinen, es sei ein „neokonservativer Extremismus“ entstanden. Ich würde noch ergänzen, dass der vorhin schon von Ihnen erwähnte Anders Behring Breivik ein Neocon-Terrorist ist – der norwegische Gewerkschafter Jonas Bals hat ihn als „neoliberalen Terroristen“ bezeichnet – und keineswegs ein Nazi, wie einige meinen, die nicht wahrhaben oder vertuschen wollen, dass die ideologische Matrix von Breiviks Anschauungen in westlichen Regierungen, Think Tanks und Stiftungen führender Parteien produziert wurde.

    Mit diesen Einschätzungen kann ich inhaltlich weitestgehend d‘accord gehen, ohne jetzt im Einzelnen alle Bezeichnungen genau so zu übernehmen. EDL und Identitäre bringen Elemente der neokonservativen Ideologie in radikalisierter Form auf die Straße. Das könnte man durchaus als „Recycling“ bezeichnen. Mein bisheriger Eindruck ist, dass die Identitären jedoch stärker von der französischen Neuen Rechten inspiriert sind als vom US-amerikanischen Neokonservatismus. EDL und Identitäre haben sich auf jeden Fall beide dem Straßenaktivismus verschrieben. Sie zeigen sich auf öffentlichen Plätzen, veranstalten so oft wie möglich Marsch-Demos oder nutzen alternative Aktionsformen wie Flashmobs, die man bisher eher der politischen Linken zugeordnet hat. Eine andere Liga stellt hingegen Breivik und seine Bluttat dar. Ich würde die Frage, ob er ein „neoliberaler Terrorist“ ist, etwas differenzierter beantworten wollen. Neoliberal wäre Breivik insoweit Neoliberalismus und Rechtspopulismus Komplementärstrategien sind, wie es die Wiener Politikwissenschaftlerin Eva Kreisky einmal formuliert hat. Das Spezifikum seiner Tat sollte jedoch berücksichtigt werden. Der Neoliberalismus alleine bringt den Terrorismus noch nicht unmittelbar hervor, die ideologische Bearbeitung der ihm inhärenten Widersprüche durch die Bedienung eines Feindbilds seitens der Rechtspopulisten erleichtert dies jedoch. Ich habe es eben bereits angedeutet: Falls die Weltsicht der Rechtspopulisten als real betrachtet und die Linke darin als tatsächlich dabei behilflich wahrgenommen wird, die westliche Welt einer angeblichen Islamisierung zu unterwerfen, kann eine mögliche Konsequenz für Anhänger dieser Perzeption sein, diesen Entwicklungen Widerstand mit allen Mitteln entgegenzusetzen – selbst wenn die rechtspopulitische Parteien offiziell Gewalt als Mittel ablehnen mögen. Im Falle von Breivik ergibt sich daraus dann, wenn man so will, individueller Rechtsterrorismus. Hiermit will ich allerdings auf keinen Fall die Produzenten seiner „Matrix“, wie Sie es ausgedrückt haben, in ihrer Bedeutung geringschätzen oder gar der Einzeltäter-These das Wort reden. Wenn ich die Defence League von Breivik abgrenze, will ich damit ebenfalls nicht suggerieren, dass die Parolen der EDL nicht auch gewalttätige Konsequenzen zeitigen können.

    Sie gehen ausführlich auf die Situation in Ungarn ein. Dort regiert die rechtspopulistische Fidesz-MPSZ mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Die neofaschistische Jobbik-Partei (samt diversen paramilitärischen Organisationen, die Terror gegen ethnische Minderheiten und Linke ausüben), die historisch an die nationalsozialistischen Pfeilkreuzler anknüpft, ist formal in der Opposition. Aber objektiv ziehen diese beiden Parteien an einem Strang und agieren, wie Sie herausstellen, nach dem Motto: „Wo Fidesz versagt, schreitet Jobbik zur Tat.“ Neben drastischem Demokratie- und Sozialabbau treiben sie, Hand in Hand mit dem Arbeitgeber- und Industriellenverband und rechtsgerichteten Gewerkschaften, den Korporatismus voran. Das klingt so, als sei Ungarn auf dem Weg zu einem modernen faschistischen Staat.

    Ungarn entwickelt sich auf jeden Fall in Richtung eines rechtsautoritären Staates. Ob am Ende ein moderner Faschismus steht, ist noch unklar. Meiner Meinung nach sind die Spielräume der demokratischen Kräfte noch groß genug, um dies zu verhindern. Darauf hoffe ich selbstverständlich. Der Rechtspopulismus an der Macht, wenn man das so formulieren will, hat in Ungarn nicht nur immense Rückschritte sozialer und demokratischer Natur erreicht, von deren Ausmaß die Berlusconis oder Wilders auf dem Kontinent bisher nur träumen konnten – er kann sich auch auf eine verhältnismäßig wohlwollende Haltung konservativer Politiker in anderen Ländern Europas stützen. So sind alle bisherigen Versuche gescheitert, den Deutschen Bundestag zu einer deutlichen Verurteilung der Entwicklungen in Ungarn zu bewegen. Das ist für die Orbán-Regierung natürlich eine gewichtige Unterstützung. Bezeichnenderweise sieht man auf Seiten der europäischen Konservativen Orbán ja zum Teil sogar als Garanten gegen die Neofaschisten, was die Verhältnisse komplett auf den Kopf stellt. Das nationalistische Treiben in Budapest macht die Jobbik im Gegenteil sogar noch stärker gesellschaftsfähig und lässt sie, sofern sich irgendwann ein Scheitern der Fidesz-Konzeption abzeichnen sollte, als Alternative erscheinen. Das würde dann die faschistische Gefahr, nach der Aushöhlung der Demokratie durch Fidesz, in der Tat schlagartig erhöhen. Die demokratische Opposition hat es, aus meiner Sicht, bisher noch nicht vermocht, die Empörung über die Einschnitte und die Repression im kulturellen Bereich, die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, die Situation der ethnischen Minderheiten und die Lage der Grundrechte zu bündeln und in einen vorwärtsgerichteten Protest zu verwandeln. Das liegt auch daran, dass man einige ihrer Parteien mit den Ursachen für wirtschaftliche und soziale Miseren verbindet, aus denen nun paradoxerweise ausgerechnet Fidesz nach Ansicht vieler Ungarn einen Ausweg zeigen soll. Erfolgreiche antifaschistische Strategien haben in der Vergangenheit jedoch stets soziale und demokratische Aspekte miteinander verbunden. Ohne Wechselstimmung und mit institutioneller Hilfe durch entsprechende Wahlrechtsänderungen ist derzeit davon auszugehen, dass Fidesz nach den Wahlen im Frühjahr 2014 weiterregieren wird. Eine Besserung der Situation im Land wäre dann weit und breit nicht in Sicht.

    Beschleunigt durch die Euro-Krise, die prekäre Lage in Griechenland, Spanien und Portugal – könnten die besorgniserregenden Entwicklungen auf dem Balkan wegweisend für ganz Europa sein, oder ist Ungarn ein Sonderfall?

    Beides ist im Prinzip richtig. Ungarn ist einerseits tatsächlich ein Sonderfall, da die politische Kräftekonstellation in dieser Form einmalig ist. Rechtspopulisten und Neofaschisten nebeneinander gibt es auch in bedeutendem Maße in anderen Ländern, aber eben nicht in der Stärke wie in Ungarn. Anderseits kann eine gewisse potentielle Vorbildfunktion nicht abgestritten werden. Ich teile die Einschätzung des Politikwissenschaftlers Erhard Crome, der zu diesem Thema ein interessantes Buch geschrieben hat. Er sieht Ungarn als ein Versuchslabor zur Erprobung autoritärer Antworten auf die Wirtschaftskrise. Dass sich andere etwaige Nachahmungen dann äußerlich so darstellen wie in Ungarn, ist allerdings unwahrscheinlich. EU-Kommissionspräsident Barroso hat vor einigen Jahren über die Möglichkeit von Militärdiktaturen in Südeuropa gesprochen. Auch so könnte der Versuch einer „Krisenlösung von oben“ aussehen. Eine der Hauptfragen wird in diesem Zusammenhang sein, wie sich die sozialen Auseinandersetzungen in Griechenland weiterentwickeln. Laut aktuellen Umfragen haben die griechischen Neofaschisten im Moment das Potential, drittstärkste Kraft im Land zu werden. Ihre Verbindungen zu Teilen der Sicherheitsorgane im Land sind hinlänglich bekannt und stark alarmierend. Vor diesem Hintergrund wird jedoch klar, dass die derzeitigen starken sozialen Protestpotentiale von der Puerta del Sol bis zum Taksim-Platz, vor denen die öffentliche Ordnung angeblich geschützt werden muss, gerade zu den Garanten für die Demokratie werden könnten.

    Angesichts der Bestandsaufnahme und Analyse, wie Sie sie in diesem Gespräch geleistet haben: Ist die nahezu ausschließliche Fixierung – zumindest hierzulande ist die ja festzustellen – der organisierten Antifaschisten (sowie Parteien und Bewegungen, zu deren Grundsätzen die Positionierung „gegen Rechts“ gehört) auf die Bekämpfung und das Verbot der NPD, autonomer Nazi-Strukturen und völkisch-nationalistischer Ideologeme überhaupt noch historisch angemessen?
    Stehen Antifaschisten heute nicht längst auch vor neuen, größeren Herausforderungen, und müssten sie nicht viel mehr auf internationaler Ebene agieren?


    Der Faschismusforscher Jürgen Lloyd und ich haben vor einiger Zeit in einem Artikel für das Magazin der VVN-BdA die Auffassung vertreten, dass antifaschistisches Handeln mehr ist als die Bekämpfung einer einzelnen Ideologie. Es muss sich bemühen, all diejenigen zu sammeln, die objektiv kein Interesse an der Etablierung faschistischer Herrschaftsverhältnisse haben. Mit anderen Worten: Antifaschismus bedeutet „für die Demokratie“ – egal, was die Extremismustheorie suggeriert. Die Forderung nach einem Verbot der NPD ist dabei sehr wichtig, darin können sich die Aktivitäten jedoch nicht erschöpfen. Es ist heute also einfach so, dass die Aufgaben diverser geworden sind. Neben die Organisierung von Protesten beispielsweise gegen NPD-Parteitage tritt der Einsatz für die Rechte von Flüchtlingen. Zu der genauen Beobachtung von rechtspopulistischen Organisationen und der Offenlegung des Kerns ihrer Agitation kommt die Verteidigung von Grund- und Bürgerrechten und mehr. Angesichts dieser Vielzahl an Aufgaben, wäre auch die stärkere internationale Vernetzung sinnvoll – über das bisherige Maß hinaus. Ich stimme Ihnen also zu. Eine solche Vernetzung liegt ohnehin durch ähnliche Interessenslagen nahe und könnte, neben der grundsätzlichen Solidarität, über Ländergrenzen hinweg Erfahrungswerte für alle nutzbar machen.

    Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch.
    Quelle : http://www.hintergrund.de/2013062126...er-eliten.html
    Was auch immer du tust, handle klug und bedenke das Ende


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    Die USA steuern den "globalen Terror" aus Pakistan und dem Mittleren Osten




    Von Ronald Reagan und dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg zu George W. Bush und dem 11. September 2001
    -

    Von MICHEL CHOSSUDOVSKY, 7. Oktober 2010 -


    Die Vereinigten Staaten gaben Millionen Dollar aus, um afghanische Schulkinder mit Lehrbüchern zu versorgen, die mit gewaltverherrlichenden Bildern und militanten islamistischen Sprüchen gespickt waren. ... Die Fibeln, die den Dschihad priesen und mit Zeichnungen von Gewehren, Geschossen, Soldaten und Sprengkörpern illustriert waren, haben seitdem den Lehrplan des afghanischen Schulsystems bestimmt. Sogar die Taliban verwendeten die in den USA gedruckten Bücher.“ (1)

    „Die CIA bezahlte Anzeigen, die in Zeitungen und Rundbriefen auf der ganzen Welt veröffentlicht wurden und dazu aufforderten und motivierten, sich dem islamischen Dschihad anzuschließen.“ (2)

    „Bin Laden rekrutierte 4.000 Freiwillige aus seinem eigenen Land (Saudi-Arabien, Anm. Red) und entwickelte enge Beziehungen zu den radikalsten Mudschaheddin-Führern. Er arbeite auch eng mit der CIA zusammen ... Trotzdem behaupten CIA-Offizielle seit dem 11. September [2001], dass sie keine direkte Verbindung zu bin Laden hatten.“ (3)

    Die wesentlichen Aussagen


    • Osama bin Laden, das von den USA aufgebaute Schreckgespenst, wurde zu Beginn des US-gesponserten Dschihad von der CIA rekrutiert. Er war damals 22 Jahre alt und wurde in einem von der CIA finanzierten Trainingscamp zum Guerillakämpfer ausgebildet.
    • Die Architekten der während der Reagan-Administration gestarteten verdeckten Operation zur Unterstützung des „islamistischen Fundamentalismus“ spielten nach den Anschlägen am 11.9.2001 auch eine Schlüsselrolle beim Anzetteln des „Globalen Krieges gegen den Terrorismus“.
    • Präsident Ronald Reagan traf 1985 im Weißen Haus mit den Anführern des islamischen Dschihad zusammen.
    • Unter der Reagan-Adminstration begann die US-Außenpolitik die „islamistischen Freiheitskämpfer“ vorbehaltlos und uneingeschränkt zu unterstützen. Heute werden die „Freiheitskämpfer“ als „islamistische Terroristen“ etikettiert.
    • In der Sprache der Paschtunen wird das Wort „Taliban“ als Bezeichnung für Studenten oder Absolventen der Madrasas – der Koranschulen – verwendet, die mit Unterstützung der CIA von wahhabitischen Missionaren aus Saudi-Arabien errichtet wurden.
    • In den Jahren vor dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg war die schulische Erziehung größtenteils weltlich geprägt. Die verdeckte US-Operation zerstörte diese weltlich ausgerichtete Ausbildung. Die Anzahl der von der CIA finanzierten Koranschulen oder Madrasas wuchs von 2.500 im Jahr 1980 auf mehr als 39.000.

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    Der Sowjetisch-Afghanische Krieg war Teil einer verdeckten Operation der CIA, die bereits unter der Regierung Carter vorbereitet wurde und die Finanzierung und aktive Unterstützung islamistischer Kampfgruppen zum Ziel hatte, die später als Al Qaeda bekannt wurden. Von Anfang an, also seit dem Ende der 1970er Jahre, spielte das Militärregime in Pakistan eine Schlüsselrolle in den von den USA finanzierten Militär- und Geheimdienstaktionen in Afghanistan. Nach dem Kalten Krieg wurde die zentrale Rolle Pakistans bei den Operationen der US-Geheimdienste auf den ganzen Mittleren Osten und Zentralasien ausgeweitet.

    Seit Beginn des Sowjetisch-Afghanischen Krieges im Jahr 1979 wurden die islamistischen Brigaden von dem pakistanischen Militärregime aktiv unterstützt. Unter Anleitung der CIA wurde der Militärgeheimdienst Pakistans, der Inter-Services Intelligence / ISI zu einer mächtigen Organisation, einer Art Schattenregierung, die über viel Macht verfügte und einen enormen Einfluss ausübte.

    Amerikas verdeckter Krieg in Afghanistan, in dem Pakistan als Operationsbasis diente, wurde schon unter der Regierung Carter – also noch vor der sowjetischen „Invasion“ – vorbereitet.

    Nach der offiziellen Geschichtsschreibung setzte die Hilfe der CIA für die Mudschaheddin (die „afghanischen Freiheitskämpfer“, Anm. Red) erst in den 1980er Jahren ein, also erst nachdem die sowjetische Armee am 24. Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert war. Die Realität, die bisher sorgfältig kaschiert wurde, sah aber ganz anders aus. Tatsächlich hat Präsident Carter schon am 3. Juli 1979 die erste Direktive zur geheimen Unterstützung der Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul unterzeichnet. Noch am gleichen Tag habe ich dem Präsidenten eine Nachricht zukommen lassen, dass diese Hilfe nach meiner Überzeugung ein militärisches Eingreifen der Sowjets provozieren werde.“ [Das sagte Zbigniew Brzezinski, der damalige Nationale Sicherheitsberater Carters, in einem Interview mit Le Nouvel Observateur. (4)

    In seinen veröffentlichten Memoiren teilt Verteidigungsministers Robert Gates, der auf dem Höhepunkt des Sowjetisch-Afghanischen Krieges stellvertretender CIA-Chef war, mit, der US-Geheimdienst habe den islamistischen Brigaden bereits vor der sowjetischen Invasion Hilfe zukommen lassen.

    Mit Unterstützung der CIA und durch die Weiterleitung der massiven US-Militärhilfe (an die Mudschaheddin, Anm. Red.) hat sich der pakistanische ISI zu einer „Schattenregierung entwickelt, die in allen Bereichen einen enormen Einfluss über die Köpfe der nominell Regierenden hinweg ausübte“.(5) Das Personal des ISI bestand aus Offizieren des Militärs und des Geheimdienstes, Bürokraten, Geheimagenten und Denunzianten und wurde auf insgesamt 150.000 Personen geschätzt.(6)

    Gleichzeitig stärkten die CIA-Operationen auch das pakistanische Militärregime unter Führung des Generals Zia Ul-Haq.

    Nachdem das Militärregime des Generals Zia Ul-Haq die Regierung Bhutto abgelöst hatte, wurden die Beziehungen zwischen der CIA und dem ISI immer besser. … Während des größten Teils des Sowjetisch-Afghanischen Krieges verhielt sich Pakistan den Sowjets gegenüber wesentlich aggressiver als die USA selbst. 1980, kurz nachdem das sowjetische Militär in Afghanistan eingefallen war, gab Zia [Ul-Haq] seinem ISI-Chef den Auftrag, auch die sowjetischen Teilrepubliken in Zentralasien zu destabilisieren. Die CIA stimmte diesem Plan erst im Oktober 1984 zu.“ (7)

    Der ISI, der praktisch als verlängerter Arm der CIA agierte, spielte eine Hauptrolle bei der Weiterleitung der Unterstützung zu den paramilitärischen islamistischen Gruppen in Afghanistan und natürlich auch in den islamischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion.

    Im Auftrag der CIA handelnd, war der ISI auch an der Rekrutierung und Ausbildung der Mudschaheddin beteiligt. In den zehn Jahren von 1982 bis 1992 wurden etwa 35.000 Muslime aus 43 islamischen Ländern rekrutiert, um im afghanischen Dschihad zu kämpfen. Die Madrasas in Pakistan, größtenteils mit Spenden aus Saudi-Arabien finanziert, wurden auch von den USA unterstützt, „weil sie islamische Werte vermittelten“. „Die Camps wurden praktisch zu Universitäten des künftigen islamistischen Radikalismus.“ (8) Die unter Anleitung der CIA von der ISI durchgeführte Ausbildung der Guerillakämpfer schloss auch die Vorbereitung auf gezielte Morde und Anschläge mit Autobomben ein.

    „Die Waffenlieferungen erfolgten durch die pakistanische Armee und den ISI in die Rebellen-Camps, die in der Grenzprovinz im Nordwesten Pakistans in der Nähe der afghanischen Grenze lagen. Der Gouverneur dieser Grenzprovinz war Generalleutnant Fazle Haq, der [nach Angaben Alfred McCoys in seinem Buch The Politics of Heroin in Southeast Asia. CIA Complicity in the Global Drug Trade] „die Errichtung Hunderter Heroin-Labors in seiner Provinz erlaubte“. Ab 1982 fuhren die Lastwagen der pakistanischen Armee, welche die von der CIA beschafften Waffen aus Karatschi (in die Camps, Anm. Red.) brachten, meist mit Heroin aus Haqs Provinz beladen wieder zurück. ISI-Dokumente schützen sie davor, von der Polizei durchsucht zu werden.“ (9)

    Osama bin Laden

    Osama bin Laden, das von den USA aufgebaute Schreckgespenst, wurde zu Beginn des US-gesponserten Dschihad von der CIA rekrutiert. Er war damals 22 Jahre alt und wurde in einem von der CIA finanzierten Trainingscamp zum Guerillakämpfer ausgebildet.

    Während der Reagan-Administration wurde Osama, der einer wohlhabenden saudischen Familie, den Bin Ladens, entstammte, damit beauftragt, Geld für die islamistischen Brigaden zu sammeln. Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Spenden eingetrieben und Stiftungen gegründet. Diese Aktion wurde vom saudischen Geheimdienst, der unter Führung des Prinzen Turki al-Faisal stand, unterstützt und in engem Kontakt mit der CIA koordiniert. Die Gelder verschiedener Spender wurden verwendet, um die Rekrutierung von Freiwilligen zu finanzieren, die bereit waren, sich den Mudschaheddin anzuschließen. Al Qaeda, was auf Arabisch „Basis“ heißt, war eine Datensammlung über die Freiwilligen, die sich zur Teilnahme am Dschihad in Afghanistan verpflichtet hatten. Diese Datensammlung wurde ursprünglich von Osama bin Laden angelegt.

    Die Reagan-Administration unterstützt den „islamistischen Fundamentalismus“


    Der pakistanische ISI diente als „Bindeglied“ zu den Mudschaheddin. Die CIA brauchte den ISI, um ihre verdeckte Unterstützung der afghanischen Mudschaheddin zu kaschieren; die CIA hat diese also nicht direkt unterstützt. Mit anderen Worten, um seine verdeckte Operation nicht zu gefährden, hütete sich Washington davor, das eigentliche Ziel des durch die US-Regierung inszenierten „Dschihad“ zu offenbaren: Eigentlich ging es nur um die Zerschlagung der Sowjetunion.

    Im Dezember 1984 wurde nach einem auf Betreiben des Präsidenten Muhammad Zi Ul-Haq durchgeführten manipulierten Referendums in Pakistan die Scharia eingeführt. Nur einige Monate danach, im März 1985, erließ Präsident Ronald Reagan die National Security Decision Directive 166 / NSDD 166, mit der er „eine abgestufte Militärhilfe für die Mudschaheddin“ und die Unterstützung der religiösen Indoktrination anordnete.

    Die Einführung der Scharia in Pakistan und die Förderung der „radikalen Islamisten“ waren von der US-Politik beabsichtigte Maßnahmen, die den geopolitischen Interessen der USA in Südasien, Zentralasien und im Mittleren Osten dienten. Viele der heutigen „fundamentalistischen islamistischen Organisationen“ im Mittleren Osten und in Zentralasien sind das direkte oder indirekte Produkt der verdeckten Unterstützung und Finanzierung durch die USA, die über Stiftungen in Saudi-Arabien und den Golfstaaten in die Wege geleitet wurden. Missionare der wahhabitischen Sekte des konservativen Islams in Saudi-Arabien wurden damit beauftragt, die von der CIA (mit-)finanzierten Madrasas in Nordpakistan zu leiten.

    Durch die NSDD 166 wurde eine Reihe verdeckter CIA/ISI-Operationen gestartet.

    Die USA ließen die islamistischen Brigaden durch den ISI mit Waffen beliefern. Vertreter der CIA und des ISI trafen sich regelmäßig im ISI-Hauptquartier in Rawalpindi, um die US-Unterstützung für die Mudschaheddin zu koordinieren. Nachdem Reagan die NSDD 166 erlassen hatte, stieg die Versorgung der islamistischen Aufständischen mit von den USA finanzierten Waffen und Munition von 10.000 Tonnen im Jahr 1983 auf 65.000 Tonnen im Jahr 1987 an. „Zusätzlich zu den Waffen erhielten die Mudschaheddin auch militärisches Training und eine hochmoderne militärische Ausrüstung, darunter auch von Satelliten erstellte Karten und neueste Geräte zur Kommunikation.“ (10) William Casey, der damalige Direktor der CIA, beschrieb die durch die NSDD 166 ausgelösten Aktivitäten als die größte verdeckte Operation in der US-Geschichte:

    Das US-Unterstützungspaket hatte drei wesentliche Komponenten: Hilfen bei der Organisation und der Logistik, Versorgung mit Militärtechnologie und ideologische Unterstützung zur Stärkung des afghanischen Widerstandes.

    US-Experten für Aufstandsbekämpfung arbeiteten beim Aufbau von Mudschaheddin-Gruppen und der Planung von Operationen in Afghanistan eng mit dem pakistanischen ISI zusammen.

    „Der wichtigste US-Beitrag war aber das Anheuern von Männern und die Beschaffung von Material aus der ganzen arabischen Welt und darüber hinaus. Man suchte die härtesten und ideologisch gefestigtsten Männer aus, in der Hoffnung, sie zu hervorragenden Kämpfern ausbilden zu können. Die CIA bezahlte Anzeigen, die in Zeitungen und Rundbriefen auf der ganzen Welt veröffentlicht wurden und dazu aufforderten und motivierten, sich dem islamischen Dschihad anzuschließen.“ (11)

    Religiöse Indoktrination


    Die NSDD 166 beschränkte die über Pakistan laufende US-Unterstützung für die islamistischen Brigaden nicht nur auf rein militärische Hilfe. Washington unterstützte und finanzierte durch die U.S. Agency for International Development / USAID auch den Prozess der religiösen Indoktrination, vor allem durch die Zerstörung des Einflusses weltlich geprägter Bildungseinrichtungen.

    „Die Vereinigten Staaten gaben Millionen Dollar aus, um afghanische Schulkinder mit Lehrbüchern zu versorgen, die mit gewaltverherrlichenden Bildern und militanten islamistischen Sprüchen gespickt waren.

    Die Fibeln, die den Dschihad priesen und mit Zeichnungen von Gewehren, Geschossen, Soldaten und Sprengkörpern illustriert waren, haben seitdem den Lehrplan des afghanischen Schulsystems bestimmt. Sogar die Taliban verwendeten die in den USA gedruckten Bücher.

    Das Weiße Haus rechtfertigte den religiösen Inhalt der Lehrbücher damit, dass er von den islamischen Grundsätzen der afghanische Kultur durchdrungen sei, und dass die Bücher ‚in völligem Einklang mit den US-Gesetzen und der US-Politik’ stünden. Juristen haben allerdings Zweifel, ob mit den (in den USA gedruckten, Anm. Red.) Lehrbüchern nicht gegen das in der US-Verfassung enthaltene Verbot der Verwendung von Steuergeldern für religiöse Zwecke verstoßen wurde.

    Offizielle der USAID sagten in Interviews, der islamistische Inhalt sei unbeanstandet geblieben, weil zu befürchten war, dass afghanische Lehrer die Verwendung von Büchern ohne eine deutliche Betonung islamischen Gedankenguts abgelehnt hätten. USAID habe deshalb in den religiösen Texten auch auf ihr Logo und auf jede Erwähnung der US-Regierung verzichtet, teilte die USAID-Sprecherin Kathryn Stratos mit.

    ‚USAID ging es nicht darum, die religiöse Unterweisung zu unterstützen’, erklärte Frau Stratos. ‚Wir wollten mit diesem Projekt vor allem zur Bildung der Kinder beitragen, und das ist ja eine überwiegend weltlich ausgerichtete Aufgabe.’

    Veröffentlicht wurden die Lehrbücher in den dominierenden afghanischen Sprachen Darisch (einem persischen Dialekt, Anm. Red.) und Paschtunisch; entwickelt wurden sie Anfang der 1980er Jahre mit finanzieller Unterstützung der USAID vom Zentrum für afghanische Studien der University of Nebraska in Omaha. USAID gab für die Entwicklung der für Afghanistan bestimmten Ausbildungsprogramme der Universität von 1984 bis 1994 insgesamt 51 Millionen Dollar aus.“ (12)

    Die Rolle der Neokonservativen


    Auch hier gibt es Kontinuität. Die Architekten der unter der Präsidentschaft Reagans gestarteten verdeckten Operation zur Unterstützung des „islamistischen Fundamentalismus“ spielten auch eine Schlüsselrolle beim Anzetteln des „Globalen Krieges gegen den Terrorismus“ im Gefolge der Anschläge am 11. September 2001.

    Mehrere Neokonservative in der Administration von Bush-Junior hatten auch schon unter Reagan wichtige Ämter.

    Richard Armitage war stellvertretender Außenminister während George W. Bushs erster Amtszeit [2001-2004]. Er spielte eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen, die nach dem 11.9. mit Pakistan geführt wurden und den Überfall auf Afghanistan im Oktober 2001 ermöglichten. Während der Reagan-Ära war er als Staatssekretär im Verteidigungsministerium für die internationale Sicherheitspolitik zuständig. In dieser Funktion spielte er eine Schlüsselrolle bei der Durchführung der NSDD 163 (mit der die US-Politik gegenüber den Philippinen festgelegt wurde, Anm. Red.) und hielt auch Verbindung zum Militär und zum Sicherheitsapparat Pakistans.

    Paul Wolfowitz bildete unter Reagan mit Lewis Libby, Francis Fukuyama und Zalmay Khalilza ein Spezialteam im Außenministerium.

    Die Gruppe um Wolfowitz erarbeitete die konzeptionellen Grundlagen für die verdeckte US-Unterstützung islamistischer Parteien und Organisationen in Pakistan und Afghanistan.

    Auch Bushs Verteidigungsminister Robert Gates, der jetzt der Obama-Regierung in gleicher Funktion angehört, war an der Schaffung der Grundlagen für die verdeckte CIA-Operation (in Afghanistan, Anm. Red.) beteiligt. Reagan ernannte ihn 1982 zum stellvertretenden Direktor für geheimdienstliche Angelegenheiten und 1986 zum stellvertretenden Direktor der CIA; diese Position behielt er bis 1989. Gates spielte eine Schlüsselrolle bei der Formulierung der NSDD 163 und bei der Errichtung eines dauerhaften Netzwerkes zur Förderung des islamistischen Fundamentalismus und zur verdeckten Unterstützung islamistischer Brigaden. Er war auch in den Iran-Contra-Skandal verwickelt.

    Die Iran-Contra-Affäre


    Neben anderen waren auch Richard Gates, Colin Powell und Richard Armitage an der Iran-Contra-Affäre beteiligt.

    Armitage stand in enger Verbindung mit Colonel Oliver North. Sein Stellvertreter Noel Koch, ein Spezialist für Terrorbekämpfung, gehörte zu dem Team, das Oliver North zusammengestellt hatte.

    Bedeutsam ist, dass auch die Iran-Contra-Operation in den Prozess der verdeckten Unterstützung der islamistischen Brigaden in Afghanistan einbezogen war. Sie verknüpfte mehrere außenpolitische Vorhaben der USA:

    1. die Beschaffung von Waffen für den Iran, um den Krieg des Iraks gegen den Iran zu verlängern,
    2. die Unterstützung der nicaraguanischen Contras,
    3. die Unterstützung der islamistischen Brigaden in Afghanistan über den pakistanischen ISI.

    Der Erlös aus dem Verkauf der Panzerabwehrrakete TOW an den Iran wurde auf Nummernkonten deponiert. Dann wurde das Geld zur Finanzierung der nicaraguanischen Contras und der (afghanischen, Anm. Red) Mudschaheddin verwendet.

    „Die Washington Post berichtete, dass Gewinne aus den Waffenverkäufen an den Iran auf ein CIA-Konto flossen, auf das die USA und Saudi-Arabien bereits jeweils 250 Millionen Dollar eingezahlt hatten. Dieses Geld wurde nicht nur an die Contras in Mittelamerika ausgezahlt, sondern auch an die Rebellen, die gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan kämpften.“ (13)

    Obwohl Generalleutnant Colin Powell nicht direkt in die Verhandlungen zu dem Waffendeal einbezogen war, die von Oliver North geführt wurden, gehörte er zu den „mindestens fünf Männern im Pentagon, die wussten, dass die CIA Waffen verkaufen durfte“. (14) Powells Beteiligung war deshalb wichtig, weil er Mitarbeitern auf unterer Ebene „grünes Licht“ für ein Verfahren geben musste, in dem ganz offensichtlich die notwendige Zustimmung des Kongresses umgangen wurde. Die New York Times berichtete, Colin Powell habe der für Beschaffung zuständigen Dienststelle die Entscheidung für die Waffenlieferung an den Iran zugeschoben.

    „Eilig umging (damals noch im Range eines Maj. General, Anm. Red.) Generalmajor Colin Powell, einer der Männer, die Verteidigungsminister Weinberger am nächsten standen, das vorgeschriebene schriftliche Antragsverfahren und beauftragte einfach die für Beschaffung zuständige Defense Logistics Agency, die ersten der 2.008 TOW-Raketen der CIA zu übergeben, die für die Weiterleitung an den Iran zu sorgen hatte.“ (15)

    So wurde auch der heutige Verteidigungsminister Robert Gates (der ab 1986 stellvertretender CIA-Direktor war, Aanm. Red.) in die Iran-Contra Affäre hineingezogen.

    Der Drogenhandel im Goldenen Dreieck


    Auch die Geschichte des Drogenhandels in Zentralasien ist eng mit den verdeckten Operationen der CIA verknüpft. Vor dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg wurde das in Afghanistan und Pakistan produzierte Opium über kleine Regionalmärkte verteilt. Es gab noch keine lokale Heroin-Produktion. (16)

    Alfred McCoys Studie bestätigt, dass innerhalb von zwei Jahren nach Beginn der verdeckten CIA-Operation in Afghanistan, „das Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan zum führenden Zentrum der weltweiten Heroin-Produktion wurde“. (17) Gleichzeitig wurden verschiedene islamistische paramilitärische Gruppen und Organisationen geschaffen. Der Erlös aus dem afghanischen Drogenhandel, der unter dem Schutz der CIA stand, wurde zur finanziellen Unterstützung der Aufständischen verwendet.

    „Unter dem Schutz der CIA und Pakistans eröffneten das pakistanische Militär und der afghanische Widerstand Heroin-Labors im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Nach einem Bericht der Washington Post im Mai 1990 gehörte zu den wichtigsten Heroin-Produzenten auch Gulbuddin Hekmatyar, der Anführer einer afghanischen Widerstandsgruppe, der etwa die Hälfte der verdeckt beschafften Waffen erhielt, die aus den USA nach Pakistan verschifft wurden. Obwohl es in den Reihen des afghanischen Widerstandes damals Beschwerden über die Brutalität Hekmatyars und seine Beteiligung am Drogenhandel gab, blieb die CIA trotz dieser Kritik mit ihm in Verbindung und unterstützte ihn auch weiterhin vorbehaltlos und ohne Einschränkung.

    Die sizilianische Mafia schaffte die komplette Heroin-Produktion aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet in die USA und eroberte damit schnell etwa sechzig Prozent des US-Heroin-Marktes. Das heißt, rund sechzig Prozent des in den USA angebotenen Heroins entstammten indirekt einer CIA-Operation. Während der ganzen Dekade – von 1979 bis 1989 – in der die Operation ablief, nahm die große Außenstelle der Drug Enforcement Administration / DEA in Islamabad keine Verhaftungen vor und veranlasste auch keine Beschlagnahmen; sie ließ den (Mafia-)Syndikaten damit praktisch freie Hand zum Heroin-Export. Im Gegensatz dazu gelang es einem einzigen norwegischen Detektiv, der ein Heroin-Geschäft von Oslo nach Karachi zurückverfolgte, eine Untersuchung in Gang zu setzen und einen mächtigen pakistanischen Bankier hinter Schloss und Riegel bringen, der als Ziehsohn des Präsidenten Zi Ul-Haq galt. Die DEA-Außenstelle in Islamabad unternahm nichts gegen niemand und hielt sich völlig (aus der Bekämpfung des Drogenhandels, Anm. Red.) heraus.

    Ehemalige CIA-Agenten haben bestätigt, dass ihre verdeckte Operation zu einer Ausweitung des Heroin-Handels in Pakistan und Afghanistan führte. 1995 gab Charles Cogan, der ehemalige Chef der CIA-Operation in Afghanistan, zu, der Drogenkrieg sei zugunsten von Erfolgen im Kalten Krieg aufgegeben worden. „Unsere Hauptaufgabe bestand darin, den Sowjets so viel Schaden wie möglich zuzufügen. Da blieben uns weder die Mittel noch die Zeit, um uns mit dem Drogenhandel zu beschäftigen“, erklärte er im australisches Fernsehen. „Ich denke, dafür brauchen wir uns auch nicht zu entschuldigen. Jede Operation hat auch negative Nebenwirkungen. Zu diesen Nebenwirkungen gehörte die Zunahme des Drogenhandels, aber dafür haben wir schließlich unser Hauptziel erreicht. Die Sowjets mussten Afghanistan verlassen.“ (18)

    Der Drogenhandel ist auch nach dem Kalten Krieg noch lukrativ


    Der Drogenhandel hielt auch nach dem Kalten Krieg unvermindert an. Afghanistan wurde der Hauptlieferant von Heroin für die westlichen Märkte, praktisch sogar fast der einzige Lieferant: Mehr als 90 Prozent des Heroins, das weltweit gehandelt wird, stammt aus Afghanistan. Diese lukrative Schmuggelware ist fest in die pakistanische Politik und die Militarisierung Pakistans eingebunden. Das Drogengeschäft hat auch direkten Einfluss auf die Struktur der pakistanischen Wirtschaft, ihres Bankwesens und ihrer Finanzinstitutionen, die seit Beginn des Drogenhandels im Goldenen Dreieck an riesigen Geldwäsche-Operationen beteiligt sind, die das pakistanische Militär und der Geheimdienstapparat abschirmen.

    Über einen 2006 veröffentlichten Report des US-Außenministeriums über die Strategie zur Kontrolle des internationalen Drogenhandels hat die Daily Times am 2. März 2006 berichtet:

    „Kriminelle pakistanische Netzwerke spielen eine Hauptrolle beim Transport von Drogen und anderen Schmuggelwaren aus Afghanistan zu den internationalen Märkten. Pakistan ist das wichtigste Transitland für den Drogenhandel. Die Transferierung des Erlöses aus dem Rauschgifthandel zu den Terroristen und die Geldwäsche läuft über ein alternatives System mit Namen Hawala.

    Wiederholt hat sich auch ein Netzwerk unbekannter Spender als wichtige Quelle für die illegale Finanzierung des internationalen Terrorismus erwiesen“, steht in dem Report.

    Das Hawala-System und die Spenden sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Nach dem Report des US-Außenministeriums „hat die Staatsbank Pakistans seit mehr als zwanzig Jahren nur knappe 10,5 Millionen Dollar eingefroren, die 12 Organisationen und Personen gehören, die Osama bin Laden, Al Qaeda oder den Taliban nahe stehen“. Der Report versäumt allerdings zu erwähnen, dass der Hauptteil des Erlöses aus dem afghanischen Drogenhandel in „ehrbaren“ westlichen Bankinstituten gewaschen wird.

    Die Taliban unterdrücken den Drogenhandel

    Im Jahr 2000 trat eine unerwartete Wende in dem von der CIA protegierten Drogenhandel ein.

    Die Taliban-Regierung, die 1996 mit Hilfe Washingtons an die Macht gekommen war, führte in den Jahren 2000 und 2001 mit der Unterstützung der Vereinten Nationen ein weitreichendes Programm zur Reduzierung (des Mohnanbaus und damit) der Opium-Produktion durch, um den milliardenschweren Drogenhandel zu unterbinden. (19)

    Bis zu dem von den USA angeführten Überfall (auf Afghanistan, Anm. Red.) im Jahr 2001 war die Opium-Produktion durch das Programm der Taliban um mehr als 90 Prozent gesunken.

    Sofort nach der US-geführten Invasion ordnete die Regierung Bush an, dass die erntereifen Mohnfelder nicht mehr zerstört werden dürften – unter dem fadenscheinigen Vorwand, dadurch werde das Militärregime von Pervez Musharraf untergraben.

    „Aus mehreren Quellen auf dem Capitol Hill war zu erfahren, dass sich die CIA der Zerstörung (des afghanischen Mohnanbaus und damit) der Opium-Produktion widersetzt, weil dadurch die pakistanische Regierung des Generals Pervez Musharraf destabilisiert werden könnte. Nach Angaben dieser Quellen hatte der pakistanische Geheimdienst damit gedroht, den Präsidenten Musharraf zu stürzen, wenn die Mohnfelder zerstört würden. ...

    Wenn sie [die CIA] sich tatsächlich der Zerstörung des afghanischen Opium-Handels widersetzt, bestärkt uns das nur in dem Glauben, dass sie eine Organisation ohne Moral ist, die nur ihre eigenen Ziele und nicht die unserer nach der Verfassung gewählten Regierung verfolgt.“ (20)

    Seit der US-geführten Invasion ist die Opium-Produktion auf die 33-fache Menge gestiegen, von 185 Tonnen unter den Taliban im Jahr 2001 auf 6.100 Tonnen im Jahr 2006. Die Fläche für den Mohnanbau hat sich seither auf das 21-fache erweitert. (21)

    Im Jahr 2007 lieferte Afghanistan etwa 93 Prozent des weltweiten Angebots an Heroin. Der Wiederverkaufswert des Rauschgifts aus Afghanistan ist nach Schätzungen [im Jahr 2006] auf über 190 Milliarden Dollar pro Jahr angestiegen, und macht damit den Löwenanteil des globalen Drogenhandels aus. (22)

    Der Erlös aus diesem lukrativen milliardenschweren Drogenhandel wird auf westlichen Banken deponiert. Fast die Gesamtheit der Einnahmen kommt Gangstersyndikaten und Finanzkonzernen außerhalb Afghanistans zugute.

    Das Waschen des Drogengeldes ist ein Milliardendeal, der seit dem US-Überfall auf Afghanistan im Jahr 2001 wieder von der CIA und dem ISI abgeschirmt wird.

    Im Rückblick scheint eines der Hauptziele der Invasion Afghanistans die Wiederherstellung des Rauschgifthandels gewesen zu sein.

    Die Militarisierung Pakistans dient mächtigen politischen, finanziellen und kriminellen Interessengruppen, die auch hinter dem Drogenhandel stecken. Die US-Außenpolitik neigt dazu, diese mächtigen Interessengruppen zu unterstützen. Und die CIA setzt ihre Protektion des Drogenhandels aus dem Goldenen Dreieck fort. Trotz seiner Ankündigung, den Drogenhandel unterbinden zu wollen, ist die Opium-Produktion unter dem Regime des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai sprunghaft angestiegen.

    Die Ermordung des Generals Zia Ul-Haq

    Im August 1988 wurde Präsident Zia bei einem Flugzeugabsturz zusammen mit Arnold Raphel, dem US-Botschafter in Pakistan, und mehreren hohen pakistanischen Generälen getötet. Was zu dem Flugzeugabsturz führte, ist bis heute ein Mysterium.

    Nach den auf Zias Tod folgenden Parlamentswahlen wurde Benazir Bhutto im Dezember 1988 als Premierministerin vereidigt. Schon bald wurde sie von dem Präsidenten Ghulam Ishaq Khan, dem Nachfolger Zias, auf Grund von Bestechungsvorwürfen aus ihrem Amt entfernt. 1993 wurde sie zwar wiedergewählt, musste aber 1996 auf Anordnung des Präsidenten Farooq Leghari erneut ihr Amt niederlegen.

    Die Kontinuität wurde trotzdem gewahrt. Auch in der Nach-Zia-Ära unter den kurzlebigen Regierungen von Benazir Bhutto und Nawaz Sharif waren die zentrale Rolle des pakistanischen Militärs und des Geheimdienstes dieses Landes und dessen gute Verbindungen nach Washington nie gefährdet.

    Sowohl Benazir Bhutto als auch Nawaz Sharif dienten den Interessen der US-Außenpolitik. Auch während ihrer Regierungszeit ließen die beiden demokratisch zum Premierminister Gewählten die Macht der Militärs unangetastet. Als Premierministerin von 1993 bis 1996 vertrat Benazir Bhutto „eine versöhnende Politik gegenüber den Islamisten, besonders auch gegenüber den Taliban in Afghanistan“, die auch weiterhin vom pakistanischen ISI unterstützt wurden. (23)

    Benazir Bhuttos Nachfolger als Premierminister, Mian Muhammad Nawaz Sharif von der Pakistan Muslim League / PML, wurde 1999 in einem von den USA unterstützten, von General Pervez Musharraf durchgeführten Militärputsch gestürzt.

    An dem 1999 von General Pervez Musharaf inszenierten Militärputsch war auch Generalleutnant Mahmoud Ahmad, der Chef des Generalstabs, beteiligt, der anschließend eine Schlüsselposition als Chef des Militärgeheimdienstes ISI erhielt.

    Seit Amtsantritt der Regierung Bush im Jahr 2001 knüpfte General Ahmad enge Beziehungen nicht nur zu seinem US-Gegenüber, dem CIA-Direktor George Tenet, sondern auch zu weiteren wichtigen Mitgliedern der US-Regierung – zu dem Außenminister Colin Powell, zu dem stellvertretenden Außenminister Richard Armitage und nicht zuletzt auch zu Porter Goss, dem damaligen Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses. Seltsamerweise ist Mahmoud Ahmad auch aus einem FBI-Bericht vom September 2001 bekannt, in dem er verdächtigt wurde, nicht nur die Terroristen, welche die Anschläge am 11.9. verübt haben sollen, unterstützt und finanziert zu haben, sondern auch Verbindungen zu Al Qaeda und den Taliban zu unterhalten. (24)

    Abschließende Bemerkungen

    Diese beiden „Terror“-Organisationen wurden mit Hilfe der CIA geschaffen. Sie sind kein Produkt der Religion. Das Projekt zur Errichtung eines „Panislamischen Kalifates“ ist Teil einer sorgfältig geplanten Geheimdienst-Operation.

    Die CIA-Unterstützung für Al Qaeda hat mit dem Ende des Kalten Krieges keineswegs aufgehört. Tatsächlich trifft das Gegenteil zu. Das bisherige Modell der verdeckten Operation wurde global ausgeweitet und weiter differenziert.

    Der „Globale Krieg gegen den Terrorismus“ ist ein komplexes und verschachteltes Konstrukt der Geheimdienste. Die verdeckte Unterstützung „islamistischer extremistischer Gruppen“ ist Teil der imperialistischen Gesamtstrategie. Damit sollen weltlich ausgerichtete zivile Regierungen (in islamischen Ländern, Anm. Red.) geschwächt und zerstört und die islamische Religion als solche verunglimpft werden. Der „Globale Krieg gegen den Terrorismus“ ist ein Instrument des Kolonialismus, mit dem souveräne Nationalstaaten unterworfen und in koloniale „Schutzgebiete“ umgewandelt werden sollen.

    Damit die verdeckten Geheimdienst-Operationen zum Erfolg führen können, dürfen die verschiedenen islamistischen Organisationen, welche die CIA geschaffen und ausgebildet hat, auf keinen Fall erkennen, welche Rolle sie im Auftrag Washingtons auf dem geopolitischen Schachbrett spielen.

    Im Lauf der Jahre haben diese Organisationen tatsächlich einen gewissen Grad an Autonomie und Unabhängigkeit gegenüber ihren US-pakistanischen Förderern entwickelt. Dieser „Anschein von Unabhängigkeit“ ist sogar beabsichtigt und ein integraler Bestandteil der verdeckten Geheimdienst-Operationen. Nach Aussage des ehemaligen CIA-Agenten Milton Beardman war den Mudschaheddin überhaupt nicht bewusst, welche Rolle sie im Auftrag Washingtons spielten. Nach Beardman soll Osama bin Laden gesagt haben: „Weder ich, noch meine Brüder hatten Beweise dafür, dass die Hilfe aus den USA kam.“ (25)

    „Motiviert durch nationale Gefühle und religiösen Eifer ahnten die islamistischen Kämpfer nicht, dass sie im Auftrag Uncle Sams gegen die sowjetische Armee kämpften. Während es auf höheren Ebenen der Geheimdienst-Hierarchie viele Kontakte gab, hatten die Anführer der islamistischen Rebellen vor Ort keine Kontakte mit Washington oder der CIA.“ (26)

    Die verdeckte Unterstützung von Terroristen und der dadurch erst erschaffene „Terrorismus“ waren notwendig, damit man den „Krieg gegen den Terrorismus“ anzetteln konnte.

    Die verschiedenen fundamentalistischen und paramilitärischen Gruppen, die von den USA finanzierte „Terror-Akte“ begehen, sind alle Geschöpfe des Geheimdienstes. Nach den Anschlägen am 11.9. hatten sie im Auftrag des Geheimdienstes eine möglichst glaubwürdige Rolle als „Feinde Amerikas“ zu spielen.

    Unter der Bush-Regierung fuhr die CIA fort, über den pakistanischen ISI mehrere in Pakistan angesiedelte islamistische Gruppen zu fördern. Es wurde bekannt, dass der ISI neben der Gruppe Jamaat e-Islami, die im Südosten Asiens operiert, auch die Terror-Gruppen Laschkar-e-Taiba, Jihad e-Kashmiri, Hizbul-Mujahidin unterstützt.

    Es ist auch beabsichtigt, dass die von der CIA geschaffenen islamistischen Gruppen in den jeweiligen islamischen Ländern Unterstützung aus der Bevölkerung zu gewinnen versuchen. Damit soll Unruhe innerhalb der Gesellschaften von Staaten im Mittleren Osten und in Zentralasien gestiftet werden, indem man zum Beispiel die Anhänger verschiedener islamischer Glaubensrichtungen aufeinander hetzt, in der Absicht, die Entwicklung eines breiten gemeinsamen, mit weltlichen Argumenten begründeten Widerstandes gegen die imperialistischen Ambitionen der USA zu verhindern.

    Die Erfindung eines gemeinsamen äußeren Feindes ist gleichzeitig ein wesentlicher Bestandteil der (US-)Kriegspropaganda, um die Bevölkerungen westlicher Staaten (für einen gemeinsamen Krieg gegen den Terror, Anm. Red.) zu gewinnen. Ohne einen Feind kann kein Krieg geführt werden. Die US-Außenpolitik musste einen Feind fabrizieren, um ihre verschiedenen militärischen Interventionen im Mittleren Osten und in Zentralasien zu rechtfertigen. Der zu Durchsetzung eines langfristig angelegten militärischen Planes benötigte Feind wurde mit „Al Qaeda“ erschaffen. Mit der Erschaffung und Verteufelung dieses Feindes können nun Militäraktionen in allen Regionen der Welt gerechtfertigt werden.

    Die (behauptete, Anm. Red.) Existenz eines äußeren Feindes stützt die Täuschung, es werde tatsächlich ein „Krieg gegen den Terrorismus“ geführt. Damit lässt sich jede Militäraktion als „humanitäre Intervention“ darstellen und mit dem Recht auf Selbstverteidigung begründen. Auch das Trugbild eines „Kampfes der Kulturen“ kann damit erzeugt werden. Dabei geht es nur darum, die tatsächlichen wirtschaftlichen und strategischen Ziele des Krieges um die Herrschaft im Mittleren Osten und in Zentralasien zu verbergen.

    Historisch hat eigentlich Pakistan die Hauptrolle im „Krieg gegen den Terrorismus“ gespielt. Pakistan bildet nach Washingtons Auffassung einen geopolitischen Knotenpunkt. Es grenzt an Afghanistan und den Iran. Es spielte und spielt auch weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Durchführung der Militäreinsätze der USA und der NATO in Afghanistan und in den Plänen des Pentagons für einen Krieg gegen den Iran.

    Der Artikel erschien im Original am 9. September 2010 unter dem Titel 9/11 ANALYSIS: From Ronald Reagan and the Soviet-Afghan War to George W Bush and September 11, 2001 bei Global Research.

    Klammern im Text: die eckigen Klammern sind vom Autor übernommene Textpassagen in Klammern, die runden Klammern wurden von der Redaktion / dem Übersetzer eingefügt.

    Übersetzung: Wolfgang Jung, Luftpost Kaiserslautern – www.luftpost-kl.de

    Anmerkungen / Quellen:

    (1) Washington Post, 23. März 2002
    (2) Pervez Hoodbhoy in Peace Research, 1. Mai 2005
    (3) Phil Gasper, International Socialist Review, November-Dezember 2001
    (4) Ist unter http://globalresearch.ca/articles/BRZ110A.html nachzulesen
    (5) Dipankar Banerjee in dem Artikel „Mögliche Verbindungen des ISI mit der Drogen-Industrie“, veröffentlicht in INDIA ABROAD am 2. Dezember 1994.
    (6) ebd.
    (7) ebd.
    (8) Ahmed Rashid, Die Taliban.
    (9) s. http://www.historycommons.org/contex...2blindeyedrugs und S. 477 des o. a. McCoy-Buches
    (10) University Wire, 7. Mai 2002
    (11) Pervez Hoodbhoy in seinem Artikel „Afghanistan und die Anzettelung des globalen Dschihad“ in PEACE RESEARCH, 1. Mai 2005
    (12) Washington Post, 23. März 2002
    (13) US News and World Report, 15. Dezember 1986.
    (14) THE RECORD, 29. Dezember 1986.
    (15) THE NEW YORK TIMES, 16. Februar 1987
    (16) Alfred McCoy, „Drug Fallout: the CIA's Forty Year Complicity in the Narcotics Trade“ (Drogen-Nebenwirkungen: die vierzigjährige Komplizenschaft der CIA am Rauschgifthandel), THE PROGRESSIVE, 1. August 1997
    (17) ebd.
    (18) Alfred McCoy, s. http://www.mail-archive.com/ ctrl@listserv.aol.com/msg82832.html
    (19) Weitere Details s. Michel Chossudovsky, America's War on Terrorism (Amerikas Krieg gegen den Terrorismus), Global Research, 2005
    (20) NewsMax.com, 28. März 2002, unter http://archive.newsmax.com/archives/...28/95240.shtml
    (21) Michel Chossudovsky, Globale Forschung, 6. Januar 2006, s. dazu http://www.globalresearch.ca/index.p...xt=va&aid=5514
    (22) ebd.
    (23) F. William Engdahl, Global Research, Januar 2008, s. http://www.globalresearch.ca/index.p...xt=va&aid=7728
    (24) s. Michel Chossudovsky, America's War on Terrorism, Global Research, Montreal, 2005
    (25) WEEKEND SUNDAY / NPR, Eric Weiner, Ted Clark; 16. August 1998.
    (26) Michel Chossudovsky, America's War on Terrorism, Kapitel 2, s. http://www.globalresearch.ca/globalo.../truth911.html .

    ..Zu den Büchern in Afgahnischen Schulen..Sehr gut geplant würd ich mal sagen...denn die Kinder von damals, sind die Radikalen die sich instrumentalisieren lassen von Heute......Ich frag mich : Wer ist dieses Mastermind der sich das ausdachte ?....10 Jahre vorausplanend....



    Quelle : http://www.hintergrund.de/201010071179/globales/terrorismus/die-usa-steuern-den-terror-aus-pakistan-und-dem-mittleren-osten.html




    Was auch immer du tust, handle klug und bedenke das Ende


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    Erleben wir das Ende der Dollar-Dominanz?

    Erleben wir das Ende der Dollar-Dominanz?

    Wird der US-Dollar als Weltleitwährung bald ersetzt? Vor nur wenigen Jahren wäre die Ablösung des Dollars unvorstellbar gewesen. Die Finanzkrise nährt Forderungen nach einer Neuordnung des Währungssystems.

    Von Darris McNeely

    In der Financial Times in London wurden kürzlich Schlagzeilen veröffentlicht, die auf die anhaltende Schwäche des US-Dollars hinweisen. „Brasilien und China begutachten Pläne, den Dollar loszuwerden“ heißt die eine, „China greift die Vormachtstellung des Dollars an“, lautet eine andere. Bei einer anderen Schlagzeile war die Rede von der „Entdollarisierung der Welt und dem Ende der amerikanischen finanziell-militärischen Hegemonie“. Eine weitere hob den Mangel an Vertrauen in die amerikanische Führungsrolle im Finanzbereich hervor: „Der Dollar sinkt während [der amerikanische Finanzminister] Geithner die Hoffnung auf einen Aufschwung begrüßt“ (Hervorhebung durch uns).
    Es gibt also Warnungen, die über den Bug Amerikas abgefeuert werden. Viele wollen ein Ende der Ära des Dollars als weltweite Reservewährung. Falls das geschieht, wird sich Ihre finanzielle Welt für immer verändern.


    Ist so etwas überhaupt möglich?

    Die Vereinigten Staaten sind mittlerweile mit 10,6 Billionen Dollar die größte Schuldnernation der Welt. Die Volksrepublik China ist mit US-Staatsanleihen im Wert von mehr als 800 Milliarden Dollar der größte Gläubiger der USA. Der chinesische Premierminister Wen Jiabao hat in diesem Jahr bereits öffentlich „Bedenken“ wegen Chinas Besitz von umfangreichen amerikanischen Staatsschulden geäußert. Dadurch ist China eng an Amerika gebunden, in guten und in schlechten Zeiten. China macht sich Sorgen, dass die US-Staatsanleihen und sonstigen Schuldverschreibungen viel an Wert verlieren werden, wenn der Dollar entwertet wird oder die Finanzkrise nicht bald ein Ende findet.
    China, Russland und andere Nationen fordern die Schaffung einer neuen Reservewährung für den Welthandel. Damit wollen sie sich vor den Problemen schützen, die für sie auftreten, wenn die US-Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät. Sie wollen auch den dominanten Einfluss Amerikas auf die Weltwirtschaft schmälern. Der Niedergang Amerikas und der Aufstieg Chinas passt zudem zu dessen geopolitischen Ambitionen.
    Die Funktion des Dollars als Weltleitwährung zu beenden ist keine einfache Angelegenheit. Im Frühjahr schrieb das Wall Street Journal dazu: „Die technischen und politischen Hürden für die Implementierung von Chinas Vorschlägen [zur Schaffung einer neuen Weltleitwährung als Ersatz für den Dollar] sind enorm. Deshalb werden diese Vorschläge, auch wenn sie von anderen Nationen unterstützt werden, die Rolle des Dollars kurzfristig kaum verändern können.
    Zentralbanken auf der ganzen Welt besitzen mehr amerikanische Dollar und Dollar-Wertpapiere als Anlagen in irgendeiner anderen einzelnen Fremdwährung. Diese Reserven können dazu genutzt werden, die landeseigenen Währungen der Zentralbanken zu stützen“ („China Takes Aim at Dollar“, 24. März 2009).


    Wie lange kann sich der Dollar halten?


    Vor dem Dollar hat das britische Pfund Sterling die Grundlage der Weltwirtschaft gebildet. Es erforderte zwei Weltkriege und mehrere Jahrzehnte, bis sich der Weltstandard vom Pfund auf den Dollar verlagerte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist der Dollar die Weltleitwährung.
    Auch wenn die gegenwärtigen Finanzprobleme, die in Amerika ihren Anfang nahmen, zu einer weltweiten Krise geführt haben, reicht das noch nicht aus, um Amerikas gegenwärtige Führungsrolle wirklich zu unterminieren. Das soll aber nicht heißen, dass so etwas nicht geschehen könnte oder eines Tages geschehen wird.
    Die Schaffung einer neuen Weltleitwährung hängt davon ab, dass bestimmte Faktoren vorliegen. Analysten des privaten Forschungsunternehmens Stratfor haben diese Faktoren zusammengefasst:
    „Was eine Welt jenseits des Dollars anbelangt, geht es um die Tatsache, dass eine Reservewährung nicht per Beschluss festgelegt wird, sondern sie etabliert sich von sich aus. Zwei Dinge sind für die Einführung einer Reservewährung erforderlich. Zum einen muss es eine ausreichende Liquidität zur Unterstützung eines weltweiten Systems geben. Dazu ist eine Zentralbank mit sehr viel Unabhängigkeit von staatlichem Einfluss erforderlich und die amerikanische Notenbank ist in dieser Hinsicht beispiellos. Nicht einmal die europäische Zentralbank kommt dem nahe.
    Zweitens muss die Wirtschaft, auf der die Währung basiert, groß genug sein, um Schwankungen zu verkraften, die von anderen Wirtschaftsräumen ausgelöst werden, die ihre Anleihen in großem Umfang aufkaufen oder veräußern. Erneut sind die Vereinigten Staaten der einzige Wirtschaftsraum, der zurzeit diese Voraussetzungen erfüllt.
    Ein wesentlicher Bestandteil für die Ablösung des US-Dollars wäre dabei eine umfassende Ablehnung amerikanischer Staatsanleihen als Kernelement der chinesischen Währungsreserven, was – nach der gängigen Meinung – den USA schwerwiegende wirtschaftliche Probleme bereiten würde. Aber bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass das nicht unbedingt der Fall wäre.
    Zum einen ist ein umfassender Verkauf von amerikanischen Staatsanleihen nicht möglich. Jeder Verkäufer braucht einen Käufer. Die vorhandene Menge lässt sich daher nicht so schnell verkaufen. Zweitens würde eine solche Aktion den Wert dieser Wertpapiere ins Bodenlose absinken lassen und damit die Rücklagen vernichten, die sich die Chinesen über die Jahre erwirtschaftet haben. Die sogenannte ,atomare Option‘ ist in Wirklichkeit keine echte Option“ („China‘s Calculated Currency Rhetoric“, 25. März 2009).
    China hat auch seine eigenen Probleme. Die wachsende Mittelklasse, die durch den Aufschwung in China entstanden ist, erlebt zurzeit Arbeitslosigkeit und finanzielle Einbrüche. Die kommunistische Partei kann sich keine Unzufriedenheit bei dieser Bevölkerungsgruppe leisten. Sobald Menschen sich an Materialismus gewöhnt haben, werden sie diesen nicht wieder aufgeben. Gegenwärtig ist es im Interesse Chinas, eine ausländische Macht (Amerika) zu beschuldigen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit von hausgemachten Problemen abgelenkt.
    China spielt damit aber auch klar ein gefährliches geopolitisches Spiel, indem das Land nach einer neuen Reservewährung ruft.


    Was wären die Folgen für Amerikaner?


    Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Dollar die vorherrschende Weltwährung. Für die meisten heute lebenden Amerikaner ist das die Welt, in die sie hineingeboren wurden. Das ist alles, was sie je gekannt haben. Amerikaner genießen aufgrund der Stabilität und des Wohlstands durch Amerikas vorherrschenden wirtschaftlichen Einfluss einen der weltweit höchsten Lebensstandards.
    Was würde es also für amerikanische Konsumenten bedeuten, wenn der Dollar nicht länger die Reservewährung der Welt wäre?
    Alles, was die Amerikaner importieren, würde teurer werden – alles. Die Amerikaner würden diese neue Währung erwerben müssen, um auf dem Weltmarkt Handel zu treiben. Die hohen Benzinpreise vom letzten Jahr würden da wie ein Sonderangebot aussehen.
    Der Kreditmarkt würde einbrechen. Investoren würden sich von toxischen Vermögenswerten fernhalten und damit die Wirtschaft noch weiter bremsen.
    Die amerikanische Notenbank würde noch mehr Geld drucken müssen, um die Kreditklemme zu bekämpfen, was höchstwahrscheinlich zu Hyperinflation führen würde. Man braucht da nur an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland zu denken, als Schubkarren voller Geldscheine notwendig waren, um nur einen Laib Brot zu kaufen – wahrhaft keine erfreuliche Perspektive!
    Die Macht und der Einfluss Amerikas auf die Welt würden ernsthafte Einbußen erleiden. Nur die wenigsten Menschen verstehen den Einfluss, den wirtschaftliche Faktoren bei der allgemeinen geopolitischen Entwicklung spielen. Die Stellung des Dollars in der Welt bedeutet großen Einfluss für die USA. Russland und China warten auf die Zeit, wenn sie selbst solche Macht ausüben können, wobei sie aber sicher auf Konkurrenz vonseiten der Europäischen Union stoßen würden.
    Die großen Verlierer eines Niedergangs des Dollars wären unter anderem Japan und Lateinamerika. Weil sie so viele amerikanische Schulden übernommen haben, würden auch China und die ölreichen Staaten im persischen Golf große Verluste hinnehmen müssen. Auch Israel und Ägypten würden darunter leiden, weil sie dadurch viele der amerikanischen Hilfeleistungen verlieren würden. Was das an Folgen im Nahen Osten haben würde, ist ungewiss, aber Ägypten könnte dadurch destabilisiert werden.
    Die Weltpolitik würde dadurch verändert werden. Das dann entstehende Machtvakuum würde Begehrlichkeiten wecken. Die EU, die von einem Verfall des Dollars profitieren würde, wäre sicher einer der großen Anwärter. Auch China würde zweifellos davon profitieren wollen, aber eine Reihe von Faktoren würde das erschweren. Nach dieser möglichen Zeit des Chaos würde sich sicher wieder Stabilität einstellen, sobald eine andere Macht sich als treibender Motor der Weltwirtschaft etablieren würde. Amerikas sonnige Tage wären dann aber vorbei.
    Die amerikanische Lebensweise würde sich grundlegend verändern. Das Ende von billigem Benzin, niedrigen Zinsen und dem Schuldenmachen würde eine geringere Lebensqualität und höhere Steuern mit sich bringen. Was das für das Sozialgefüge der Nation bedeuten würde, ist ungewiss.
    Dieser letzte Punkt bezieht sich auf den Charakter der Amerikaner. Haben sie die gleichen Eigenschaften, die einer früheren Generation dabei geholfen haben, die Umbrüche während der großen Depression und des Zweiten Weltkriegs zu überstehen?


    Verliert Amerika das Bewusstsein für seinen Führungsanspruch?


    Diejenigen, die eine andere Welt schaffen wollen, sind zweifellos dabei, den Niedergang des Dollars und das Ende von Amerikas vorherrschender Rolle in der Welt herbeizuführen. In früheren Beiträgen haben wir bereits den prophezeiten Verlust von Amerikas „stolzer Macht“ angesprochen (3. Mose 26,19; Einheitsübersetzung). Während wir dabei meist zuerst an militärische Macht denken, sind auch wirtschaftliche Faktoren hier maßgebend. Wenn der Dollar seine Stellung als Reservewährung verlieren würde, würde das auch Amerikas führende Rolle in der Welt radikal verändern.
    Zum einen würden Amerikas lähmende Auslandsschulden durch eine verminderte Fähigkeit, diese Last zu tragen, die Lage nur noch schlimmer machen. Nach einer gewissen Zeit würde das Land von denjenigen abhängen, die im Besitz seiner Schuldverpflichtungen sind und hätte nur noch wenig Bewegungsspielraum. Eine wirtschaftliche Versklavung durch andere Nationen wäre vorhersehbar.
    Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dies sehr bald geschehen wird. China und mehrere arabische Staaten besitzen zu viele auf Dollar basierende Schuldverschreibungen, um so etwas zuzulassen. Wie bereits erwähnt, würden sie dabei zu viel verlieren. Zurzeit sind die USA immer noch zu groß, zu reich und zu mächtig, als dass diese Staaten den Niedergang Amerikas zulassen würden. Dafür steht auf der globalen Bühne zu viel auf dem Spiel.
    Das bedeutet aber nicht, dass sich die Dinge nicht ändern könnten – und das vielleicht schneller als erwartet. Die Umstände müssen jedoch dafür geeignet sein.
    Es wird nicht geschehen, bevor der Gott des Himmels es zulässt. Gott hat Amerika mit Reichtum, Macht und dem daraus folgenden Ansehen gesegnet. Er wird diese Situation dann ändern, wenn es seinem großen Zeitplan für alle Nationen entspricht.
    Bis zum Eintreffen dieser Entwicklung haben wir noch unser Leben zu führen und unseren Weg mit – oder ohne – Gott zu bestimmen. Wir müssen Charakter entwickeln und eigene Fehler korrigieren. Wir haben noch die Tage, um die uns nahestehenden Menschen zu lieben und vor allem Zeit, Gott zu entdecken und zu erkennen, welche Aufmerksamkeit er den Details, die die Ewigkeit, die Geschichte und unser eigenes Leben betreffen, widmet. Lassen Sie uns das Beste aus der Zeit machen, die uns noch gegeben ist.
    Quelle : http://www.gutenachrichten.org/ARTIKEL/gn09nd_art4.htm
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  6. #26
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    Zur sich vollziehenden Bildung eines Freien Geisteslebens

    Zur sich vollziehenden Bildung eines Freien Geisteslebens

    von Ingo Hagel

    In einem Vortrage im Jahre 1917 (GA 177), also zur Zeit des 1. Weltkrieges, machte Rudolf Steiner seine Zuhörer auf bestimmte Dinge (fehlender Wirklichkeitssinn und Schläfrigkeit der Menschen, Korruption und Interessenskonflikte in der Politik, demokratische Phrasen) aufmerksam, die noch heute – und zwar angesichts der welt- und innenpolitischen Verhältnisse in einem verstärkten Maße- Geltung haben. Zudem zeigt er aus dem unausweichlich erscheinenden politischen und kulturellen Desaster für den einzelnen Menschen Perspektiven für dessen Handeln auf:


    „Denn heute fehlt den Menschen selbst in bezug auf das Primitivste des Umlebens und des Miterlebens der Wirklichkeitssinn.
    Die Menschen glauben heute, realistisch, materialistisch zu sein, sind aber die abstraktesten Theoretiker, die man sich nur denken kann, sind vollgepfropft von bloßen Theorien, schlafen in lauter Theorien und sind sich dessen nicht bewusst, dass sie in Theorien schlafen. Wenn einmal einer aufwacht – es ist nicht Zufälligkeit, aber man könnte in populärer Redewendung sagen: Wenn einmal einer zufällig aufwacht und etwas wach sagt, wird er einfach unberücksichtigt bleiben. So geht es eben heute.
    Sie werden vielleicht schon gehört haben, dass von gewissen Leuten immer wiederum in die Welt posaunt wird: Die Demokratie muss die ganze Kulturwelt ergreifen. Demokratisierung der Menschheit ist dasjenige, was das Heil bringt; dafür muss man nun alles kurz und klein schlagen, damit die Demokratie sich ausbreitet auf der Welt. – Ja, wenn die Menschen einfach so fortleben, dass sie die Dinge, die als Begriffe an sie herantreten, nur so an sich herankommen lassen, also ganz aufgehend in dem Begriffe Demokratie, dann haben sie eben den Begriff Demokratie so, wie ich ihn als Definition des Menschen angeführt habe: Ein Mensch ist ein Wesen, das zwei Beine und keine Federn hat: ein gerupfter Hahn. -

    Anmerkung: Rudolf Steiner bezieht sich auf das von ihm erzählte groteske aber zutreffende Beispiel einer Definition – die ja aufgrund ihrer unlebendigen Starrheit immer unzulänglich und problematisch ist. Gemäß den Anmerkungen des betreffenden Bandes (GA 177) wird diese berichtet von Diogenes Laertius in „Leben und Meinungen berühmter Philosophen“, Buch VI, 2. Kap.: „Als Platon die Definition aufstellte, der Mensch ist ein federloses zweifüßiges Tier, und damit Beifall fand, rupfte er (Diogenes von Sinope) einem Hahn die Federn aus und brachte ihn in dessen Schule mit den Worten: „Das ist Platons Mensch“; infolgedessen ward der Zusatz gemacht „mit platten Nägeln““.

    Denn ungefähr so viel, wie der, dem man einen gerupften Hahn zeigt, vom Menschen weiß, wissen die Menschen, die heute die Glorie der Demokratie verkündigen, von der Demokratie. Man nimmt Begriffe für Wirklichkeiten. Dadurch aber ist es möglich, dass die Illusion sich an die Stelle der Wirklichkeit setzt, wenn es sich ums Menschenleben handelt: indem man die Menschen einlullt und einschläfert durch Begriffe. Dann glauben sie, in ihrem Streben gehe es dahin, dass jeder Mensch seinen Willen zum Ausdruck bringen könne durch die verschiedenen Einrichtungen der Demokratie, und merken nicht, dass diese Strukturen der Demokratie so sind, dass immer ein paar Menschen an den Drähten ziehen, die andern aber werden gezogen. Doch weil man ihnen immer vorredet, sie sind in der Demokratie drinnen, merken sie nicht, dass sie gezogen werden, dass da einzelne ziehen. Und um so besser können diese einzelnen ziehen, wenn die andern alle glauben, sie ziehen selbst, sie werden nicht gezogen. – So kann man ganz gut durch abstrakte Begriffe die Menschen einlullen und sie glauben das Gegenteil von dem, was Wirklichkeit ist. Dadurch können aber die dunkeln Mächte gerade am allerbesten wirken. Und wenn einmal einer aufwacht, so wird er eben nicht berücksichtigt. Interessant ist es, wie 1910 einer den schönen Satz geschrieben hat: dass es dem Großkapitalismus gelungen ist, aus der Demokratie das wunderbarste, wirksamste, biegsamste Werkzeug zur Ausbeutung der Gesamtheit zu machen. Man bildet sich gewöhnlich ein, die Finanzleute seien Gegner der Demokratie – schreibt der betreffende Mann -; ein Grundirrtum. Vielmehr sind sie deren Leiter und deren bewusste Förderer. Denn diese – die Demokratie nämlich – bildet die spanische Wand, hinter welcher sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen die etwaige Empörung des Volkes. Da hat einmal einer, der aufgewacht ist, gesehen, wie es nicht darauf ankommt, von Demokratie zu deklamieren, sondern wie es darauf ankommt, die Wirklichkeit zu durchschauen, nichts auf alle solche Schlagworte zu geben, sondern zu sehen, was wirklich ist. Heute wäre dies ganz besonders notwendig, denn man würde dann sehen, von wie wenigen Zentren aus die Ereignisse heute eigentlich gelenkt und geleitet werden, die so furchtbar, so blutig über die ganze Menschheit hin walten. Darauf wird man nicht kommen, wenn man immer in dem Irrwahn lebt, die Völker bekämpfen sich; wenn man sich immer einlullen lässt von der europäischen und amerikanischen Presse über irgendwelche Beziehungen, die in den gegenwärtigen Ereignissen zwischen den Völkern sein sollen. Das alles, was da gesagt wird über Antagonismus und Gegensätzlichkeiten der Völker, das ist dazu da, um über die wahren Gründe den Schleier zu breiten. Denn nicht dadurch, dass man von Worten heute zehrt, um diese Ereignisse zu erklären, kommt man zu irgendeinem Resultat, sondern dadurch, dass man auf die konkreten Persönlichkeiten hinzeigt. Das wird nur manchmal unbequem. Und derselbe Mann, der diese Sätze niedergeschrieben hat 1910, der aufgewacht ist, der hat auch in demselben Buche eine höchst unangenehme Rechnung angestellt. Er hat nämlich eine Liste aufgestellt von fünfundfünfzig Männern, die in Wirklichkeit Frankreich beherrschen und ausbeuten. Diese Liste gibt es in dem Buche «La Democratie et les Financiers» 1910, von Francis Delaisi, von demselben Mann, der das ja mittlerweile berühmt gewordene Buch «La Guerre qui vient» geschrieben hat, das letztere 1912, das Buch «La Democratie et les Financiers» 1910. In diesem Buche finden Sie Sätze von fundamentaler Bedeutung. Da ist einmal ein Mensch aufgewacht gegenüber der Wirklichkeit. In diesem Buche «Die Demokratie und die Finanzwelt» liegen Impulse, um vieles von dem zu durchschauen, was heute durchschaut werden sollte, vieles aber auch zu zerhauen von dem, was als Nebel über die Gehirne der Menschen hin zum Fluten gebracht wird. Auch über diese Dinge muss man sich entschließen, die Wirklichkeit ins Auge zu fassen. Natürlich ist das Buch unberücksichtigt geblieben. Aber in diesem Buche werden gewisse Fragen aufgeworfen, die heute in der ganzen Welt aufgeworfen werden sollten, weil sie manches über die Wirklichkeit lehren würden, die man so begraben will unter all den Deklamationen von Demokratie und Autokratie und was die Schlagworte alle sind. In diesem Buche finden Sie zum Beispiel auch eine sehr schöne Darstellung von der üblen Lage, in der eigentlich ein Parlamentarier ist. Nicht wahr, die Menschen glauben, so ein Parlamentarier stimmt nach seiner Überzeugung ab. Aber würde man alle die Fäden kennen, durch die ein solcher Parlamentarier zusammenhängt mit der Wirklichkeit, dann würde man erst wissen, warum er in einem Fall ja und im andern Fall nein sagt. Denn gewisse Fragen müssen aufgeworfen werden. Delaisi wirft sie auf. Zum Beispiel wirft er die Frage auf, indem er einen Parlamentarier ins Auge fasst: Auf welche Seite soll sich der arme Mann stellen? Das Volk zahlt ihm jährlich dreitausend Francs Diäten, die Aktionäre dreißigtausend Francs! – Die Frage stellen, heißt sie schon beantworten. Also der gute arme Mann bekommt vom Volk seine dreitausend Francs Diäten, von den Aktionären dreißigtausend! Nicht wahr, es ist ein sehr schöner Beweis, zeugt manchmal von großem Scharfsinn, zu sagen: Wie schön ist es doch, dass einmal in einem Parlament ein Sozialist, ein Volksmann wie Millerand einen Platz gefunden hat! Es ist etwas Großartiges, dass solche Errungenschaft möglich geworden ist. Delaisi frägt etwas anderes. Er frägt: Wie steht es mit der Unabhängigkeit eines Menschen wie Millerand, der jährlich dreißigtausend Francs als Vertreter von Versicherungsgesellschaften verdiente? Da ist einmal einer aufgewacht; der weiß ganz gut, wie die Fäden gehen von den Taten eines solchen Mannes in die verschiedenen Versicherungsgesellschaften hinein. Aber solche Dinge, die heute im Wachzustand über die Wirklichkeit erzählt werden, die werden eben nicht berücksichtigt. Man kann natürlich sehr schön den Menschen von der Demokratie der westlichen Welten deklamieren. Wenn man ihnen aber dieWahrheit sagen wollte, müsste man ihnen sagen: Der so und so heißt, macht es so, und der so und so heißt, macht es so. – Und da rechnet Delaisi fünfundfünfzig Männer heraus, nicht eine Demokratie, sondern fünfundfünfzig bestimmte Männer, von denen er sagt, dass sie Frankreich beherrschen und ausbeuten. Da ist man auf die realen Tatsachen gekommen, denn auch im gewöhnlichen Leben muss der Sinn erwachen für reale Tatsachen. Das weiß man auch aus Delaisi: Es war einmal ein Advokat. Dieser Advokat – viele Fäden verbanden ihn mit allen möglichen, nicht nur Versicherungsgesellschaften, sondern Finanzzentren, Finanzwelten. Aber dieser Advokat hatte noch höheren Ehrgeiz; er wollte für seine Taten nicht nur durch die Finanzwelt, durch die Industriewelt, Handelswelt protegiert sein, sondern auch durch die Gelehrtenwelt der Akademie. Das ist die Stätte, wo man durch die Gelehrtenwelt selbst in die Sphäre der Unsterblichkeit erhoben werden kann. Aber nun fanden sich zwei Unsterbliche innerhalb der Akademie, welche just unerlaubte Trustgeschäfte machten. Sie fanden es ganz gut vereinbar mit ihrem Wirken für die Unsterblichkeit, Trustgeschäfte, die unerlaubt waren nach dem Gesetze des Landes, zu machen. Da fand sich denn der sehr scharfsinnige Advokat und vertrat die beiden Unsterblichen vor dem Gerichte, und es gelang ihm, sie freizubekommen, sie reinzuwaschen, so dass sie nicht verurteilt wurden. Da nahmen sie ihn selber unter die «Unsterblichen» auf. Die Wissenschaft, die nicht das Zeitliche der Welt, sondern das Ewige der Welt, das Unsterbliche verwaltet, die ist der Verteidiger geworden dieses selbstlosen Advokaten. Raymond Poincaré heißt er. – Delaisi erzählt in dem genannten Buche seine Geschichte.(Poincaré war mehrmals Ministerpräsident von Frankreich; Anmerkung IH) Es ist ganz gut, solche Dinge als Ingredienzen der Wirklichkeit auch zu wissen. Diese Dinge müssen schon ins Auge gefasst werden. Und man wird so gelenkt, dass man einen gewissen Spürsinn für die Wahrheit bekommt, wenn man Geisteswissenschaft aufnimmt, während die materialistische Bildung der heutigen Zeit, in die ja so unzählige Kanäle von der Presse fließen, dazu angetan ist, nicht auf die Wirklichkeiten hinzuweisen, sondern auf etwas, was mit allerlei Schlagworten wie mit Mäntelchen belegt wird. Und wenn einmal einer aufwacht, wie der Delaisi, und die Dinge schildert wie sie sind — wie vielen Menschen werden diese Dinge bekannt? Wie viele Menschen hören darauf? Sie können ja auch nicht hören, denn es wird begraben von dem – nun, eben wieder von dem von der Presse beherrschten Leben. Delaisi erweist sich in seinem Buche über die Demokratie und die Finanzwelt als ein recht heller Kopf, der sich viele Mühe gegeben hat, manches zu durchschauen. Er ist kein blinder Anbeter des Parlamentarismus, er ist kein blinder Anbeter der Demokratie. Er sagt voraus, dass diese Dinge, auf die sich die heutigen Menschen so furchtbar viel zugute tun, aufhören werden. Er sagt es ausdrücklich, auch von der «Abstimmungsmaschine» – so ungefähr ist das Wort, in dem er sich ausdrückt. Und ganz wissenschaftlich und ernsthaft ergeht sich auch Delaisi über diese parlamentarische Abstimmungsmaschine, denn er durchschaut den ganzen Apparat, der in diese Abstimmungsmaschinen hinein führt, denen gegenüber man den Glauben erwecken will, da stimme ab eine überzeugte Majorität gegen eine verrückte Minorität. Er weiß, dass, wenn eine gesunde Entwickelung kommen soll, ganz anderes an die Stelle treten muss. Das ist heute noch nicht möglich, weil es noch die Leute sehr schockieren würde, zu sagen, was an die Stelle treten wird. Das kann heute eigentlich im Grunde genommen nur der in die Geisteswissenschaft Eingeweihte wissen. Formen der Vergangenheit werden ganz gewiss nicht an die Stelle treten. Sie brauchen nicht zu fürchten, dass derjenige, der aus der Geisteswissenschaft heraus redet, irgendwelchen reaktionären oder konservativen Dingen das Wort redet; vergangene Dinge werden es nicht sein. Doch sind die Dinge von dem, was heute als Abstimmungsmaschine besteht, so verschieden, dass es schockieren würde. Es würde noch als eine Verrücktheit angesehen. Trotzdem wird es sich in die Impulse der Zeitentwickelung einleben. Aber auch Delaisi meint: Wie in der organischen Entwickelung später unnütze Glieder auftreten, die fortbestehen, obgleich sie ihre Funktionen schon verloren haben, so werden längere Zeit auch noch diese Parlamente abstimmen; aber das lebendige Leben, das geht aus ihnen fort. Sie wissen, der Mensch hat solche Glieder: manche können die Ohren bewegen, auf früheren Stufen waren Muskeln da, die haben ihre Aufgabe verloren. Der Mensch hat heute noch diese Muskeln, aber es sind sogenannte atavistische Glieder, die nicht mehr ihre Aufgabe haben. So stellt sich Delaisi das Parlament der Zukunft vor; die Parlamente werden noch solche abfallende, abgestorbene, atavistische Überreste sein, aber etwas anderes wird in die menschheitliche Entwickelung hineingeführt werden. Ich habe Ihnen gerade Delaisi angeführt, das Buch, das vor noch gar nicht zu langer Zeit, 1910, erschienen ist, um Sie aufmerksam darauf, zu machen, dass eigentlich genugsam Leute vorhanden sind – denn einer genügt ja für manche Tausende -, dass es sich nur darum handelt, diese Leute nicht unberücksichtigt zu lassen. Und neben dem, dass ich mich bestrebe, Sie einzuführen in die Gesetze des geistigen Lebens, in die Impulse des geistigen Lebens, neben dem betrachte ich es auch als meine Aufgabe, auf die bedeutenden Erscheinungen der Gegenwart hinzuweisen, wenn auch dadurch zunächst zustandekommt, dass dasjenige, was Sie hier in diesen Vorträgen als die bedeutenden Erscheinungen hören, Sie draußen im Leben gerade nicht als bedeutende Erscheinungen genannt finden, wenn Sie es überhaupt genannt finden. Es muss sich schon radikal und gründlich das, was unter uns getrieben wird, unterscheiden von dem, was draußen getrieben wird. Nur dann, wenn wir dies in aller Tiefe und in allem Ernste auffassen, können wir wirklich in entsprechender Weise Geisteswissenschaft treiben (Hervorhebungen IH).“

    Francis Delaisi und sein Engagement, seine geistige Freiheit und Eigenständigkeit waren damals (im Jahre 1917) offenbar kein Einzelfall, denn Rudolf Steiner wies ja darauf hin, dass von diesen investigativen Journalistenwie man heute vielleicht sagen würde – „eigentlich genugsam Leute vorhanden sind“. Das Problem ist jedoch (damals wie heute), „dass es sich nur darum handelt, diese Leute nicht unberücksichtigt zu lassen.“Rudolf Steiner hob Delaisi daher anerkennend hervor und regte an, die Ergebnisse dieser Arbeit von Einzelnen wahrzunehmen und in diesem Sinne das sogenannte „Kulturleben“ kritisch zu hinterfragen. Genau das geschieht heute immer mehr – meistens jedoch nur von den unabhängigen Medien (heute zuweilen auch als Journalismus 2.0 bezeichnet), die vor allem im Internet den Kopf aus dem Sumpf der verfahrenen Verhältnisse recken. Deren Zahl ist mittlerweile erfreulich groß, und man kann sich auf diesem Wege gut die Informationen und Kommentare holen, die die normalen Medien nicht bieten.
    Quelle : http://www.umkreis-institut.de/umkre...steslebens-14/
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  7. #27
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    Von identischem Auto überholt

    Zoll erklärt, warum Schmuggler Autokennzeichen kopieren

    Es war ein Zufall, der eigentlich fast unmöglich ist - aber nur fast: Nachdem ein Autofahrer von einem baugleichen Fahrzeug mit gleichem Kennzeichen überholt worden war, erklärt ein Zollfahnder die Methode der Gauner.

    Beim Lesen der Meldung wollte selbst Zollfahnder Thomas Graminsky, der seit Jahrzehnten im Job ist, kaum glauben, was dort im Protokoll stand: Ein Brandenburger Autofahrer ist auf der A2 nahe Potsdam von einem baugleichen Transporter, einem dunkelgrünen Mercedes Vito, mit gleichem Kennzeichen überholt worden. Wie berichtet, rief der verblüffte Fahrer die Polizei. Nun sitzt der Fahrer des anderen Autos, ein Pole im Gefängnis - in dem Kleintransporter waren 500000 geschmuggelte Zigaretten entdeckt worden.

    "So einen Zufall gibt es so gut wie nie, also ich habe so etwas zuvor noch nicht gehört", schildert der Zollbeamte. Hinzu sei noch gekommen, dass die Polizeistreife in Wollin gerade in der Nähe war und das verdächtige Fahrzeug schnell stoppen konnte.
    "Sonst wäre der Fahrer ja schnell weg gewesen", sagt Graminsky.

    Doch hinter alle dem steckt eine Methode, die Gauner seit einiger Zeit nutzen, um ihre kriminellen Geschäfte möglichst unbemerkt machen zu können: Die Kriminellen wollen möglichst unbemerkt aus Polen geschmuggelte Zigaretten über den Landweg in westdeutsche Städte oder über die Grenze bis ins benachbarte europäische Ausland bringen. "Ein Transporter mit polnischem Kennzeichen würde - weil er ins Raster passt - von den Zollfahndern öfter heraus gewunken und kontrolliert werden", beschreibt er. Also machen die Gauner folgendes: Sie schauen sich in Deutschland nahe dem polnischen Grenzgebiet einen Transporter einer gängigen Firma aus, dessen Farbe möglichst häufig im Stadtbild erscheint. Von diesem Fahrzeug notieren sie das Kennzeichen und lassen es illegal nachpressen. Die kopierten Kennzeichen schrauben die Täter dann an ein baugleiches Fahrzeug mit derselben Farbe. "Wenn sie nun ihre Schmuggelware durch Deutschland fahren und dabei mal abgefragt werden, dann passiert meist nichts: Denn das Kennzeichen passt zum Autofabrikat und der Halter ist meist ein Deutscher", erklärt Graminsky. Dass nun der Original-Halter kürzlich ausgerechnet vom kopierten Fahrzeug überholt werden könnte, damit haben selbst die ausgebufftesten Gauner offenbar nicht gerechnet.

    Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/po...n/9005278.html
    Liebe Grüße
    Bill Gates ist 100% Eugeniker!
    Leute! Denkt immer an: "Teile und herrsche", und fragt Euch wer der "Dritte" ist! Cui bono?
    1 + 1 = 2 (universell und ewig)
    Love, peace and freedom!

  8. #28
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    Kern-Energie: Der Fluch der Atomspaltung

    Kern-Energie: Der Fluch der Atomspaltung


    "Nur Leute, die nie dabei waren, wenn eine Mißgeburt ins Dasein trat, nie ihr Wimmern hörten, nie Zeugen des Entsetzens der armen Mutter waren, Leute, die kein Herz haben, vermögen den Wahnsinn der Atomspaltung zu befürworten." - Albert Schweitzer

    Von: Benjamin Seiler




    Oppenheimer mit dem Projektleiter General Groves am Testort nach der ersten Atombombenexplosion.

    Der Mensch weiß instinktiv, was gut und böse ist, fühlt ganz genau, wenn er eine schlimme Sünde begangen hat. So erging es auch den ‚Vätern der Atombombe': Robert Oppenheimer, der die Bombe 1945 noch in hymnischen Worten als wissenschaftliche Großtat bejubelt hatte, kämpfte bald darauf vergebens gegen die nächste Stufe des Irrsinns, die Wasserstoffbombe: "Wir haben als Physiker erfahren, was Sünde ist, und wir können diese Erfahrung nicht mehr abschütteln." Enrico Fermi, der mit dem Bau des ersten Atomreaktors 1942 den technischen Grundstein zur Atombombe gelegt hatte, weigerte sich "aus fundamentalen ethischen Grund*sätzen", an dieser Waffe mitzuarbeiten. Albert Einstein, der dem Präsidenten Roosevelt 1939 zum Bau der Atombombe geraten hatte, litt sein ganzes Leben unter dieser Last und sagte einmal: "Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich nicht Physiker, sondern Handwerker." Und Otto Hahn, der als erster ein Uranatom im Labor spaltete und dafür den Nobelpreis bekam, wollte sich das Leben nehmen, als er während seiner Kriegsgefangenschaft in England von Hiroshima erfuhr. Doch es war zu spät. Der Geist war aus der Flasche gelassen und ließ sich nicht mehr hineinzwängen. Zu früh hatten die Zauberlehrlinge mit Energien gespielt, deren Kraft und Wesen sie nicht kannten. Wie sollten sie auch?
    Ein weiser Staatsmann sagte einmal: "Wenn wir nur wüßten, was unserer Welt Probleme schafft, könnten wir sie, vielleicht, beheben. Das Dilemma ist, daß wir es nicht wissen." Das ist wahr. Wir wissen es (oft) nicht. So schrieb Walter Russell 1957 im Vorwort zu seinem Buch ‚Atomic Suicide?' (‚Atomarer Selbstmord?'): "Wir sind noch nicht genügend als geistige Wesen entwickelt, um die Tatsache zu erkennen, daß die Ursache aller Probleme in der Welt allein darin zu suchen ist, daß wir noch immer in den Kinderschuhen stecken und nicht wissen, wie wir ein sicheres Fundament für unser Überleben bauen können."
    Wenn nun also die Väter der Bombe durch ihr Nichtwissen allenfalls entschuldigt werden konnten, so gilt dies bestimmt nicht mehr für unsere Tage. Zu oft mußten wir am eigenen Leib erfahren, wie absolut tödlich die Atomspaltung ist; daß wir ihren Preis niemals werden bezahlen können – und dabei wurde uns die vollständige Rechnung der Spätfolgen noch nicht einmal präsentiert. Wer heute noch die Atomspaltung befürwortet – auch die sogenannt ‚zivile' Nutzung in Kraftwerken – muss des bewußten Verbrechens an der ganzen Menschheit angeklagt werden. Das gilt besonders für die Wissenschaft, aber auch für die Politik. Daß die tödlichen Auswirkungen der Radioaktivität auf die Biosphäre schon seit über dreissig Jahren wissenschaftlich erkannt sind, man aber dennoch unverfroren den einmal eingeschlagenen atomaren Kurs weiterverfolgte, ist ein Frevel ohnegleichen. Daß man heute gar, unter dem Eindruck des Treibhauseffektes, von offizieller Seite noch mehr Kernkraftwerke verlangt, kommt einer Gotteslästerung gleich.
    Wir werden später sehen, daß eine solche Diskussion hinfällig wird, hat man erst die wahre Natur der Radioaktivität erkannt. Man hackt sich ja auch nicht den ganzen Arm ab, wenn man einen Dorn aus seinem Daumen entfernen will. Dennoch soll kurz auf die oft gehörte Behauptung eingegangen werden, mit ausgebauter Atomkraft könne man den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) reduzieren. Der amerikanische Mathematiker und Energieberater Bill Keepin hat diese Behauptung der Atomlobby eindeutig widerlegt: Um die Kohle bis zum Jahr 2025 vollständig zu ersetzen, müßten 5000 neue Atomreaktoren gebaut werden (heute laufen weltweit 428). Ab heute müßte also alle zweieinhalb Tage ein Reaktor in Betrieb genommen werden. Das würde Kosten von 500 Milliarden Dollar pro Jahr verursachen, die Hälfte davon in der Dritten Welt! Ganz abgesehen vom enormen Gefahrenpotential und der ungelösten Frage der Endlagerung ist ein solches Vorhaben finanziell nicht realisierbar.
    Selbst wenn es das wäre, müssen schnell alternative Energiequellen gefunden werden; der Bau eines Atomkraftwerks dauert jedoch Jahrzehnte. Zudem würde das alles keinen Einfluß auf die CO2-Emissionen haben, denn in dieser Rechnung wurde nur die Kohle berücksichtigt. Allein die Zunahme des Verbrauchs an Öl und Erdgas würde die CO2-Mengen auf dem gegenwärtigen Stand halten oder gar erhöhen. Das Klimaproblem kann durch Atomenergie also nicht gelöst werden.
    Doch was genau ist nun Radioaktivität? Auf die Erklärung des Zerfallsprozesses in Alpha-, Beta-, und Gammastrahlen und anderer Kernbruchstücke wird hier nicht eingegangen. Wir be*schränken uns auf das Wesen, die ‚Aufgabe' der natürlichen Radioaktivität. Hätte die Wissenschaft diese fundamentale Erkenntnis besessen, wäre sie niemals auf den Irrwitz verfallen, Atome spalten zu wollen. Sinn und Zweck der Radioaktivität sollen anhand der Lehren von Dr. Walter Russell erklärt werden, dem amerikanischen Universalgelehrten und Gründer der University of Science and Philosophy in Virginia. Selbstverständlich sind die Erkenntnisse Russells, der von Männern wie Walt Whitman, Ralph Waldo Emerson oder Mark Twain als ‚Leonardo da Vinci des 20. Jahrhunderts' bezeichnet wurde, noch nicht offiziell von der Wissenschaft anerkannt worden. Hätte sie es getan und danach gehandelt, sähe die Welt heute anders aus.
    Wie auch Victor Schauberger, lehrte Walter Russell, daß alles im Universum aus zwei gegenläufigen Wirbeln bestehe und daß allem nur eine Kraft zugrunde liege, nämlich die elektromagnetische. Diese zwei gegensätzlichen Prinzipien sind altbekannt: Anziehung und Abstoßung, Involution und Evolution, zentripetal und zentrifugal, weiblich und männlich, Yin und Yang. Auf diesem Prinzip basiert auch Russells periodisches System der chemischen Elemente.
    "Strahlung ist das natürliche Prinzip des Todes. Jedes Ding in der Natur stirbt normalerweise durch das langsame Abstrahlen seiner innewohnenden Wärme. Radioaktivität ist das explosiv schnelle Todesprinzip. Radioaktivität ist des Menschen Entdeckung, wie die menschliche Rasse schnell aussterben kann." (Russell)
    Dieses Abstrahlen geschieht ständig. So, wie im menschlichen Körper jede Sekunde Zellen absterben und neue geschaffen werden, könnte man dies mit den Vorgängen in einer Autobatterie erklären: Obwohl sie bei laufendem Motor Energie verbraucht, wird sie gleichzeitig in viel größerem Masse aufgeladen. Erst, wenn die Batterie sich schneller entlädt, als sie Energie aufnehmen kann, tritt der ‚Zerfall' ein. Beim Menschen spricht man vom Altern.


    Uran soll unter der Erde ruhen


    ‚Sterben' heißt nach Russell also, daß man die eigene Wärmeenergie abstrahlt. Kernenergie setzt nun so viel Hitze frei, daß dies kein lebendiges System verkraften kann. Dabei ist natürliche Radioaktivität überhaupt erst die Voraussetzung, daß Leben entstehen kann. Radioaktive Metalle sind zwar ‚sterbende Körper' (weshalb sehen wir später), doch in ihrem natürlichen Umfeld sind sie unerläßlich: Die Natur hat diese strahlenden Metalle tief in die Erde eingebettet, sicher umhüllt von Gestein. Und da sollten wir diese Metalle auch lassen.
    Durch die Energie, die sie abstrahlen, wandeln sie die Gesteine zu Wasser und Humus um. So sagt Russell denn auch, Wasser und Humus, der Nährstoff allen Lebens, sei nichts anderes als zerfallenes Gestein. Radioaktive Metalle erzeugen also durch ihr Sterben neues Leben. Auch das ist ein Naturgesetz: Jeder lebende Körper, der stirbt und zur Erde zurückkehrt, erfüllt diese mit neuem Leben.
    Es ist das ewige Wechselspiel zwischen Leben und Tod, die erst gemeinsam das wirkliche Sein ausmachen. Aus diesem Grunde wäre es besser, man würde anstelle des Begriffs ‚Tod' das Wort ‚Transformation' benutzen. Denn im Universum stirbt nichts, das danach energetisch nicht mehr vorhanden wäre; es wird bloß umgewandelt, erscheint in immer neuen Kleidern und Formen. Ist es nicht auch so mit dem Rad der Wiedergeburt? Wir ‚sterben', um irgendwann in einem neuen Körper wiederzukommen. Selbst die christliche Kirche weiß darum, wenn sie lehrt, der alte Mensch müsse zuerst metaphysisch sterben, um in Christo wiedergeboren zu werden. Geburt und Tod sind untrennbar miteinander verwoben; ohne das eine kann es das andere nicht geben. Sie sind die beiden gegenläufigen Energiewirbel des Universums.
    Dieses Spiel von Leben und Sterben kann jedoch sehr schnell zu einer tödlichen Gefahr werden, wenn man zu stark in das Gefüge der Natur eingreift; besonders dann, wenn es sich dabei um ein so hochentwickeltes und kraftvolles Element wie beispielsweise Uran handelt. Denn die Energie, die während Jahrtausenden Gestein in Wasser und Erde umzuwandeln vermag, wirkt absolut tödlich, wenn wir sie aus ihrer natürlich geschützten Umgebung an die Oberfläche zerren.


    Atomkraftwerke in Südwestfrankreich.

    Die Franzosen sind nach den USA die zweitgrößten Atomstrom-Produzenten der Welt. Künstliche Radioakivität polt wegen ihrer hoch*frequenten Energie alle anderen elektromagne*tischen Schwingungen um und macht selbst das Sonnenlicht giftig.



    Radioaktivität strahlt mehr Hitze aus, als unsere Zellen ertragen können. Sie verändert unseren Metabolismus, bis die Körperzellen sich über ein Normalmaß ausdehnen und durch die aufgenommene Hitze platzen. Am schockierendsten erkannte man das bei den Opfern von Hiroshima und Nagasaki: Viele Menschen wurden in Sekundenbruchteilen verdampft, so daß man nach der Explosion nur noch geschwärzte Schatten ihrer Körper an Wänden und Böden fand. Die Hitze war so groß, daß sie augenblicklich explodierten. Andere Opfer erlitten schwerste Verbrennungen, hervorgerufen durch nicht spürbare Strahlung.

    Walter Russell lehrte, daß alles Leben durch Kompression hervorgerufen wird, während der Tod durch Expansion eintrete. Daher brauche es Energie, um Leben zu schaffen (sie muß eingespeichert werden), der Tod jedoch könne ganz ohne Anstrengung erfolgen, genauso, wie bei einem Ballon die Luft von selbst entweicht. So habe alle Materie den latenten Wunsch, aus ihrem ‚Gefängnis' auszubrechen und in die Formlosigkeit zu entweichen. Die Kernspaltung verstärke enorm die Schwierigkeit zu leben, weil sie alle Dinge darin bestärke, sich zu stark auszudehnen und damit zu sterben.
    Einfach ausgedrückt: Alle lebenden Körper ziehen sich zusammen (komprimieren), alle sterbenden Körper dehnen sich aus (expandieren).
    Selbst ein verrottender Baum dehnt sich aus und zerfällt; auch wenn das so langsam geschieht, daß wir nicht von einer ‚Explosion' sprechen.
    Diesen Rhythmus von Kompression und Expansion legte Russell auch seinem Periodensystem zugrunde. Er vergleicht die Materie mit einer neunsaitigen Harfe, worauf die chemischen Elemente in neun Oktaven angeordnet sind (vgl. Illustration "Periodensystem"). Auf jeder Oktave sei die ‚Saite' gleichsam stärker gespannt, hätten die Atome mehr Energie aufgenommen:




    Das Periodensystem von Walter Russell mit seinen neun Oktaven der Materie; *Erläuterungen im Text.



    In einem nach innen gerichteten Evolutionswirbel wird zuerst Energie in die Atome eingespeichert, wobei sich diese von Oktave zu Oktave potenziert; die Atome werden immer mehr zusammengepreßt. Dieses Energiepotential baut sich auf bis zum Kohlenstoff, der mit seiner kubischen Form das dichteste Kristallgitter und deshalb auch den härtesten Stoff, den Diamanten, hervorbringt. Danach dreht sich der Evolutionswirbel um, richtet sich nach außen und beginnt erneut Energie aufzubauen. Diesmal jedoch hat sie den Drang, sich auszudehnen. Dieser Drang nimmt zu, bis schließlich die radioaktiven Elemente geschaffen werden, die einen ebenso starken Hang zur Ausdehnung haben, wie der Kohlenstoff seine Struktur zusammenhalten will.
    Nach dem Kohlenstoff werden die Atome immer mehr zentrifugale Energie aufnehmen, um schließlich wieder in die unsichtbare Quelle einzugehen: Was gegeben wurde, muss im gleichen Maß wieder zurückgegeben werden, damit der ausgeglichene Rhythmus des Universums nicht gestört wird.
    Alle Metalle, die in ihrer Evolution nach dem Kohlenstoff kommen, nennt Russell ‚sterbende Elemente', da in ihnen der Drang zur Ausdehnung beständig zunimmt. Deshalb kommen sie in organischen Körpern äußerst selten vor, und wenn, dann nur gebunden als Salze. In reiner Form sind sie tödlich. Ein Beispiel: Natrium und Chlor töten uns sofort, als Kochsalz gebunden sind sie überlebenswichtig.
    Allein jene Stoffe in unmittelbarer Nähe zum Kohlenstoff (in Russells Periodensystem) sind für das organische Leben verträglich: Wasserstoff und Sauerstoff, Silizium und Stickstoff. Zusammen mit dem Kohlenstoff bilden sie 98,5 Prozent unserer Körper.
    Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium sind laut Russell bereits sterbende Elemente, da sie in ihrer reinen Form Sauerstoff zerstören können, indem sie diesem soviel Energie zuführen, daß er sich zu stark ausdehnt und verbrennt. Eine plötzliche Ausdehnung erzeugt eine Flamme und große Hitze, denn sie ist nichts anderes als ein elektrischer Kurzschluß. Atomspaltung läßt die Materie sofort explodieren, statt über lange Zeiträume zerfallen. Das Explosionsprinzip ist widernatürlich und zutiefst destruktiv.


    Ohne natürliche Radioaktivität kein Leben


    Die radioaktiven Elemente sind die stärksten ‚Killer' im Universum, weil sie am meisten zentrifugale Energie in sich gespeichert haben. Läßt man sie unter der Erde, dann geben diese hochentwickelten Elemente ihre Lebensenergie freiwillig und wohl dosiert ins Gestein ab (die Halbwertszeit von Plutonium beträgt 24'000 Jahre) und spalten es auf, um die Voraussetzung für Leben zu schaffen. Sie lassen das Leben gleichsam an ihrem erworbenen Bewusstsein (an ihrer Ener*gie) teilhaben; denn daß Atome ein Bewußt*sein haben, werden wir später aufzeigen.
    Durch die Kernspaltung zwingt der Mensch in seiner Ignoranz nun beispielsweise das Plutonium, seine gesamte Energie in einem Sekundenbruchteil abzugeben, wo es unter natürlichen Bedingungen 200'000 Jahre dafür braucht! Daß eine solch ungeheure energetische Explosion alles organische Leben töten muß, leuchtet ein.
    Zum Vergleich: Ein Gramm Kohle liefert beim Verbrennen eine Wärmeenergie von acht Kalorien. Ein Gramm Radium erzeugt beim Zerfall drei Millionen Kalorien. Da erstaunt es auch nicht mehr, weshalb die New York Times über den Blitz der ersten gezündeten Atombombe schrieb, er sei "heller als hundert Sonnen."
    Hinzu kommt, daß die Natur die natürlichen hochradioaktiven Stoffe in winzigsten Mengen hervorbrachte. Vor der Einführung der Kernspaltung gab es auf dem ganzen Globus nicht mehr als schätzungsweise 50 Kilogramm Plutonium, sicher verwahrt in der Erdkruste. Bis heute haben die Kernkraftwerke 1'200 Tonnen Plutonium gebrütet, also 24'000mal mehr, als die Natur vorgesehen hatte! Und es wird immer mehr. Diese Zeitbombe wird in großen Mengen an der Oberfläche gehortet; ein Stoff, der alles organische Leben auf dem Planeten auslöschen könnte.
    Dabei weiß die Wissenschaft schon lange um die Gefährlichkeit der Atomspaltung. Schon Mitte der 50er Jahre publizierte die amerikanische National Academy of Sciences ein Papier von 145 führenden Wissenschaftlern, worin wörtlich stand: "…Jede Strahlung, die Reproduktionszellen trifft, verursacht Mutationen, die an die nachfolgenden Generationen weitervererbt werden. Menschliche Genmutationen, die sichtbare Folgen tragen, werden in jedem Fall für schädlich gehalten."
    "Es gibt keine Minimaldosis an Strahlung, die zuerst absorbiert werden muss, bevor Mutationen auftreten können. Jede Dosis, egal wie gering, wird Mutationen hervorrufen. Je mehr Strah*lung, desto mehr Mutationen." Dennoch behaupten Atomkraftbetreiber noch heute, dreis*sig Jahre später, es könne kein relevanter Zusammenhang zwischen erhöhten Krebs*raten um Kernkraftwerke und deren Reaktoren hergestellt werden. Dennoch gibt die internationale Atombehörde weiterhin sogenannte ‚Grenzwerte' heraus, deren Einhaltung vor Schäden schützen soll.
    Walter Russell schrieb schon vor vier Jahrzehnten, die erhöhte künstliche Radioaktivität werde unter der Bevölkerung vor allem zu genetischen Schäden, Mißbildungen und Leukämie führen. Heute wissen wir, wie recht er hatte.
    Zudem hatte Russell die Befürchtung, daß die Kernspaltung Hunderte von Millionen Menschen unfruchtbar werden lassen könnte. Bereits heute ist jeder zehnte Mann um dreissig impotent und 15 Prozent aller Paare, die Kinder möchten, können keine bekommen. Zudem hat sich die Konzentration der Spermien in der männlichen Samenflüssigkeit in den letzten 50 Jahren halbiert.


    Albert Schweitzer warnte


    Auch Lambarene-Arzt Albert Schweitzer verurteilte die Atomspaltung. Am 23. April 1957 ließ der 82jährige vom Norwegischen Nobelpreiskomitee einen Brief verlesen, worin er die Öffentlichkeit aufforderte, einen sofortigen Stop der Atomtests zu verlangen. Seine Rede, die er aus Schwäche nicht selber halten konnte, wurde in der ganzen Welt ausgestrahlt. Darin betonte er, daß man in den dreieinhalb Jahren, die seit der Zündung der ersten Wasserstoffbombe vergangen seien (1. März 1954), genügend Informationen gesammelt habe, die beweisen würden, welche Gefahr radioaktive Strahlung darstelle. Sein Ziel sei es, die Öffentlichkeit wachzurütteln, bevor es zu spät sei. Er warnte, die Menschheit würde auf eine Katastrophe hinsteuern, wenn die Atomtests fortgesetzt würden. Diese Katastrophe müsse unter allen Umständen aufgehalten werden. "Wir können gar nicht anders handeln, weil wir die Verantwortung für die Konsequenzen nicht tragen können; unsere Nachkommen sind bedroht von der größten und schrecklichsten Gefahr." Schweitzer betonte, daß die Unterschätzung der Atomspaltung eine Torheit sei "wofür die Menschheit einen schreck*lichen Preis zu zahlen hat." Er schloß seinen Appell mit den Worten: "Das Ende weiterer Atombombentests wäre wie die ersten Sonnenstrahlen der Hoffnung, nach denen sich eine leidende Menschheit sehnt."
    Schon im Juli 1956 warnte Dr. Ralph Lapp, ein führender US-Wissenschaftler, die Welt könnte bereits die Sicherheitsgrenze überschritten haben, was die Wasserstoffbombentests betreffe. Er befürchtete, daß die Atmosphäre durch die in den Jahren '50 bis '55 gemachten Tests so stark mit Radioaktivität verstrahlt sei, daß die Gesundheit der Bevölkerung weltweit beeinträchtigt werden könnte.
    Dem entgegnete man von offizieller Stelle, man könne die Tests getrost noch um das Dreissigfache erhöhen, ohne der Welt dadurch zu schaden. Dabei stand am 10. September 1956 in der Washington Daily News: "Wir atmen hier Atomluft ein. Die Luft über Washington war seit 1951 während über 70 Prozent der Zeit radioaktiv. 1953 konnten die Washingtoner während nur 60 Tagen unverstrahlte Luft atmen."
    Im Januar 1957 titelte das McCalls Magazine in großen Lettern: "Radioaktivität vergiftet unsere Kinder". Wohlgemerkt, diese Aussagen stammen alle aus den 50er Jahren; aus einer Zeit also, da erst vergleichsweise wenige Atombomben gezündet worden waren.


    Alle 9 Tage eine A-Bombenexplosion...............
    ..............Hier Weiterlesen :



    Doch die Mächtigen dieser Welt kümmerte das wenig. Sie testeten munter weiter, berauscht von der Vorstellung atomarer Zerstörungswut, die sie per Knopfdruck entfesseln können. Über 2060 Atomtests haben die Erde erschüttert (die Hälfte geht allein auf das Konto der Amerikaner) und ein Ende ist noch nicht abzusehen, da sich China beispielsweise nicht an das Atomtest-Moratorium hält. Seit Kriegsende ist also alle neun Tage ein Atombombe explodiert.
    Die stärkste je gezündete (Test-) Atombombe hatte eine Zerstörungskraft von über 50 Megatonnen. Sie war 3'125mal stärker als jene Bombe, die auf Hiroshima fiel! Eine Megatonne *entspricht der Sprengkraft von einer Milliarde Kilogramm TNT. Ein schwaches Bild von der Grö*ßen*ordnung mag der Hinweis vermitteln, daß ein Güterzug, beladen mit einer Milliarde Kilogramm TNT von Hamburg bis Frankfurt am Main reichen würde – jeder Waggon dicht mit Sprengstoff beladen.
    Drei Megatonnen entsprechen der Sprengkraft aller im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Waffen. Allein zu Testzwecken zündete man also eine Bombe, die sechzehnmal zerstörerischer war als der gesamte letzte Weltkrieg. Dies zeigt deutlich den irrwitzigen Größenwahn jener verantwortlichen Atomgeneräle und -wissenschaftler. Nicht von ungefähr schrieb Hans Lechleitner im ‚Spiegel': "Offenbar verändert der Umgang mit der Grundenergie des Universums die menschlichen Denkstrukturen, die Einstellung zum Leben sowie die Beziehung zur Erde – und macht psychisch krank."


    Geistiger Wahnsinn


    Ja, im Angesicht der Atomkraft verliert das menschliche Leben rapide an Wert. Auch jenes des eigenen Volkes. Erst 1994 wurde bekannt, in welchem Ausmaß in den USA bis in die 70er Jahre hinein mit Menschen experimentiert wurde. So ließ die Atomenergiekomission radioaktives Material über bewohnten Gebieten von New Mexico, Utah und Tennessee abwerfen, um die Verbreitung von Strahlen und deren Wirkung auf die Bevölkerung zu messen. Als ob Hiroshima und Nagasaki dazu nicht gereicht hätten. Von 1960 bis 1972 setzten Atomforscher 82 ‚unheilbare Krebspatienten' einer bis zu zehnfachen Strahlenüberdosis aus. 61 dieser Patienten waren mittellose Schwarze. 25 Testpersonen starben innerhalb von 25 Tagen. Mehr als 9'000 Menschen wurden in den USA zu ahnungslosen Opfern von 154 Strahlenexperimenten. In 18 Fällen verabreichten die Ärzte sogar Plutoniumspritzen. Ganz zu schweigen von den Tausenden von Soldaten, die an den ersten Atomtests ungeschützt teilnehmen ‚durften' und deren jahrelanges Sterben danach wissenschaftlich akribisch mitverfolgt wurde.



    Walter Russell war ein US-amerikanischer Maler, Bildhauer, Architekt, Philosoph und Mystiker.



    Stalin ließ im September 1954 im südlichen Ural eine Atombombe zünden und schickte nach der Detonation 45'000 Soldaten aufs Testge*lände, um die Kampfbedingungen bei Atomeinsatz zu erproben. Keiner der Soldaten hatte eine Strah*lenschutzausrüstung. Besonders fahrlässig hantierten die Russen mit der Atomkraft. Als Folge davon ist ein Fünftel der ehemaligen *UdSSR radioaktiv verseucht! Wie schleichend der radioaktive Tod kommt, zeigt Tschernobyl: Heute zählt die ukrainische Regierung bereits 430'000 Strahlenkranke und 125'000 Tote. Und die Zahlen steigen noch immer an. Experten *befürchten, die Katastrophe werde weltweit eine halbe Million Krebstote fordern. Doch solche Zahlen beeindrucken die Atom*schtschikis (russische Bezeichnung für blinde Atomjünger) wenig. Sie machen weiter wie bisher, nur das Lügen ist etwas schwieriger geworden. Manche berufen sich deshalb auf ihren nationalen Stolz, auf ihre ‚Force de Frappe'. Die Regierung Frankreichs, des kleinsten Part*ners unter den Atom*mächten, will unter Chirac aller Welt demonstrieren, daß es die ‚Grande Nation' nicht nötig hat, sich dreinreden zu lassen. So sollen ab September dieses Jahres acht weitere Atomtests das Mururoa-Atoll erschüttern, oder besser in seine Einzelteile zerlegen. Denn die mehr als 130 Testexplosionen seit 1974 (vorher wurden über 70 Bomben in der Atmosphäre gezündet) durchlöcherten den Basaltuntergrund des Atolls, rissen kilometerweite Spalten auf, die bis in die See reichen. Wie ein leckgeschlagenes Schiff versinkt die Insel langsam im Meer – beladen mit radioaktiven Spaltprodukten und Massen von Strahlungsmüll. Zudem wurden bei Unfällen etwa 20 Kilogramm Plutonium verstreut, die langsam auf den Grund des Atolls durchsickern, ins Meer gelangen und das Plankton verseuchen.
    Leider hat die Menschenverachtung auch in Frankreich Tradition: 1979 blieb ein nuklearer Sprengsatz auf halbem Weg in einem 800 Meter tiefen Bohrloch stecken. Er wurde trotzdem gezündet. Eine Million Kubikmeter Gestein wurde aus der Inselflanke herausgesprengt, verletzte zahlreiche Menschen und löste eine drei Meter hohe Flutwelle aus, die auf benachbarte, bewohnte Inseln überschwappte. – Die Bergung der bei 400 Metern steckengebliebenen Bombe war den Verantwortlichen zu teuer.
    Chirac ist nicht der erste französische Staatschef, dem die Leben seiner polynesischen Untertanen egal sind: Obwohl der Wind in die falsche Richtung blies, wurde am 11. September 1966 eine Atombombe an einem Ballon über Mururoa gezündet. Charles de Gaulle, eigens für das Spektakel angereist, mochte nicht länger warten. Die westlich von Mururoa liegenden Cook-Inseln, Samoa, die Tongas, Fidschi und andere Inseln wurden schwer verseucht. Leukämie, Schilddrüsenkrebs und Gehirntumore nahmen drastisch zu.
    Doch heute besteht immerhin Hoffnung, daß Frankreich klein beigeben wird. Ein Gewitter internationaler Proteste und gar Boykotte hat sich über der ‚Grande Nation' entladen, wie das noch kein angekündigter Test hervorgerufen hat. Die Polynesier erheben sich und 80 Prozent der Neuseeländer wollen die Franzosen gar mit Waffengewalt aus dem Pazifik verjagen. Selbst im eigenen Land regt sich Widerstand. Der französische Schriftsteller Bernard Clavel schrieb an Chirac: "Sie könnten die Ehre Frankreichs sein. Sie haben sich entschieden, Frankreichs Schande zu sein."
    Die Niederlage von Shell hat gezeigt, daß der Wille eines geeinten Volkes (oder vieler Völker) jede Macht auf Erden in die Knie zwingen kann. Hoffen wir, daß es uns mit Chirac ebenso gelingt. Das Bewußtsein der Menschen scheint nun endlich reif für die Erkenntnis des Bewußtseins des Atoms.


    Beseelte Materie


    Auch ein Atom, selbst ein Elektron, wird beseelt von bewußtem Leben. Wissenschaftler, die noch an Gott glaubten, hatten keine Mühe, dies anzuerkennen. In einem Interview, das 1890 im ‚Harper's Magazine' und 1920 in ‚The Scientific American' erschienen war, sagte Thomas Alva Edison: "Mir scheint, daß jedes Atom von einer gewissen Menge primitiver Intelligenz beherrscht (possessed) wird. Man betrachte nur die Tausenden von Variationen, in denen Wasserstoffatome sich mit denen anderer Elemente verbinden und dabei die verschiedensten Substanzen formen. Können Sie behaupten, daß sie dies ohne Intelligenz tun? Atome gestalten sich zu harmonischer und nützlicher Verbindung, zu schönen oder interessanten Formen und Farben oder geben einen angenehmen Duft von sich, als ob sie ihre Genugtuung ausdrücken wollten… In gewissen Formen zusammengefügt, bauen die Atome Tiere der niederen Ordnung. Schließlich vereinigen sie sich im Menschen, der die Gesamtintelligenz aller dieser Atome darstellt."
    "Aber wo kommt diese Intelligenz ursprünglich her?", fragte der Interviewer.
    "Von einer Macht, die größer ist als wir", antwortete Edison.
    "Dann glauben Sie also an einen intelligenten Schöpfer, einen persönlichen Gott?"
    "Gewiß. Die Existenz eines solchen Gottes kann meiner Meinung nach bereits aus der Chemie erwiesen werden."
    In diesem Interview nannte Edison eine Reihe interessanter Vermutungen, von denen drei hier wiedergegeben werden sollen:

    • Unsere Körper sind aus Myriaden unendlich kleiner Einheiten zusammengesetzt, von denen jede in sich eine Lebenseinheit ist; ebenso wie das Atom aus zahllosen Elektronen besteht.


    • Die Wissenschaft gibt zu, daß es schwierig ist, die Trennlinie zwischen Belebtem und Unbelebtem zu ziehen; vielleicht dehnen diese Einheiten ihre Aktivität sogar auf Kristalle und Chemikalien aus.


    • Die Lebenseinheiten leben ewig.

    1921 hielt Sir Clifford Allbut, damals Präsident der britischen Medical Association, einen Vortrag über die Fähigkeit von Mikroben, zu wählen und zu verwerfen und folgerte: "Wir sehen uns mit einer wunderbaren und weitreichenden Fähigkeit konfrontiert, nämlich mit der Fähigkeit zur Wahl; und dies in aufsteigender Linie vom tiefsten Grund der Biologie bis hinauf zum Gipfel – eine formative Fähigkeit, eine ‚Auto-Determination' oder, wenn Sie so wollen, ‚Denkfähigkeit'."
    Sir W. Crookes, einer der größten Gelehrten seiner Zeit, hielt 1895 eine Vorlesung vor Chemikern, in der er sich mit der Fähigkeit der Atome auseinandersetzte, sich den eigenen Weg zu wählen, zu verwerfen oder anzunehmen; und er wies nach, daß natürliche Selektion in allen Lebensformen verfolgt werden kann – selbst in einem Atom. In einem anderen Artikel aus jener Zeit stand gar: "Der kürzlich entstandene Streit, die Natur des Atoms betreffend, scheint sich auf recht einfache Weise lösen zu lassen, nämlich durch die Annahme, daß diese unendlich winzigen Massen – als Zentren von Kraft – eine bleibende Seele besitzen, und daß jedes Atom Empfindungen und Bewegungskraft hat."


    Das Bewußtsein des Atoms


    Und ein anderer Autor schrieb: "Durch jedes Atom in der Welt vibriert absolute Intelligenz." Da Atome wiederum aus Elektronen bestehen, folgt der zwingende Schluß, daß auch Elektronen, als der Materie kleinste Bausteine, intelligent sein müssen. Denn diese Fähigkeit, mit anderen Atomen eine Verbindung einzugehen oder sie abzustoßen gleicht dem menschlichen Phänomen der freien Wahl, unseres Willens. Beides sind Ausdrücke jenes ewigen Gesetzes von Anziehung und Abstoßung, Involution und Evolution, manifestiert auf unterschiedlichen Bewußt*seinsebenen.
    So, wie ein Atom ein Sonnensystem für sich ist, kann auch der Mensch mit seinen Zellen als eigenständiges Universum betrachtet werden. Und einen Planeten könnte man genausogut als einzelnes Atom im Organismus einer Galaxie bezeichnen. Die Schöpfung basiert auf Analogien. Mit diesem Hintergrund wird nun auch die Aus*sage alter östlicher Schriften klar, das Ziel für das Substanzatom sei Selbst-Bewußtsein. Wie sag*te das Orakel von Delphi? Erkenne dich selbst!
    Und handle entsprechend! müßte der Nachsatz zum Orakelspruch sein. Denn was nützt Erkenntnis, wenn sie nicht angewandt wird? Seit 1962 anerkennt die Wissenschaft, daß die freigesetzte Radioaktivität aus den Atombombentests die Entstehung von Ozon verhindert. Daraufhin stellte man die überirdischen Tests ein. Dennoch wird dieser Zusammenhang in der Diskussion des Ozonloches kaum je erwähnt. Die Auswirkung der Atomtests hat der bereits erwähnte Dr. Ralph Lapp schon Mitte der 50er Jahre vorausgesehen. Er sah die größte Gefahr nicht nur im Fall out, also jenen Partikeln, die auf die Erd*oberfläche herabsinken, sondern vor allem in der Radioaktivität, die in der Atmosphäre verbleibt. Walter Russell drückte Lapps Befürchtungen mit den Worten aus: "Der bereits zu schwere ‚Hold up' (radioaktives Material) wird die Atmosphäre vollständig zudecken und sich langsam, aber beständig in sie hineinfressen. Dadurch wird *unsere lebensspendende und schützende blaue Hülle ausgedünnt."
    Was Russell 1957 schrieb, beschreibt mit erschreckender Genauigkeit die große Gefahr des sich langsam auflösenden Ozonschildes, mit der wir heute konfrontiert sind. Zudem warnte Lapp schon damals, daß die obere Stratosphäre uns erst in den späten 70er Jahren die volle Rechnung für die zwanzig Jahre früher gezündeten Atombomben präsentieren werde – 1979 entdeckte dann die Wissenschaft erstmals die Bestätigung von Lapps Prophezeiung: das Ozonloch.

    Radioaktivität zerstört Ozonschicht


    Das erklärt auch, weshalb sich das Ozonloch über dem Südpol aufgetan hat: Weil fast alle überirdischen Atombombentests im südlichen Pazifik vorgenommen wurden.

    "Verbietet die Bombe." Neuseeländische Demonstranten gegen Frankreichs Großmacht-Allüren in Mururoa.

    Radioaktivität verhindert die Neubildung von Ozon (O3), weil sie die Atmosphäre ionisiert. Zudem ist bekannt, daß es in einer ionisierten Atmosphäre kein Ozon gibt. Um das zu verstehen, muß man wissen, wie natürliches Ozon in der *Atmosphäre gebildet wird: Im Wesentlichen stammt der Sauerstoff für die Ozonbildung aus dem Wasser, das in diese großen Höhen hinaufgetragen wird. Wegen der Kälte, die da oben herrscht, wird es in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff getrennt. Die Einstrahlung des UV-Lichtes bewirkt nun einerseits eine magnetische Aufladung des Wasserstoffatoms und andererseits eine elektrische Aufladung des Sauerstoffatoms- es bildet sich O2 und O3. Das O2 verbindet sich dann mit dem Wasserstoff wieder zu Wasser und regnet aus. Das Ozon soll denn auch nicht wie ein Schild das UV-Licht von uns fernhalten – es ist vielmehr ein Produkt jenes Lichts. Die Energie der UV-Strahlung hilft ein- und zweiatomigen Sauerstoffmolekülen, sich zum dreiatomigen Ozonmolekül zu verbinden. Ozon hat also die Energie des UV-Lichtes gespeichert, die es erst wieder durch Erwärmung abgibt. Zum Beispiel, wenn wir es veratmen. Ja, ein Teil des Ozons sinkt aus der Atmosphäre auf die Erde zurück, wo es Pflanzen, Tieren und Menschen zur Atmung dient. Wir veratmen näm*lich das viel energiereichere O3 und nicht das O2.
    In einer von künstlicher radioaktiver Strahlung verseuchten Atmosphäre wird der Aufbau von Ozon unterbunden. Die Radioaktivität ist um ein Vielfaches stärker als das UV-Licht und bewirkt eine unnatürliche Ionisation, in der die oben beschriebenen chemischen Prozesse nicht mehr ablaufen können. Es stimmt zwar, daß FCKW's die Ozonmoleküle zerstören; doch wäre die Atmosphäre nicht durch die Radioaktivität verseucht, könnte sie ein Vielfaches an neuem Ozon produzieren, was die FCKW's vernichten.
    Nicht sie sind also das wirkliche Problem, sondern die Radioaktivität, die den Aufbau von Ozon überhaupt erst unterbindet. Obwohl das Ozon in der Luft anteilsmäßig erst an siebter Stelle nach dem Komma kommt, ist es die physische Grundlage für unsere Atmung. Sollte es auf die achte Stelle hinter dem Komma rutschen, dann hätte uns die Apokalypse erreicht.
    Natürliches Ozon wird auf der Erdoberfläche vor allem durch Assimilationsprozesse und durch Blitze produziert. Wir alle kennen das Hochgefühl nach einem Gewitter, wenn die Luft durchtränkt ist mit Lebenskraft und wir sie wie neugeboren in uns aufsaugen. Das ist die Wirkung von natürlichem Ozon.
    Heute jedoch hören wir nur noch von Ozongrenzwerten, die vor allem im Sommer ständig überschritten werden. Dieses Ozon rötet unsere Augen, reizt uns zum Husten, verursacht Kopfschmerzen und schafft uns Atembeschwerden. Vor allem die Atmung wird durch das giftige Ozon stark beeinträchtigt.


    Ozon ist nicht gleich Ozon


    Wie paßt das zusammen, wenn natürliches Ozon doch gerade die Essenz unserer Atmung ist? Richtig. Das giftige Ozon ist eben nicht natürlich. Es entstand nicht nur an Hochspannungsleitungen, sondern ist vor allem ein Abfallprodukt aus giftigen Stickoxyden, die aus Abgasen verschiedenster Verbrennungsvorgänge stammen.
    Weil eben jedes Atom über bewußte Intelligenz verfügt, bestimmt der Entstehungsprozeß einer chemischen Verbindung, wie ihre Qualität sein wird. Genauso, wie es einen Unterschied macht, ob eine Ehe aus Liebe oder unter Zwang geschlossen wurde, macht es auch einen Unterschied, ob sich Sauerstoffatome freiwillig nach natürlichen Gesetzen zusammenschließen können, oder ob sie durch menschlich geschaffene
    Verbrennungsprozesse dazu gezwungen werden. Wo natürliches Ozon lebensspendend ist, wirkt künstlich entstandenes Ozon giftig, obwohl die chemische Formel bei beiden identisch ist. Qualität war noch nie eine Frage der Chemie, sondern allein der Energie. Einen meßbaren Unterschied gibt es jedoch: Das künstliche Ozon ist mit 2500 Gramm pro Kubikmeter einiges schwerer als das natürliche und bleibt nicht zuletzt deswegen in Erdnähe ‚kleben'.
    Bedenkt man, daß Uran ein Atom mit besonders hoch entwickeltem ‚Bewußtsein' ist, wird einem erst richtig klar, wie frevlerisch es ist, ein solches Wesen in Stücke zu sprengen. Man zerstört damit ein universelles Bewußtsein. Nach dem Gesetz der Analogie muß solches Tun auch Auswirkungen auf unser Bewusstsein haben ("Der Umgang mit Atomenergie macht psychisch krank.", Hans Lechleitner). Der polynesische Professor Albert Wendt hatte völlig recht, als er vor zwei Monaten am Fernsehen sagte: "Die Franzosen verseuchen mit ihren Atomtests das spirituelle Sein der Völker im Südpazifik."
    Doch die belastendste Hypothek des Atomzeitalters steht uns noch bevor: die Entsorgung. Kernkraftwerke auf der ganzen Welt haben Unmengen radioaktiven Abfall geschaffen – und niemand weiß, wohin damit. Es gibt zwar Pläne für sogenannte ‚Endlagerungen'. Doch was heißt das schon? Wie will man Plutonium, das 200'000 Jahre lang radioaktiv strahlt, ebensolange sicher vor Unfällen und Naturkatastrophen bewahren?
    Hans Issler, Präsident der Schweizerischen Nagra, die sich um sichere Endlager bemühen soll, denkt deshalb pragmatisch. Sein Konzept: "Die Abfälle sind während der Konzessionszeit von fünfzig Jahren jederzeit kontrollier- und rückholbar. Ob das Lager danach weiterhin offengehalten werden soll, soll die künftige Generation entscheiden." Es ist tröstlich zu wissen, daß für Männer wie Hans Issler die Fahrkarte in die ‚nächste Generation' bereits reserviert wurde; sie werden nämlich mit Bestimmtheit wieder auf die Erde zurückgeschickt werden, um den Schlamassel wieder zu beheben, den sie heute anrichten. Niemand kann sich so einfach aus der Verantwortung stehlen. Das ausgleichende Gesetz des Karmas verlangt ihre Sühne – ob jene Männer das glauben mögen, oder nicht.
    Abgesehen davon, daß es keine sichere Endlagerung geben kann, wird man sie auch nicht bezahlen können. Alleine das Großreinemachen in der amerikanischen Wiederaufbereitungsanlage Hanford würde 50 Milliarden Dollar kosten. Und für die Entsorgung des Plutoniums in den USA rechnet man mit Kosten von 100 Milliarden Dollar bis unendlich – je nach Sanierungsmethode. Gegen 500 Milliarden Dollar würden den Amerikanern die übrigen Strahlungsabfälle zu Buche schlagen. Deshalb wohl lassen sie in der Atomfabrik Oak Ridge seit Jahren 76'600 Fässer mit Nuklearabfällen in einem ‚Endlager' im Frei*en verrosten. Und 30 Kilometer vor der Golden-Gate-Brücke sind 50'000 Atomfässer in den Pazifik versenkt worden.
    Damit wird Atomstrom so teuer, daß wir ihn uns allein schon aus finanziellen Gründen nicht leisten können.
    Glücklicherweise dämmert es nun endlich im Bewußtsein der Menschen, wie teuflisch die Atomspaltung wirklich ist. Die Atomlobby geht harten Zeiten entgegen – und sie weiß es. Ihr Säbelgerassel ist ein letztes Aufbäumen. Das erkannten auch viele Medien. So betitelte der Spiegel seine Spezialausgabe vom Juli 1995 mit den Worten: "50 Jahre nach Hiroshima: Das Atomzeitalter geht zu Ende." Der Stern titelte "Der Atomfluch" (28/95) und rief zwei Wochen später sogar zu einem Appell an Chirac auf, die Atomtests "im Namen der Vernunft, der Menschen des Südpazifiks und der deutsch-französischen Freundschaft" zu beenden. Das Schweizer Nachrichtenmagazin Facts stellte nach dem negativen Volksentscheid zum geplanten Atomlager (Wellenberg) nüchtern fest: "Abschied vom Atom".
    Jetzt scheint die Menschheit endlich bereit zu sein, das wahre Wesen der Radioaktivität zu erkennen. Schon vor einem halben Jahrhundert hat die esoterische Autorin Alice Bailey gefordert, der Mensch müsse endlich auf eine neue, epochale Bewußtseinsebene gelangen und selber ‚radioaktiv' werden. Was sie damit meint?



    Ignoranz anno 1951: US-Offiziere beobachten einen Atomtest. Dabei sollten wir Menschen selbst ein ‚radioaktives' Bewußtsein entwickeln.


    Mensch, werde radioaktiv!

    Wie wir bereits gesehen haben, lernt jedes Atom durch das Gesetz von Anziehung und Abstoßung. Es geht selektive chemische Verbindungen ein und speichert beständig Energie ein – sein Bewußtsein nimmt zu. Irgendwann hat es so viel Energie aufgenommen, hat es so viel gelernt, daß es beginnt, diese Energie aktiv auszustrahlen – es wird radioaktiv.



    Beim Menschen kann man genau dieselben Evolutionsschritte erkennen: Zuerst ist er ganz auf sich selbst fixiert. Ihn interessiert nur, was ihn auch betrifft. Diese Selbstzentriertheit, diesen Egoismus, bezeichnet Bailey als ‚atomisches Be*wußtsein.'
    Irgendwann, wenn der Mensch sich selbst gefunden hat, wird er ein Gefühl für die Gruppe bekommen. Er beginnt, die Bedürfnisse von einem übergeordneten Organismus wahrzunehmen und diesem zu dienen. Er beginnt, das Leben um ihn herum zu lieben und mit anderen Augen zu sehen. Er beginnt, von sich aus dem Leben etwas von sich zu geben – und damit hat der Mensch sein höheres, ‚radioaktives' Bewußtsein erreicht.
    Genau das tun auch die natürlichen radioaktiven Elemente, wenn man sie in Unberührtheit läßt, wo sie hingehören: Sie verstrahlen freiwillig ihre Lebenskraft, um dadurch neues Leben zu schaffen. Sie sind bereit zu ‚sterben', damit andere leben können. Ist das nicht der edelste Dienst, den ein bewußtes Wesen erbringen kann?
    Aus dem Wissen um diese metaphysische Wahrheit heraus lehrten die alten Bücher des Ostens bereits vor Tausenden von Jahren die radioaktive Beschaffenheit der Materie. Haben auch wir Menschen dieses Bewußtsein erlangt, kann es sein, daß uns Erkenntnisse aufgehen, wie sich das strahlende Erbe des Atomzeitalters doch noch bewältigen läßt. Möglichkeiten, die wir uns heute gar nicht erträumen können. Denn die Natur hält immer einen zusätzlichen Trumpf verborgen.





    Quelle : http://www.zeitenschrift.com/artikel...r-atomspaltung
    Was auch immer du tust, handle klug und bedenke das Ende


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    1.) Vergiss was du im TV gesehen, in der Zeitung gelesen und in der Schule gelernt hast!
    2.) Versuche offen für Alles, daher "neutral" gegenüber allem Neuen zu sein, denn Veränderungen beinhalten das gesamte Leben!
    3.) Traue auch diesem Video nicht und überprüfe den Inhalt dieser Informationen, denn auch die Ersteller des Videos können Fehler gemacht haben. (*auch nur Menschen)
    4.) Wenn du Punkt 3 nachgegangen bist, wirst du selbst wissen was zu tun ist!



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    Die Karte zum Video gibt es unter: http://map.weisse-rose.net/

    Viel Erfolg!!! Wir zählen auf dein logisches Verständnis, Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen!

    Vertraue keiner Regierung, keiner Stiftung, keiner Gruppe, kein gar nichts! Vertraue deiner Fähigkeit... dich für das Gute zu begeistern
    und informier dich selbst!




    Was auch immer du tust, handle klug und bedenke das Ende


  10. #30
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    Was ist die wahre Natur des Menschen?

    verblüffend einfach!

    ...



    lg

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