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Ein wuchernder Zellklon rafft seit Mitte der 90er-Jahre die Beutelteufel auf der Insel Tasmanien dahin. Warum diese Zelllinie noch immer keine Alterungserscheinungen zeigt, haben australische Forscherinnen herausgefunden. Die Zellen können ihre Chromosomen immer wieder verlängern und sind daher grundsätzlich unsterblich.


Unported) Die aggressive Zelllinie wird bei Bissen von einem Beutelteufel auf den anderen übertragen und verursacht tödliche Gesichtstumoren. In den letzten 15 Jahren seien der Krankheit mehr als 80 Prozent der tasmanischen Beutelteufel zum Opfer gefallen, erläutert Katherine Belov von der Universität Sydney. Anfangs habe man gehofft, der Zellklon werde irgendwann altern und der Tumor mit ihm aussterben, so die Forscherin. „Unsere Arbeit zeigt nun, dass dies nicht der Fall ist. Eher wird er noch stärker.“
Belov und Kolleginnen analysierten Gewebeproben von 48 Beutelteufeln (Sarcophilus harrisii), die seit dem Jahr 2003 an dem Tumor erkrankt und schließlich eingeschläfert worden waren. Besonders interessierten sich die Forscherinnen für die Telomere im Erbgut der Zellen. Diese Abschnitte an den Enden der Chromosomen im Zellkern verhindern, dass die Zelle irrtümlich Chromosomen miteinander verbindet. In normalen Körperzellen werden die Telomere bei jeder Zellteilung etwas kürzer, bis die Zelle schließlich ihre Teilungsaktivität einstellt. Bei vielen menschlichen Krebsarten ist diese natürliche Begrenzung dagegen aufgehoben.
Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse beim Beutelteufel-Gesichtstumor, berichten Belov und Kolleginnen im Fachblatt „PLoS ONE“. Die Telomere der Tumorzellen sind zwar deutlich kürzer als die Telomere in Lungen- und Milzzellen der befallenen Tiere – entsprechend einem starken Verschleiß. Ein überaktives Wartungssystem scheint allerdings einen unkritischen Zustand zu wahren: Das Enzym Telomerase, das Telomere verlängert, und ein zugehöriges Kontrollprotein liegen in den Tumorzellen in bis zu 40 Mal höherer Konzentration vor als in normalen Zellen. Ein Vergleich von Proben aus den Jahren 2007 und 2010 lässt sogar vermuten, dass die Aktivität der Telomerase allmählich zunimmt und die Telomere der Tumorzellen wieder länger werden.
„Unsere Ergebnisse belegen, dass der Gesichtstumor der Beutelteufel eine der ältesten lebenden und fortwährend übertragenen Zelllinien in der Natur darstellt“, erklärt Belovs Kollegin Beata Ujvari. Die Tumorzellen wüchsen und teilten sich heute ebenso rasch wie früher. Umso wichtiger sei es, noch nicht infizierte Beutelteufel in freier Wildbahn vor der Ansteckung zu schützen und eine tumorfreie Zucht aufzubauen. „Das Nachzuchtprogramm ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir diese so symbolträchtige Spezies vor dem Aussterben bewahren wollen“, so Ujvari.
Quelle: sinceticker-genetik