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Thema: Zottels Unterhaltungskiste

  1. #1
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    Zottels Unterhaltungskiste

    Hallo ihr Lieben

    Ich habe mich entschlossen, euch in diesem Thread gelegentlich eine meiner Geschichten "vorzulesen" und so ein wenig, neben der täglichen Weltberichterstattung, ab und an zur Unterhaltung beizutragen.
    Meine Geschichten bedienen kein bestimmtes Genre. Ich schreibe querbeet. Und hoffe, dass der ein oder andere Gefallen an eine meiner Geschichten finden und so Spaß beim Lesen haben wird.

    Bis ganz bald,
    liebe Grüße
    eure
    zottel
    "Immer weigere ich mich, irgendetwas deswegen
    für wahr zu halten,
    weil Sachverständige es lehren, oder auch,
    weil alle es annehmen.

    Jede Erkenntnis muss ich mir selbst erarbeiten.
    Alles muß ich neu durchdenken, von Grund auf,
    ohne Vorurteile."


    Albert Einstein (1879-1955)

  2. #2
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    Du

    Da war immer ein unerklärliches Gefühl, all die Jahre.
    Ich webte, ich malte, ich sang und dahinter warst immer du. So konnte ich es fühlen.
    Und irgendwann warst du tatsächlich da. Einfach mitten drin in meiner Lebenspfütze, ein Tropfen Meer darin.
    Du warst unendlich und unerklärlich für mich; der Tau, der verging mit dem Tag.

    Am Anfang hattest du nicht einmal ein Gesicht, dabei warst du schön, so schön. Doch am meisten berührten mich deine Hände und das am tiefsten, wenn ich sie nur anblicken durfte.
    Du stecktest meine Füße in einfache Pantoffeln, in Strümpfe mit unterschiedlichen Farben. So jagtest du mich durch die Straßen. Mein Bauchnabelpiercing verschwand und mit ihm all die anderen Ringe. Außer den Lebensring, den hattest du mir gelassen. Du wolltest nur Haut.
    Nachts schautest du mir zu, wenn ich schlief. Manchmal wachtest du auch über mich. Nie wurdest du müde, in allem, was du tatest.

    Du kürztest mir auch die Fingernägel und die Farbe darauf musste ich mir herunter kratzen. Wir blieben ungeschminkt. Und wir taten Falsches, damit wir richtig wurden. Du nahmst mir jede Angst, bis ich nachts allein durch dunkle Wälder streifen konnte.
    Wir gingen über Brücken, waren ein Gedanke, schwebten über Zeit und Raum, bis nichts mehr vor uns lag, nur noch die unbeschmutzte Zukunft wie ein leeres Blatt Papier. Und auf dieses Blatt begannen wir Bilder zu kleben. Darauf gab es auch Vergangenheiten, gemeinsam ausgesuchte, Verbindungsstücke zwischen unserer Gegenwart und dem, was noch vor uns lag. Wir sahen durch die gleiche Brille. Vielleicht war sie zu rosarot.

    Wir waren eilig, viel zu schnell, mitten in einer Zeitlosigkeit. Und dabei hatten wir gar keine Zeit. Du wusstest es. Ich ahnte es. Du kanntest auch den Tag und die Stunde. Mir blieben bis dahin nur wenige Minuten.
    Du gingst mit einem großen Feuerwerk. "Das ist für uns", sagtest du.
    Es war so laut, so grell und so vergänglich. Du selbst warst ganz leise.
    "Ich muss jetzt gehen", flüstertest du, aber du schlichst dich fort wie ein Dieb in der Nacht, während die Böller noch knallten.

    Die Strümpfe habe ich noch immer. Ich trage sie noch ab und an, doch nur in der Wohnung, ganz heimlich für mich. Es gibt Tage, da lege ich auch alle Ringe an, nur damit ich sie etwas später wieder ablegen kann. Doch das schlimmste: Meine Ohren haben den Klang deiner Stimme vergessen. Dafür hasse ich sie. Manchmal schreie ich lange und laut, bis es in ihnen summt, jedoch kriegen sie dich nicht mehr zu fassen.

    Ich will nichts kitten, alles soll so bleiben. Auch die ganz tiefen Löcher, in die ich fiel. Denn all hinter dem und in allem bist du und wir waren würdig.
    Oft warte ich in der Morgendämmerung auf den Tau. Und wenn er vergeht, dann bist du so nah, so unnahbar nah. Du.



    (ursprünglich mal veröffentlicht unter dem Pseudonym LyvAra)
    "Immer weigere ich mich, irgendetwas deswegen
    für wahr zu halten,
    weil Sachverständige es lehren, oder auch,
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    Albert Einstein (1879-1955)

  3. #3
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    Unterm Nussbaum


    Tanzen unterm Nussbaum und das auf allen Vieren! Ich hab dich schief angesehen, denn der Vorschlag erschien mir absurd.
    "Nu hab dich nicht so. Trau dich mal was", sagtest du.
    Aber ich dachte gleich an die alte Bayern, die eh den ganzen Tag nur hinter der Gardine sitzt und aufpasst, ob die Sonne morgens rechtzeitig auf und abends auch wieder rechtzeitig untergeht. Und dazwischen passiert am besten nichts, was Madame Bayer aus der Fassung bringen könnte. Vermutlich würde sie sonst hektisch von Gartenzaun zu Gartenzaun laufen und all die Nachbarn fragen: "Haben Sie das neulich auch gesehen? Nein? Na, wenn Sie wüssten! Ich sag Ihnen nur: Es ist eine Schande! Eine Schande für unsere ganze Siedlung! Ja, wenn Sie wollen, kann ich Ihnen das Ganze mal erzählen, doch bitte sagen Sie niemandem, dass Sie es von mir wissen..."


    Eigentlich fand ich den Gedanken, mit dir auf allen Vieren zu tanzen, gar nicht so schlimm. Doch weshalb sollten wir beide ausgerechnet nackt dabei sein? Schließlich wollte ich nicht morgen wieder umziehen müssen. Und ich kannte die Bayern inzwischen nur zu gut und wusste zu welcher Propaganda sie fähig war.
    "Lass doch einfach mal deine Hüllen fallen und denk nicht immer an irgendwen anders. Blei doch mal bei dir!", meintest du. "Ganz bei dir."
    Nur ein paar Sekunden später, lag meine hellblaue Haarspange in deiner Hand. Du stecktest sie wie nebenbei in deine Hosentasche, vergrubst deine zehn Finger in mein Haar und zogst es wie einen Fächer gen Sonne auseinander.
    "Schau, so wie die Sonne an einigen Stellen durch deine Haarsträhnen hindurch späht, möchte ich manchmal einfach durch dich hindurchsehen können. Vielleicht auch hindurch kriechen. Ganz woanders wieder heraus kommen und am Ende doch wieder bei dir ankommen. Mit der Gewissheit: ich war dir nie fern - habe dich nur anders erfahren."
    Die Sonne blendete dich. Du blinzeltest. Und du redetest unaufhörlich.
    Da sah ich dich! Wahrscheinlich das erste Mal. Ich hörte dir gar nicht mehr zu. Und plötzlich war ich mitten in dir. Fühlte dich; fühlte, was du sagtest und verstand, was du meintest. Es schien mir, als würde ich mich in dir verwandeln. Als blickte ich zum ersten Mal in einen Spiegel. Und was ich sah: warst du und ich ganz anders. Ohne Welt um uns herum. Nur wir beide. Und wir waren der einzige Farbfleck auf all dem Weiß unter uns und um uns herum.


    Auf einmal spürte ich eine unbändige Lust, diese Welt mit dir gemeinsam zu beschmutzen. Bunt anzumalen, sie zu beflecken mit unseren Spuren. Ich warf mich dir in die Arme. Umklammerte dich, schloss die Augen und hoffte, die Zeit würde noch ein Weilchen still stehen.
    "Lass uns tanzen! Bitte, lass uns jetzt tanzen auf allen Vieren! Schnell!", bat ich dich.
    "Schnell?" Du lachtest und schütteltest ungläubig den Kopf.
    Mir dauerte es zu lange. Ich lief zum Wasserhahn, drehte ihn auf und nahm den Gartenschlauch in die Hand.
    "Oh, nein, das machst du jetzt nicht!", riefst du.
    Dann drehte ich den Sprühknopf am Gartenschlauch auf.
    "Oh, doch, ich tue es! Und nimm die Hände ruhig runter, ich will dich doch nicht erschießen!"
    Wir lachten. Jubelten. Schrien. Spielten Fangen wie zwei kleine Kinder, bis wir außer Puste und völlig durchnässt waren.


    Ich knöpfte meine Bluse auf.
    "Komm, wir müssen uns ausziehen."
    Du starrtest mich an und wischtest mit der Hand über dein nasses Gesicht. Kein Wort kam über deine Lippen.
    Ich warf die Bluse von mir, den BH, meine Jeans und den Slip. Du strecktest die Hand nach mir aus. Ich ließ mich zu dir ziehen und mir von dir die nassen Haarsträhnchen, die an meinen Wangen klebten, aus dem Gesicht streifen.
    Nie habe ich solch einen Blick von dir gesehen und noch nie zuvor habe ich einen Blick von dir empfunden, der mich wie ein scharfer Messerstich durch meinen Bauchnabel hindurch bis tief ins Innerste traf. Es tat weh. Und es tat gut. Sau gut!
    Es war etwas ganz neues, bisher Ungefühltes.
    Ich wollte später weinen.
    Jetzt wollte ich mit dir tanzen.


    Und wir tanzten. Tanzten unterm Nussbaum. Beide nackt und später auch auf allen Vieren.
    Unsere Knie waren geschunden und grün, unsere Körper mit schwarzer Erde befleckt.
    Mit einem Mal stand Frieda, die kleine Yorkshire Terrierhündin, von Walther nebenan, schwanzwedelnd am Gartenzaun. Frieda hechelte. Ihre Zunge hing aus ihrem geöffneten Maul. Beinahe glaubte ich, sie lächeln zu sehen.
    "Sie hat Lust auf dich." Ich grinste. Doch ich wollte mein Revier verteidigen.
    "Rühr dich nicht von der Stelle! Ich bin gleich wieder bei dir, dann können wir weiter tanzen."
    Deine Blicke, während ich auf allen Vieren auf Frieda zu kroch, streiften meine Haut wie warmer Sonnenwind. Ich könnte wetten, an meinen Hüften hieltest du mich fest und hast mich dann genommen.
    Als ich am Gartenzaun angekommen war, legte ich mich auf den Bauch, damit ich mit Frieda auf einer Augenhöhe war.
    "Der Typ unterm Nussbaum gehört mir, verstehst du? Also, verschwinde Frieda!"
    Frieda legte den Kopf schief. Erst nach links, dann nach rechts. Doch Frieda verstand mich nicht. Da half auch kein weiteres Zureden. Schließlich fing sie auch noch an zu kläffen.
    "Na gut, du kleine Zicke. Wenn du jetzt nicht verschwindest, hocke ich mich hier hin und pinkel dich an!"
    Daraufhin bellte Frieda noch einmal, gab dann so etwas wie ein beleidigtes Jaulen von sich und verschwand tatsächlich hinter der Hecke.


    Danach tanzten wir wohl so etwas ähnliches wie einen Walzer, liegend, der erst in eine Art Rumba über ging, doch du wolltest mir unbedingt den Tango beibringen. Und das tatest du auch. Am Ende lagen wir erschöpft unter dem Nussbaum in unserem eigenen Tuschkasten, dessen Farben wild vermischt waren.


    Eine Woche später traf ich morgens die Bayern. Sie holte gerade ihre Post aus dem Briefkasten. "Rita?", rief sie mir zu. "Haben sie mal einen Augenblick Zeit?"
    Mit einem gewissen Unbehagen ging ich auf sie zu. "Was gibt es denn, Frau Bayer?"
    Sie kam ganz dicht an die Gartentür heran. "Also, nicht, dass Sie denken, ich hätte Sie neulich die ganze Zeit beobachtet." Frau Bayer räusperte sich.
    "Neulich?" Mir schwante es schon und die Röte schoss mir ins Gesicht. "Wissen Sie Frau Bayer..."
    "...Nein, nein, warten Sie. Lassen Sie mich bitte ausreden."
    Ich nickte und wartete ungeduldig, wie die Bayern mir nun die Leviten lesen würde.
    "Als Sie neulich mit dem Gartenschlauch auf ihren Mann losgingen und ich gestehe, ich habe zugesehen bis sie nackt vor ihm standen, habe ich mir noch einmal gewünscht, so jung wie Sie zu sein. Wissen Sie, ich habe mich so etwas früher nie getraut. Darum beneide ich Sie. Also, ich wollte nur sagen, dass Sie das Wunderbarste getan haben, was ein Mensch tun kann. Ich wünschte mir, die Zeit zurück drehen zu können, als Alfred noch lebte, um ihm zeigen zu können, wer ich bin."
    Ich schluckte und war irritiert.
    Vor allem sah ich Frau Bayer an jenem Morgen wohl auch das erste Mal.


    -ENDE-
    "Immer weigere ich mich, irgendetwas deswegen
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    Albert Einstein (1879-1955)

  4. #4
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    Heute mal keine Geschichte, dafür etwas in Reimform:


    Entscheidung


    Manchmal
    möcht ich schon
    bei dir sein,
    aber eigentlich

    meistens

    wünsch ich noch
    zu verweilen
    in und bei mir

    immer

    das Auf und Ab
    der Liebeswippe
    steht still nur

    selten

    fühl ich klar
    versteh mein IchundDu
    vielleicht auch

    niemals

    werde ich erklimmen
    den Scheidungspunkt
    von hier nach dort

    endgültig

    kann ich nicht sein,
    drum lass ich Dichundmich,
    um uns zuweilen

    jetzt

    und ab und zu
    im Gleichgewicht
    dahinzutreiben.


    (2011)
    "Immer weigere ich mich, irgendetwas deswegen
    für wahr zu halten,
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    Albert Einstein (1879-1955)

  5. #5
    Moderator Avatar von Constantin Crusher
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    Ich mag deine Texte. Weiter so.
    „Ich bin gekommen um Sie an etwas zu erinnern... Etwas das Sie früher wussten.“
    (Inception)

    http://constantin-crusher.blogspot.com/

  6. #6
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    Herzlichen Dank, Constantin. Ich freue mich sehr darüber. (ich hoffe, es liegt nicht nur an den bisher angenehmen Inhalt *lacht*)


    ***

    Da ich vorhin im Forum auf ein Thema stieß, worüber ich neulich gerade eine Kurzgeschichte verfasste, stelle ich sie heute zum Lesen hier online.
    Genre: Fiction/Endzeit


    Ohne morgen


    „Ich habe es satt, dir ständig alles hinterher räumen zu müssen! Lina, hörst du mir überhaupt zu?“
    Die Mutter hob Linas Kleidungsstücke auf, die überall verstreut im Zimmer umher lagen.
    „Und was ist mit der vergammelten Pizza und den ganzen Flaschen? Alles machst du auf, nichts trinkst du aus. Hab ich im Lotto gewonnen, dass du meinst, überall nur dran nippen und den Rest dann ins Klo hinunterspülen zu können? Lina!“
    Aber die Siebzehnjährige knallte der Mutter die Badezimmertür vor der Nase zu.
    „Mensch, Lina, so geht das nicht weiter!“
    „Da hast du Recht, Mum. Es wird doch sowieso nicht mehr lange weiter gehen. Also reg dich ab. Wenn du und Pa – als er noch lebte - und eure ganze Generation euch mal so ins Zeug gelegt hätten wie du mit deiner Erziehung mir gegenüber, dann hätten wir jungen Leute es heute vielleicht besser gehabt. Dann hätten wir vielleicht ...“
    „... Vielleicht was? Was willst du damit sagen?“
    „Ach nichts, Mum. Ist doch eh alles egal.“
    „Nein, es ist nicht egal. Was hättet ihr dann?“
    Lina schlug mit der Faust gegen das Türblatt. „Dann hätten wir eine Zukunft gehabt!“
    Die Mutter schluckte. Lina weinte.
    „Lina, das ist doch nicht wahr. Komm raus aus dem Bad. Lass uns reden.“
    „Reden? Mum, was willst du ausgerechnet mit mir reden? Ihr hättet eure Politiker mal zu einem Dialog heraus fordern sollen. Und das vor vielen Jahren schon! Es gibt nichts mehr zu reden!“
    „Aber, Lina!“
    Das Mädchen nahm den Glasbecher, in dem ihre Zahnbüste steckte, in die Hand und warf ihn gegen den Spiegel. „Du wirfst mir Sorglosigkeit vor? Ihr habt doch gelebt als würde sich die Welt so ewig weiter drehen!“ Schließlich flog auch das nächste Glas gegen den bereits zersplitterten Spiegel. „Ihr seid doch diejenigen gewesen, die alles schluckten, jeden Scheiß geglaubt haben, was euch eure Regierungen auftischten. Ihr habt das Spiel doch mitgespielt! Und mir wirfst du ständig vor, ich würde nichts tun, um die Welt zu verbessern!?“ Lina schlug mit ihren Fäusten die letzten Glassplitter von der Wand. Ihre Hände bluteten. „Und nun glaubt ihr, wir Kinder könnten diese Welt retten? Warum tut ihr uns das an? Glaubt ihr euer Gewissen damit reinwaschen zu können?“ Sie schluchzte.
    Die Mutter war inzwischen in sich zusammen gesackt und hockte auf dem Fußboden. Mit Linas T-Shirt, welches sie noch immer in der Hand hielt, wischte sie sich die Tränen fort.
    „Nein, das haben wir nicht geglaubt.“
    „Was dann?“ Die Frage schrillte durch das Haus.
    Plötzlich klingelte es an der Haustür. Aber weder Lina, noch ihre Mutter rührten sich von der Stelle. Es klingelte abermals.
    „Mum, dort klingelt jemand.“
    „Ich weiß, doch es ist egal.“
    „Egal? Und das aus deinem Mund?“ Lina lachte hysterisch.


    Die beiden hockten noch eine ganze Weile so da. Jeder auf seiner Seite, nur voneinander getrennt durch das Türblatt. Doch irgendwann schloss das Mädchen die Badezimmertür auf und lugte durch einen kleinen Türspalt. „Was habt ihr dann geglaubt, Mum?“, fragte sie leise.
    „Wir haben geglaubt, wir könnten alles ändern.“
    „Und was habt ihr dafür getan?“
    „Eigentlich nichts. Wir haben diesen Glauben nur an euch vererbt.“
    „Nein, Mum, ihr habt diesen Glauben nicht an uns vererbt. Ihr habt uns diesen Glauben versucht anzuerziehen. Nur hat das nicht funktioniert. Jedenfalls nicht bei allen. Ihr wolltet, dass wir das gleiche glauben wie ihr glaubtet.“
    Lina setzte sich neben ihre Mutter auf den Teppichboden und schob ihre blutverschmierte Hand langsam unter die Hand der Mutter. „Glaubst du das noch immer?“
    Die Mutter küsste Linas Handrücken. „Nein, wir haben das nie geglaubt. Wir haben gelogen. Nicht alle, aber viele.“
    „Gelogen? Wie meinst du das?“
    „Deine Großeltern, Lina, die hatten es noch geglaubt, doch in unserer Generation war das schon anders. Wir kannten die Wahrheit. Aber niemand konnte mit der Wahrheit umgehen.“
    „Ich verstehe dich nicht. Was ist denn die Wahrheit? … Mum, sag doch was!“ Lina schüttelte ihre Mutter an den Schultern. „Was ist die Wahrheit?“
    „Die Wahrheit ist, dass wir immer daran glaubten, für alles gäbe es einen Schuldigen. Sicher gab es Schuldige für vieles, doch eben nicht für alles. Doch solange es Schuldige gab, war alles einfacher zu ertragen, verstehst du?“
    „Nein, ich verstehe gerade nichts!“
    „Sieh mal, als deine Großeltern noch lebten, kam damals zum Beispiel die ganze Chemtraildiskussion gerade auf. Nicht, dass es Chemtrails nicht gab. Die gab es sehr wohl, doch die meisten machten Chemtrails großflächig für vieles andere auch verantwortlich. Sei es für gesundheitliche Beschwerden der Menschen, die immer mehr zunahmen oder für andere Wolken- und Atmosphärenphänomene, die immer öfter am Himmel zu sehen waren. Man glaubte daran, es gäbe dafür einen Schuldigen. Und so beunruhigend wie das Ganze war, hatte es aber auch etwas Beruhigendes. So war es mit allen Dingen, die uns missfielen, die uns krank vor Sorge machten.“
    „Was soll daran beruhigend gewesen sein?“
    „Lina, solange es einen Schuldigen gibt, kennt man den Verursacher, oder?“
    „Ja, sicher. Aber …?“
    „Nichts aber. Gibt es einen Verursacher, so ist man überzeugt davon, dass es auch an uns Menschen liegt, die ganzen negativen und unbekannten Erscheinungsformen wieder beseitigen zu können. Alles, was man erschaffen kann, kann man auch wieder abschaffen. Das bedeutet Hoffnung.“


    Die Mutter stand auf und zog Lina hinter sich her, bis sie auf dem Balkon angekommen waren. Draußen war es stickig und man bekam nur schwer Luft. Kein Windzug war zu spüren.
    „Nun sieh dir den Himmel heute an“, forderte die Mutter ihre Tochter auf.
    Beide sahen nach oben.
    „Mum, ich weiß wie unser Himmel aussieht und kenne keinen anderen.“
    „Ich weiß. Seit ungefähr zwanzig Jahren ist unser Himmel eine einzige riesige Cirruswolke. Damals war man überzeugt davon, dass bestimmte Wolkengebilde nur durch Chemtrails entstehen können. Oder man machte das Haarp-Projekt dafür verantwortlich. Die Regierungen waren an einer Entkräftung dieser Vermutung überhaupt nicht interessiert.“
    „Warum nicht?“
    „Überleg doch nur. Wer zu all solchen Dingen in der Lage ist, erweckt auch den Eindruck, zu vielen anderen Dingen fähig zu sein, oder?“
    „Das wäre anzunehmen.“
    „Das bedeutet eine unheimliche Machtdarstellung, festigt also nur die innehabende Machtposition der jeweiligen Regierungen. Und zum anderen ist der Großteil der Bevölkerung somit automatisch davon überzeugt, dass wir die Welt auch wieder zum Positiven verändern können. Das gab und gibt den Menschen unbewusst Hoffnung auf bessere Zeiten.
    Doch irgendwann blieb der Himmel schmutzig weiß und grau. Es gab keinen blauen Morgen mehr. Die Chemtraillüge starb wie auch all die anderen Lügen schon zuvor. All das waren nur die Beruhigungspillen für die Bevölkerung.
    Als wir so jung wie du waren, kapierte fast niemand, dass die Welt inmitten einer großen Veränderung steckt, die nicht wir selbst verursacht hätten.
    Man begann sogar großartige Projekte aus den Boden zu stampfen, die endlich erfolgreich gegen den um sich greifenden Welthunger Erfolge erzielten. Deine Großeltern waren auf diese Errungenschaft sehr stolz, dass sie dies noch miterleben durften. Trotzdem die Meere so gut wie leer gefischt waren, die Massentierhaltung wieder abgeschafft wurde und vieles mehr, gab es irgendwann kaum noch Hungernde auf der Welt. Genmanipulierte Nahrungsmittel waren damals nur die Vorläufer der synthetischen Nahrungsmittelherstellung.“
    Die Mutter hustete. „ Lass uns wieder rein gehen, Lina. Es ist nicht gut so lange ohne Mundschutz draußen zu sein.“

    Lina war ganz still geworden. „Willst du damit sagen, dass ihr oder wer auch immer, nicht verantwortlich seid für die Veränderungen der Atmosphäre? Das niemand verantwortlich ist dafür, dass der Großteil der Tierwelt verendete? Niemand ist verantwortlich für das Pflanzensterben? Niemand ist verantwortlich für all diesen Scheiß hier?“
    „Wir haben dazu beigetragen. Jeder von uns trägt seine Last. Und wir trugen dazu bei, dass sich ein alter Glauben fortpflanzte, doch nur, weil wir euch Hoffnung geben wollten.“
    „Wie, … wie konntet ihr uns das nur antun? Hätten die Menschen die Wahrheit gewusst, Mum, vielleicht hätten sie mit den Veränderungen lernen können umzugehen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Mum!“
    Lina ohrfeigte ihre Mutter, lief die Treppen hinunter, griff sich ihren Rucksack, in dem ein Sauerstoffgerät steckte und rannte davon.
    An den Händen und Lippen der Mutter klebte noch Linas Blut.

    -ENDE-
    "Immer weigere ich mich, irgendetwas deswegen
    für wahr zu halten,
    weil Sachverständige es lehren, oder auch,
    weil alle es annehmen.

    Jede Erkenntnis muss ich mir selbst erarbeiten.
    Alles muß ich neu durchdenken, von Grund auf,
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    Albert Einstein (1879-1955)

  7. #7
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    Lebenslinien


    Am liebsten
    mag ich
    deine Narben.
    Auch
    und vor allem
    die Seelischen.

    "Komm, Liebes,
    sieh' in den Spiegel,
    das bist du!"

    Gelegentlich
    muss ich
    sie streicheln.
    So wie jetzt.
    Ich kann
    nicht anders.

    Dann schlüpfst du
    in mich hinein
    und deckst dich mit mir zu.

    Erst wenn ich mich
    wieder erhebe,
    bist du nackt,
    ganz du selbst.
    Dann tu ich nichts,
    nur warten.

    Warten,
    bis du die Hand nach mir ausstreckst,
    und ich wieder drüber streicheln darf.



    ****



    Liebe Grüße
    zottel, die allen noch ein schönes Wochenende wünscht
    "Immer weigere ich mich, irgendetwas deswegen
    für wahr zu halten,
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  8. #8
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    Genre: Psycho/Thriller


    Schlaf gut, Lilly


    Auf dem Fernsehbildschirm war nur griesliger Schnee zu sehen. Das monotone Hintergrundrauschen vermischte sich mit einer gedämpften Frauenstimme. "Ja, ja, jaa!", rief sie.
    Mick schlenderte müde vom Sessel, in dem er schon vor zwei Stunden eingeschlafen war, zum Bett hinüber, blieb unentschlossen stehen, sah sich um, als befürchtete er, beobachtet zu werden und legte das rechte Ohr an die Wand. Lillys Metallbett nebenan qietschte noch einmal, dann wurde wieder alles ruhig.
    Mick kratzte sich durch die Stoffhose an den Eiern. "Lilly, du bist eine richtig Schlimme!" Er kicherte, schüttelte das Kopfkissen auf, legte es wieder aufs Bett zurück, zupfte ein paar Mal am linken Kopfkissenzipfel und einige Male am rechten und strich noch mehrmals mit der flachen Hand darüber, bis ihm die Kopfkissenlage akkurat genug erschien. Anschließend schlüpfte er aus den Hauslatschen, die er peinlichst genau nebeneinander, direkt neben den Nachtschrank stellte.
    Die Latschen bekam er übrigens von Lilly. Letzten Sommer, an Micks 45-sten Geburtstag. Einen Tag zuvor war Georg an Krebs verstorben, der ein Stockwerk höher gewohnt hatte. Bevor dessen Verwandten aufkreuzten, um Georgs restliche Sachen abzuholen, war die Bude schon halb leer geräumt. Lilly hatte unter anderem auch die Hausschuhe eingesteckt, mit denen Mick schon einen Tag später stolz umher lief.


    Mick schlief immer in einem Schlafanzug. Jeden Morgen, wenn er ihn auszog, hing er ihn über den einzigen Holzstuhl, den er besaß, stellte den Stuhl vor das Fenster, welches er kurz darauf öffnete und lüftete so jeden Morgen den Pyjama aus. Danach legte er ihn stets sorgfältig zusammen und packte ihn in den Nachtschrank. Kurz vor dem Schlafengehen, so wie jetzt, wenn er endlich nackt vor dem Bett stand, holte er den Pyjama wieder aus dem Schränkchen hervor, roch einmal intensiv daran - meist schloss er dabei die Augen und legte den Kopf etwas in den Nacken zurück - und stieg letztendlich mit einem wohligen Seufzen in die Nachtkleidung.
    In Micks Leben gab es viele Rituale. Nie ließ er eines aus. Selbst wenn es einmal vorkam, dass der Tag ihm dafür keine Zeit lassen wollte: Er hielt dennoch konsequent an deren Durchführung fest und alles andere musste halt warten.


    Mick legte sich, wie jeden Abend, auf dem Rücken ins Bett, zog die Zudecke bis zur Brust, schlug die Decke handbreit nach außen einmal um und legte die Arme rechts und links - dicht neben den Oberschenkeln - auf die Bettdecke ab. So lag er einen Moment kerzengerade und rührte sich nicht.
    Aber vor dem Einschlafen gab es noch einen Höhepunkt: Mick schaltete die kleine, trichterförmige Nachttischlampe ein. Es war eine Kinderlampe, deren Lampenschirm sich drehte.
    Der Lampenschirmaufdruck - Mond und Sterne - wurden stark vergrößert an die Zimmerwände projiziert und bewegten sich langsam im Kreis. Jetzt war Mick der Mittelpunkt seines Universums!
    Als Mick die Lampe vor ein paar Wochen aus dem Sperrmüll kramte, war in dem Lampenschirm ein Loch gewesen. Mit der Schere vergrößerte er zunächst das Loch. Auf einem Stück Backpapier malte er mit schwarzem Filzstift eine Frau mit unübersehbarer Leibesfülle auf, die er noch Braunfarben ausmalte und der Figur einen blonden Lockenkopf und üppig rote Lippen verpasste.
    Das Stück Backpapier klebte er mit Tesa als Flicken über das Loch des Lampenbildschirms.
    Die kleine Zeichnung war ihm recht gut gelungen. Vor allem im Hinblick auf das Original, das unverkennbar Lilly darstellte. Und nun schwebte Lillys ungewöhnliches Dubel, wenn auch etwas unscharf, als ein üppiges Comic Micks Zimmerwände entlang.


    "Lilly", kicherte Mick abermals.
    Plötzlich bewegte sich nichts mehr. Lilly blieb am Kopfteil des Bettes einfach stehen.
    Mick verrenkte sich den Kopf nach ihr.
    "Lilly?!"
    Er griff zum Lämpchen, schüttelte es, machte es zweimal an und aus, doch Lilly saß sozusagen fest. Aufgeregt sprang er aus dem Bett.
    "So geht das nicht. So war das nicht vorgesehen!"
    Mick überlegte. Glücklicherweise fiel ihm Lillys Vibrator ein. Er hatte das Ding beim letzten Besuch auf Lillys Bett entdeckt, doch nur weil das Teil noch vor sich hin summte. Mit Neugier war er dem Geräusch gefolgt, während Lilly noch duschte und sich nach dem letzten Fick wieder frisch machte.
    "Das funktioniert mit Batterien!", hatte er Lilly offenbart, als sie aus dem Bad kam.
    "Ich weiß, Mick."
    Lilly hatte Mick noch erklären müssen wozu sie einen Vibrator benötigte. Er verstand es, doch gefiel es ihm nicht sonderlich.


    Etwas aufgeregt klopfte Mick mit dem vereinbarten Klopfzeichen an Lillys Wohnungstür. Lilly wohnte wie Mick in einer Einzimmerwohnung mit Küchennische und einem kleinen Bad.
    "Mick?", spähte Lilly durch den Türspalt und zog die Sicherheitskette zurück.
    "Hallo Lilly", freute sich Mick und strich seinen Seitenscheitel glatt.
    "Herrgottnochmal, was willst du hier mitten in der Nacht? Komm rein und steh da nicht so dumm rum. Und mach die Tür zu."
    "Ja, Lilly." Mick starrte Lilly nach.
    Oh, Lilly, du bist so schön!
    Junge, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du mit diesem Scheitel scheiße aussiehst?
    Lilly stellte den rechten Fuß auf einen der Küchenstühle ab, zog ausgiebig an ihrer Zigarette, die durch den 30 Zentimeter langen Zigarettenaufsatz wie ein zu kurz geratener Zeigestock wirkte und pustete in mehreren Stößen den Rauch wieder aus. Die rosa Seide ihres Morgenmantels rutschte von ihrem Knie. Nervös blickte Mick auf das braune, fleischige Bein. Ihm juckte jetzt wieder der Sack, doch er wagte es nicht, in Lillys Gegenwart daran zu kratzen.
    "Nu raus mit der Sprache, Mick. Was willst du hier? In einer halben Stunde bekomme ich Besuch."
    Die hätten dich lieber damals im Heim lassen sollen, da wärst du besser aufgehoben gewesen.
    Lilly ging zum Bett und zog die zerwühlten Laken gerade.
    Eigentlich schlafen wir schon seit Jahren Kopf an Kopf, Lilly.
    "Hey, Mick, ich hab dich was gefragt!"
    "Entschuldige. Ich brauche deinen Vibrator."
    Lilly fing laut an zu lachen. "Bist du von allen guten Geistern verlassen!?"
    Der hat sie doch nicht mehr alle. Ich sollte ihn raus schmeißen.
    "Nein, ich meine, nur die Batterien davon."
    "Was willst du mitten in der Nacht mit meinen Batterien?"
    Mick wurde lauter. Er lief er hin und her. "Es sind die gleichen wie in meiner Nachttischlampe, Lilly! Aber die Lampe geht nicht mehr, weil die Batterien leer sind und ich habe keine mehr!"
    "Ist ja gut, Mick", tätschelte Lilly Micks Schulter. "Ist ja gut."
    Armer Kerl, was soll ich nur mit dir machen?
    Immer bist du so gut zu mir, Lilly. Ich werde es wieder gut machen. Irgendwann. Versprochen.
    Für einen Moment ruhte Micks Kopf an Lillys weichwarmen Busen. Sie gewährte ihm diesen Augenblick.
    Ich kann aber nicht immer deine persönliche Mutter Theresa spielen.
    "Genug gekuschelt, Kleiner", sagte Lilly, küsste Mick mütterlich auf die Stirn, - was ohne Schwierigkeiten möglich war, denn sie überragte ihren Nachbar um fast eine ganze Kopflänge - und ging zum Ankleideschrank.
    Mick strahlte über beide Ohren als die rosa Seide im Gehen Lillys Körper verließ.
    Oh, Lilly!
    Ich wusste doch, dass dir das gefällt. Hast doch sonst nicht viel, an dem du dich erfreuen kannst. Du bist ganz schön scheiße dran, Mick.
    Lilly zwinkerte schelmisch und kramte ein schwarzrotes Neglischee aus dem Schrank.
    "Ich hab noch `ne ganz neue Packung Batterien. Die kannst du haben."
    "Das ist sehr nett von dir, Lilly."
    Die Lust, Lillys Speckfalten zu ergründen, sammelte sich als Flüssigkeitsstau auf Micks Zunge an. Glucksend schluckte er die feuchten Wunschträume die Speiseröhre hinunter.
    Wenn ich dir einen Heiratsantrag machen würde, Lilly, dann könnten wir in einem Bett gemeinsam Kopf an Kopf schlafen.
    Lilly warf ihm die Batterien zu.
    "Danke, Lilly."
    Und du müsstest nachts keine fremden Männer mehr rein lassen.
    Und jetzt hau ab, Mick. Es ist genug geglotzt.
    "Mick, du solltest jetzt gehen. Es wird Zeit."
    "Ja, Lilly. Und nochmals Danke."
    Was für ein armer Trottel!
    Ich werde ihr einen Antrag machen!


    Die Comiclilly schwebte endlich wieder durch Zeit und Raum. Mick war zufrieden.
    Lilly, das wird dir gefallen. Aber zuerst brauch ich einen Plan. So ein Plan braucht Zeit. Und dann mach ich dir einen Antrag. Nichts darf schief gehen.
    Aber was, wenn du nein sagst? Du darfst nicht nein sagen! Aber was, wenn doch? Ich brauch einen Plan, einen guten, denn ich will dir doch nicht weh tun, Lilly. Am Besten wird es sein, wenn ich dich anfangs hier neben mir ans Bett fessel.

    Mit der flachen Hand streifte Mick über die leere Bettseite neben sich.
    Keine Angst, ich tu dir nicht weh, Lilly. Es ist nur für den Anfang, damit wir uns besser aneinander gewöhnen können. Vielleicht stopf ich dir auch den Mund zu, so redest du nicht immer dazwischen, bis du verstanden haben wirst, dich leise zu benehmen. Wir wollen doch nicht die Nachbarn erschrecken.
    Mick lächelte der Comiclilly zu und winkte leicht mit der rechten Hand.
    Ich werde gut für dich sorgen, dir morgens, mittags und abends Essen und Trinken ans Bett bringen. Mit einem Schwamm werde ich deinen schönen Körper einseifen und reinigen. Das wird dir gefallen, Lilly. Hoffe ich jedenfalls, denn ich könnte es nicht ertragen, wenn du weinst.
    Micks Finger krallten sich in das Laken, dann ballte er sie zur Faust.
    Das wäre nicht gut, denn das macht mich nervös, musst du wissen und wenn ich nervös bin, werde ich unkonzentriert und hab mich nicht so gut im Griff. Und du weißt, ich will dir nicht weh tun.
    Kraftvoll schlug er mit der geballten Faust auf das Bett. Noch zwei Sternchen und Lilly war wieder direkt vor seinen Augen. Micks Finger entspannten sich.
    Weißt du, Lilly, das tollste an der ganzen Sache wird sein: im Winter, wenn es draußen kalt ist, musst du nicht mehr wartend vor der Haustür stehen und hier bei mir kommt eh kein Fremder rein. Du brauchst nicht mehr arbeiten gehen. Das, was ich habe, reicht auch für uns zwei. Und wenn dir irgendetwas fehlt, dann ist das ja kein Problem, ich muss es ja nur von nebenan für dich holen.

    Mick knipste die Nachttischlampe aus.
    "Gute Nacht, Lilly."
    Ein paar Tage musst du dich noch gedulden, dann bring ich dir die geborgten Batterien wieder. Und dann mach ich dir auch gleich den Antrag.
    Er flüsterte: " Schlaf gut, Lilly."
    "Immer weigere ich mich, irgendetwas deswegen
    für wahr zu halten,
    weil Sachverständige es lehren, oder auch,
    weil alle es annehmen.

    Jede Erkenntnis muss ich mir selbst erarbeiten.
    Alles muß ich neu durchdenken, von Grund auf,
    ohne Vorurteile."


    Albert Einstein (1879-1955)

  9. #9
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    Heute schon verhört?

    Dieter war glücklich! Sein Omchen wurde heute 92. Endlich konnte er Hilde die langersehnten Hörgeräte überreichen, doch die verzog das Gesicht, als hätte sie gerade an einer Zitrone gelutscht. Spätestens jetzt wurde deutlich, wer das neue Gehör herbeigesehnt hatte.


    Hilde, das wird dir gefallen.“
    Ich soll nicht so lallen?“
    Widerspenstig stopfte Hilde die Plastikohren in das kleine Täschchen ihrer Kittelschürze. Seitdem musste Dieter die Dinger ständig suchen.


    Einige Tage später.
    Wie gewohnt, besuchte Dieter morgens sein Omchen.
    Hilde, bist du wach?“, rief er bereits beim Öffnen der Haustüre.
    Ach, mien Jung, auch dir 'nen schönen Tach.“ Hilde sprach ziemlich laut und lag noch im Bett.
    Omchen, wir hatten doch vereinbart, dass du sie immer im Flur auf den Tisch legst. Sie liegen aber nicht auf dem Tisch.“
    Ach, ich will doch gar keinen Fisch. Nimm ihn nachher einfach wieder mit.“
    Ich rede nicht von Fisch, sondern von den Hörge-r-ä-t-e-n.“
    Na, sicher doch, ein Fisch hat auch G-r-ä-t-e-n.“
    Dieter musste lachen. Das war ganz und gar seine Hilde!
    Ich glaub' es geht schon wieder los, das darf doch wohl nicht wahr sein“, begann er zu trällern und suchte die Hörgeräte. Zuerst nahm er sich die Wohnstube vor.
    Jungchen, was singst du da? Ich hör dich immer gerne singen.“
    Roland Kaiser, Omchen. Wie immer Roland Kaiser.“ Er zog jede Schublade auf, öffnete jeden Schrank.

    Johann Meiser? Kenn' ich nicht. Den scheinst du gerne zu singen.“
    Das halte ich nicht aus!“ Dieter kicherte.
    Du gehst noch mal aus dem Haus? Jung, vergiss aber nicht den Schlüssel von der Tür abzuziehen.“

    Hildes Enkelsohn stolperte lachend Richtung Schlafzimmer. Im Türrahmen blieb er stehen und holte tief Luft: „Hilde, ich hab dich auch lieb.“
    Na, wenn du das sagst.“
    Hast du mich etwa verstanden?“
    Aber natürlich!“ Hilde drehte sich auf den Rücken, hob den Kopf und sah ihn ohne Gebiss mit einem breiten Lächeln an. „Du sagtest doch, es käme kein Dieb.“
    Dieter grölte. Zum Leid seiner Bauchmuskeln, grölte Hilde auch noch mit!
    Nachdem sich beide wieder beruhigt und gegenseitig die Tränen aus den Augen gewischt hatten, küsste Dieter Hilde auf die Stirn. „Ich suche jetzt weiter nach deinen Zweitohren.“
    Omchen verstand und nickte.



    Dieter kramte die Nachtschränke durch, schaute unter den Sesseln nach, sah unter die Couch, fuhr mit den Fingerspitzen die Polsterspalten entlang, durchstöberte das Bad und alle Küchenwinkel, kroch am Ende sogar auf allen Vieren die Fußböden ab, doch nirgends konnte er die verdammten Ohrstöpsel finden.
    Plötzlich stand Hilde hinter ihm, mit der rechten Hand auf dem Gehstock gestützt: „Was machst du denn da, mien Jung?“
    Er drehte sich um und sah wie ein Hündchen zu ihr hinauf. Fehlte nur noch, dass er mit dem Schwanz wedelte, jedoch besaß er solch einen nicht. „Ich suche deine Ohren.“
    Wie selbstverständlich öffnete Hilde die linke Hand und deutete mit einem Kopfnicken auf die Geräte. Schnell griff Dieter zu, bevor Omchen wieder eine Faust machen konnte.
    Du bist die Beste!“
    Die Letzte?“
    Die Beste!“
    Ich dachte schon.“
    Oder hörst du schon?“
    Beide lachten.

    Künftig schleppte Dieter jeden Abend die mittlerweile für ihn lästigen, kleinen Ohrteile mit nach Hause. Und wenn er morgens wieder zu Hilde kam, setzte er ihr als erstes die Hörhilfen ein.
    Eigentlich sollte diese geniale Erfindung das Leben der beiden erleichtern. Doch es geschah genau das Gegenteil. Schon nach den ersten zwei Wochen fühlte sich Dieters Leben schwer an. Auch Hilde spürte die Veränderung. Die Leichtigkeit schien verloren. Sie lachten nur noch selten miteinander. Dieters Stimmung wurde mit jedem Tag schlechter. Er vermisste seine „alte“, schwerhörige Hilde, ihre schrägen Hörkreationen, mit denen sie so oft seine Welt auf den Kopf gestellt hatte. Deshalb fasste Dieter einen Entschluss. Er nahm sich vor, zu vergessen, wo er die Hörgeräte hingelegt hatte. Jedenfalls wollte er von jetzt an so tun als ob. Tatsächlich aber, vergaß er es irgendwann und war glücklich, dass alles wieder beim Alten war. Zumindest bis zum heutigen Tag.


    Dieter schloss Hildes Wohnungstür auf.
    Huhu, Hilde“, rief er und zog die Jacke aus.
    Omchen verschwand gerade mit langsamen Schritten hinter der Wohnzimmertür. „Warum kommst du so spät?“
    Dieter war verwundert, sie sprach heute sehr leise. Und wie kam sie auf solch einen Unsinn? „Ich mach' doch keine Diät!, entgegnete er und schlenderte hinter Hilde her.
    Ach, mien Jung!“, schüttelte sie den Kopf, „so s-p-ä-t!“
    Ja, ja, es ist schon spät.“
    Hilde lachte. „Bist du heute auf den Kopf gefallen?“
    Nein, wieso? Sollte ich?“
    Omchen bekam ihren Kuss auf die Stirn, dann ging Dieter in die Küche und kochte Tee. „Was hältst du davon, wenn wir Tante Lisbeth kommendes Wochenende zum Kaffee einladen?“ In jedes Glas rührte er einen Teelöffel Zucker ein.

    Was schreist' denn heute so? Das ist ja schrecklich.“ Hilde drückte mit den Fingern leicht gegen ihre Hörmuscheln.
    Was ist mit dem Klo schrecklich? Omchen, du musst mal etwas lauter reden.“
    Hilde feixte.
    Was lachst du denn ?“ Dieter stellte die Teegläser auf den Tisch und setzte sich Omchen gegenüber in den Sessel.
    Na, weil du sagtest Klo!“
    Ach, so. Ja, ja, ich schau nachher nach dem Klo. Lass uns erst einmal den Tee trinken.“
    Hildes Brustkorb begann zu wippen. Ihr ganzer Körper wollte mitlachen . Glucksende Geräusche sprudelten wie Seifenblasen aus ihrem Mund, während die Zahnprothese dabei immer wieder nach vorn rutschte. Dieter hob abwehrend die Hände. Er wusste zwar nicht, was heute mit seinem Omchen los war, jedoch aus ihm unerfindlichen Gründen, war sie mächtig aufgedreht.

    Nach dem Tee ging Dieter ins Bad und prüfte das WC. „Hilde, hier ist nichts. Es ist alles in Ordnung mit dem Klo.“
    Jung, du brauchst wohl meine Hörgeräte.“
    Was musste sie heute nur so nuscheln? „Ah, deine Hörgeräte!“ Hatte sie die Dinger etwa gefunden? Wo hatte er sie überhaupt zuletzt hingelegt?
    Dieter öffnete den Toilettendeckel, konnte allerdings nichts entdecken. Vorsichtshalber betätigte er sofort die Spülung und grinste. Zufrieden schlenderte er ins Wohnzimmer zurück.
    Also, das mit den Hörmuscheln tut mir ja leid, Omchen. Ich muss sie wohl aus Versehen hinuntergespült haben.“
    Hilde bekam Schluckauf. Mit zittrigen Fingern nahm sie die Plastikteile aus dem Ohr und legte sie auf den Tisch.
    Ich wollte sie einmal ausprobieren.“
    Dieter machte große Augen und wurde rot. Deshalb sprach sie also so leise!
    Du brauchst dich nicht zu schämen, Dieter. Eigentlich hast du ja recht, es ist gar nicht schlimm, schwerhörig zu sein. Wenn du magst, kannst du sie wieder haben. Ich schenke sie dir.“ Hilde schob die leidigen Stöpsel noch etwas weiter zu Dieter rüber.
    Ähm, wo kommen die auf einmal her?“
    Oh, als wir vor einiger Zeit mit Tante Lisbeth in deiner Wohnung waren, da habe ich sie in deinem Bad gefunden. Zuerst war ich etwas irritiert.“
    Hilde räusperte sich. „Ich kann ja verstehen, mien Jung, dass dir das unangenehm ist und du darüber nicht so gern sprechen möchtest.“ Sie tätschelte Dieters Handrücken.
    Dieter prustete im hohen Bogen Tee über den Tisch. Hatte er sich gerade verhört, oder dachte Hilde, er wäre schwerhörig?
    Es war wohl an der Zeit, das Missverständnis aus dem Weg zu räumen. Stattdessen aber nahm Dieter die Hörgeräte wieder an sich und meinte: „Danke, Omchen, für dein Verständnis. Doch das bleibt unser Geheimnis!“
    Na, sicher doch, mien Jung. Ich hab' nichts gehört.“


    (2013)
    Geändert von zottel (25.07.2013 um 14:13 Uhr)
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  10. #10
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    Entscheidung



    Alles war so wie vereinbart: Nur ein Treffen, ein Abendessen zu zweit, ganz zwanglos. Danach trafen sie eine neue Vereinbarung, schon gleich für den nächsten Tag.


    Eine ganze Weile lagen sie bereits nebeneinander. Von hier oben aus konnten sie auf die Lichter der Stadt blicken.
    „Jens?“
    „Ja?“
    „Hast du auch die Sternschnuppe gerade gesehen?“
    „Welche meinst du? Die dort? Oder die da drüben jetzt? Es wimmelt heute doch nur so von ihnen.“ Lange sah er Nina an, pustete gegen ihren Pony und beobachtete einzelne Haare, die sich unter seinem Atem aufbäumten. „Dreh dich um!“, flüsterte er. Der Griff in Ninas Nacken war keine Bitte. „Riechst du das?“, fragte er.
    „Ja.“
    „Was riechst du?“ Er presste Ninas Kopf auf den Boden, nicht hart, nur bestimmt. Ihre Wange berührte den Untergrund.
    „Ich rieche Gras.“ Nina war etwas verwirrt. Schnell wünschte sie sich etwas für die Sternschnuppe, die er ihr vorhin gezeigt hatte.
    „Und ...?“
    „... Erde.“
    Er ließ sie los. Eigentlich könnte sich Nina ja noch etwas wünschen, denn es wimmelte doch heute nur so vor Sternschnuppen. Verträumt fuhr die junge Frau mit den Fingern über einige Grashalme.
    „Nicht“, sagte er. „Bleib still.“
    Es verging eine Zeit, und noch eine, und die nächste dauerte noch länger. Nina wagte nicht, das, was ihr wie eine Ewigkeit vorkam, mit Fragen zu zerreißen. Sie mochte keine bunten Seifenblasen, die schnell platzten.
    „Was riechst du noch?“, wollte er wissen.
    „Ich rieche meinen Atem.“
    Ganz ruhig lag sie neben ihm. Mit der Hand fuhr Jens über ihren Hintern. Es war nur ein Streicheln und doch begann Nina ein wenig zu frieren. Vielleicht aber auch nur, weil sie nackt war. Ein leichter Sommerwind wehte wie dünne Seide über Ninas Körper. Und schon im nächsten Moment zog Jens ihren Unterleib über seine Oberschenkel.
    „Wonach riecht dein Atem?“
    Nina schloss die Augen. Erde rieselte auf sie hinab. „Nach Orange.“ Ihre Stimme war leiser geworden. Bestimmt flog irgendwo da draußen, weit über sie, gerade wieder ein Sternschweif durch die Nacht. Weiter dachte sie nicht. Sie fühlte nur noch Fingerspitzen, die sich über ihren Po tasteten.
    „Sag, was riechst du?“
    Nina zitterte. „Angst“, antwortete sie, während Jens eine handvoll Erde über ihren Po verrieb.
    „Und Lust.“
    Jens Erregung drängte sich durch den Stoff der Hose gegen Ninas Unterleib.
    „Begierde?“, fragte er heiser.
    „Hilflosigkeit.“
    „Neugier?“
    „Bereitschaft“. Ninas Atem begann mit Jens Hand um die Wette zu laufen.
    „Durst?“
    „Zwiespalt.“ Sie weinte.
    „Mehr?“, wollte Jens wissen. „Oder lieber doch nicht?“
    „Doch, ja … Nein, bitte nicht!“
    „Wie du willst“, meinte er und dennoch zog er die Hand nicht zurück. Das Spiel ging weiter.
    „Sehnsucht?“
    „Vertrauen wollen“, hechelte Nina.
    „Einssein?“
    „Dasein.“
    „Macht?“
    „Ohnmacht.“
    Jens drehte Nina auf den Rücken, beugte sich zu ihr herunter und biss sanft in ihre Schulter. Nina krallte die Finger ins Gras. Der Sternenhimmel drehte sich. Wie kleine Geschenke purzelten all die Sternchen auf Nina hinunter und zersplitterten auf ihrer Haut.
    „Sternschnuppen!“, schrie sie erschöpft.
    Abrupt hielt er inne: „Sternschnuppen?“ Er lächelte, griff in Ninas Haarschopf, zog sie zu sich hoch und drückte sie eng an sich. Wie ein Baby schlüpfte sie in seine Arme und weinte leise.
    „Ja, fühl' doch. Sie alle liegen auf mir.“ Nina führte seine Hand vom Hals hinunter zwischen den Brüsten entlang bis zu ihrem Bauchnabel.
    „So soll es bleiben“, entschied er.
    „Ja, bitte, bleib.“
    „Irreal?“
    „Ja, unwirklich.“
    „Ein Märchen“, sagte Jens und drückte Nina fester an sich.
    „Ich liebe Märchen.“

    (2013)
    Geändert von zottel (10.09.2013 um 13:08 Uhr)
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