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Thema: rationalgalerie.de - Uli Gellermann

  1. #111
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    Demokratur pur



    DEMOKRATUR PUR

    Freiheit ist geheim, Daten sind transparent


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    DEMOKRATUR PUR

    Freiheit ist geheim, Daten sind transparent

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 17. Februar 2014

    Seid umschlungen - Milli-o-nen, heißt es an einer gewagten Stellen in Schillers Ode an die Freude, die, von Beethoven vertont, zur Hymne der Europäischen Union geworden ist. Zwar darf man sicher sein, dass Schiller, in einer geschwisterlichen Gefühlsaufwallung Millionen Menschen meinte, die zu Brüdern werden sollten. Aber wer die konkrete EU betrachtet, von ihrer Entstehung als Wirtschaftsgemeinschaft (Montanunion, EWG) bis zur heutigen Währungsunion, der weiß: Es geht um Geld, Finanzen, Billionen. Irgendwann, nach der Finanzkrise von 2008, schworen die diversen Staatenlenker, dass die Finanzgeschäfte transparenter werden würden. Statt dessen wird seit geraumer Zeit ein Freihandelsabkommen der EU mit den USA geheim verhandelt. Der Handel soll frei sein. Über andere Freiheiten aber mag die EU nicht nachdenken.


    Gerade erst tagte der Innenausschuss des Europäischen Parlamentes zur NSA-Spionage-Affäre. Wer nun gedacht hätte, dass die EU die einseitige Transparenz - die britischen und der US-amerikanischen Geheimdienste wissen so ziemlich alles, ihre treuen Verbündeten aber zwischen wenig und nichts - zugunsten der europäischen Privatsphären verändern würde, sah sich getäuscht: "Zutiefst erschüttert" sei das Vertrauen zwischen den Partnern, orgelte der Ausschuss seine Empörung in die laue Luft über Brüssel. Aber zu einer Maßnahme, die den Geheimdiensten wirklich weh getan hätte, dem verdienstvollen Edward Snowden Asyl und Schutz anzubieten, dazu konnten sich die Mehrheitsfraktionen nicht durchringen.


    Der CDU-Abgeordnete Axel Voss, dessen Kompetenz in Lautsprecherei durch die Mitgliedschaft in drei (!) Bonner Karnevalsvereinen nachgewiesen ist, warf den LINKEN und GRÜNEN im EU-Parlament, die für das Snowden-Asyl plädierten, "Personenkult" vor. Dauernder karnevalitscher Klatschmarsch kann blöd machen. Die Sozialdemokratin Birgit Sippel, Mitglied des Deutschen Alpenvereins, versteigt sich sogar zu einer interessanten These: Da sie "bei uns keine Mehrheit für den Schutzantrag", sähe, "reicht es nicht." Dann stimmen die europäischen Sozialisten lieber gar nicht erst für den aussichtslosen Antrag. Das ist der Gipfel eines devoten Pragmatismus: Wenn es eine Mehrheit für undemokratische Feigheit gibt, dann wollen wir uns nicht ausschließen.

    "Überm Sternenzelt", textete Schiller in seiner Ode weiter, "muss ein lieber Vater wohnen." Welch eine letztlich trübe Vorahnung muss den Dichter beherrscht haben: Über den goldenen Sternen der EU-Flagge wohnt tatsächlich der godfather, der Pate aus den USA, dessen Demokratieverständnis schon im eigenen Land nur schwach entwickelt ist und dessen Bereitschaft, die Demokratievorstellungen anderer Länder zu berücksichtigen nicht einmal bis zu den Handys deutscher Kanzler reicht. "In Vielfalt geeint", so lautet das Motto der Europäischen Union. Tatsächlich sollte es in "In Einfalt vervielfältigt" heißen. Geben doch die vielen in der EU versammelten Nationen ihre Souveränität zugunsten einer servilen Pro-US-Haltung auf: Bitte sehr, bitte gleich sagt das EU-Parlament. Gekocht wird in den USA und die Kellner im EU-Parlament servieren ihren Bürgern eine üble Suppe aus amerikanischem Lobbyismus gewürzt mit NSA-Kraut. Am 25. Mai, dem Tag der EU-Wahlen, kann man in diese Suppe spucken.


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    VG.
    Geändert von zwirni (03.03.2014 um 12:01 Uhr)

  2. #112
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    BERLINALE: Von trutzig zu putzig



    BERLINALE: Von trutzig zu putzig

    Ein Festival des unteren Mittelmasses

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    BERLINALE: Von trutzig zu putzig

    Ein Festival des unteren Mittelmasses

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 17. Februar 2014


    Filmfest-Jurys sind selten gescheit. Warum sollte es bei der diesjährigen Berlinale anders sein. Den Goldenen Bären bekam ein besonders schlechter Slapstick-Krimi aus China: "Black Coal, Thin Ice" von Diao Yinan. Alle paar Minuten wurde irgendjemand umgelegt, sorgfältig verpackte Leichenteile fuhren durch die Volksrepublik, lebendige Körper wurden mit Schlittschuhen zerhackt und schuldig war ein beschädigter Mantel. Wer diesen konfusen, unsinnigen Film mit einem Goldbären belohnte, der musste zwanghaft dem katatonisch dort durch die Kulissen stolpernden degradierten Kommissar, gespielt von Liao Fan, zu einem Silbernen Bären verhelfen.


    Es konnte bei dieser umnachteten Art Filme auszuzeichnen nicht ausbleiben, dass ein Kammerspiel im Bühnenbild eines Jahrmarkt-Theaters den Preis für einen Spielfilm erhielt "der neue Perspektiven eröffnet". Endlich, so wird sich die Jury gedacht haben, wurde dem 92 Jahre alten Regisseur des Films "Aimer, boire et chanter", Alain Resnais, mal eine neue Perspektive eröffnet. Da erscheint es nur logisch, dass die Jury den durchaus heiteren Unsinn des Films "The Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson mit dem Großen Preis der Jury bedachte: Nie wurde eine Burleske vor dem Hintergrund des aufkommenden Faschismus lustiger choreographiert. Auch die Nazis waren komisch, geradezu zum Verlieben skurril.


    Richard Linklater, der Regisseur von "Boyhood" hätte unter diesen Bedingungen eigentlich seinen Silbernen Bären für die Beste Regie nicht annehmen dürfen. Die Nachbarschaft zu vielen anderen prämierten Filmen ist durchaus rufschädigend für ein Werk, das in zwölf Jahren harter, geduldiger und kluger Arbeit entstanden ist und mit dem Portrait eines in den USA aufwachsenden Jungen (Ellar Coltrane) den ultimativen Familienfilm geschaffen hat. Mitten in den Vereinigten Staaten der Konkurrenz, der Marktfixiertheit und hohler Phrasen gelang dem Regisseur ein warmherziger Entwicklungsroman, der, selten genug, von den Filmjournalisten und dem Publikum einhellig gelobt wurde.


    Vor einem ähnlichen Problem standen Anna und Dietrich Brüggemann, die für "Kreuzweg" einen Silbernen Bären mit nach Hause nehmen durften. Gelang ihnen doch ein eindrucksvolles Bild katholischen Sekten-Unwesens, das, mitten in Deutschland, dem Zerrbild des fanatischen Islam entsprach und dessen Opfertod eines Mädchens zur Anklage gegen religiöse Verbohrtheit geriet. Die Brüggemanns kamen der Jury wegen nicht nur in schlechte Gesellschaft, sie wurden auch zum Alibi dafür, dass einer der wenigen großartigen Filme des Festivals "Macondo" nicht ausgezeichnet wurde. Mit dieser Arbeit schuf die Regisseurin Sudabeh Mortezai, geboren in Ludwigsburg (BRD), aufgewachsen in Teheran und Wien, ein dichtes, ungemein freundliches Portrait einer kleinen tschetschenischen Gemeinde in einer Flüchtlingssiedlung am Rande von Wien. Der Realismus der Regisseurin besteht in der großen Kunst jener Mikro-Beobachtung, die Aufschlüsse auf die Makro-Verhältnisse des globalen Flüchtlingselends gibt und die Entwurzelten nicht nur als Opfer zeichnet.


    Man ist fast geneigt die Jury zu entschuldigen wenn man sich die diesjährige Auswahl des Berlinale-Wettbewerbs anschaut. Da gab es mit "Aloft" das esoterische Stück einer langen Wanderung zu einer Heilerin, bei dem ein mystischer Falke durch Schnee und Eis geschleppt wurde. Mit "The Monument Men" durften George Clooney, Matt Damon, Bill Murray und Cate Blanchett gegen Ende des 2. Weltkrieges einen patriotisch inszenierten Klamauk zeigen. Lars von Trier spekulierte mit "Nymphomaniac" auf den Marketing-Effekt, der in mechanisch wiederholtem Beischlaf stecken kann: Huch, wie sündig. Mit einem Bundeswehr-Verteidigungsfilm gelang es Feo Aladag die wirkliche Lage in Afghanistan zu vernebeln. Der chinesische Regisseur von "No Man´s Land" wird mit seiner Erfindung des Martial-Arts-Car-Film nicht nur den Rekord in Car-Crash-Acts überbieten, er wird auch einen schnellen Weg zu den infantilen Nutzern der Spielkonsolen von Nintendo und Sony finden: Selten wurde der gewaltsame Tod schneller, brutaler und vielfältiger präsentiert als in diesem chinesischen Zitate-Film.


    War die Film-Ausbeute dieses Jahres besonders schlecht? Haben die Festivals in Cannes und Venedig der Berlinale die besten Filme schon weggeschnappt? Oder ist es eher so, dass die Berlinale allen alles bietet statt auf Qualität zu orientieren? Mit gezählten 14 Rubriken wartet das Festival auf, darunter auch dem "Kulinarischen Kino", das der Berlinale-Chef und Vegetarier Dieter Kosslick zu Recht als seine Erfindung betrachtet. In dieser Reihe wurde auch ein Kino-Drama um Cesar Chavez versteckt, ein bestechender Film über den Mann, der die mexikanischen Saisonarbeiter in Kalifornien in Streik und Kampf für bessere Lebensbedingungen und gegen Rassismus führte. Diese Weltpremiere von Diego Luna hatte fraglos mehr Gehalt und Qualität als die Mehrheit der Filme im Wettbewerb.


    Dieter Kosslick, der seit 2001 die Berlinale leitet, darf seit seiner Vertragsverlängerung seinen Geschmack bis ins Jahr 2016 ausleben. Ihm, dem freundlichen Entertainer, ist ein schöner Ruhestand zu gönnen. Bald. Möglichst. Doch von seiner Chefin, der neuen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur, Monika Grütters, ist Besserung nicht zu erwarten. Die ehemalige Mitarbeiterin der skandalösen Berliner Bankgesellschaft wußte in ihrer Einfalt zur Eröffnung der Berlinale zu sagen, dass Filme wie "The Grand Budapest Hotel" und "Monuments Men" nahe an die Brüche des 20. Jahrhunderts führten. Ein CDU-Parteibuch mag auf gut dotierte Posten führen, gute Kenntnisse müssen damit nicht verbunden sein.


    Die Berlinale wurde 1951 vom US-Filmoffizier Oscar Martay wie ein trutziges Statement im Kalten Krieg als "Schaufenster der freien Welt" erfunden. Jetzt ist sie, mit eben solchen von Kosslick und Grütters herausgehobenen Filmen wie "The Grand Budapest Hotel" und "Monuments Men" ins Stadium des Putzigen eingetreten.


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    VG.

  3. #113
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    Ukraine nähert sich der NATO


    Ukraine nähert sich der NATO

    Die EU hat ein neues Entwicklungsprojekt

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    Ukraine nähert sich der NATO

    Die EU hat ein neues Entwicklungsprojekt

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 25. Februar 2014


    Unmittelbar nach dem Machtwechsel in der Ukraine gab es zwei wesentliche Weichenstellungen: Die eine liegt in jener Äußerung des deutschen Außenministers, der das Auftauchen von Julia Timoschenko auf dem Maidan damit kommentierte, dass sie eine "große Verantwortung für die Zukunft ihres Landes" trage. Timoschenko, die sich nicht in das Rennen zur Wahl des Ministerpräsidenten begab sondern sich für die ukrainischen Präsidentschaftswahlen aufspart, hat so den offiziellen Segen der EU bekommen: Mach mal, Julia. Eine zweite Weiche stellte das Parlament. Es schaffte die Zweisprachigkeit - Ukrainisch und Russisch - in jenen Gegenden ab, in denen bisher die alte Janukowitsch-Regelung galt, wonach in einer Region, in der mindestens zehn Prozent der Bevölkerung eine andere Muttersprache habe, diese den Status einer regionalen offiziellen Sprache bekommt. Also weg mit Russisch als zweiter Amtssprache.


    Es gibt viele Zahlen darüber, wie viele Ukrainer primär Russisch oder Ukrainisch sprechen, sie alle pendeln so um die 50 Prozent für die jeweilige Sprache. Ein zarter Hinweis auf die wirkliche Wirklichkeit gibt die Lage auf dem Zeitungsmarkt: Die auflagestärkste Zeitung "Fakty i kommentarii" (1,1 Millionen) erscheint in Russisch. Die beiden nächstgrösseren (700.000 und 500.000 Auflage) erscheinen ebenfalls in Russisch. Mit der Entscheidung des Parlamentes ist der Sprachenkonflikt, der natürlich ein politischer Streit und ein Moment der Unterdrückung ist, vorprogrammiert. Angenehm unideologisch verhält sich bisher die große Mehrheit der Ukrainer, die im Alltag einfach "Surschyk" spricht, eine Mischung aus Ukrainisch und Russisch.


    Unangenehm ideologisch sind die neuen Kandidaturen für das Amt des Ministerpräsidenten zu werten. Mit Petro Poroschenko ist einer der alten Oligarchen auf den Stimmzettel zurückgekehrt. Er ist nicht nur einer der reichsten Männer der Ukraine sondern auch ein braver Besucher der "Münchner Sicherheitskonferenz", jenem privaten NATO-Gremium, das Jahr für Jahr das atlantische Bündnis preist. Dass Poroschenko seine politische Basis im Westen der Ukraine hat, dort wo die Statuen des ukrainischen Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera viele Plätze zieren, versteht sich. Auch der zweite Kandidat, Arsenij Jazenjuk, kommt aus dem Westen des Landes, ist aber eine junge, postsowjetische Figur des ukrainischen Neoliberalismus. Jazenjuk, der zeitweilig stellvertretender Vorstandsvorsitzender der zweitgrössten ukrainischen Bank (in österreichischem Besitz) war, wurde landesweit so richtig bekannt, als er 2008 gemeinsam mit Julia Timoschenko einen Brief an die NATO unterschrieben hatte, in dem um den Beitritt der Ukraine gebettelt wurde. Die wirkliche Wahl heißt also: Timoschenko oder Timoschenko. Die Spaltung des Landes in einen eher russisch orientierten Osten und einen eher Ukrainisch sprechenden Westen ist vorbereitet.


    Keine Spaltung des Landes will zum Beispiel die Obama-Beraterin Susan Rice. Ihr Statement steht für viele Politiker-Stellungnahmen aus dem Westen. So freundlich sich das anhört, so sicher ist es, dass der Westen, wenn er schon die Ukraine übernehmen möchte, den industriellen Osten, dort wo Kohle- und Stahlarbeiter das bisschen Reichtum erwirtschaften, mitschlucken möchte. Denn irgendwie muss der IWF seine Kredite an die Ukraine doch zurückbekommen. Der Währungsfonds hatte mit seiner Schocktherapie von 1992 bis 1995 einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 60 % ausgelöst, von dem sich das Land bis heute nicht erholt hat. Gefährdet sind auch jene 6,4 Milliarden Dollar ukrainischer Staatsanleihen, die von der US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton gehalten werden. Wer sich vor Augen hält, dass Templeton 707 Milliarden US-Dollar schwer ist - zum Vergleich der ukrainische Staatshaushalt, der mal gerade 41 Milliarden Dollar ausmacht - der kann sich vorstellen wo die Loyalitäten von Frau Rice liegen. Man will die industriellen Pfänder im Osten nicht in einer Spaltung verlieren.


    "Die EU hat auf dem Maidan ein gewaltiges Entwicklungsprojekt geerbt", schreibt der Mentor der Münchner Sicherheitskonferenz, Stefan Kornelius, in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG und gibt so den Kurs an: Zwar ist der ukrainische Bär noch nicht so ganz erlegt, aber sein Fell wird schon mal in ein Entwicklungsprojekt der EU überführt. Für jene Kiewer, die sich mit ihrem Protest auf dem Maidan einfach nur eine andere, bessere Ukraine versprochen haben, wird die Rolle als Beute ein schmerzhaftes Erwachen bedeuten. Wer EU-Erbstücke wie Rumänien oder Bulgarien kennt, der weiß das.


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  4. #114
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    JOACHIM KÄPPNER



    JOACHIM KÄPPNER

    Der Schreibtisch-Faschist

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    JOACHIM KÄPPNER

    Der Schreibtisch-Faschist

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 27. Februar 2014


    Er sieht irgendwie nett aus, der Ressortleiter bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Joachim Käppner. Ein rundliches Gesicht, ein vages, durchaus sympathisches Lächeln, nicht mehr so viel Haare, eher ein deutscher Durchschnittsmann. Käppner ist im gemütlichen Bonn geboren, hat im beschaulichen Bonn studiert und wenn er keinen Hund hat, dann hat er eben eine Katze. Seine journalistischen Lebensstationen lesen sich wie aus dem Who-is-Who der gut bürgerlichen deutschen Blätter: Vom Bonner Generalanzeiger über das ZEIT-Magazin und das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt bis eben zur SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. So einer kann kein Faschist sein.


    Denn ein Faschist, der überfällt doch kaltblütig anderer Leute Länder. Der hält sich und seine Rasse anderen Leuten gegenüber für überlegen, der liebt den Krieg und den Überfall, dem sind Tote scheißegal, der findet Gewalt geil, der wichst auf Bilder von Soldaten, die gerade einen Bauch aufschlitzen. Der gehorcht auf´s Wort wenn sein Chef sagt "sitz!" und wenn er selbst treten kann, dann tritt er. Kräftig in den Arsch. Diesem oder jenem Bimbo. Obwohl der moderne Faschist politisch viel zu korrekt ist, um so ein Wort in den lächelnden Mund zu nehmen. Also, der Joachim Käppner, der kann doch nie im Leben ein Faschist sein. Oder?


    Jüngst philosophierte Käppner - unter Philosophie tut es der gewöhnliche Ressortleiter nicht mehr - in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG über die "Zukunft des Krieges". Denn, da ist sich der Mann mit dem Lächeln sicher, der Krieg hat Perspektive. Und so ein wenig Speichel tropft ihm schon aus dem Mund, wenn er beschreibt, wie die Taliban bei Kunduz aus den Dörfern gedrängt wurden: "US-Spezialkommandos suchten nachts nach Taliban-Führern, starke Bodentruppen sicherten das Erreichte durch ein Netz neuer Stützpunkte". Ein "asymetrischer Krieg" schreibt der tapfere Mann, nur von seinem Schreibtisch geschützt, kann nur "mit boots on the ground . . . erfolgreich geführt werden". Hah, wenn er nur abkömmlich wäre in seiner Redaktion, er wurde seine Stiefel aber auf diesen oder jenen Boden stellen und den Kanaken in den diversen Ausländern mal zeigen was eine deutsche Harke ist.


    Und er macht sich Sorgen, der SZ-Schreiber, sogar über die Drohnenkampagne der USA. Nicht, dass er sie für mörderisch, hinterhältig und irregulär hielte. Nein, sie sei ein "Beispiel für allzu viel Technikgläubigkeit". Zwar merkt er schon an, dass die Drohne auch das Leben Unbeteiligter kosten kann. Die seien dann eben "Opfer einer Technologie, die nur so gut sein kann wie die militärische Strategie, der sie dient." Man muss den neuen Mörder-Sprech übersetzen: Gäbe es präzisere Drohnen, wäre auch der Krieg besser. Und weil unser besorgter Stratege militärisch mitdenkt, will er die "Bevölkerung gewinnen". Dafür seien "Bodentruppen notwendig, und besser nicht zu wenige." Merkt er es? Merkt er, dass ihm der Krieg in anderer Leute Länder völlig selbstverständlich erscheint? Falls er es merkt, ist es ihm scheißegal, eben so, wie ein Faschist beschaffen ist.


    Und weil er dem gewöhnlichen Faschisten auch in seiner Kriegspropaganda ähnlich sein will, lügt er frech, um vor seinen Lesern den Krieg zu rechtfertigen: "Nach 9/11 ist die NATO ja nicht aus Abenteuerlust an den Hindukusch gezogen, sondern weil die al Qaida dort ihre Terrorbasis errichtet hatte." Die 9/11-Täter kamen nicht aus Afghanistan, zumeist waren es Saudis. Osama bin Laden war im Land der Taliban isoliert und die USA verhandelten bis fünf Tage vor dem NATO-Überfall auf Afghanistan mit ihren alten Taliban-Freunden aus dem Krieg gegen die Sowjetunion über die Auslieferung bin Ladens. Sie hatten nur nicht genug Geduld oder wollten keine Geduld haben.


    Der nette Joachim Käppner hat in seinem Lebenslauf zwei Stationen, die widersprüchlich erscheinen: Im Jahr 1984 studierte er ein Sommersemester lang an der Hebräischen Universität in Jerusalem und hatte im selben Jahr ein Praktikum bei der FINANCIAL MAIL im südafrikanischen Johannesburg. Wie kommt ein damals 23-jähriger auf die Idee ein Praktikum im Südafrika der Apartheid, der Folter, des täglichen Terrors zu machen? Wo er doch im allgemein als demokratisch geltenden Israel ein Semester lang studieren konnte. Wusste er von den guten Beziehungen Israels zur afrikanischen Diktatur? Liebäugelte er mit ihr?


    Käppner ist natürlich inzwischen nichts anderes als ein Beispiel von vielen. In einem Land, in dem der Mehrheits-Journalismus einem Kanzler sein mangelndes "Engagement" im Irak-Krieg übelnimmt, in einem Land, in dem die Medien den Libyen-Krieg herbeischreiben und einen Dichter schriftlich lynchen, der vor einem Krieg warnt, ist Käppner wohlgelitten. Auch der kräftige mediale und politische Beifall für diesen oder jenen Bürgerkrieg kann den Mann nur in seiner festen Haltung unterstützen. Vielleicht bewirbt er sich mit solchen Kommentaren um einen Chefredakteursposten. Vielleicht will er unbedingt Redenschreiber bei Gauck oder von der Leyen werden. Vielleicht merkt er in seiner Gewöhnlichkeit gar nicht mehr, dass er faschistisches Gedankengut verbreitet.


    Mehr Schmöcke gibt es hier:

    http://www.amazon.de/Der-Schmock-Das.../dp/3844276165



    Quelle

    VG.

  5. #115
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    Die ARD fälscht den Trend



    Die ARD fälscht den Trend

    Die Deutschen müssen kriegsreif gequatscht werden

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    Die ARD fälscht den Trend

    Die Deutschen müssen kriegsreif gequatscht werden

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 03. März 2014


    Letzte Woche gab es mal wieder den monatlichen ARD-Deutschland-Trend, jene Umfrage, die in Deutschland Themen setzt und Meinung macht. Denn genau das ist die "Arbeitsgemeinschaft Rundfunkanstalten in Deutschland:Rundfunk Anstalten. Eine Macht. Sie verfügt über 11 TV-Anstalten, 55 Radios, erreichen zum Beispiel mit der "Tagesschau" einen Marktanteil von über 30 Prozent und verfügen über ein Geschäftsvolumen von 6,3 Milliarden Euro jährlich. Glaubt man dem Rundfunkstaatsvertrag, dann sind sie "Unparteilich". Im vorigen Monat hatte die neue Kriegsministerin gefordert: "Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen". Und meinte Afrika, und meinte Militär. Damals fragte die ARD den Deutschlandtrend ab: Da waren noch glatte 61 Prozent der Befragten gegen Frau von der Leyen. Nur 30 Prozent dafür. Eine stabile Mehrheit gegen Auslandseinsätze, wie seit Jahren in fast allen Umfragen. Der neueste Trend ist scheinbar umgekehrt: Irre 74 Prozent sind nun für "Mehr deutsche Verantwortung bei internationalen Krisen". Schäbige 23 Prozent sind nur noch dagegen.


    Was mag sich in diesem einem Monat bei den Deutschen geändert haben? Nichts. Außer der Frage-Technik bei der ARD. Zuerst fällt auf, dass die Antworten zusammen fast die 100 Prozent ergeben. Das gibt es natürlich nie im wirklichen Leben. Und wie stellt die ARD das her? Die übliche dritte Frage, die für die Nichtwisser, für Unentschlossen, fällt weg. Und natürlich fragt man vornehm nach "deutscher Verantwortung". Was das ist, das hatte Frau von der Leyen zwar gerade erklärt, aber so lange kann der normale Zuschauer wirklich nichts behalten. Aber eine weitere Frage im Trend-Theater führt auf die Spur: Soll sich die EU an Finanzhilfen für die Ukraine beteiligen? Da sagen Ja: 62 Prozent und Nein: 33 Prozent. Hätte die ARD ehrlich gefragt: Soll der deutsche Steuerzahler finanziell in die Ukraine investieren? Und: Sollen wir einen Krieg mit Russland riskieren? da hätten die Nein-Werte gut über 90 Prozent gelegen. Aber so viel brutale Ehrlichkeit verträgt der Trend nicht. Da ist die Anstalt zart besaitet. - Die ARD weiß zur Zeit viel von einer "russischen Besetzung der Krim" zu erzählen. Dass es sich bisher nur um Territorien handelt, die in einem noch fast 25 Jahre gültigen Stationierungsvertrag zwischen der Ukraine und Russland festgelegt wurden, ist nicht mal am Rande zu finden. Die Deutschen können den Russen eben nicht verzeihen, 27 Millionen Sowjetbürger umgebracht zu haben, darunter 7 Millionen Zivilisten.


    Was hat sich im Verlauf eines Monats, von der einen zur anderen Umfrage geändert? Zum einen hatte die ARD tagelang Bilder aus der Ukraine geliefert, die nur eine Seite des Konflikts zeigten: Die bösen Russlandfreunde einerseits und die guten Timoschenko-Freunde auf der anderen Seite. Zwischentöne waren nicht erwünscht. Grassierender Antisemitismus bei den "Freiheitskämpfern" und faschistische Schlägergarden gab es zwar, aber die Deutschen sollten sie besser nicht sehen. Zum anderen hatte Gauck, der Hochtöner im falschen Amt, in einer Blut-Rede in München klargemacht, dass die Deutschen schon für Kriege reif sein müssen: "Manchmal kann auch der Einsatz von Soldaten erforderlich sein. Eines haben wir gerade in Afghanistan gelernt: Der Einsatz der Bundeswehr war notwendig." Wie bitte? Nach rund 12 Jahren Krieg dessen einziger "Erfolg" in 100.000 toten Afghanen bestand? Der Mann gehört weggesperrt. Auch für diesen Satz: "Ich muss wohl sehen, dass es bei uns - neben aufrichtigen Pazifisten - jene gibt, die Deutschlands historische Schuld benutzen, um dahinter Weltabgewandtheit oder Bequemlichkeit zu verstecken". Wer keine verfassungswidrigen Auslands-Einsätze will, der ist von der Welt abgewandt. Wer Fetzen von Fleisch nach Drohneneinsätze nicht schätzt, der ist bequem. Wer friedliche Vernunft fordert, der versteckt sich nur.


    Einer von denen, die nach Gauck einfach zu bequem sind ihren Arsch für den Rohstoffhunger und die Herrschaftsansprüche der USA zu riskieren, war früher schon mal in Afghanistan. Im Kampf gegen die Sowjetunion, auf der Seite der Afghanen: Jürgen Todenhöfer. Fast 20 Jahre für die CDU im Bundestag, rund 10 Jahre in der Leitung des Burda-Konzerns. Nach bundesrepublikanischen Maßstäben ein seriöser Mann. Der schreibt dem Gauck einen offenen Brief zu seiner Brandstifter-Rede. Der fragt den Bundespräsidenten-Darsteller, ob er denn weiß wovon er redet. Der empfiehlt ihm, doch mal in den Krankenhäusern Pakistans, Somalias oder des Yemen die unschuldigen Opfer amerikanischer Drohnenangriffe zu besuchen. Dieser Brief war in kaum einem wichtigen Medium zu lesen oder zu hören. Der ist wahrscheinlich zu seriös, denn der kennt das Land und die Leute über die der Herr Redakteur sich in sicherem Abstand äußert. In das die Frau Redakteurin nie ihren Sohn schicken würde. Vom zweisprachigen Gymnasium nach Afghanistan? Aber ich bitte Sie?!


    Öffentlich geächtet auch Willy Wimmer. Der war von 1976 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Und von April 1985 bis Dezember 1988 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verteidigungspolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Der versteht was vom Krieg, sollte man meinen. Aber Wimmer hat den schweren Fehler begangen sich damals gegen den Fischer-Scharping-Krieg in Jugoslawien zu wenden. Seit der Zeit gilt er, im Gegensatz zu den vorgeblichen Antikriegs-Spinnern von der LINKEN, eben als konservativer Spinner. Der auch aussenpolitisch erfahrene Wimmer, immerhin war er sechs Jahre lang Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, hat jüngst ein längeres Interview zur Lage in der Ukraine und der US-Strategie "den Krieg nach Europa zurück zu bringen" gegeben. Konnte man es in der FAZ oder der ZEIT oder dem SPIEGEL lesen, im ERSTEN oder im ZDF sehen? Nein, der Mann war im deutschsprachigen Iranischen Radio zu hören. Also unter Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit.


    Wir sind dem Vernehmen nach ein freies Land mit freien Medien. Und natürlich erscheinen andere Stimmen als die der Regierung auch immer irgendwo. Dass Jürgen Todenhöfer auf den NACHDENKSEITEN im Netz zu lesen war, ist dann die totale Freiheit. In Zeiten einer überwältigend großen Koalition, in Zeiten, wo die Opposition täglich gründlich über den Tisch gezogen wird, hätten die vorgeblich freien Medien eine besondere Rolle in der Kontrolle des Regierungshandelns. Hätten. Aber so viel Mut beweisen? Den können doch lieber die anderen aufbringen, die den Damen und Herren in den Redaktionen die Rohstoff-Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Das ist der Deutschland-Trend.


    Hier ist Willy Wimmer (CDU) zu hören:









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    VG.

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    Paco de Lucía



    Paco de Lucía

    Ein Nachruf

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    Paco de Lucía

    Ein Nachruf

    Autor: Reyes Carrillo
    Datum: 03. März 2014


    Francisco Sánchez Gómez, als Ausnahme-Flamencogitarrist weltberühmt unter dem Künstlernamen Paco de Lucía (der Vorname seiner Mutter) ist tot. Er, der Kette rauchende, aber immer topfit erscheinende aktive Fußballer erlag in seiner Wahlheimat Mexico mit nur 66 Jahren einer Herzattacke. Er habe wohl gerade am Strand Fußball mit seinen – noch jungen – Kindern gespielt, heißt es.
    Die bloßen Daten dieser außergewöhnlichen künstlerischen Vita, die Beleuchtung der vielfältigen Meilensteine seiner Entwicklung, die verdienten Huldigungen vor dem Genius dieses musikalischen Internationalisten stehen gegenwärtig natürlich überall im weiten Netz für jeden nachzulesen. Dies alles muss deshalb auch nicht noch einmal aufgeführt werden.


    Ich durfte Paco de Lucía Anfang der 80er Jahre im spanischen Granada/Sacromonte zu einem längeren Interview treffen. Das war die Zeit, in der er mit dem „Sextett“ wieder einmal Musikgeschichte schreiben sollte und Carlos Sauras „Carmen“ in letzten Planungen war. Der Sacromonte ist die berühmte Siedlung der Granainer Gitanos (Zigeuner), die dort in liebevoll (alternativ: oft extrem touristisch) ausgestalteten Berghöhlen, den cuevas leben. Dort fühlte sich Paco de Lucía wohl und geborgen und er wurde behandelt als einer von ihnen...
    Mich persönlich elektrisierte von Beginn an die Art, wie Paco (er hätte sich heftig gewünscht, in seinen Nachrufen einfach so – so normal genannt zu werden!) den Flamenco mit seiner einzigartigen Technik und Virtuosität neu interpretierte, ohne dabei die Seele des Flamenco zu opfern, und der spanischen Gitarre als Soloinstrument, seinem Lehrer Sabicas folgend, die Tür zu den größten Konzertsälen der Welt öffnete. Das war 1968, nachdem das Werk „La fabulosa guitarra de Paco de Lucía“ auch nach Argentinien gekommen war. Danach stieg Paco kontinuierlich in Argentinien zum populärsten, am meisten bewunderten und respektierten ausländischen Musiker jenseits der Popmusik auf. So viele Male bereiste er meine Heimat. Seit dieser Zeit habe ich mich intensiv mit dem Werk Paco de Lucías beschäftigt, erlebte unzählige Konzerte, viele davon auch in Deutschland - in diesem November wäre er nach München gekommen...
    Doch zurück auf den Sacromonte; Paco de Lucía war inzwischen schon längst ein international gefeierter Star geworden. Er erledigte Zeit seines Lebens zwar immer höflich und geduldig all diese wohl tausende Pressetermine mit immer denselben Fragen, aber er, der fast kindlich Scheue, hasste sie zutiefst. In Erinnerung geblieben sind mir seine mich anfangs irritierenden, unglaublich flinken, unruhigen Augen, die wie bei einem gerade fressenden Tier ohne Unterlass die Umgebung scannten. Doch das gab sich mit der Zeit. Die nächste Überraschung war seine Sprache. Zu jener Zeit, da es freilich noch kein YouTube gab, ich Paco auch noch nie im Fernsehen redend erlebt hatte, konnte ich natürlich nicht wissen, wie dieser Mann wohl sprechen würde. Zu meiner Verblüffung sprach Paco den mit Abstand breitesten, „dreckigsten“ andalusischen Slang, den ich mir vorstellen konnte. Ohne jeden erkennbaren Anspruch an sich selbst, auch nur halbwegs als gebildet, als weltläufig oder gar als intellektuell wahrgenommen – und damit völlig missverstanden zu werden. Das war grandios entwaffnend und imponierte mir sofort. Paco de Lucía war und blieb Zeit seines Lebens, egal wo er auch gerade lebte, ein Teil seiner andalusischen Heimat, tief verwurzelt in der Volkskultur, aus der er kam, dem flamenco-gitano-andaluz (der wissenschaftlichen Korrektheit wegen). Je einfacher die Menschen, desto wohler fühlte er sich, je „alltäglicher“ die Gespräche um Haus und Hof, um Frau und Kinder, um Fußball, ums schlichte Überleben – dann strahlte er, dann lachte und schimpfte, schwieg und hörte er zu, und seine unruhigen Augen wurden still. Seine jährlichen Konzerttermine rund um die Welt, ein großer Teil davon war nichts anderem als geradezu preußischem Pflichtgefühl geopfert, war Korrektheit seinem Management, war Tribut seinen Fans gegenüber. Spaß machte ihm das aber nur selten.
    Wir sprachen länger über Politik, obwohl er es nicht sehr mochte, öffentlich über Politik zu referieren und dies auch meistens vermied. Ich denke, er wollte einfach seine Ruhe haben in dieser Hinsicht. Wie in der Flamencoszene eigentlich traditionell üblich (mit klassischen, bekannten Ausnahmen!) schlug auch Pacos Herz links. Mir sagte er, dass er sich der Kommunistischen Partei (PCE) verbunden fühle, aber seit dem miesen Umgang der Partei mit dem einstigen Generalsekretär, Santiago Carrillo, den er wohl auch kannte, dieser den Rücken zukehren wolle. Paco de Lucía war aber nie ein so politischer Künstler und gar Aktivist wie sein Freund, der Flamencotänzer Antonio Gades (weltbekannt vor allem durch den Film „Carmen“), der ein leidenschaftlicher, praktizierender Kommunist war. Allerdings besuchte Paco de Lucía zusammen mit Gades Fidel Castro, der ein guter Freund von Antonio Gades war und quasi als eine Art „Auslandsbeauftragter“ der Kommunistischen Partei Kubas galt. (Sicher nicht uninteressant: Man hat in Havanna sogar eine Statue von Antonio Gades errichtet, seine Asche beherbergt das „Mausoleo de los Héroes de la Revolución Cubana”, zudem war er Träger des höchsten Ordens, den die Republik Kuba zu vergeben hat, den „Orden de José Martí“, den er zwei Wochen vor seinem Tod aus der Hand Castros erhalten hatte.) Doch zurück auf den Sacromonte; Paco de Lucía war inzwischen schon längst ein international gefeierter Star geworden. Er erledigte Zeit seines Lebens zwar immer höflich und geduldig all diese wohl tausende Pressetermine mit immer denselben Fragen, aber er, der fast kindlich Scheue, hasste sie zutiefst. In Erinnerung geblieben sind mir seine mich anfangs irritierenden, unglaublich flinken, unruhigen Augen, die wie bei einem gerade fressenden Tier ohne Unterlass die Umgebung scannten. Doch das gab sich mit der Zeit. Die nächste Überraschung war seine Sprache. Zu jener Zeit, da es freilich noch kein YouTube gab, ich Paco auch noch nie im Fernsehen redend erlebt hatte, konnte ich natürlich nicht wissen, wie dieser Mann wohl sprechen würde. Zu meiner Verblüffung sprach Paco den mit Abstand breitesten, „dreckigsten“ andalusischen Slang, den ich mir vorstellen konnte. Ohne jeden erkennbaren Anspruch an sich selbst, auch nur halbwegs als gebildet, als weltläufig oder gar als intellektuell wahrgenommen – und damit völlig missverstanden zu werden. Das war grandios entwaffnend und imponierte mir sofort. Paco de Lucía war und blieb Zeit seines Lebens, egal wo er auch gerade lebte, ein Teil seiner andalusischen Heimat, tief verwurzelt in der Volkskultur, aus der er kam, dem flamenco-gitano-andaluz (der wissenschaftlichen Korrektheit wegen). Je einfacher die Menschen, desto wohler fühlte er sich, je „alltäglicher“ die Gespräche um Haus und Hof, um Frau und Kinder, um Fußball, ums schlichte Überleben – dann strahlte er, dann lachte und schimpfte, schwieg und hörte er zu, und seine unruhigen Augen wurden still. Seine jährlichen Konzerttermine rund um die Welt, ein großer Teil davon war nichts anderem als geradezu preußischem Pflichtgefühl geopfert, war Korrektheit seinem Management, war Tribut seinen Fans gegenüber. Spaß machte ihm das aber nur selten.
    Wir sprachen länger über Politik, obwohl er es nicht sehr mochte, öffentlich über Politik zu referieren und dies auch meistens vermied. Ich denke, er wollte einfach seine Ruhe haben in dieser Hinsicht. Wie in der Flamencoszene eigentlich traditionell üblich (mit klassischen, bekannten Ausnahmen!) schlug auch Pacos Herz links. Mir sagte er, dass er sich der Kommunistischen Partei (PCE) verbunden fühle, aber seit dem miesen Umgang der Partei mit dem einstigen Generalsekretär, Santiago Carrillo, den er wohl auch kannte, dieser den Rücken zukehren wolle. Paco de Lucía war aber nie ein so politischer Künstler und gar Aktivist wie sein Freund, der Flamencotänzer Antonio Gades (weltbekannt vor allem durch den Film „Carmen“), der ein leidenschaftlicher, praktizierender Kommunist war. Allerdings besuchte Paco de Lucía zusammen mit Gades Fidel Castro, der ein guter Freund von Antonio Gades war und quasi als eine Art „Auslandsbeauftragter“ der Kommunistischen Partei Kubas galt. (Sicher nicht uninteressant: Man hat in Havanna sogar eine Statue von Antonio Gades errichtet, seine Asche beherbergt das „Mausoleo de los Héroes de la Revolución Cubana”, zudem war er Träger des höchsten Ordens, den die Republik Kuba zu vergeben hat, den „Orden de José Martí“, den er zwei Wochen vor seinem Tod aus der Hand Castros erhalten hatte.)
    Paco jedenfalls war zutiefst angetan von Kuba und dachte gerade noch vergangenes Jahr darüber nach, seinen Wohnsitz für eine Zeit auf diese Insel zu verlegen. Im Oktober 2013 sagte er in Havanna: „Wahrscheinlich werde ich nach Kuba kommen, um hier eine Zeit zu verbringen. Denn es ist ein sehr interessantes, es ist ein einzigartiges Land. Es gibt nirgendwo auf der Welt ein Land wie dieses.“ (Gerade auch in diesen Sätzen vor vornehmlich spanischen Mikrofonen zeigt sich, wie ich finde, Pacos große Zurückhaltung, politisch deutlicher zu werden. Das kann man verstehen, aber man konnte es gelegentlich auch sehr vermissen.)
    Paco de Lucía entpuppte sich im damaligen Interview jedenfalls zutiefst beseelt vom Gedanken einer gerechten Welt – und erzählte dabei so wunderbar fern des oft üblichen und zu Recht berüchtigten kommunistischen Politsprechs. Ihn interessierten die Menschen, mit denen er damals in seinem barrio in Algeciras aufgewachsen war und vor allem interessierte er sich für die Situation der Gitanos, deren kulturelle Leistung er in die Welt brachte. Der grandiose, brutale Zynismus der Spanier, immer dann die buntberockte, castañuelasklappernde Kultur der Gitanos stolz vorzuführen, wenn es dem eigenen Ruf als Kulturnation dient, sie ansonsten jedoch im Alltag oft wie Dreck zu behandeln, hat sich bis heute nicht geändert. Eine aber sogar in diesem Alltag wahrnehmbare, leichte Veränderung zum Positiven, in denen behördlicherseits respektvoller mit den Gitanos umgegangen wurde, gab es nur in den ersten zwei Regierungsjahren des andalusischstämmigen, sozialistischen Ministerpräsidenten Felipe Gonzales, also zu jener Zeit des Interviews. Paco, der payo, der Nicht-Zigeuner betonte wiederholt seine große Hoffnung, die er mit ihm, mit Gonzales verbände. Im weiteren Verlauf des Gesprächs fiel eine Unmenge von Namen aus seiner engeren und weiteren Umgebung, deren Schicksal ihn beschäftigte und an deren Schicksal er offenbar das schreiende Unrecht kapitalistischer Gesellschaften aufzeigen wollte. Dabei gelang es dem Zurückhaltenden, sich regelrecht in eine Art besselter Rage zu reden. In diesem Moment erreichte der Sprechende die Authentizität des vom duende (der Dämon des Flamenco) erfassten Spielenden.
    Sichtlich enttäuscht allerdings war Paco dann jedoch ab dem Moment, als er schmerzlich zur Kenntnis nehmen musste, dass ich von Fußball weniger als nichts verstand und es sich nicht lohne, dieses Thema überhaupt anzureißen. Allerdings erkannte er durchaus auch an, dass ich ja nur eine Frau sei. Obschon, versuchte er es nochmal, gerade ich als Argentinierin müsse doch eigentlich..., meine ganze Nation sei doch schließlich fußballverrückt. In diesem für ihn offenbar peinlichen Moment sah er aus wie ein kleines, ertapptes Kind.


    Als Genie empfand sich Paco de Lucía nie. Er verband seine Fähigkeiten und seinen Erfolg nahezu singulär mit seiner Geburt in genau die Kontexte hinein, die ihn damals umgeben hatten. Sein älterer Bruder Ramón spiele nur deshalb nicht auf seinem Niveau, weil er einfach zuwenig geübt habe und übe. Basta. Ja, der Gitarre-Gott Paco de Lucía hat geübt wie ein Berserker – immer, Tag für Tag, Jahraus, Jahrein. Und er hat es mit der Zeit immer zunehmender gehasst. In einem späten Interview mit TVE spricht er dann auch resignierend davon, dass die Gitarre ihn jetzt langsam endgültig aufzehre. Davon, dass ihn die Gitarre nicht glücklich gemacht habe, im Gegenteil, dass sie ihm vor allem Leiden gebracht habe. Sein Vater war es, der ihn zum Perfektionisten drillte. Denn dann wurde er von ihm geliebt. Während andere Jungs Ball spielten, musste er im zugeriegelten Zimmer üben. Man mag es kaum glauben, aber Paco de Lucía wurde noch als Weltstar dauerhaft von dem Albtraum gequält, nicht gut genug zu sein, dass ihn seine Fähigkeiten vielleicht plötzlich verlassen könnten, dass er nicht mehr die Perfektion des gestrigen Tages erreichen werde. In einem Film über sein Leben erzählt er, dass er gerade im Autoradio einen Gitarristen gehört habe, der ihn ob seiner Virtuosität völlig erschreckt und demoralisiert habe und er sofort daran gedacht habe, mit dem Spielen endgültig aufzuhören. - Es war er selbst, der da im Radio zu hören gewesen war...


    Einer meinte letzten Donnerstag in einem spanischen Kondolenz-Forum: Ay Paco, spiel’ Gott einfach deine „Almoraima“ vor. Er wird dich dafür lieben.

    Eine sehr gute Idee, mach’ das!


    Adiós y gracias por todo, Paco.



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    Jugoslawien in Kiew



    Jugoslawien in Kiew

    Vom Bürgerkrieg zur Spaltung

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    Jugoslawien in Kiew

    Vom Bürgerkrieg zur Spaltung

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 21. Februar 2014


    Großmächtig bewegen sich EU-Außenminister in der Hauptstadt der Ukraine. Mal standen sie selbst auf dem Maidan und orchestrierten den Protest, mal mahnten sie Reformen aller Art an, dann wieder übten sie Druck auf einen gewählten Präsidenten aus. Gut zwanzig Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion, nachdem man die NATO um jede Menge ehemaliger Staaten des Warschauer Paktes erweitert hatte, fehlen zur NATO-Ausdehnung nur noch Weißrußland und die Ukraine, dann steht man endlich an der russischen Grenze, dann kann man den Russen jene Sorte Demokratie befehlen, die in einem vom Westen diktierten Freihandel besteht: >Beim Eintritt in den Westen werden Sie gebeten aus Sicherheitsgründen all ihre Rohstoffe abzugeben<.


    Dass die im Westen hochgelobte Opposition in ihren Reihen einen starken faschistischen Block hat von dem sich die anderen bisher nicht distanzieren: In den deutschen Medien kaum der Rede wert. Dass eine der drei Oppositionsparteien, von Frau Timoschenko inspiriert, der Regierungspartei (bis auf deren NATO-Verweigerung) zum Verwechseln ähnlich ist: Macht nichts, Hauptsache sie steht der NATO und der EU freundlichst gegenüber. Dass der CDU-Zögling Klitschko "den Westen" zu einer Militärintervention aufgerufen hat: Er will doch nur spielen. Und wenn es ein Spiel mit dem Feuer ist? Dann kommen "wir" eben und löschen.


    Was wäre wenn sich die Stadt München als autonom gegenüber der Bundesregierung erklärt hätte, wie die Stadt Lwiw, die in den deutschen Medien hartnäckig "Lemberg" heißt, es gegenüber der Kiewer Zentralregierung tut? Was wäre wenn eine stark von der NPD geprägte "Opposition" diverse deutsche Regierungsgebäude und zentrale Plätze dauerhaft besetzt hielte und mit Molotowcocktails und erbeuteten Waffen diese Besetzungen verteidigte? Was wäre wenn diese Opposition - wie jüngst im Nordwesten der Ukraine, in Riwne geschehen - ein Atomkraftwerk gestürmt und besetzt hätte? Längst wäre die Bundeswehr in Bewegung gesetzt worden, um den Zerfall des Landes zu stoppen.


    Die Destabilisierung der Ukraine wird aus dem Ausland gut begleitet: Vom US-amerikanischen Vordenker Zbigniew Brzeziński, Dauergast auf der Münchner Sicherheitskonferenz, der sich dringend ein Russland ohne eine verbündete Ukraine wünscht, über den Vietnamkriegsveteranen und ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten John McCaine, der auf dem Maidan die Protestler anspornte: "Ukrainisches Volk! Das ist euer Moment! Die Freie Welt ist mit euch! Amerika ist mit euch!" Bis zu Cem Özdemir, den notorischen Bellizisten, der mit Inbrunst plädierte: "Die Ukraine gehört zu Europa", so wie vor ihm schon der Ex-Außenminister Westerwelle oder der CDU-Abgeordnete Wellmann, dem in der "BZ" zum Thema einfiel, dass die Ukraine immerhin "seit 500 Jahren christlich" sei.


    Es ist der ausgeprägte Nationalismus in der West-Ukraine, der sich gegen die russischsprachigen Ost-Ukrainer und vehement für die Verbreitung der ukrainischen Sprache einsetzt. Ähnlich wie beim Zerfall Jugoslawiens dienen die nationalen Widersprüche in der Ukraine einer Einmischung von Außen, die damals in den Bürgerkrieg mündete. Die vorschnelle Anerkennung der neuen Teilstaaten durch die Bundesrepublik Deutschland verschärfte die Krise. Und während in den westlichen Medien hauptsächlich der serbische Nationalismus bemängelt wurde, war die kroatische Nationalvariante zusätzlich faschistisch gefärbt: Symbole der mit den Nazis verbündeten Ustascha-Bewegung dominierten zeitweilig die kroatische Öffentlichkeit und der spätere kroatische Staatspräsident Franjo Tudjman betonte er sei stolz, weder mit einer Serbin noch mit einer Jüdin verheiratet zu sein. Das Muster ist erkennbar. Nur nicht für die Mehrheitsmedien in Deutschland und für die Mehrheit im deutschen Parlament.


    Der im Ergebnis der Aufspaltung Jugoslawiens entstandene Staat Bosnien Herzegowina steht vor dem Scheitern. In der Republik Kosovo sind seit 1999 mehrheitlich NATO-Truppen stationiert, die Wirtschaft wird vom Internationalem Währungsfonds und organisierter Kriminalität geprägt. Die USA unterhalten dort mit dem "Camp Bondsteel" ihren größten Stützpunkt außerhalb der USA. Das Militärlager beherbergt eine "Black Site", eines der Foltergefängnisse der USA. - Der Ukraine ist zu wünschen, dass ihr ein "jugoslawisches Modell" erspart bleibt. Allerdings ist die Aussicht, mit einer NATOisierten Ukraine das Schwarze Meer zu beherrschen, die erheblichen Öl-Reserven der Region ebenso zu kontrollieren wie jene noch nicht erschlossenen Öl- und Gasvorkommen, die im Schelf des Schwarzen Meeres lagern, höchst verlockend.



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    Edathy und die falschen Fragen


    Edathy und die falschen Fragen

    Das Berliner Staats-Theater spielt das verkehrte Stück

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    Edathy und die falschen Fragen

    Das Berliner Staats-Theater spielt das verkehrte Stück

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 18. Februar 2014


    Hat sich der ehemalige Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses Sebastian Edathay nun strafbar gemacht oder nicht? Hat der SPD-Fraktionschef Oppermann wirklich Edathy informiert oder nicht? Ist der Edathy-Verdacht der Auslöser einer Staatskrise oder was? Vorne auf der Bühne des Berliner Staats-Theaters läuft ein Stück über Empörung und Entsetzen, über Verrat und Misstrauen, über die scheinbar großen Abgründe großer Politik. Hinter dieser Inszenierung lauern ganz andere Fragen, die selten gestellt werden und bisher nicht beantwortet wurden.


    Im Oktober letzten Jahres, nur kurz nach der Bundestagswahl, wurde ausgerechnet Klaus-Dieter Fritsche, damals Staatssekretär im noch von Hans-Peter Friedrich geführten Innenministerium, über den zur Zeit heftig diskutierten Verdacht gegen Edathy informiert. Sein Informant war der Chef des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke. Klaus-Dieter Fritsche ist seit dieser Zeit im Rang gestiegen: Heute ist er für die Belange der Nachrichtendienste im Bundeskanzleramt zuständig.


    Fritsche und Edathy kennen sich gut: Sie waren Kontrahenten im NSU-Untersuchungsausschuss. Falls es einen Verdacht gegen Edathy auf strafbare Handlungen gegeben hätte, wäre der unmittelbare Weg zum zuständigen Staatsanwalt der richtige Schritt gewesen. Wenn nicht, wäre die Information belanglos und hätte unter Verschluss gehalten werden müssen. Weder das eine noch das andere ist geschehen. Daran schließen sich folgende Fragen an: Warum und von wem gelangte die Information an den Chef des Bundeskriminalamtes? Warum gab er diese Information an den damaligen Staatssekretär Fritsche im Innenministerium weiter? Warum unternahm der nichts anderes, als seinen Minister zu informieren?


    Klaus-Dieter Fritsche ist eine düstere Eminenz des Geheimdienstgeschäftes: Er leitete drei Jahre lang das Büro des bayerischen Law-and-Order-Ministers Beckstein. Von dort aus stieg der CSU-Mann zum Vizepräsident des Verfassungsschutzes auf. Nach dem nächsten Karrieresprung landete er auf dem Platz des Geheimdienstkoordinators im Bundeskanzleramt, um dann dem damaligen Innenminister als Staatssekretär mit der Zuständigkeit für die Geheimdienste zu dienen. In dieser Eigenschaft wurde er vor den NSU-Untersuchungsausschuss zitiert.


    Fritsche war das was man einen Un-Zeugen nennen darf. Vor dem Ausschuss kritisierte er die Weitergabe geheimer Informationen an die Medien und behauptete, dass die Untersuchungsarbeit "von einem Skandalisierungswettstreit überlagert" werden würde. Die drängenden öffentlichen Fragen nach dem Versagen der mit dem NSU befassten Ämter bezeichnete er als "beißende Kritik, Hohn und Spott (der) über einen ganzen Berufszweig von Polizisten und Verfassungsschützern niedergeht". Ein besonders frecher Höhepunkt seines mangelnden Demokratie-Verständnisses war seine Antwort auf die Frage der Abgeordneten, ob es legitim sei V-Leute im Umfeld des NSU zu verschweigen: "Ja! Das Staatswohl ist wichtiger als parlamentarische Aufklärung." Es war Sebastian Edathy, der dem aggressiven Auskunftsverweigerer entgegenhielt: "Es gibt Grenzen dessen, was man hier hinnehmen muss". Warum ausgerechnet der Antidemokrat Fritsche von der Kanzlerin befördert wurde, ist eine der Fragen, die Merkel ganz persönlich beantworten muss.


    Es war Fritsche, der als Vizepräsident des Verfassungsschutzes 2003 in einem Schreiben formulierte: “In der Presse wird angeführt, dass es im Rechtsextremismus sehr wohl ein potentielles Unterstützerfeld gebe. Hierzu wird auf drei Bombenbauer aus Thüringen verwiesen, die seit mehreren Jahren “abgetaucht” seien und dabei sicherlich die Unterstützung Dritter erhalten hätten. Dem ist entgegenzuhalten, dass diese Personen auf der Flucht sind und – soweit erkennbar – seither keine Gewalttaten begangen haben. Deren Unterstützung ist daher nicht zu vergleichen mit der für einen bewaffneten Kampf aus der Illegalität”. Zu der Zeit hatte der NSU bereits vier Morde hinter sich. Die Frage an Fritsche, wie er zu solchen "Erkenntnissen" kam steht immer noch aus. Wie auch die gründliche Untersuchung des Klu-Klux-Klan-Geflechtes in Baden-Württemberg aussteht und die genaue Prüfung jenes hessischen Verfassungsschutzmannes, der gemütlich im Tatort-Café eines NSU-Mordes saß.


    Eine erste Gelegenheit zu solchen Fragen ergibt sich am Donnerstag dieser Woche. An diesem Tag soll der Bundestag über den Antrag aller Fraktionen zur "Bekräftigung der Empfehlungen des Abschlussberichts des 2. Untersuchungsausschusses der 17. Wahlperiode "Terrorgruppe Nationalsozialitischer Untergrund" debattieren. Fraktionsübergreifend war der Untersuchungsausschuss zu der “Überzeugung” gekommen, dass “eine Reihe von Korrekturen und Reformen (bei Polizei, Justiz und dem Verfassungsschutz) dringend geboten sind.” Man darf davon ausgehen, dass der "Fall Edathy" die Debatte überlagern wird. Und ob sich jemand findet, der in dieser Situation die wirklich wichtigen Fragen stellt, ist auch zweifelhaft.



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    Der Russe ist wieder da!


    Der Russe ist wieder da!

    Prima Kriegs-Klima in der Ukraine

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    Der Russe ist wieder da!

    Prima Kriegs-Klima in der Ukraine

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 05. März 2014


    Da war doch was: Am 21. Februar hatten drei europäische Außenminister, der damalige Präsident der Ukraine, ein Vertreter Russlands und drei ukrainische Vertreter der Opposition eine Übereinkunft zur Beendigung der Kiewer Wirren unterzeichnet: "Innerhalb von 48 Stunden nach Unterzeichnung dieser Übereinkunft wird ein Sondergesetz verabschiedet, unterschrieben und verkündet, das die Verfassung von 2004 wiederhergestellt und alle seither beschlossenen Änderungen zurücknimmt. Die Unterzeichner erklären ihr Bestreben, anschließend eine Koalition zu bilden und eine Regierung der nationalen Einheit innerhalb von zehn Tagen zu bilden". Dieses Papier für eine "Übergangsregierung der nationalen Einheit" war am nächsten Tag Makulatur und ist seitdem, obwohl es als großer Sieg des deutschen Außenministers galt, nicht wieder aufgetaucht. Statt dessen wurde der Präsident verjagt, der "Maidan" übernahm die Macht und damit, so erzählen die deutschen Medien bis heute und mit großem Wohlwollen, "das Volk".


    Als dann andere Teile des "Volkes" in anderen Teilen der Ukraine - auf der Krim, in Odessa, in Charkow und in Donezk - sich ähnlich verhalten wie der von deutschen Medien als Institution des ukrainischen "Volkes" inthronisierte "Maidan", hört das Wohlwollen aber schnell auf: Der Russe ist wieder da. Der Russe, jene schreckenerregende von den Nazis eingeführte Figur, der asiatische Untermensch, der auf den CDU-Plakaten der 50er Jahre seine gierigen Finger nach Deutschland ausstreckte und bis zum Ende der Sowjetunion für fast alles Böse auf der Welt verantwortlich war, der Russe steckte dahinter. Nicht nur die auch von Walter Steinmeier unterzeichnete Übereinkunft, die ein Ende der Gewalt in der Ukraine hätte ermöglichen können, war verschwunden. Auch der Rest von Objektivität, Verstand und Analyse war mit diesem Papier aus den deutschen Leit- und Massenmedien weg. Dass jede Menge Ukrainer, bei diversen Wahlen für andere Parteien als die plötzlich herrschende Timoschenko-Klitschko-Svoboda-Gruppe gestimmt hatten: Geschenkt. Dass die russisch sprechenden Ukrainer an der jetzigen Regierung nicht beteiligt sind: Selber schuld, sind ja bloß Russen.


    Nur selten ist aus deutschen Medien zu erfahren ("Spiegel-online" bildet eine löbliche Ausnahme), dass die ukrainische Nazi-Partei "Svoboda" im Kiewer Kabinett mit mehreren Ministern, einem Vizepremier und dem Generalstaatsanwalt Oleg Machnitzkij vertreten ist. "Im Mai 2013 ", schreibt der SPIEGEL, "war eine dreiköpfige Swoboda-Delegation bei der (NPD-) Fraktion der Rechtsextremisten im Dresdner Landtag zu Besuch." Auch die Bitte des "Rechten Sektors" ( jener auf dem Maidan dominierenden, bewaffneten Nazi-Formation) der tschetschenische Terrorist Doku Umarow möge doch den ukrainischen Kampf gegen Russland unterstützen, ist in den deutschen Norm-Medien nicht zu finden. Bilder aus der West-Ukraine - dem Hort der ukrainischen Europa-Bestrebungen - auf denen die vielen Denkmäler für den Nazikollaborateur Stepan Bandera gezeigt würden, sind in Deutschland nicht zu haben. Und dass Bandera von der "orangenen Timoschenko-Revolution" zum "Helden der Ukraine" ernannt worden war, will die Redaktion lieber nicht wissen.


    Auch ein journalistischer Leckerbissen wie dieser, dass die Hackergruppe "Anonymous Ukraine" das e-Mailkonto des litauischen Präsidenten-Beraters Laurynas Jonavicius gehackt hat und die darin gefundenen e-Mails von Vitali Klitschko veröffentlichte, kommt irgendwie nicht rüber. Vielleicht weil die Klitschko-Mails rund um den Aufritt der litauischen Parlamentspräsidentin Loreta Grauzinienés auf dem Maidan in Kiew auch folgenden Wunsch enthielt: "Nach unserem Telefongespräch bin ich der Meinung, es wäre nützlich den Besuch einiger hochrangiger Funktionäre der EU zu planen. Der Maidan braucht ständige moralische Unterstützung. Es wäre angemessen jemanden aus Berlin einzuladen." Aber in den deutschen Medien wird der Maidan hartnäckig weiter als ausschliesslich spontane Volkserhebung verkauft.


    So ziemlich alles was die Mehrheitsmedien nicht berichten, ist aus gut zugänglichen Quellen im Netz zu erfahren. Von den unten angeführten Links muss man zum SPIEGEL oder zum NEUEN DEUTSCHLAND nichts erklären. Allein die Website "russland.ru" bedarf der Erläuterung: In der Redaktion sind ausschließlich deutsche Journalisten, die zumeist vor Ort sind oder, weil sie russisch können, sich aus unabhängigen ukrainischen Online-Zeitungen bedienen. Vor Ort ist zwar auch ein großer Stab deutscher Standardjournalisten, die aber im Wesentlichen alle das gleiche erzählen: Der Russe kommt!


    Einen kleinen Hinweis, worum es in der Ukraine wirklich geht, gab versehentlich die vorgeblich alternative TAZ: "Würde sich Russland jetzt von der Krim zurückziehen, könnte sich die Nato von einigen bisherigen Rücksichten verabschieden. Endlich würden die Ukraine und Georgien Vollmitglieder werden. Von einer US-Marinebasis in Sewastopol redet niemand öffentlich, aber das Ziel ist alles andere als abwegig." Das schreibt am 3. März. 2014 der Soziologe Erhard Stölting. Genau, Erhard! Darum geht es: Weg mit den blöden Rücksichten auf den Russen, her mit einer US-Marinebasis in Sewastopol.


    http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-956680.html


    www.russland.ru/ukraine-special/


    http://www.neues-deutschland.de/arti...n-bandera.html


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    Renommee: 168073
    Zitat aus Text von Uli Gellermann
    [...]her mit einer US-Marinebasis in Sewastopol.
    Das habe ich mir die ganzen letzten Tage auch schon gedacht.
    Genau das wird wohl der Hintergrund des ganzen "Maidan-Putsches" sein, wie ich vermute.
    Die strategisch enorm wichtige Krim als militärischen Stützpunkt westlicher Staaten, allen voran der USA.
    Ein weiteres Zwischen-Ziel zur Weltherrschaft unter US-amerikanischer Führung.

    Und genau das weiß auch Putin.
    Deshalb wird er die Krim auch niemals hergeben und sie notfalls auch mit ALLEN Mitteln verteidigen!
    ----------------------------------------------------------------------------------------------

    Wer NICHTS weiß, muss ALLES glauben.

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