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Thema: rationalgalerie.de - Uli Gellermann

  1. #21
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    Faustrecht mit heilsversprechen



    FAUSTRECHT MIT HEILSVERSPRECHEN

    Eine analytische Wanderung durch die EURO-Landschaft

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    FAUSTRECHT MIT HEILSVERSPRECHEN

    Eine analytische Wanderung durch die EURO-Landschaft

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 12. August 2013



    Einer der klügsten Sätze im Buch von Egon W. Kreutzer "Das Euro-Schlachtfest" findet sich auf der Rückseite: "Nicht der Kapitalismus ist attraktiv", schreibt der Autor, "das sind nur die Versprechungen, die er macht. Insofern ist der Kapitalismus . . . nur ein Faustrecht mit Heilsversprechen." Tatsächlich funktioniert immer noch die Mär, nach der jeder seines Glückes Schmied sei, obwohl die meisten Menschen im Kapitalismus nur als Amboss fungieren, auf dem eine Minderheit ihren Reichtum, ihr Glück schmiedet. Auch deshalb fragt Kreutzer zu Beginn seines Buches danach, wem die aktuelle Krise nutzt und gibt mit ein paar Fakten eindeutige Antworten: Während die Zahl der Millionäre mitten in der apostrophierten Krise munter gewachsen ist, müssen rund sieben Millionen Menschen Hartz IV beziehen, während eine Minderheit aufsteigt, steigt eine Mehrheit ab. Und der Prozess ist keineswegs beendet.

    Als politischen Hauptansatz für die Finanzkrise begreift Kreutzer die Hegemonialbestrebungen der USA, die nach wie vor Schulden ohne Ende machen, deren Gläubiger aber entweder aus Angst vor deren Militärmacht keine Rückforderung wagen oder aber besorgt sind, sie könnten in einer möglichen, wirtschaftlichen Abwärtsbewegung der USA selbst abgewickelt werden. In einer Revue der finanziellen Machtfragen erinnert Kreutzer daran, dass der Dollar als Weltreservewährung fungiert, nicht zuletzt weil der Dollar die Basis für alle Ölgeschäfte ist und er macht nachdrücklich darauf aufmerksam, dass der Euro und mit ihm die EU eine unangenehme Konkurrenz für die USA sein könnten. Wenn der Autor den wirtschaftlichen Ist-Stand europäischer Länder schildert, gelingt ihm vor allem am Beispiel Griechenlands das Fatale an den diversen Rettungsversuchen herauszuarbeiten: "Griechenland hat heute, nach vielen Rettungsmilliarden . . . immer noch genauso hohe Schulden wie zu Beginn der Griechenlandkrise."

    So wie Kreutzer exemplarisch mit Griechenland verfährt, so entblättert er auch die Rolle der Europäischen Zentralbank - die nicht selbst die Schuldscheine der jeweiligen Staaten aufkauft - als Placebo. Nur scheinbar reguliert sie den Finanzmarkt, in Wahrheit nimmt sie den Umweg über die Finanzmärkte und schaufelt denen nicht nur Zinsen ohne Ende zu sondern legt mit dieser Politik den Grundstein für die nächste Krise. Denn Krisen sind für die beteiligten Banken, wie der Autor an anderer Stelle festhält, profitabel. Aber genau in diesem Kapitel zitiert Kreutzer zustimmend den Wirtschaftstheoretiker Alexander Cerny und dessen Prognose für den Fall des Dollarkollapses: "Deutsche Großkonzerne beherrsch(t)en seit langem den Weltmarkt" und würden deshalb, wenn man zur D-Mark zurückkehre, zur Supermacht aufsteigen. Woher Cerny diese Perspektive der deutschen Konzerne nimmt, die sowohl in der entscheidenden Computerindustrie wie in der produktreifen Biotechnologie vergleichsweise kläglich versagen, ist nicht auszumachen. Und da die Prämisse falsch ist, ist es die Conclusio natürlich auch.

    Solche Kombinationen von klug und fundiert neben Fragwürdigem kann man in Kreutzers Buch immer wieder finden. Da schreibt er auf der einen Seite völlig korrekt, dass es vernünftig wäre wenn der Staat die Schuldenlast übernähme, um auf der nächsten Seite zu behaupten, dass es den Gläubigern "einfach keinen Spaß mehr mache" Geld zu verleihen. So als ob es nicht das gegenseitige Misstrauen der Banken in der Krise gewesen wäre, die zur sogenannten "Kreditklemme" geführt hatte. Das ändert nichts an einer Fülle sachdienlicher, wirtschaftstheoretischer Fakten und Überlegungen: Von einer langen Liste von Pleiteländern über die Entlarvung des Begriffs der "Systemrelevanz" bis zum Nachweis, dass Schuldenbremsen die Realwirtschaft ruinieren. Bilanzierend darf man sagen: Der Autor weiß zu viel. Und weil er wahrscheinlich sein eigener Lektor ist, stehen viele Kenntnisse unvermittelt und nur begrenzt sortiert nebeneinander. Aber, wer sich in Kreutzers Buch vertieft, der wird für sich einen Gewinn daraus beziehen. Mein Haupttreffer war die scharfe Auseinandersetzung des Autors mit der Behauptung, die Linkspartei sei verfassungsfeindlich, die im soliden Nachweis endet, dass der Kapitalismus verfassungsfeindlich ist. Ein Schlusspunkt, der an Klarheit nichts zu wünschen übrig lässt.

    Buchtitel: Das Euro-Schlachtfest
    Autor: Egon W. Kreutzer
    Verlag: EWK
    ISBN: 978-3-938175-83-5
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  2. #22
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    Die vierte gewalt? Tot und kalt



    DIE VIERTE GEWALT? TOT UND KALT

    Wie man aus Daimler-Chef Zetsche einen Führer macht

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    DIE VIERTE GEWALT? TOT UND KALT

    Wie man aus Daimler-Chef Zetsche einen Führer macht

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 19. August 2013


    Was ist Journalismus? Wenn einer was schreibt und andere es lesen? Es war einmal, so beginnen alle traurigen Geschichten, es war einmal einen Vierte Gewalt. Die sollte neben der Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative die Vierte Macht in Form der Medien sein. Journalisten sollten kritisch distanziert die Gesellschaft beobachten und beschreiben, um so der Demokratie Beine zu machen. Doch wenn es diese Ideal-Kombination je gab, dann ist sie heute endlich an ihr Ende gekommen. Die Mehrheit der Menschen ist für die Medien, außer als dumme Konsumenten, völlig uninteressant. Geil wird der übliche Journalist nur noch, wenn er dem Promi in der Westentasche sitzt, wenn er in der Nähe der wirklichen Macht das Parfum des großen Geldes riecht und sich im Glanz der Gewaltigen einen schweren Hirnbrand holen kann. Als jüngstes übles Beispiel darf die Schleim-Story über den Daimler-Chef Dieter Zetsche im Magazin der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG gelten.

    Schon auf der Titelseite der SZ-Freitagsausgabe schrie die Schlagzeile "DR. Z.", so als habe Zorro sein Initial in den Schnee gepisst. Seherisch stierten die Augen des Dr. Z. aus der Frontseite, ein Kopf, eingebettet in ein düsteres Schwarz, beherrschte die erste Seite einer Zeitung, die gern so tut als wäre sie Teil der Vierten Gewalt. "Man wird einsam da oben" zitiert der untertänige Journalist dann auf seinen acht Seiten im Magazin den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG. Und damit die Tränen des Mitleids nirgendwo gestoppt werden können, erwähnt der Schreiber sicherheitshalber nicht die über acht Millionen Euro Jahresgehalt: Der Leser könnte ja aus seiner Bewunderungsstarre fallen und sich fragen, was er denn eigentlich mit dieser Sorte Mensch zu tun hat.

    Ein ganzes Jahr hat die SZ den Zetsche begleitet und sich lange Zeit schwere Sorgen gemacht: "Letzten Sommer galt er noch als der fabelhafte Dr. Z., im Winter stand er vor dem Aus, jetzt kämpft er sich zurück." Im Winter hatte der Daimler-Konzern eine "Gewinnwarnung" herausgeben müssen, es könnte sein, dass statt der erwarteten 8,1 Milliarden Gewinn nur noch schäbige 7,3 Milliarden einzustreichen wäre. Dann müsste der Konzern eine Runde neuer Herzklappen für seine Aktionäre schmeissen und der kuwaitische Hauptaktionär könnte in diesem Jahr weder seinen dritten Privatjet noch sein hundertstes Rennpferd kaufen, Allah, Allah, Allah, oder Ach-Du-Lieber-Gott, wie es dann auf Sylt schallen würde. Vergessen die Supergewinne des Vorjahres, der gelungene Verkauf des Rüstung-Betriebes EADS, Bilanz-Zahlen, die der SZ-Journalist zum Verrecken nicht hat schreiben wollen, schließlich geht es ja um eine Tragödie.

    Als Mitflieger im Privat-Jet des Daimler-Boss ist der SZ-ler prima embedded. Genau dort erfährt er die traurigste aller Wahrheiten: Es kann sein, dass Daimler sein Sponsoring für die alljährliche Bambi-Preisverleihung kürzen muss. "In diesen Sekunden über Istanbul", klitscht der Schreiber, hat Zetsche gar nichts Mächtiges an sich. Er ist einfach nur ein schnurrbärtiges Sorgenbündel, allein auf seiner Flugzeugseite." Das Sorgenbündel will demnächst ein paar Tausend Leute rauswerfen, nach einer internen Studie hat Daimler im Vergleich zu BMW 10.000 Mitarbeiter zu viel. Was soll der Scheich nur denken? Wir können uns nicht mal mehr Bambi leisten. Schön, den Sozialklimbim nach den Entlassungen übernimmt der Staat. Aber wie erkläre ich es meinen Aktionären?

    Den Staat hat Zetsche ziemlich gut im Griff. Schließlich hat der Konzern seit dem Jahr 2000 mehr als vier Millionen an CDU, CSU, SPD und FDP gespendet. Warum die LINKEN und die GRÜNEN leer ausgegangen sind, fragt der Liebediener von der SÜDDEUTSCHEN gar nicht erst. Warum auch, schließlich hat er die Parteispenden ebensowenig erwähnt, wie er den hoch verehrten Herrn Zetsche nie und nimmer fragen würde, was denn der Briefkasten mit dem Namen Daimler am Haus in der North Orange Street #1209 in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware soll, ob da wohl einer aus der Zetsche-Familie wohnt oder ob es sich, wie bei den 200.000 anderen Firmen-Briefboxen um Steuer-Vermeidungskästen handelt.

    Zwar lebt der Zetsche-Verehrungsartikel lange von der Tragödie, davon, dass es im Hause Daimler eine Intrige gegen den armen Dieter gegeben hat: Auf einer Billanzpressekonferenz gab es sogar gewöhnliche Linsensuppe statt des edlen Wild-Lachs und der Betriebsratsvorsitzende ist nicht nett zu Dr. Z. Aber dann das Wort: "Der Leader schlägt den Manager", sagt Dr. Z. zu sich selbst, ja, in Deutschland gewinnt immer noch der Führer. Und so trotzt Zetsche dem Schicksal, bringt die neue S-Klasse auf den Markt und obsiegt über alle Feinde und Widrigkeiten.

    Auf der einjährigen Reise der SZ mit Zetsche blieb vieles auf der Strecke: Warum die "Deutsche Umwelthilfe" Klage gegen die Mercedes-Spritfresser erhob. Warum der Konzern ein Technologie-Konzept von Gestern hat. Warum ein ranghoher Daimler-Mitarbeiter an der Ausschreibung des LKW-Maut-Systems im Bundesfinanzministerium mitarbeitete. Warum die US-Börsenaufsicht ein Verfahren gegen Daimler wegen Korruption einleitete. Vor allem aber blieb der Journalismus auf der Strecke, jenes Element, das eine Vierte Gewalt sein könnte und doch nur zum Schnörkerl der Macht verkommen ist.
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  3. #23
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    Die grenzen der fantasie



    DIE GRENZEN DER FANTASIE

    Über das Begehren der Generation Golf

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    DIE GRENZEN DER FANTASIE

    Über das Begehren der Generation Golf

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 19. August 2013


    Es ist die kulturell prägende Schicht des Landes mit der Uwe Timm seinen Roman "Vogelweide" bevölkert: Man kennt die angesagten Galerien, die wirklich guten Weinhandlungen, spricht mindestens zwei Sprachen und hat ein reines ökologisches Gewissen. Die Alltagsreize sind wohltemperiert, die Gesellschaft ist scheinbar in guten Händen, wozu sollte man sich aufregen? Das haben doch die Eltern damals gemacht. Die pflegen die Erinnerungen, die Generation Golf pflegt alte Mahagoni-Boote oder einen Saab aus dem Jahr 1966, behutsam, mit der Lust am Bewahren. Das Zweitschlimmste, was diesen Leuten geschehen kann ist die Insolvenz. Das Schlimmste aber ist das Begehren, auch noch des Nächsten Weib, das kann nicht gut gehen.

    Wenn schon eine Weltenflucht, dann auf eine Insel in der Elbmündung. Und wenn schon Flucht vor dem Bankrott, dann nicht in das Hartz-Vier-Gefängnis für die Vielen, sondern in den Dienst als Vogelwart. Dahin hat es Eschenbach dekorativ verschlagen, dort, in der Inseleinsamkeit fällt die Stadt von ihm ab, die Abendröte seiner Geschichte senkt sich auf ihn, und er lauscht dem Knacken und Knistern der Kloben im Ofen. Doch plötzlich ist die Welt wieder da: Anna wird ihn besuchen. Anna, mit der ihn eine verrückte Liebe verband, für die er seine Geliebte verließ und Anna ihren Mann.

    Das besinnungslose Begehren, das Sichverzehren nach dem anderen Leib, der unbedingte Liebeswahnsinn, woher mag das alles kommen? Vielleicht aus den Tiefen der Gene, der Gier nach dem Besitz am anderen Menschen, dem unaufhaltsamen Wunsch sich zu versenken, zu verschenken. Da sitzen sie nun, Anna und Eschenbach auf der Insel, und wissen vom Begehren nur eines sicher: Es verschwindet wenn es an sein Ziel kommt, wenn die Normalität sich einschleicht, wenn man nicht mehr eins ist sondern wieder zwei.

    Auf tritt, eindeutig erkennbar, Frau Allensbach, die Norne, wie Timm sie durch den Mund von Eschenbach nennt. Sie sucht nach dem Moment, der die Liebe auf den ersten Blick ausmacht, das Wissen darum, wie einer des anderen Schicksal wird. Ob Eschenbach oder Timm, die Allensbach-Umfrage-Tante als Norne auszugeben, ist ein Irrtum. Sie war keine Figur, die Schicksale bestimmte, wie es angeblich die mystischen Frauen in der "Edda", der nordischen Sage, unterfingen. Sie war eine, die den Vielen ihre Schicksale ablauschte, sie bündelte und daraus Meinungen herstellte. Nicht selten nach ihrer politischen Neigung gefälscht. Denn wer die Fragen formuliert, bestimmt die Antworten. Jetzt soll Eschenbach, der Mann vom IT-Fach, bei der elektronischen Suche nach der Quelle des Begehrens behilflich sein.

    Ja, es gibt eine Welt außerhalb der romanesken Inseleinsamkeit. Da ist der englische Freund, der auf die Neoliberalen flucht. Da ist die hässliche Figur des Marktliberalen, der den Bankrott Eschenbachs verursachte, ein böser Mensch, so wie die Gier der Banker als böse verkauft wird, als sei sie nicht die logische Folge des Systems. Und da ist die kurzzeitige Entdeckung Eschenbachs, nach dem Sturz aus dem Wohlstandsleben, dass es normale Menschen gibt. Das ist alles in die sorgsam polierte Sprache Uwe Timms gekleidet, das ist alles wohl gefügt und zu einem Mosaik von edler Schönheit zusammengeführt. Aber ein Begehren nach Veränderung findet nicht statt. So wie im wirklichen Leben das Landes. Doch der Gattung Roman ist die Fiktion zu eigen. Er kann vorahnen, vorentwerfen, nachdenken lassen. Anders als in anderen Büchern Timms hat in "Vogelweide" die Fantasie ihre Grenzen.

    Buchpremiere und Lesung am 27.8. in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz

    Buchtitel: Vogelweide
    Autor: Uwe Timm
    Verlag: Kiepenheuer und Witsch
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  4. #24
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    DAS WAHL-SOMMER-LOCH



    DAS WAHL-SOMMER-LOCH

    Was auch immer: Raus kommt Merkel

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    DAS WAHL-SOMMER-LOCH

    Was auch immer: Raus kommt Merkel

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 22. August 2013


    Irgendwo soll Wahlkampf sein. Draußen im Land. Aber in welchem? Wen immer man trifft: Wählen will keiner so recht. Erst recht nicht kämpfen. Sagen wir mal, irgendjemand wählt SPD. Was kriegt er hinten raus? Wenn es für Steinbrück nicht reicht - zur Zeit liegt die SPD bei 25 Prozent - dann fragt der die GRÜNEN. Die erwarten zwölf Prozent. Das zusammen langt für gar nix. Das weiß auch jeder. Aber tun tun die GRÜNEN und die SPD als wäre da echt was drin. Albern.

    Mindestens genau so albern ist es mit der Steuervermeidungspartei. Mächtig reckt sich das Brüderle, macht auf Riese. Ist aber nur der Zwerg, der auf den Schultern der Union sitzt und so tut als ob. Vielleicht sollte sich die FDP doch umbenennen in TAO. TUT ALS OB. Bei der TAO-Partei hätte man gern mehr als fünf Prozent. Heftig werden die Backen aufgeblasen, kein Wind kommt in die Segel. Gut, gibt man sich eben mit dem Furz der Leihstimmen zufrieden. Das ist konsequent. Man ist für Leistung. Die der Anderen. Dann könnte man wieder mitregieren. Und all die schönen Posten mit unglaublich profilierten Kandidaten besetzen.

    Jetzt aber, barmen die GRÜNEN, jetzt aber waren wir lange genug in der Opposition. Häh? Fragt der Wähler. Opposition? Wann? Wo? Ja und, sagen die GRÜNEN, so haben es die von SPD doch auch gemacht. Draussen heftig aufgestampft, im Parlament dann abgenickt. Draussen drohend die Stimme erhoben. Drinnen leise ein Ja gemurmelt. Zu allen Rettungsschirmen, zu allen Militäreinsätzen. Aber wenn wir dann zusammen mit der SPD fast 37 Prozent erreichen, dann . . . Dann langt es immer noch nicht.

    Siehste, sagen die von der Union, wir holen satte 40 Prozent, da könnt ihr aber mal gucken! Hah-hah-hah-hah (zu lachen wie der Auftakt von Beethovens Schicksal-Symphonie). Aber für alleine langt das auch nicht. Hö-hö-hö-hö höhnt das Echo. Schweres Schicksal. Aber knapp daneben ist auch vorbei. Also dann wieder mit der Tun-als-ob-Partei. Aber wenn die nun nicht reinkommt? Dann eben mit der SPD. Nur, die hat doch hoch und heilig geschworen: Keine große Koalition! Dann eben mit den GRÜNEN. Aber das wollen doch deren Wähler nicht.

    Schweigen im weiten Rund. Es tritt auf: Der Wählerwille (WW). Der WW, sagen die Umfragen, will die Bundeswehr nicht im Ausland sehen. Der WW ist gegen Banken-Rettungen. Das Schweigen wird peinlich. "Schwimmen oder Baden gehen, ist hier die Frage", tönt es aus dem Off. Ob das der HERR ist? Kann es ein Zeichen sein? Nein. Es ist Gregor der Gysi. Auf den Zehenspitzen ist gut tönen. Mit acht Prozent ist er dabei. Aber wobei?

    Klar SPD + GRÜNE + LINKE zusammen könnten vielleicht, so gerade, mit ein bisschen Glück, noch so eben, jedenfalls ziemliche 45 Prozent kriegen. Das sind mehr als die 40 von der Union. Das sind genau so viel wie die 40 von denen und die fünf von Brüderle, wenn es ihm klappt. In Worten: Fünfundvierzig. Aber die SPD schwört: Nie und nimmer mit der Linkspartei. Und die GRÜNEN grämen: Die Linken die hinken, die können es nicht. Das Regieren.

    Gut 30 Prozent werden nicht wählen gehen. Aber auch die kriegen Merkel. Denn Union + FDP = Merkel. Union + SPD = Merkel. Union + GRÜNE = Merkel. Da kannste wählen, was du willst, sogar gar nix, immer kriegste Merkel. Wozu dann kämpfen?
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    man oh man...

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  5. #25
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    Als günter grass mal das volk war



    ALS GÜNTER GRASS MAL DAS VOLK WAR

    Wie August Bebel zu Wahlkampfzwecken missbraucht wird

    Quelle: Rationalgalerie

    ALS GÜNTER GRASS MAL DAS VOLK WAR

    Wie August Bebel zu Wahlkampfzwecken missbraucht wird

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 14. August 2013


    Woran erkennt man, dass bald Wahlen sind? Günter Grass äußert sich zu seiner SPD. Pünktlich vor Wahlen schaltet der sonst so kritische Denker sein Gehirn ab, schlägt die Hacken zusammen und meldet sich zum Wahlkampf für die SPD zur Stelle. Diesmal mit einem Interview in der SÜDDEUTSCHEN zu August Bebel, das demnächst in einem Buch zu dessen 100. Todestag erscheinen wird. Wer in diesen Tagen über den Sihlfeld-Friedhof in Zürich geht, der kann dort ein kräftiges Brummen hören. Und je näher er dem Grab von August Bebel kommt, desto lauter wird das Geräusch. Der Alte rotiert vor lauter Wut. Denn der Mann, der gegen den Krieg auftrat, der sich energisch für die sozialen und politischen Interessen der Arbeiter einsetzte und dafür lange Gefängnisjahre kassierte, wird von Grass zum Kronzeugen der Afghanistan- und Hartz IV-SPD gemacht. Das hat der große Gründer einer SPD, die es so nicht mehr gibt, nicht verdient.

    Das Interview mit Grass führte der Journalist Manfred Bissinger. Von dem stammt der Satz "Realistisch bleiben: Deutschland braucht weiter Kernenergie und Kohle". Zitiert aus einem "Energiepolitischen Apell", der im August 2010 als ganzseitige Anzeige in deutschen Tageszeitungen den Ausstieg aus der Atom-Energie rückgängig machen wollte. Neben dem Unterzeichner Bissinger fand sich die Creme der deutschen Wirtschaft unter einem Aufruf, der zurück nach Tschernobyl wies. Unter ihnen auch der Chef des "Bundesverband der Deutschen Industrie" Ulrich Grillo. Bissinger und Grillo hatten schon mal ein gemeinsames Papier unterschrieben, unter dem sich auch der Name von Günter Grass fand. Darüber stand die zynische Überschrift "Auch wir sind das Volk". Gemeinsam mit anderen "Volksvertretern" aus der deutschen Wirtschaft wurden in diesem Aufruf jene Menschen beleidigt, die sich in Montagsdemonstrationen gegen die Folgen von Hartz VI wandten: "Nur Demagogen, die ihre Zukunft hinter sich haben, reden dem Volk nach dem Maul." Wären die Herren Unterzeichner ehrlich gewesen, sie hätten weiter schreiben müssen: "Wir treten dem Volk lieber in den Arsch." Aber der Satz "Wir haben das Jammern über Deutschland satt" war angesichts der vielen Millionäre, die das Papier unterschrieben hatten, widerlich genug.

    Aber es geht immer noch blöder. Bissinger gibt mit der Interview-Anmerkung "Heute ist Allgemeingut, dass es Schröders Arbeitsmarkt-Gesetze waren, die Deutschland gut durch die europäische Finanz- und Wirtschaftskrise haben kommen lassen" die Steilvorlage. Und Grass hält den Fuß hin: "Dass er (Kanzler Schröder) mit der Agenda eine überfällige Weichenstellung vollzogen hat, will ich nicht bestreiten". So ein Eigentor, so wunderschön wie heute. Sieben Millionen Menschen, die inzwischen Hartz IV beziehen, eine Steuerreform zur extremen Entlastung der Reichen, die betrügerische Riester-Rente mit dem Knüppel der Verlängerung der Lebensarbeitszeit durchgesetzt, die Privatisierung öffentlichen Eigentums durchgepeitscht: Alles überfällig? Neben Grass und Bissinger finden sich außerhalb von CDU und FDP nur noch Millionäre, die solchem asozialen Unsinn Beifall spenden. Dazu Bebel: "Lobt dich der Gegner, dann ist das bedenklich; schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg."

    Weil aber die soziale Blödheit (Grass) und die opportunistische Anschleimerei an die Herrschenden (Bissinger) nur schwer zum SPD-Wahlerfolg beitragen kann, bleibt die Diffamierung von Oskar Lafontaine im Grass-Interview nicht aus: "Es gab in der Geschichte der sozialdemokratischen Partei keinen schmierigeren Verrat, wie den von Oskar Lafontaine", geifert Grass über dessen Rücktritt 1999. Da wollte einer nicht mehr die militärische Außenpolitik der Rot-Grünen mittragen, das Bombardement Jugoslawien nicht rechtfertigen müssen. Da konnte ein soziales Gewissen die Hinwendung der SPD-Spitze zum Neoliberalismus - im Schröder-Blair-Papier eindeutig formuliert - nicht ertragen. Da wollte einer den Verrat an allem was August Bebel gelebt hatte nicht verantworten. Und Grass ruft nicht der Schröder-Clique, die bis heute die Sozialdemokratie beherrscht, das Wort Verrat hinterher, sondern jenem, der sich selbst und der sozialen Idee der SPD treu blieb. Das ist intellektuell unwürdig, Günter Grass. Das ist moralisch untragbar, Günter Grass. Und das ist politisch zutiefst dämlich. Denn der Steinbrück-SPD, geführt von einem Banken-Retter, assistiert von zwei Afghanistankriegs-Zustimmern, gelingt es an keiner Stelle, die verschwundenen SPD-Wähler hinter jenem Ofen hervorzulocken, hinter den sie die Schröder-Politik gejagt hat. Nicht die personelle und inhaltliche Kontinuität gibt der SPD eine Zukunft. Sondern nur die radikale Abkehr von Schröder gäbe der Partei eine gewisse Chance.

    "Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen", hatte August Bebel 1903 auf dem Dresdner Parteitag den Revisionisten zugerufen. Jener Truppe um Eduard Bernstein, die für weniger Marx und mehr "Reform" plädierte. Mitten in einer Krise der Finanz-Oligarchie, einer Krise, in der sogar bürgerliche Kräfte den Marxismus für aktuell halten, reiht sich Grass bei den "Reform"-Kräften ein: "Ich bin ein eingefleischter Revisionist" ruft er aus und lobt den Mut Schröders und dessen Reformen. Solche sollten über Bebel schweigen und für ihren Missbrauch einer historischen Figur mit dem Hören von Steinbrück-Vorträgen bei Großkonzernen nicht unter drei Monaten bestraft werden.
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  6. #26
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    Der amerikanische drecks-krieg



    DER AMERIKANISCHE DRECKS-KRIEG

    Als Vietnam um sein Leben rang

    Quelle: Rationalgalerie

    DER AMERIKANISCHE DRECKS-KRIEG

    Als Vietnam um sein Leben rang

    Autor: Jutta von Freyberg
    Datum: 14. August 2013



    Warum und wie die Weltmacht USA den Krieg gegen Vietnam verloren hat, das ist eine der (für mich) zentralen Fragen, der Günter Giesenfeld in der erweiterten Neuauflage seines Buches "Land der Reisfelder" nachgeht. Der Autor betrachtet sowohl die Stärken des vietnamesischen Widerstands und zieht dabei auch die Geschichte des Landes, die Tradition von Volksaufständen und Befreiungskämpfen gegen ausländische Besatzungsmächte wie China, Japan und Frankreich zur Erklärung heran; und auch die ideologische Blindheit der USA, ihre Fixierung auf die militärische Sichtweise und die Weigerung oder Unfähigkeit, "Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, die nicht ins eigene Weltbild aus der Perspektive der unbesiegbaren Großmacht passen"(S.245).

    Giesenfeld räumt mit Klischees, Geschichtslegenden und Lügen über den US-Krieg gegen Vietnam und die "vietnamesischen Kommunisten" auf, die Bestandteil der von der gesamten westlichen Welt geteilten ideologischen Kriegführung der USA waren. Er setzt sich u.a. kritisch mit der jüngeren Interpretation von Bernd Greiner auseinander, der den Vietnamkrieg als einen "asymmetrischen Krieg" interpretiert und dabei - in Verkennung der historischen Tatsachen und der Verdrehung von Ursache und Wirkung - der vietnamesischen Guerilla Terrorismus gegenüber der Zivilbevölkerung zuschreibt und die Verbrechen der US-Regierung damit quasi entschuldigt, sie habe den Terror der Guerilla kopiert. Ja, der US-Krieg war asymmetrisch, nicht nur in militärischer Hinsicht, sondern für die Vietnamesen in existenzieller Hinsicht: Sie, nicht die US-Amerikaner, kämpften in ihrem eigenen Land um "das pure Überleben nicht nur des Einzelnen, sondern des gesamten Volkes".

    Der Autor erinnert daran, dass die Aggressionen gegen Vietnam noch nicht zu Ende waren, als die US-Amerikaner im April 1975 in Panik Saigon verlassen mussten. Die neue amerikanisch-chinesische Allianz hat weiterhin gegen das befreite Vietnam intrigiert, Fehler und innere Konflikte genutzt, um das Land von außen zu destabilisieren, u.a. mit der Kampagne der Bootsflüchtlinge, gravierender mit Hilfe der kambodschanischen Lon Nol-Diktatur und den mörderischen Roten Khmer, die Vietnam in einen mehrjährigen Grenzkrieg verwickelten. Keine US-Regierung hat bisher die einst vertraglich zugesicherte Wiederaufbauhilfe geleistet. Im Gegenteil, die USA übten Druck auf ihre westlichen Partner aus, einen Wirtschaftsboykott gegen Vietnam durchzuführen. Solche Bedingungen erschwerten den Wiederaufbau Vietnams auf unvorhersehbare Weise - und die vietnamesische Regierung tat sich schwer, sich darauf einzustellen. Der Zusammenbruch des sozialistischen Lagers stürzte Vietnam in eine weitere Krise. Es ist eine besondere Stärke des Buches, sich auch mit den jüngsten Jahrzehnten der vietnamesischen Geschichte auseinanderzusetzen: wie Reformen an der fehlerhaften Umsetzung scheitern, wie Vietnam auf den Einbruch der westlichen Moderne und das Eindringen des Neoliberalismus reagiert, sich aus der wirtschaftlichen Isolation zu befreien versucht - oder "mit dem vielleicht letzten und verzweifelten Versuch beschäftigt (ist), Moral, Menschlichkeit und Zusammengehörigkeitsgefühl als Grundlagen eines nichtkapitalistischen Weges gegen den Terror der Kommerzialisierung zu verteidigen."

    Wie Giesenfeld bezieht auch Gerhard Feldbauers Buch "Vietnamkrieg" die Vorgänge in Vietnams Nachbarländern Kambodscha und Laos in die Untersuchung ein. Beide Autoren machen aus ihrer Positionierung kein Hehl. Doch während Giesenfeld mit dem Gestus des Historikers faktenreich den historischen Bogen von den Anfängen bis in die Gegenwart spannt, beginnt Feldbauer erst mit dem Jahr 1858, als die französischen Kolonialisten die Hafenstadt Da Nang beschießen. Im Mittelpunkt aber stehen bei ihm die US-amerikanische Kriegführung mit all ihren Verbrechen, der vietnamesische Unabhängigkeitskampf und die internationale Solidaritätsbewegung.

    Es ist die Perspektive, die wir als Angehörige der westdeutschen Vietnam-Solidaritätsbewegung eingenommen hatten, und vermutlich ist das der Grund, warum das Buch von Anfang an fesselt, weil es all die Fakten in Erinnerung ruft, die uns empört, auf die Straßen getrieben und uns veranlasst haben, - möglicherweise erstmalig - einen kritischen Blick auf die USA zu werfen, die nach der Niederlage des Faschismus den Westdeutschen als Hort der Menschenrechte und Freiheit galt. Um dann die Frage zu stellen, ob und wie die westdeutsche Bundesregierung in diesen schmutzigen Krieg verwickelt war.

    Den Kriegshilfen aus der Bundesrepublik widmet Feldbauer daher auch ein gesondertes Kapitel, in dem u.a. an die deutsche Beteiligung am Einsatz chemischer Gifte und Kampfstoffe oder auch die umfangreichen Devisenausgleichszahlungen erinnert wird. In den sechziger Jahren also verlangte schon die transatlantische Bündnistreue, dass die Bundesregierung indirekt oder direkt die unzähligen barbarischen Verbrechen, Menschen- und Völkerrechtsverletzungen billigte und damit unterstützte, die den Weg der USA zur einzigen Weltmacht und deren Sicherung pflastern. In Vietnam hießen die Stichwörter: die Tigerkäfige der KZ-Insel Con Son, Operation Phönix, die in fataler Weise an den Kommissar-Befehl der Nazis erinnert, Body Count, My Lai, Napalm . . . Heute: Abu Ghraib, Water Boarding, Guantanamo, Drohnenkrieg… Wie damals werden die Verantwortlichen an der Spitze nicht zur Rechenschaft gezogen und ihre ausführenden Organe in den unteren Rängen werden, wenn sie denn vor Gericht gestellt werden, mit äußerster Zuvorkommenheit behandelt. Diese Verbindungslinien muss Feldbauer nicht ziehen, sie springen geradezu ins Auge. Und auch der Gedanke wird nahegelegt: Wie die Bundesrepublik Deutschland über die Jahre sich von ihrer Rolle als Hilfssheriff "emanzipierte" und den selbstständigen "Griff nach der - nicht Welt- sondern Großmacht" probt.

    Buchtitel: Land der Reisfelder / Vietnamkrieg
    Autor: Günter Giesenfeld / Gerhard Feldbauer
    Verlag: Argument / PapyRossa
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  7. #27
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    BILD WILL KRIEG



    BILD WILL KRIEG

    Über den Hirntod deutscher Redakteure

    Quelle: Rationalgalerie

    BILD WILL KRIEG

    Über den Hirntod deutscher Redakteure

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 26. August 2013


    Als Ende Mai dieses Jahres türkische Zeitungen über den Fund von Giftgas in den Provinzen Adan und Mersia berichteten, konnte man in den deutschen Medien darüber nichts erfahren. Die türkische Polizei hatte bei Razzien gegen Anhänger der Al-Nusra Front - dem syrischen Zweig der Al-Quaida - zwei Kilo Sarin gefunden. Das ist genau jene Sorte von Giftgas, das in den letzten Tagen in den deutschen Medien eine Riesenrolle spielt. Auch die Erkenntnis, dass dieses Gift aus den Beständen des "befreiten" Libyen stammen und dort eigentlich unter der Kontrolle der US-Armee lagern sollte, war den deutschen Medien keine Meldung wert. Wie viel libysch-amerikanisches Giftgas verschwunden ist und wo es jetzt lagert, dazu wollen sich auch die britischen und französischen Geheimdienste nicht äußern. Statt dessen versorgen sie ihre Regierungen zur Zeit mit der unbewiesenen Behauptung, die Assad-Truppen setzten Giftgas gegen die eigene Bevölkerung ein. Prompt haben englische und französische Regierungsvertreter - wie schon in Vorbereitung des mörderischen Libyenkrieges - Militäreinsätze gegen Syrien gefordert. Man will den Regime-Wechsel. Der Preis - noch mehr Tote, noch mehr Flüchtlinge - ist den westlichen Regierungen, wie schon in Libyen, völlig gleichgültig.

    Die deutschen Medien sind, gewarnt durch den Giftgas-Reinfall im Irak-Krieg, ein wenig vorsichtiger geworden. Direkt mag man die Schuld Assads am Giftgas-Anschlag in der Nähe von Damaskus zumeist nicht behaupten. Aber man zitiert unkommentiert ein "Spionagenetzwerk" (DIE ZEIT) der Franzosen und Briten in Syrien, das "Beweise" für die Assad-Täterschaft gesammelt habe. Oder berichtet, wie die ARD, natürlich ohne zu hinterfragen, über ein Gespräch zwischen Obama und dem britischen Premier Cameron: "Beide sind sehr besorgt über den Angriff, der am Mittwoch in Damaskus stattfand und über die wachsenden Anzeichen dafür, dass dies ein bedeutender Einsatz chemischer Waffen durch das syrische Regime gegen das eigene Volk war". Diese "wachsenden Anzeichen" - durch nichts bewiesen - reichen auch für eine kindliche Begeisterung über den vierten Zerstörer der US-Marine nahe Syrien, der "mit Raketen bestückt ist". Was soll er tun der Zerstörer? Die Giftgaslager der syrischen Armee zerstören? Jede Menge Sarin freisetzen und die Bevölkerung in der Nähe der Lager damit umbringen? Solche Fragen stellt der tapfere deutsche Journalist nicht. Da ist er lieber für den totalen Krieg gegen Assad.

    An der Spitze dieses totalen Kriegs steht, wie auch anders, die BILD-ZEITUNG. Deren entfesselter Kommentator Julian Reichelt kennt sich vorgeblich aus: "Vor den Augen der Welt setzt Syriens Diktator Assad offenkundig Giftgas gegen sein eigenes Volk ein" Und weiter weiß er: "Dass Assads Truppen ganz offenkundig mit Chemiewaffen morden, während UN-Inspektoren im Land sind, um zu untersuchen, ob das Assad-Regime überhaupt Giftgas einsetzt, zeigt die Kaltblütigkeit des syrischen Diktators." Dass es, wäre es wirklich wie Reichelt behauptet, eher die ganze Blödheit Assads zeigen würde wenn er ausgerechnet in diesem Moment Giftgas einsetzte, darauf kommt der Mann mit dem Schaum vor dem Mund nicht. Assistiert wird Reichelt von einem anderen BILD-Kommentator. Rafael Seligmann, Herausgeber der "Jewish Voice from Germany", droht im syrischen Zusammenhang: "Vor 70 Jahren weigerten sich die Alliierten Auschwitz zu bombardieren. So konnten die Nazis ungestört die Juden ermorden." Wahrscheinlich wird der ungehörige Ausschwitz-Vergleich durch den gern in Deutschland zitierten israelischen Minister für strategische Angelegenheiten Juval Steinitz gestützt, der im Rundfunk verbreitete: "Es wurden chemische Waffen benutzt, und dies natürlich nicht zum ersten Mal." Natürlich verzichtet auch er auf Beweise. Und über die israelischen Bomben-Angriffe auf Syrien schweigt der strategische Minister ganz.

    Auch die medial gern verbreitete Forderung, das Assad-Regime solle nun gefälligst die UN-Beobachter an den Ort des jüngsten Giftgas-Anschlags lassen, wird nicht ergänzt um die Information, dass sich in dieser Gegend die Rebellen bewegen und die Sicherheit der UN-Beobachter kaum garantiert sein dürfte. Wenn die Beobachter allerdings bei ihrer Arbeit umkämen, dann wüsste der deutsche Redakteur jetzt schon, wer´s gewesen wäre: Assad. Dieser bedingte Reflex bringt einen "K. F." in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN dazu, die USA in der Syrien-Frage dringlich zu ermahnen: "Immerhin hat das Land sich einmal für weltpolitisch unentbehrlich gehalten." Er hätte auch `USA fass!´ schreiben können, aber so direkt mag es die feinsinnige FAZ nicht. Was keiner dieser Kriegsfreiwilligen schreiben mag: Wer oder was soll denn nach Assad kommen? Die Al-Nusra-Leute, die schon jetzt mit Sarin hantieren als sei es Fleischbrühe? Irgendein Muslim-Bruderschafts-Derivat, jene Brüder, die von den USA mit Hilfe der ägyptischen Armee gerade wieder an die Leine gelegt werden sollen? Oder hätte man gern ein neues Jemen-Desaster an der Grenze zu Israel, ein Land voll durchgeknallter War-Lords, immer gut für einen Terroranschlag und ausgezeichnete Trainingsziele für US-Drohnen.

    Es gab und gibt in Syrien eine nichtmilitärische Opposition. Mit der will und wollte der Westen nie reden. Stattdessen ließ man seine Verbündeten in Saudi Arabien und Kuwait die islamistischen Hardliner bewaffnen. Stattdessen befeuerte man ungerührt und kaltblütig einen Krieg, dessen Folgen man öffentlich lautstark bedauerte, um heimlich, still und leise die Logistik der islamistischen Aufständischen zu organisieren. Und dieser irrwitzigen Politik applaudieren deutsche Medien gern und ausdauernd. Normalen Menschen bleibt angesichts des Elends in Syrien das Herz stehen. Dem deutschen Redakteur steht der Verstand still und die Kriegsgeilheit setzt stattdessen ein.
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  8. #28
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    FORM BESTIMMT INHALT

    Ein Ausflug zu den kalten Höhen der Sprache

    Quelle: Rationalgalerie

    FORM BESTIMMT INHALT

    Ein Ausflug zu den kalten Höhen der Sprache

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 26. August 2013


    Es ist ein kaltes Land, in dem die Figuren der Marion Poschmann ihr Wesen treiben. Und ihre Menschen im Roman "Sonnenposition" sind seltsam leblos. Liegt das bröckelnde Schloss, in dem die psychiatrische Anstalt, Hauptbühne des Romans, untergebracht ist deshalb auf dem Gebiet der verblichenen DDR? Soll das Gewesene seinen düsteren Schatten auf das Heute werfen? Der Rheinländer Altfried Janich, ein Arzt der Anstalt, hätte die Kulisse nicht gebraucht. Schon sein Hobby weist ihn als Schattenwesen aus. Er jagt "Erlkönige", jene neuen Automodelle, die, mit Applikationen verfremdet, zum Testen über Nebenstraßen gefahren werden: Zwar wollen die Hersteller die Prototypen der rauen Wirklichkeit aussetzen, aber kein fremder Blick soll die künftige Gestalt der Modelle erahnen können. Janich wird nie ein Foto der von ihm begehrten Objekte gelingen, immer bleiben ihm leere Landschaften, verwehte Bäume, Regen auf einsamen Straßen.

    Scheinbar ganz anders Odilo, Janichs einziger Freund. Der ist ein erfolgreicher Forscher und versucht das Luziferin, den Stoff der Glühwürmchen und Quallen leuchtend macht, auf andere lebende Organismen zu übertragen. Er luziferisiert Mäuse. Weil er von dieser Wissenschaft besessen ist, weil sie all seine Zeit frisst, schläft er nur noch wenige Stunden, wohnt immer noch bei seiner Mutter und ist so selbstbezogen wie nur einer sein kann. Wie solch ein Sonderling ein Liebesverhältnis zur durchaus lebensbejahenden Schwester Janichs entwickeln konnte, wird immer das Geheimnis der Autorin bleiben. Ohnehin sind die Figuren des Romans bar jeder Entwicklung: Sie tauchen als fertige Geschöpfe auf dem literarischen Schachbrett auf, werden ein wenig hin und her geschoben, um dann im Dunkel der Schöpfungsgeschichte wieder zur verschwinden.

    Weil das bröckelnde Schloss mit seinen kafkaesken Räumen der Schriftstellerin anscheinenden nicht genug an Düsternis hergibt, wird ihm noch eine Geschichte als Vernichtungsort der Euthanasie beigegeben: Gaskammern soll es dort gegeben haben, sogar die Zahlen der Ermordeten werden im Roman akribisch aufgeschrieben. Ein anderer Ausflug in die deutsche Geschichte führt in die Heimat von Janichs Eltern, nach Schlesien. Bruder und Schwester begleiten eine Tante nach Polen, die auf dem ehemaligen Hof der Familie ein Grabkreuz errichten will. Es überrascht nicht, dass dieses Stück Polen eher grau als farbig ist, dass die Gefühle der Kreuzzügler eher verhalten als eindringlich sind und dass selbst die Schneekoppe, der Sehnsuchtsberg der Schlesier, nur als Zweitehand-Erlebnis auftaucht.

    All diese Tristesse wird in einer makellosen Sprache erzählt, mal marmorn, mal ehern fühlt sich die Syntax an. Wortgebäude von kühler Pracht errichtet Marion Poschmann, aber man mag nicht darin wohnen. Nur einmal leistet sie sich einen Satz, der ihrer Kontrolle entglitten ist und überdeutlich erkennen lässt, dass die Form den Inhalt überwuchert hat: "Abgerissenes Seegras, dem Roß des Okeanos zum Fraß vorgeworfen, von der gleichmäßigen Peristaltik der Wellen zu Bällen gerollt, kleine Tischtennisbälle und größere Tennisbälle, perfekt gerundete Pferdeäpfel der See." Bei so viel Form wird dann die Funktion, der Gang der Haltung zweitrangig.

    Buchtitel: Sonnenposition
    Autor: Marion Poschmann
    Verlag: Suhrkamp

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  9. #29
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    Obama: Richter und henker



    OBAMA: RICHTER UND HENKER

    Verurteilt: Das syrische Volk

    Quelle: Rationalgalerie

    OBAMA: RICHTER UND HENKER

    Verurteilt: Das syrische Volk

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 29. August 2013


    In Pueblo in Colorado und Richmond in Kentucky findet man die Lagerhallen, in denen die USA immer noch ihre Giftgasproduktion stapeln. Zwar haben die Vereinigten Staaten 1997 das Chemiewaffen-Abkommen ratifiziert, nach dem die Waffen bis zum Jahr 2012 vernichtet werden sollen. Aber was eine Weltmacht ist, die macht was sie will: Zehn Prozent der ursprünglich 13.600 Tonnen Giftwaffen sollen jetzt, glaubt man der USA-Regierung, erst im Jahr 2021 zerstört werden. Gibt es eine Anklage gegen die USA? Gibt es ein Gericht, eine Verurteilung, eine Strafmassnahme?

    In der Chemieanlage Ruwagha, 600 Kilometer südöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis, lagern jene Chemiewaffen, die einst als düstere Bedrohung durch "den Diktator Gaddafi" in deutschen Medien als Kriegsargument gehandelt wurden. Gaddafi hat das Giftgas nicht einsetzen lassen. Seit mehr als einem Jahr sind die chemischen Waffen nun in der Hand der ehemaligen Rebellen. Angeblich unterliegen sie ebenfalls der Kontrolle der USA. Auch Libyen hat das Chemiewaffen-Abkommen unterschrieben. Doch die Waffen in Ruwagha sind nicht vernichtet. Gibt es eine Anklage? Gibt es ein Gericht, eine Verurteilung, eine Strafmassnahme?

    Auf Fotos, die kurdische Aktivisten einer deutschen Menschenrechtsdelegation vorlegten, sind verbrannte, verstümmelte und verätzte Körperteile zu sehen. Es handelt sich um die Leichen von PKK-Kämpfern, die im September 2009 getötet worden seien. Die Tageszeitung ( taz ) hat die Fotos dem Hamburger Universitätsklinikum vorgelegt. Die Ärzte gingen davon aus, dass die Kurden "mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Einsatz chemischer Substanzen" starben. Gibt es eine Anklage? Gibt es ein Gericht, eine Verurteilung, eine Strafmassnahme?

    Das Magazin "Foreign Policy" berichtet unter Berufung auf CIA-Dokumente und Zeugenaussagen damaliger Verantwortlicher, die US-Regierung habe bereits seit 1983 nicht nur gewusst, dass der damalige Machthaber Saddam Hussein Sarin oder andere Nervengase gegen die iranischen Truppen einsetzte. Sondern die USA lieferten Saddam Hussein sogar Informationen über Luftabwehrstellungen des Iran. Der Irak erstickte daraufhin im April 1988 mit einer großangelegten Offensive auf der Halbinsel Fao einen iranischen Angriff - gestützt auf Bombardements mit Chemiewaffen. Viermal wurde laut CIA Giftgas eingesetzt. Dabei kamen jeweils "hunderte bis tausende Iraner" ums Leben, wie "Foreign Policy" enthüllte. Das darf man Beihilfe zum Giftgasmord nennen. Gibt es eine Anklage? Gibt es ein Gericht, eine Verurteilung, eine Strafmassnahme?

    Gegen die syrische Regierung gibt es eine Anklage. Sie soll einen Giftgasangriff auf syrische Menschen befohlen haben. Chefankläger ist Barack Obama im Namen der USA. Beweise für die Tat gibt es nicht. Doch Richter Obama hat sein Urteil schon verkündet: Es sei die syrische Regierung gewesen. Auch dass sie bestraft werden soll, ist schon verkündet. Nur wann das Urteil vollstreckt werden soll, ist noch unklar. Raketen und Bomben sind bereits in Stellung gebracht.

    "Es ist bedauerlich, dass unsere Partner entschieden haben, das bilaterale Treffen abzusagen", teilte der stellvertretende russische Außenminister Gennadi Gatilow in diesen Tagen mit. Es ging um ein Treffen in Den Haag zwischen den USA und Russland, das zur Vorbereitung einer Konferenz dienen sollte, auf der eine politische Lösung für die Syrien-Krise gesucht werden sollte. Das US-Außenministerium sagte diesen Termin kurzfristig ab. Man bombt lieber, was soll man also mit den Russen reden.

    Im Verfahren gegen Syrien gibt es jede Menge deutscher Beisitzer: "Dieser Giftgasangriff ist eine Zäsur in dem schon lange andauernden internen Konflikt. Das syrische Regime darf nicht hoffen, diese Art der völkerrechtswidrigen Kriegführung ungestraft fortsetzen zu können." Das weiß Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, als sei er dabei gewesen. Als stellvertretend für die deutschen Medien im Prozess gegen Syrien darf die ARD gelten. Sie initiiert auf ihrer Website eine "Volksabstimmung". Man muss nur noch ankreuzen. Immer heißt es dort: "Es ist richtig (oder falsch), Syrien wegen des Giftgaseinsatzes anzugreifen . . . ", dann folgen die kleinen Einschränkungen, mal mit, mal ohne UN-Mandat. Dass Syrien einen Giftgaseinsatz durchgeführt hat, setzten die Geschworenen der ARD natürlich voraus.

    Eine Bestrafungsaktion wird der Militäreinsatz gegen Syrien genannt. Selbst wenn man von der Beweislage absähe: Bestraft werden würde das syrische Volk. Die Syrer wären der Kollateral-Schaden einer Aktion, die Obama in schönster Bush-Tradition durchführen will. Als Richter und Henker in einer Person.
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  10. #30
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    JOHN KERRY



    JOHN KERRY

    Ein Kinn für die Freiheit


    Quelle: Rationalgalerie

    JOHN KERRY

    Ein Kinn für die Freiheit

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 12. September 2013

    Politiker in den USA haben alle den selben Friseur. Oder es gibt eine Politiker-Frisur-Dienstanweisung. Denn nahezu alle US-Politiker tragen ihre Silberlocken sorgsam hochgeföhnt und mit Haarspray fixiert, leicht gescheitelt und nach hinten gekämmt. Auch und gerade John Kerry trägt diese, wie mit der Laubsäge modellierte Haartracht. Politiker in den USA haben alle ein ausgeprägtes Kinn. Energisch nach vorne geschwungen, tatkräftig in die internationalen Stürme gereckt, ragt das normierte US-Politiker-Kinn hinaus in die Freiheit, die es jederzeit und an jedem Punkt der Erde zu verteidigen gilt. Doch niemand kann mit dem Freiheits-Kinn des John Kerry konkurrieren.

    "Ich bin durch Vietnam belehrt, aber nicht gefangen", schreibt der Außenminister der USA in der Zeitung DIE WELT und meint damit, er lasse sich keineswegs von einem Krieg gegen Syrien abbringen. Nur weil er als junger Mensch mal gegen den Vietnam-Krieg war nachdem er vorher im selben Krieg als Kommandant eines Schnellbootes einen Orden nach dem anderen eingesackt hatte. Zwar haben Syrien und Russland seinen nur "rhetorisch" gemeinten Vorschlag, Assad könne einem Angriff entgehen - wenn er "sämtliche" Chemiewaffen der internationalen Gemeinschaft übergebe - aufgegriffen und so dem drohenden Krieg eine Atempause verschafft. Aber immer noch wollen die USA dem befreundeten Katar eine Gas-Pipeline zum Mittelmeer verschaffen. Und immer noch stört bei diesem Vorhaben der russische Militärstützpunkt in Syrien sehr. Der internationale Krieg, in den dann auch der Iran und Israel verwickelt wären, ist aufgeschoben. Er ist noch begrenzt auf die internationale Hilfe für die Rebellen: Drei Milliarden Dollar hat Katar schon investiert, die Saudis liefern Waffen aller Art, und die USA leiten über die CIA die Logistik. Auch deshalb lohnt es sich, John Kerry unter die Lupe zu nehmen.

    "Und auch der Irak hat mir eine Lektion erteilt, ohne mich zu lähmen", schreibt Kerry weiter in seinem WELT-Artikel und meint jene scheinbare Gehirnlähmung, die mit den vorgeblichen irakischen "Massenvernichtungswaffen" den Irakkrieg begründete. Ein Krieg, dem Kerry selbstverständlich damals zugestimmt hat. Denn Kerry gehört zu jener dünnen Oberschicht in den USA, die wie eine Ölpest auf dem Meer der amerikanischen Bevölkerung schwimmt, jeden Ansatz echter Demokratie erstickend. John Kerry ist in den Reichtum hineingeboren: Sein Vater war amerikanischer Diplomat, seine Mutter gehörte dem Ostküsten-Adel an, jenen Schwerreichen, die seit Jahr und Tag untereinander heiraten, damit Geld und Einfluss in der Familie bleiben. Es versteht sich, dass der junge Kerry an der 1701 gegründeten Yale-Universität studiert hat und dort Mitglied der exklusiven Studentenverbindung Skull & Bones (Schädel und Knochen) war, ein Klub, dem die Kinder der Superreichen angehören und dessen Karriere-Netzwerk wie Mehltau auf dem ganzen Land lastet.

    Es ist kein Witz, es ist die übliche üble Wahrheit: Im US-Präsidentschafts-Wahlkampf 2004 standen sich mit John Kerry und George W. Bush zwei Mitglieder von Skull & Bones gegenüber. Beide haben auf die Frage des selben TV-Moderators nach der studentischen Geheimgesellschaft identisch geantwortet: Das alles sei geheim. Dabei ist es wirklich kein Geheimnis, dass dieser universitäre Elitezirkel einen Einheitstyp der US-Politik hervorbringt. Die gleiche Frisur, die gleiche Gesinnung: Man gibt den eigenen Vorteil als das Wohl des Landes aus. Auch die Kosten des damaligen Wahlkampfes, um die 600 Millionen Dollar, weisen auf die Nutznießer hin: Nur mit viel, viel Geld ist ein Wahlkampf in den USA zu gewinnen. Mehr als 200 Unternehmen haben den Kerry-Wahlkampf gesponsert. Unter ihnen die Citigroup, Apple und das Whiskey-Imperium Brown-Forman (Jack Daniels). Der damalige Chef von Goldman-Sachs wußte über Kerry: "John Kerry ist gut für die Wirtschaft und daher auch gut für die Märkte."

    Immer noch wartet der US-Energiemarkt auf eine für ihn vorteilhafte Pipeline-Lösung in Syrien. Deshalb hat der US-Außenminister seine durch nichts bewiesene Behauptung bisher nicht zurückgenommen oder konkretisiert: "Wir wissen wer Chemiewaffen benutzte. Auch wann und wie." Kerry weiß es und wir auch: Immer noch lagern in den USA mehr als 1.000 Tonnen Chemiewaffen aller Art, die, würden die Vereinigten Staaten dem internationalen Abkommen entsprechen, seit dem letzten Jahr vernichtet sein sollten. Man darf gespannt sein, ob und wann die USA diese Waffen in eine Abrüstungsdebatte um die syrischen Chemiewaffen einbringen werden.
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