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Thema: rationalgalerie.de - Uli Gellermann

  1. #41
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    Der Butler


    Der Butler

    Nur wer sich wehrt, wahrt seine Würde.

    Quelle: Rationalgalerie

    Der Butler

    Nur wer sich wehrt, wahrt seine Würde.

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 07. Oktober 2013
    -----
    Filmtitel: Der Butler
    Regie: Lee Daniels


    Ein Ende im Jubel: Endlich, so scheint es, ist mit der Präsidentschaft Barak Obamas die lange Zeit der zweiten Sklaverei beendet, haben die Afro-Amerikaner die selben Rechte wie die Weißen. Das jedenfalls nehmen Cecil und sein Sohn Louis an, als sie aus dem Fernseher das Ergebnis der US-Wahlen 2008 erfahren. Scheinbar beobachten sie in "Der Butler" das Ende einer langen Reise, jener Reise Cecils von den Baumwollfeldern, auf denen sein Vater ermordet wurde, bis zum Weißen Haus, in dem er als Butler sieben US-Präsidenten gedient hatte. Und die Reise seines Sohnes, der als Mitglied der Bürgerrechtsbewegung geschlagen wurde, die Gefängnisse der USA von innen kennen lernte und nur knapp dem Lynchmord entgangen ist. Es ist eine Exkursion durch die Geschichte des schwarzen Nord-Amerika, die vom Regisseur Lee Daniels in einen Zweistunden-Film gegossen wurde und der ohne zu belehren doch eines lehrt: Nur wer sich wehrt, wahrt seine Würde.



    Cecil der Butler ist der klassische Onkel Tom: Mit der immer gleichen Fassade des devoten Dieners hilft er den weißen Oberschichtlern in diesem und jenem Hotel - so perfekt, so unsichtbar und doch immer zur Stelle - sich wohl zu fühlen. So gelangt Forest Whitaker, der den Cecil spielt, mit einem Minimum an Mimik und einem Maximum an Ausstrahlung ins Weiße Haus. An seiner Seite Gloria, gespielt von Oprah Winfrey, die in der Rolle der Mutter und Hausfrau aufgeht, als wäre sie in der Wirklichkeit nicht Milliardärin und eine berühmte TV-Entertainerin. Oprah, die selbst von ganz unten kommt, gibt die Mom mit einem Mut zur Hässlichkeit, der Beifall verdient. Nun scheinen der Butler und seine Frau ganz oben angelangt zu sein, so oben, wie ein Farbiger in den USA der 50er Jahre nur sein kann: Ein spießiges Haus in einem spießigen Viertel, finanziert von ein Job, der einen "Housenigger" so nahe an den Präsidenten bringt wie irgend möglich.



    Es ist Louis (David Oyelowo), der älteste Sohn des Paares, der für die Brüche des Idylls zuständig ist. Mit ihm sind die USA in aller Hässlichkeit zu besichtigen: Die faktische Apartheit bis in 70er, der harte Kampf um den gleichen Platz im Bus, auf den Parkbänken, auch an Louis´ Universität zeigt der Film mit einem prägenden Bild getrennte Wasserspender für Weiße und Farbige. Aber vor allem erzählt er vom lebensgefährlichen Kampf der "Freedom Riders" jener Gruppe von Farbigen und Weißen, die den gewaltlosen Widerstand mit einer gemeinsamen Fahrt durch den amerikanischen Süden probten und dabei beinahe im Bus verbrannten, von den brutalen Attacken des Klu Klux Klan und einer Polizei, die regelmäßig auf der Seite der Täter steht. Mit Martin Luther King erscheint die große Gestalt der schwarzen Emanzipationsbewegung, der Louis aber nicht dauerhaft folgen mag: Zu viele seiner politischen Freunde sitzen in den Gefängnissen. Zu langsam erscheinen ihm die Fortschritte. Mit der Black Panther Party glaubt er den Beschleuniger gefunden zu haben. Auch wenn Louis sich später von den bewaffneten Militanten trennt, erklärt sich doch die Wut der Panthers aus den Unterdrückungsverhältnissen, die der Film sorgfältig und bildmächtig nacherzählt.



    Immer wieder benutzt der Regisseur Lee Daniels eine Choreografie des Vergleichs: Hier schreiten die Butler des Weißen Haus gravitätisch durch Festbankette und im Gegenschnitt marschieren die Bürgerrechtler durch die Straßen des Landes, im trauten Heim feiert der Butler mit seinen Freunden und der Film kontert mit Bildern aus den Gefängnissen, in denen der Sohn mal wieder nach einer Aktion gelandet ist. - Zugleich hält der Film eine ganze Fülle von den zumeist lausigen US-Präsidenten bereit, die zuweilen auch von lausig agierenden Schauspielern dargestellt werden: Von Eisenhower über Kennedy bis Reagan. Ihnen allen war der Butler zu Diensten, war ihnen meist näher als seiner Familie. Doch Cecil wird sich aus seiner Rolle lösen, wird seinem Sohn und dem Gefängnis näher kommen.



    Es ist das falsche Happy-End, das die eigentlich gute Arbeit von Lee Daniels, gedreht nach einer wahren Geschichte, beschädigt. Denn der Sieg des ersten farbigen Präsidenten der USA ändert bisher nichts daran, dass nur wenige Farbige in den Vorständen der weißen Unternehmen sitzen, nur wenige eine Rolle in den Medien spielen oder in die oberen Ränge der Universitäten gelangen. Statt dessen spielen sie eine tragende Rolle in den Schlangen vor den Suppenküche, als Rauschgiftkonsumenten und stellen gut 40 Prozent der Gefängnisinsassen obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur 13 Prozent ausmacht.- Zu Beginn sagt Cecil, die Lage der Schwarzen bedenkend: "The Law was against us." Mag sein, dass die Gesetze nicht mehr gegen die Schwarzen sind. Die Verhältnisse aber hat auch Barack Obama nicht ändern können oder wollen. Er ist der gute "Housenigger" einer weißen Oberschicht, deren Söhnchen bestenfalls als Offiziere nach Afghanistan gehen, während die Mehrheit der Mannschaften schwarz ist und ganz vorne Dienst tut, dort wo man schnell sterben kann.



    Der Film kommt am 10. Oktober in die Kinos.Kommentare



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  2. #42
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    Alles auf Wahl-Anfang


    Alles auf Wahl-Anfang

    Gehen Sie auf LOS und ziehen Sie im Vorübergehen 3000 Geld ein


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    Alles auf Wahl-Anfang

    Gehen Sie auf LOS und ziehen Sie im Vorübergehen 3000 Geld ein

    Autor: Wolfgang Blaschka
    Datum: 10. Oktober 2013


    Nach der Wahl nun beginnt das Hauen und Stechen, vor allem bei den Grünen. Die Prominenz der ersten Reihe ist zurück getreten, um Platz zu machen für einen Neuanfang. Der beginnt auch prompt mit Heulen und Zähneknirschen, eingeläutet von den Nachrückern, den etwas Jüngeren, für die die Grünen nie "ein Projekt" waren, sondern fast schon so gut wie fertig. Es ging während ihrer Partei-Sozialisation nicht mehr um die Frage von Krieg und Frieden, die war schon schlecht entschieden. Es ging auch nicht mehr darum, ob Ausstieg aus der Kernenergie, sondern nur noch wann und zu welchen Konditionen. Die CDU hat sich im Schweinsgalopp mal her, mal hin entschieden, jedenfalls gegen die Grünen und am Schluss ganz ohne sie.

    Dabei war das doch ihr ureigenstes Thema. Mit Fukushima war es paradoxerweise dahin. Nun versuchte Trittin noch ein letztesmal einen Anlauf, um weg von der abgegrasten Umweltfront hin zum Schlüsselressort der politischen Macht, der Finanzkompetenz zu gelangen. Mit einem ehrbaren Steuerkonzept, das Furcht und Schrecken verbreitete inmitten der Besserverdienenden, weil es sie mitten in ihr Geschlechtsorgan getroffen hätte, den Geldbeutel. Im Namen der sozialen Gerechtigkeit (und einer ausdrücklich angestrebten Koalition mit der SPD) sollte der Spitzensteuersatz angehoben werden. Das grüne Kalkül, sich als links zu profilieren, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Jetzt wird zerknirscht zurückgerudert. Nur wohin? "Steuererhöhungen sind kein Selbstzweck", sagt Kerstin Andreae. Und Cem Özdemir sekundiert: "Ökologie und Wirtschaft (Ökonomie) gehören zusammen". Manche Grüne denken Steuern neu: Hauptsache öko!

    In Zukunft sollen die Grünen mehr schwarz sehen und in die Mitte rücken, sagen manche Nachrücker. Man kennt das von Schröder, der so selbstbezogen war zu meinen, wo immer er stünde, sei die Mitte. Ein etwas egozentrisches Weltbild, das der SPD die Illusion verschaffen sollte, es drehe sich alles um sie, und sie um Gerd. Die klassische Partei der Mitte, die diese jedenfalls seit jeher für sich reklamierte, ist derweil unter die 5-Prozent-Hürde abgetaucht, und ab durch die Mitte entschwunden, aus unmittelbarer Unvermittelbarkeit.

    Nun muss sich eine neue Mitte etablieren, die Grünen. Längst besteht ihr Klientel nicht mehr in erster Linie aus pazifistischen Parka- und Sandalenträgern, radikalen Tierschutz-Fundis und parteitagsstrickenden Feministen männlichen Geschlechts, sondern aus notablen Firmengründern, satourierten Akademikern, etablierten Freiberuflern. Für die soziale Frage bleibt da nicht mehr viel Gehör, vor allem, wenn es sich nicht lohnt. Die Grünen der nächsten Generation denken effizient, zielstrebig und ergebnisorientiert. Sie haben kaum noch etwas in der Nase vom Reizgas bei Gorleben-Demonstrationen. Sie demonstrieren fernab von den Bahngleisen am Marktplatz. Was nichts bringt, wird ausgemustert. Den "Friesennerz" haben sie längst gegen die Goretex-Jacke von Wolfskin eingetauscht, wenn nicht gegen den Popelinmantel ihres Vaters.

    Bei der SPD ist man da schon immer etwas weiter gewesen. Internationale Solidarität? Das war einmal. Vor dem Ersten Weltkrieg. Arbeiterpartei? Seit Godesberg perdu. Klassenkampf? Längst hinüber und darüber hinweg. Was bleibt, ist eine allgemeine Worthülse von Gerechtigkeit. Das alte Erbe von Lassalle und seinem "gerechten Lohn". Nur, was war das? Wie hoch ist der? Kann es ihn überhaupt geben, solange die einen die Produktionsmittel und die andern nur ihre Arbeitskraft einbringen in den Produktionsprozess? Wer heimst den Mehrwert ein? Solch marxistische Fragen sind nicht gemeint, wenn die SPD sagt, der Mindestlohn müsse bei 8,50 Euro liegen. Sie hat das genau ausgerechnet, wie auch den Hartz-IV-Satz damals.

    Die SPD hat die härtesten Kalkulatoren für gesetzlich verordnete Armut. Nun muss sie schon wieder streng kalkulieren: Kostet der Eintritt in eine Große Koalation Kopf und Kragen oder nur die letzten Wählerstimmen bei der nächsten Wahl? Hannelore, die kraft der Mehrheit der SPD-regierten Länder im Bundesrat ihrem starken Namen alle Ehre machen kann, sagt eindeutig, dass die SPD ihre restlichen Inhalte bestimmt nicht zum Schleuderpreis verramscht. Sie will den Preis hochtreiben. Sigmar Gabriel will ihn dagegen nicht allzu hoch treiben und signalisiert Entgegenkommen bei der Anhebung des Spitzensteuersatzes. Auch für ihn sind Steuererhöhungen kein Selbstzweck, sagt er unisono mit den Grünen, als ginge es um rot-grüne Koalitionsverhandlungen. Die Kanzlerin lobt bereits die "gute Atmosphäre" bei den Sondierungsgesprächen.

    Es scheint nicht übermäßig teuer zu werden für sie. Es kostet sie ein verbindliches Lächeln, schwer genug. Aber was ist die SPD wert? Und was ist es ihr wert mitzuregieren? Die Mitglieder sollen da eng eingebunden werden. Das klingt wie eine Drohung mit dem Gängelband. Sie meint es wohl anders: "Sieh her, Angela, wir haben noch Mitglieder, die das gar nicht so gern sehen, wenn wir uns Dir ausliefern". Auch wenn diese Mitglieder immer weniger werden. Es herrscht wie bei fast allen Parteien Mitgliederschwund.

    Bei der CDU ist das nicht viel anders. Doch da hatten die Mitglieder noch nie viel zu schnabeln. Aber auch dort regt sich Widerstand. Man möchte nicht noch mehr "Sozialdemokratisierung" bei den Konservativen. Die Frauenquote für die Spitzenposition haben sie längst zu 100 Prozent erreicht, das muss doch reichen. Eine Mutti für alle, das ist weit mehr als Feminismus, das ist schon blankes Matriarchat! Wozu also noch verhandeln? Man hat doch die Wahl (fast) gewonnen! Nur, dieses "fast" kostet eben, Zugeständnisse zum Beispiel. Es muss doch noch was geben zwischen Mindestlohn und Minimallohn, oder? Vielleicht zwei, drei Ministerien, na gut. Immerhin blockiert der Seehofer nur frontal gegen die Grünen. Schäuble klappt schon mal vorsichtig die Schatulle auf für eventuelle Steuerhöhungen, selbstverständlich nur für die ganz, ganz Gutverdienenden, falls das unbedingt nötig sein sollte. Mit irgendwas muss die Union ja locken. Warum nicht mit mehr Geld zum Bankenretten? Das macht die SPD doch reflexartig mit. Da klappen die Arme hoch wie nichts. Das hat schon Tradition mit der Union. Aber erst musste verhandelt werden, ob überhaupt verhandelt wird. Ansonsten fühlten sich Wähler und Mitglieder gleichermaßen verraten und verkauft vom K.o.poly-Spiel.

    DIE LINKE bleibt wie gehabt außen vor beim Koalopoly, und kann umso entspannter auftrumpfen: Ihr subversiver Plan, Rot-Rot-Grün solle noch vor Kanzlerwahl und Regierungsbildung den von allen Dreien im Wahlkampf propagierten Mindestlohn durchsetzen mit ihrer bestehenden Mehrheit, muss freilich abgelehnt werden, sonst ginge es am Ende noch um Sachfragen. Als stünde es noch nicht klar genug vor aller Augen, wie wenig die beiden anderen Parteien der Union entgegensetzen wollen, wie kläglich sie zu Kreuze kriechen vor dem Regierungsthron, den Angela Merkel zweifellos einnehmen wird, sobald sie ihn stützen.

    Andernfalls könnte sie leicht stürzen, schon bei der erstbesten Gelegenheit. Aber das trauen sich die Mehrheitsbeschaffer nicht. Auch wenn sie die Mehrheit dazu haben. Ihr Bekenntnis zum gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn zerbröselt unter der Nagelprobe. Doch auch DIE LINKE hat verloren: Wähler und Mitglieder. Die knappe Überflügelung der Grünen gereicht ihr kaum zum Trost. Mit der drittstärksten Fraktion des Bundestages wird gar nicht erst groß geredet, sie ist schlichtweg zuwenig kriegswillig. Überhaupt mögen die deutschen Wähler von Haus aus kein Parteiengezänk.


    Da müssen sich jetzt die Parteien etwas einfallen lassen, wie sie diesen Trend stoppen. Eine Option wäre, eine andere Politik zu machen, als nur immer von unten nach oben zu schaufeln, auch wenn der Boden längst nachgibt. Aber das ist nicht zu erwarten. Daher muss das Pferd von hinten her aufgezäumt werden. Bevor sie der Treibsand ins nächste Milliardenloch zieht, könnten sie vielleicht Beratungsfirmen engagieren.

    Die würden ihnen vermutlich verraten, dass die größeren Parteien fusionieren sollten, um sich erst mal wieder wirklich groß zu machen. Sowas könnte Eindruck schinden. Schiere Größe überzeugt. Synergie-Effekte nutzen, Rationalisieren, Verschlanken, das ganze Programm, das Beratungsfirmen eben so drauf haben. Eine "Christlich-Sozial-Demokratische Union" könnte das allmähliche Absterben der SPD verhindern und nebenbei neuen Schwung auch ins konservative Lager bringen. Die kleineren Parteien CSU und Grüne könnten als sogenannte "Bündnis-Union" mit der CSPDU koalieren, falls der Wählerschwund doch nicht aufzuhalten oder eine absolute Mehrheit der LINKEn nicht mehr anders zu verhindern wäre ohne Putsch. Der sollte jedoch die Ultima Ratio bleiben und erst kurz vor einer Revolution angezettelt werden.

    Soweit muss heute noch nicht gedacht werden. Es genügt vorderhand, alles wieder auf Anfang zu setzen und bei "Los" die Wahlkampfkosten-Erstattung mitzunehmen. In vier Jahren sehen wir weiter, falls sich der Bundestag nicht vorzeitig aufgelöst hat. Bis dahin sollte das eine oder andere Nicht-mehr- oder Noch-nicht-Mitglied aus der Reserve gelockt und angeworben sein. Wenn das alle Parteien beherzigen, haben wir bald wieder Wahlbeteiligungen wie zu Willy Brandts Zeiten. Es waren mal sagenhafte 91,1 Prozent. Da müsste Mutti lange für stricken. Aber sie hat ja mehrfach verlauten lassen, dass sie maximal zehn Jahre im Amt bleiben will. Das wäre bis zur Halbzeit der Legislaturperiode. Mal sehen, ob die Regierungsbildung bis dahin zustande gekommen sein wird. Der nächste Koalitionsbruch ist jedenfalls vorsorglich angekündigt. Es darf weiter gewürfelt werden, bis niemand mehr gewählt hat, was dann regiert: Das blanke Entsetzen vor einem riesigen Schwarzen Loch. Es sei denn, CERN experimentiert erfolgreicher und kommt dem zuvor.

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    Die Fackel der Aufklärung


    Die Fackel der Aufklärung

    Diderots Enzyklopädie

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    Die Fackel der Aufklärung

    Diderots Enzyklopädie

    Autor: Botho Cude
    Datum: 10. Oktober 2013
    -----
    Buchtitel: Diderots Enzyklopädie
    Buchautor: Denis Diderot u. a.
    Verlag: Die Andere Bibliothek


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    Gewiß wird dieses Werk mit der Zeit eine Revolution im Denken bewirken, und ich hoffe, daß die Tyrannen, Unterdrücker, Fanatiker und Unduldsamen das Nachsehen haben. Wir werden der Menschheit einen Dienst erweisen; doch wir werden schon lange Staub und Asche sein, bevor man uns dafür Dank weiß.

    Diderot an Sophie Volland, 25. Sept. 1762 /1/


    Liebe LeserInnen,
    am 5. Oktober jährt sich der Geburtstag des französischen Aufklärers Denis Diderot das dreihundertste Mal. Die Andere Bibliothek hat beschlossen, dem Heros der Lexikografie anlässlich des Jubiläums ein Denkmal zu setzen, und was könnte das anderes sein, als ein großes Buch? Es ist ein Prachtband im Quartformat geworden, der ausgewählte Artikel aus Diderots Hauptwerk enthält. Das ist die „Enzyklopädie oder Auf Vernunfterkenntnis gegründetes Lexikon der Wissenschaften, der Kunst und des Handwerks“. Verschönt wird das Buch durch die Wiedergabe von Kupferstichen, die den Tafelbänden der Enzyklopädie entnommen sind. Im Zeitalter des E-Books dürfte es den FreundInnen moderner Buchkunst zunehmend seltener vergönnt sein, solch gewichtige Köstlichkeiten in Händen zu halten.


    Denis Diderot wird 1713 geboren als Sohn eines Messerschmieds in Langres. Grosse und befestigte Stadt in Champagne auff einem Berge, am Ursprung der Marne, schreibt dazu Johann Hübners Staats- und Zeitungslexicon von 1704. /2/ Er besucht das dortige Jesuitenkolleg, verlässt es 1728 vorzeitig und verzichtet somit auf die geistliche Laufbahn, geht nach Paris und macht daselbst 1732 den Magister in Jurisprudenz. Diderot heiratet 1743 und ernährt die Familie mit Übersetzungen und literarischer Gelegenheitsarbeit. Dann übernimmt er 1747 mit dem Mathematiker d’Alembert die Herausgabe der Enzyklopädie. Dieses Werk wird ihn in Europa berühmt machen. Und obwohl die ideologischen Institutionen der Zeit, voran die Sozietäten der Jesuiten und Jansenisten, ihn öffentlich angreifen, kann er sich (anders als heute Salman Rushdie) frei in der Gesellschaft bewegen. Keine fanatisierten Meuchelmörder bedrohen sein Leben.


    Die Hauptfeinde der Enzyklopädisten sind der Klerus und die konservative Aristokratie und damit das von ihnen konservierte mittelalterliche Weltbild. Die Enzyklopädisten sind blind für die Schönheit der jüdischen Sagen und Mythen der Thora und belächeln die wirre Prophetie des Neuen Testaments. Für sie sind Moses, Jesus und Mohammed nur Betrüger, als die sie schon das Buch De Tribus Impostoribus zu Luthers Zeiten verlästerte.



    Die Arbeit an der Enzyklopädie ist von Anbeginn von staatlicher Verfolgung überschattet. Noch vor Erscheinen des ersten Bandes wird Diderot 1749 verhaftet nach Veröffentlichung seines sensualistischen „Briefs über die Blinden zum Gebrauch für die Sehenden“ und für drei Monate in Vincennes eingekerkert. Das erscheint uns heute ziemlich milde, wo das Randalieren in Kirchen und Schmähgesänge auf den Herrscher Russlands mit zwei Jahren Arbeitslager geahndet werden. Diderots Freilassung erfolgt allerdings erst nach Unterzeichnung einer Selbstverpflichtung, künftig alles zu Veröffentlichende der Zensur zu unterwerfen. Von nun an werden seine Werke anonym in der „Literarischen Korrespondenz“ oder erst nach seinem Tod erscheinen. Darunter finden sich köstliche ironisch-philosophische Dialoge wie „Rameaus Neffe“ (von Goethe übersetzt), ein assoziativer Roman ohne lineare Handlung („Jakob der Fatalist und sein Herr“) und der Erstling des bürgerlichen Dramas („Der Hausvater“).



    1752 werden die ersten beiden Bände der Enzyklopädie auf Befehl des Königs verboten wegen mehrerer Maximen, die darauf abzielen, die königliche Autorität zu zerstören, den Geist der Unabhängigkeit und der Revolte zu befestigen und die Grundlagen des Irrtums, der Sittenverderbnis und des Unglaubens zu errichten. /3/ Aber das Verbot zeitigt keine Folgen und so können bis 1759 sieben Bände erscheinen. Dann wird als Reaktion auf ein Attentat auf den König im Januar 1757 und die Verdammung der Enzyklopädie durch Papst Clemens XIII. im Jahr 1759 die königliche Druckerlaubnis entzogen. Aber die Mde. de Pompadour, einflussreiche königliche Maitresse, protegiert das Werk und Lamoignon de Malesherbes, Oberaufseher des Buchwesens unter Ludwig XV. und späterer Minister Ludwigs XVI., unterstützt die Enzyklopädisten. Ihm ist es wesentlich zu danken, dass das Riesenwerk zu Ende gebracht wird. Als Diderot die Hausdurchsuchung droht, verbirgt er dessen Manuskripte in seinem Haus. Was waren das für heroische Zeiten! Heute scheint es unmachbar, dass der verpimpelte deutsche Innenminister auch nur unsere harmlosen E-mails vor dem Zugriff der NSA bewahrt.


    Nachfolgend wird die Veröffentlichung stillschweigend geduldet, denn die Enzyklopädie ist auch zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. In seinen besten Zeiten hat das Werk über 150 Autoren, die für die Ehre arbeiten, darunter die Großen der französischen Aufklärung, Voltaire, Montesquieu, Rousseau, Turgot, Marmontel. Unter dem Druck der Verfolgung beenden alle nach und nach die Mitarbeit, auch der Mitherausgeber d’Alembert, und am Ende bringen Diderot und der Chevalier Louis de Jaucourt, der „Lastesel der Enzyklopädie“, zu zweit den Textteil zu Ende. Jaucourt setzt dabei sein gesamtes Vermögen zu und schreibt über 17.000 Artikel!
    Es ist nicht das erste Nachschlagewerk der Aufklärung. Am Anfang steht Pierre Bayles Historisches und kritisches Wörterbuch, das 1697 in Holland erschien. Das von ihm ersonnene Mittel der Querverweise treiben die Enzyklopädisten raffiniert auf die Spitze.
    Z. B. wird am Ende des Artikels Eucharistie auf den Artikel „Menschenfresser“ verwiesen, was auf eine Verspottung der Lehre von der Transsubstantiation hinausläuft. Die Enzyklopädie enthält in weiser Vorsicht keine Personenartikel, mit denen sich spätere Lexika selbst zu entlarven pflegen, dafür aber alles Wissenswerte über das damalige Handwerk.


    Diderot erhält für seine über zwanzigjährige Arbeit weniger als 80.000 Livres. Der Profit der Verleger wird sich auf zirka 2.400.000 Livres belaufen. Ein Gesamtexemplar der Enzyklopädie kostet etwa 900 Livre. Zum Vergleich: Ein Lyoner Seidenarbeiter verdient damals zusammen mit seiner Frau 639 Livre im Jahr. /4/ Damit ist die Klientel der Enzyklopädie beschrieben: Es eine exklusive Gruppe unter den Reichen und Mächtigen. Das Werk wird in Raubdrucken in ganz Europa verbreitet werden und macht seinen Verfasser hochberühmt. Goethe schreibt im 11. Buch von „Dichtung und Wahrheit“ nach einem gewundenen Lobgesang auf die Enzyklopädie: Diderot war nahe genug mit uns verwandt; wie er denn in alle dem, weshalb ihn die Franzosen tadeln, ein wahrer Deutscher ist. /5/
    Diderots Geldsorgen nehmen erst 1763 ein Ende, als die russische Kaiserin Katharina eingreift. Die Zarin kaufte die Bibliothek für 15.000 Frances, überließ sie ihm und stellte ihm obendrein eine Pension von 1.000 Frances, damit er seine eigene Bücherei verwalten könne, berichtet Mde. de Vandeul, die Tochter Diderots. /6/ Diese Pension wurde ihm übrigens auf 50 Jahre im Voraus ausbezahlt. (Ein France entspricht 1795 knapp einem Livre.)


    Diderot verlässt das Unternehmen „Enzyklopädie“ kurz vor Abschluss, als ihm bewusst wird, dass die Verleger aus eigener Machtvollkommenheit den Inhalt kastriert haben. Der spätere Baron Melchior Grimm, d’Alemberts guter Freund, ist der Herausgeber der handschriftlich verbreiteten „Literarischen Korrespondenz“ aus Paris, die damals viele Fürstenhäuser Europas mit dem Neuesten aus Kultur, Kunst und Klatsch beliefert. Er berichtet unter dem 1. 1. 1771: Die Drucklegung des Werkes ging schon ihrem Ende entgegen, als Herr Diderot einen seiner großen philosophischen Artikel unter dem Buchstaben S nachlesen musste und ihn völlig verstümmelt fand. … Er sah die besten Artikel von seiner wie von seiner Helfer Hand durch und fand fast überall das gleiche Durcheinander… Die Entdeckung versetzte ihn in einen Zustand der Raserei und Verzweiflung, den ich nie vergessen werde. /7/



    1773 gönnt sich Diderot endlich die Reise zu seiner Gönnerin Katharina II. von Russland. Katharina hatte seinerzeit nach dem Verbot der Enzyklopädie generös angeboten, den Druck des Werks in Russland fortzusetzen. Diese noble Geste, liebe LeserInnen, gemahnt uns an das Asyl, das der Despot Putin dem von den Wächtern der Demokratie verfolgten Whistleblower Edward Snowden gewährt hat.
    Nicolas Chamfort, dem die französische Revolution das Schlagwort „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ verdankt, hat die folgende Anekdote überliefert: Diderot hatte während seines Aufenthalts in Rußland leibeigene Bauern, Muschiks, bemerkt, entsetzlich arm, von Ungeziefer zerfressen. Er entwarf der Kaiserin ein schreckliches Bild ihres Elends. „Denken Sie denn, sie sollten sich um Häuser kümmern, in denen sie doch nur zur Miete wohnen?“, antwortete Katharina. – Dem russischen Bauern gehört wirklich nicht einmal sein Körper. /8/
    Als Diderot St. Petersburg verlässt, sind Kaiserin und Philosoph von einander etwas enttäuscht.


    Denis Diderot stirbt 1784 in Paris. So entgeht ihm die französische Revolution, der wir auch den Begriff des Terrorismus verdanken. Sein einstiger Beschützer Malesherbes kehrt 1792 aus der Emigration zurück, um König Ludwig XVI. vor dem Konvent zu verteidigen. Vergebens. Der Bürger Louis Capet wird 1793 guillotiniert. Malesherbes’ Kopf rollt im Jahr darauf.

    Anmerkungen
    /1/ Denis Diderot, Briefe an Sophie Volland, Reclam Leipzig 1986, S. 218 f.
    /2/ Johann Hübner, Reales Staats- und Zeitungslexicon, Gleditsch 1704, Sp. 598
    /3/ Diderots Enzyklopädie, Die Andere Bibliothek 2013, S. 29 (Vorwort)
    /4/ Vgl.: Artikel aus der von Diderot und d’Alembert herausgegebenen Enzyklopädie, Reclam Leipzig 1972, S. 10
    /5/ Johann Wolfgang Goethe, Sämtliche Werke 16, Münchner Ausgabe 2006, S. 520
    /6/ Voltaires Briefwechsel mit Friedrich dem Grossen und Katharina II., Hans von Hugo Verlag 1944, S. 187 (Anm.)
    /7/ Melchior Grimm, Paris zündet die Lichter an, Dieterich 1977, S. 325
    /8/ Nicolas Chamfort, Aphorismen und Anekdoten, R. Piper o. J., S. 125

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    Libyen ist längst gescheitert


    Libyen ist längst gescheitert
    Wann scheitern die USA?

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    Libyen ist längst gescheitert

    Wann scheitern die USA?

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 14. Oktober 2013


    Wenn einem Staat oder dessen Bevölkerung von den USA Hilfe und Freundschaft angeboten werden, sollten die Grenzen schnell geschlossen, die Armee in Alarmbereitschaft versetzt und die Streitereien im Land sofort zugunsten eines Anti-USA Bündnisses beendet werden. Die Menschen in Afghanistan, im Irak, in Libyen und Syrien wissen, was die Hilfe der USA im Ergebnis bedeutet: Kaputte Länder. Manchmal, wie im Irak, wird dem Land einfach aus irgendwelchen Gründen die Hilfe erklärt. Häufig finden die USA im jeweiligen Land Verbündete, die, zu Recht oder zu Unrecht, mit der aktuellen Regierung unzufrieden sind und die USA um Hilfe bitten. So war es vor mehr als zwei Jahren auch in Libyen.


    Zwei Jahre nach dem Sieg einer von den USA geführten Allianz über den damaligen Regierungs-Chef und dessen Clan herrscht in Libyen das Chaos. Jüngst wurde der libysche Premier-Minister kurzzeitig entführt. Das Hotel in dem er residiert ist schon mal mit Raketen beschossen worden. Die Macht im Land haben unterschiedliche Milizen, deren Stärke auf insgesamt 250.000 Mann geschätzt wird. Sie werden von Stämmen und Clans gesteuert und von regionalen Warlords befehligt. Zwar liegt das Geschäft mit dem libyschen Öl inzwischen in der Hand westlicher Ölkonzerne. Aber während zu Zeiten Gaddafis noch 1,4 Millionen Fass Öl exportiert wurden, sind es jetzt nur noch 700.000. Kein Wunder, dass die Arbeitslosigkeit in Libyen bei 30 Prozent liegt.


    Wer sich erinnern mag, der weiss noch wie sich die westlichen Medien zu Beginn des Libyen-Krieges Sorgen wegen des libysche Giftgas machten: Der "irrationale Diktator", so war die allgemeine Meinung, könnte das Gas einsetzen. Von der "Washington Post" bis zum "Spiegel" wurde der Krieg auch mit den Tonnen von Senfgas begründet, die in Libyen herumlagen. Aber dann kam die scheinbar befreiende Meldung: Das Giftgas sei unter Kontrolle der Rebellen, jubelten BILD, der Westberliner "Tagesspiegel" und viele andere. In Wahrheit ist das eine Nachricht zum Fürchten, keine zum Jubeln. Vielleicht haben die USA deshalb jüngst 200 Elitesoldaten auf ihren sizilianischen Stützpunkt Sigonella verlegt. Von dort aus sind die Truppen ruckzuck in Libyen, um die Kampfstoffe zu sichern. Natürlich weiß keiner, wie viel der libyschen Giftwaffen von den islamistischen Rebellen bereits an ihre Freunde in Syrien geliefert wurden. Vielleicht sollen die Marines aber nur das schwimmende Guantanamo vor der libyschen Küste schützen: Auf der USS San Antonio zum Beispiel inhaftieren die US-Streitkräfte Terrorverdächtige. Sie werden dort keinen Richter treffen. Das bisschen Recht spricht die US-Armee schon selbst.

    Die deutsche Dauerkanzlerin Angela Merkel ist unbeirrt der Meinung: "Amerika (sie meint die USA) war und ist unser treuester Verbündeter". Und auch das Auswärtige Amt droht mit dieser Position: "Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika verbindet eine vitale und tiefe Freundschaft." Wer solch einen Freund hat, der braucht keine Feinde mehr. Das mit den USA befreundete Rebellen-Libyen ist zu einem failed state, zu einem gescheiterten Staat geworden. Das befreundet Afghanistan ist auf dem Weg dorthin. Der von den USA "befreite" Irak befindet sich im permanenten Bürgerkrieg. Die von den USA und ihren Freunden unterstützten Rebellen in Syrien führen ihren Bürgerkrieg schon im zweiten Jahr. Aber vielleicht können die Völker und Staaten demnächst aufatmen: Den USA droht die Pleite, sie sind selbst auf dem Weg zu einem gescheiterten Staat.

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    Seicht, seichter, Huffington Post


    Seicht, seichter, Huffington Post

    Die Online-Variante der Illustrierten GALA

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    Seicht, seichter, Huffington Post

    Die Online-Variante der Illustrierten GALA

    Autor: Sven Weidner
    Datum: 14. Oktober 2013


    Die Schauspielerlegende Helene Weigel – liiert mit Brecht, Intendantin des Berliner Ensembles und fester Bestandteil seines Theaters - ist in einer kontroversen Diskussion aufgestanden und rief aus: „Ich möchte was zu essen!“. Die ihr dargebotenen Argumente waren ihr zu lau, zu durchsichtig, zu allgemein. Kurzum: kaum plausibel. Schaut man sich das seit Donnerstag dieser Woche auf deutsch erscheinende Online-Magazin Huffington Post an, bekommt man eine Menge zu essen: es ist aber überwiegend, nein ausschließlich journalistischer Fast-Food, aufgewärmt, fantasielos, irreführend, dumm-manipulativ und suggestiv. Und vor allem geklaut und alles andere als fundiert recherchiert.


    Seit Wochen tragen die Macher und Organisatoren jene Namen grell und penetrant durch die Medienlandschaft, die schon für die amerikanische Ausgabe des Online-Portals die Feder ergriffen haben: Barack Obama, Kirk Douglas, Hillary Clinton oder George Clooney haben schon Beiträge geliefert, Man befindet sich also in bester Gesellschaft. Ein buntes, ja attraktives Name-Dropping, das aber noch schöner wird, wenn man die Liste der deutschen Lobbyprominenz und E-Prominenz beäugt, die sich mit kostenlosen Beiträgen für das Qualitätsportal verdient machen: Ursula von der Leyen (ihr Beitrag "Anders arbeiten“ ist pure Unions-Propaganda), René Obermann, Boris Becker, Uschi Glas, Dorothee Bär bilden neben einigen anderen den gemischten Promi-Salat für eine Online-Variante der Illustrierten GALA.

    Im Falle von Becker oder Glas muss man Nachsicht haben: bevor sie völlig versinken im Nichts, oder ausschließlich dumme Serien oder Werbeaufträge annehmen, denken sie halt, dass sie die Menschheit mit ihrem Erfahrungsschatz behelligen müssen. Warum aber von der Leyen und Obermann beispielsweise, die ohne wenn und aber handfeste Interessen vertreten, ein Magazin als Podium nutzen können, wo sie redaktionell nicht kritisch hinterfragt, ihren Käse verbreiten können, muss schon diskutiert werden.


    Denn auf den ersten Blick, und dank der überbordenden Aufmachung ist für den Leser nicht sofort unterscheidbar, welche Texte nun von der Redaktion und welche von irgendwelchen Profilneurotikern verfasst worden sind. Die linke Spalte ist laut den Machern als "Engagement Platform“ konzipiert. Ein anglisierter, wendiger und verschleiernder Euphemismus für die Tatsache, das Hinz und Kunz zu allem und jedem irgendwas verzapfen, und spiralförmig, wie end- und sinnlos ohne Mehrwert rekommentieren kann.


    Aber auch die mittlere und rechte Spalte, die jeweils von der Redaktion zusammengetragenen, oder eigens verfassten Beiträge –so recht weiss man nicht was was ist- enthält, sind auf Unterhaltung und billigen Thrill und Klatsch angelegte Versatzstücke. Als Medien- und Filmwissenschaftler hat der Verfasser vergebens eine Rubrik gesucht, die vielleicht mit "Film“, "Medien“ oder "Kino“ übertitelt ist. Nein, unter der Rubrik "Entertainment“ findet man dann einen üblen wie oberflächlichen Beitrag mit dem Titel "Die heißesten Serien für den Sofa-Herbst“. Das sind spätachziger Formulierungen, die man auf irgendwelchen schon verwelkten Boulevarblättern in einer biederen niederschwäbischen Arztpraxis finden kann. Von "Kulturjournalismus“ haben die angeblich "sehr gut bezahlten“ 15 Redakteure, die an der deutsche Ausgabe des Magazins arbeiten, keinen blassen Schimmer. Interessant auch, dass man nichts über die Textverfasser erfährt, also nicht wissen kann, ob sie vormals in irgendeiner Form journalistisch befasst waren, oder nackig auf einem Berg in Mexiko meditiert haben, bis die Erleuchtung von Miss Huffington über sie hereinbrach.


    Das Magazin ist auf pures Entertainment - mit einem Anstrich von Infotainment - gebürstet, was schon in der grafischen Anordnung evident wird. Aufgedunsene Überschriften komplementär in rot oder grün abgesetzte Head- and Sublines, mit großspurigen Versalien sind die unästhetischen eye-catcher, reißerischer Artikel. Artikel, die nicht lange währen und schnell wieder verschwinden, denn über ihre Überlebensdauer entscheidet allein das Interesse des Lesers. Ziel ist es möglichst abertausende Beiträge auf der Plattform zu versammeln: Mit der scheinheiligen Begründung umfassend wirken zu wollen.


    Ariana Huffington, Gründerin des Magazins, die auftritt wie eine versprengte Sektenführerin oder die milde Form einer Tea-Party Anhängerin, sieht samt ihrer Entourage in dem neuen Portal ein innovatives Neben- und Miteinander von Medienpartizipation, Unterhaltung und Information. Ihre Blogger, die bei weitem und mit großem Abstand den Löwenanteil der Beiträge verfassen, schreiben umsonst. Die Dame ist der Auffassung, dass alleine die Möglichkeit einer weitgehenden Bekanntmachung des Textes schon Lohn genug sind. Freilich kann die selbsterklärte Massenmedienqueen das locker flockig formulieren, hat sie doch Anteile des Unternehmens für satte 315 Millionen Dollar an AOL verkauft. Sowie es den Bloggern nicht um Geld gehen sollte, so geht es auch Frau Huffington mitnichten darum, und schon gar nicht der Burda Verlagsgruppe, die kräftig mitmischt, und unter deren Ägide hier in Deutschland die Huffington Post firmiert.

    Das Magazin ist ein Podium für Aufmerksamkeitsneurotiker, für jene die sich an schlecht-geschriebenen Halbwahrheiten nicht stören; es ist nicht einmal neuer Wein aus alten Schläuchen; das Portal bedient die pathologischen Geltungssucht neurotischer Individuen, die ihr defizitäres Ego durch irgendeinen unheilvollen Quatsch, sowohl auf Sender wie Empfänger Seite zu kompensieren versuchen; immerhin kann man an diesem Portal sehr gut ablesen, wie um die Medien, und die Medienschaffenden bestellt ist. Sie sind mutlos, sie verwechseln Klasse mit Masse, sie sehen im wilden, unstrukturierten Durcheinander des medialen Meinungspluralimus einen Fortschritt. Und so bleibt das scheinbar neue Internet-Magazin doch nur seicht, seichter, Huffington Post.



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  6. #46
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    Himmlischer Protz


    Himmlischer Protz
    Hitler macht´s möglich: Bauen für die Ewigkeit

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    Prunk und Stunk

    Dank Hitler: Bauen für die Ewigkeit

    Autor: Wolfgang Blaschka
    Datum: 17. Oktober 2013



    In Limburg steht ein Dom: Romanisch. Wuchtig. Alt. Aus rotem Sandstein aufgeführt als Abbild des "himmlischen Jerusalem". Über der Vierung ein spitz behelmtes Oktogon, das alles überrragt, dazu am Querhaus vier flankierende Türme, und an der Westfront des Langhauses nochmal zwei. Sieben Fingerzeige also nach ganz oben, hinan zum Jenseits irdischer Gefilde. Gutsituierten Älteren dürfte das pompöse Bauwerk noch von der höchsten D-Mark-Bankknote bekannt sein, dem Tausender-Schein in gediegenem Braun. In Wirklichkeit erhebt sich Limburgs Dom über die schwarzgeschieferten Altstadt-Dächer an der Lahn in leuchtendem Rot. Davor erstreckt sich der weitläufige Komplex des Bischofssitzes samt Ordinariat, Diözesanmuseum und neu errichteter Privat-Wohnung inclusive Innenhof und Kapelle des exzellenten Hausherrn mit dem Respekt einflößenden Namen Franz-Peter Tebartz-van Elst, so standesgemäß wie er einem ehrwürdigen Bischof eben gebührt.

    Doch mit der allgemeinen Ehrfurcht ist es mittlerweilen vorbei. Der Oberhirte mit Krummstab und Siegelring wird neuerdings gemobbt, wegen Baukostenüberschreitung. Wie kleinlich! Statt 5,5 Millionen Euro haben die Renovierungs- und Neubarbeiten an seiner Residenz nun 31, wenn nicht 40 Millionen gekostet. Dabei hat er nur feinste Materialien verbauen lassen und sich ein Badezimmer mit frei stehender Designer-Wanne für 15.000 Euro genehmigt. Auch ein Bistumsvorsteher muss sich doch mal den Schmutz des Alltags von den feinen Gliedern waschen können, all den Dreck, der das hochwürdige Leben eines führenden Kirchenmannes besudelt. Etwa die staatsanwaltlichen Anwürfe gegen ihn wegen seiner offenbar falschen eidesstattlichen Erklärung gegenüber dem SPIEGEL bezüglich eines Erste-Klasse-Fluges zu den Hungernden Indiens. Nun steht er unter Verdacht wegen Lügens und Prunksucht also. Wie profan! Dabei hat er doch nur repräsentiert, was Kirche schon immer war und sein wollte: Eine Dependance des Transszendentalen hienieden, eine Filiale des Überirdischen auf dem Boden der drögen Realität. Dazu bedarf es auch einer gewissen Innenausstattung für die 2,9 Millionen teure Wohnung.

    Soll Tebartz-van Elst in Lumpen gehen, in härenen Kutten? Ungewaschen an den Altar vor seinen Allerhöchsten treten? Wer von den gläubigen Schäfchen hätte sich denn andachtsvoll vor einen Pontifikal-Zelebranten gekniet und für sein ewiges Leben gebetet, sich huldvoll "abspeisen" lassen mit einer Oblate aus seiner beringten Hand, wenn es im Dom nicht nach Weihrauch, sondern nach ungewaschenem, verlumptem Schafshirten gemuffelt hätte? Wer ginge denn zu hohen Feiertagen in die große Kathedrale, um sich wie in der gammeligen Aussegnungshalle eines Dorffriedhofs zu fühlen?! Es sollte doch alles feierlich sein, bombastisch und gemütserhebend, nicht gruftig wie unter der Brücke, oder? Mit Orgelklang und Festgeläut, Wohlgeruch und Glanz und Gloria. Und eben einem wie aus dem Ei gepellten Bischof. Manche wollten sogar seinen Ring küssen. Das ging nicht ab ohne Hygiene auf gehobenem Niveau, da wäre sonst gleich das Seuchenamt auf der Matte gestanden. Gut, vielleicht war das mit den mehreren zehntausend Euro übertrieben, für die das Dach der bischöflichen Hauskapelle nochmal aufgesägt werden musste, um nachträglich eine stabile Halterung für den Adventskranz zu installieren. Aber ein ordentlicher Adventskranz sollte nun mal hängen, sonst ist er bloß ein Advents-Gesteck.


    Über Jahrhunderte gab es kein Problem für die katholische Kirche mit der Repräsentation zur höheren Ehre ihres höchsten Herrn, bis auf ein paar Nörgler und Bettelmönche, die nicht einsehen wollten, wieso der Klerus in Saus und Braus lebte, während die meisten Gläubigen einfach nur dran glauben mussten. Abgesehen von einzelnen Eremiten und Asketen gelang es den Kirchenfürsten immer ganz gut so zu tun, als seien ihre Gotteshäuser quasi die Paläste der Armen, zumindest ihrer armen Seelen, die doch ihr Leben erst noch vor sich hätten nach dem Ableben der sterblichen Überreste. Ihre monumentalen Kathedralen und Klöster, ihre prächtigen Kreuzgänge und Krypten, bombastischen Baptisterien und Basiliken, Campaniles und Columbarien sollten doch wohl so etwas wie Vorgeschmack auf die Pracht des Paradieses darstellen, das sich denen auftäte, die brav ihre Sakramente empfingen. Dafür musste niemand Eintritt zahlen. Es wurde sogar Kirchenasyl gewährt. Verrechnet wurde über den Zehnten, über Kerzenspenden, Opferstöcke, Altar-Stiftungen, Erbschaften und Ablasszahlungen.


    Bis auf den Zehnten und die Ablasszahlungen funktioniert das bis heute genauso. Und selbst die gibt es in modernisierter Form noch immer: Der Zehnte wurde zur Kirchensteuer, und die Ablasszahlungen blecht der Staat als Entschädigung für Säkularisierung und Mediatisierung von Ländereien und Liegenschaften aus ehemaligem Kirchenbesitz bis heute, nach alten Verträgen von 1806, 1919, 1949, 1990, als sogenannte Dotationen, auf alle Zeiten. Der säkulare Staat finanziert darüber hinaus die Bischöfe, die Militärgeistlichen, Krankenhaus- und Gefängnis-Seelsorger, bezuschusst sämtliche kirchlichen Kindergärten und Schulen, Altenwohnheime und Krankenhäuser über die Wohlfahrtsverbände Caritas (kath.) und Diakonie (evang.), alle sozialen Einrichtungen und Aktivitäten. Von wegen mildtätige Werke der Kirchen! Ihr Eigenanteil liegt meist bei 15 Prozent. Der Rest sind Betriebs-Einnahmen und öffentliche Zuschüsse, und zwar von allen Steuerzahlern, ob sie religiös gebunden sind oder nicht. Atheisten, Agnostiker, Andersgläubige, alle zahlen die "Werke der christlichen Nächstenliebe", ungefragt und selbstverständlich. Das Konkordat macht's möglich. Der erste und einzige immer noch völkerrechtlich gültige Vertrag von Adolf Hitler mit dem Vatikan, der ihn international salonfähig machen sollte.


    Die Erhaltung des gotischen Freiburger Münsters bezahlen zu je einem Drittel das Erzbistum Freiburg und das Land Baden-Württemberg, die Stadt Freiburg und private Spender, jeweils ein Sechstel. Für das Bischöfliche Hilfswerk Misereor bringt die katholische Kirche nur 5 Prozent der Kosten auf, und der Evangelische Entwicklungsdienst trägt sich zu weniger als einem Drittel evangelisch. Ein Großteil der Unterstützung wird den Kirchen gar nicht erst ausgezahlt: Der Staat erlässt ihnen auch vieles. Kirchliche Einrichtungen zählen als Tendenzbetriebe, die wie Gewerkschaften, Verbände, parteinahe Stiftungen keine Steuern auf Zinserträge oder Immobilien berappen, und sie zahlen keine Gebühren für eine Baugenehmigung, für den Notar, für ein Gericht oder für Sendezeit in öffentlich-rechtlichen Medien. Sie sparen sich auch den Aufwand, ihre "Mitgliedsbeiträge" selbst einzutreiben.

    Doch ist nicht die ganze Kirche eine Mogelpackung? Verspricht sie nicht das ewige Leben? Hat sie das auch nur einmal einlösen und klinisch einwandfrei nachweisen können? Was ist mit dem angepriesenen Seelenheil? Oder dem klassischen Verkaufsschlager Erlösung? Würde ein Arzneimittel aufgrund von "Wunder"-Beglaubigungen zugelassen? Fiele es nicht unter das Rauschmittel- oder Betäubungsmittelgesetz? Oder mehr noch: Scharlatanerie? Was bedeutet da der Vorwurf gegen einen Bischof, dass er lügt? Er schummelt doch von Berufs wegen. Und viele glauben es nur zu gern. Ist der Zauberkünstler daran schuld, wenn ihm soviele Augenpaare nicht auf die Schliche kommen? Seine Tricks sind gerademal so gut, wie die Zuschauer sich bezaubern lassen. Ein Bischof ohne sakramentale Zauberkraft wäre doch keiner. Nicht einmal ein Dorfpfarrer, der die Wandlung nicht perfekt beherrscht. Man sieht nichts, man riecht nichts, es passiert auch nichts, und doch geschieht das Wunder im Kopf des Gläubigen. Klingelingeling! Die reine Einbildung. Weil sie gewollt ist. Es braucht kein Opium, es reicht Placebo. Der pawlowsche Hund hechelt schon beim Anblick einer schwarzen Soutane, bei einer roten winselt er.

    Tebartz-van Elst ist nach Rom geeilt. Er weiß dort selbst ein paar Verbündete, unter anderen den ultrakonservativen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, den skandalösen Ex-Bischof von Regensburg, der nun der Glaubenskongregation vorsteht und es sich zum Hobby gemacht hat, die Schriften vom emeritierten Altpapst Ratzinger zu redigieren und herauszubringen. In dessen Jesus-Büchern stehen ziemlich gewagte Sachen drin, beispielsweise über die jungfräuliche Empfängnis Mutter Mariens. Der Heilige Geist soll sie übers Ohr befruchtet haben. Indem sie zutiefst gehorsam seiner Verkündigung gegenüber gewesen sei, habe sie in grenzenlosem Gottvertrauen einen Gottessohn geboren. So geht das, Kinder! Nur immer schön gehorchen, dann schnackelt's! In der Schwangerenberatung lachen sie dich mit so einer Story milde aus. Aus dem Mund von Tebartz-van Elst ist solch jenseitiger Quatsch nicht bekannt. Der ist deutlich diesseitiger orientiert. Allerdings gibt er das so vollmundig nicht kund, ist ja kein Verkündigungsengel. Sein Wort in der Katholiken Ohr lautet: "Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche". Scheint aber nichts gefruchtet zu haben. Er schiebt alles auf die baufällige Vikarie und den hessischen Denkmalschutz. Der weiß davon gar nichts. Es habe nur ein Beratungsgespräch gegeben. Die Kirche ließe sich von dem auch nichts vorschreiben. So ist das mit dem Konkordat: "Kirchenstaat" im Bundesland.


    In Limburg wird einmal ein Dom gestanden haben: Romantisch. Ruinös. Zu. Wenn er dereinst irreparabel baufällig geworden gesperrt werden muss, weil nichts mehr zu reparieren ist, wo das Fundament nachgibt, wenn sich die Türme gefährlich neigen und das Gewölbe in bedrohlichen Rissen spreizt, weil die massiven Pfeiler aus dem Lot geraten, der Putz abplatzt, der Marmorboden Höcker aufwirft oder in vorzeitliche Feuergruben absackt, wenn also nichts Konservatorisches mehr hilft, weil die Statik insgesamt nicht mehr trägt, und das Monument zur pittoresken Ruine umgewidmet werden muss unter strengster staatlicher Bauaufsicht, dann steht die bischöfliche Hauskapelle immer noch wie eine Eins, denn sie ist fest gefügt und nachhaltig gebaut nach besten Standards, mit schießschartenartigen Fenstern unterm himmelstürmend wärmegedämmten Steilsatteldach, und alle werden sagen: Seltsam, dass da kein Bischof mehr drin wohnt, weil das Bistum gar nicht mehr existiert. Aber der Adventskranz hängt, schmiedeeisern!

    Die Diözese mag irgendwohin eingemeindet oder aufgelöst worden sein. Das ist das aufklärerische Verdienst Tebartz-van Elsts, dass neuerdings täglich 20 Kirchenaustritte zu verzeichnen sind, wo früher nur einer alle zwei Tage fällig wurde. Dank seiner vorbildhaften Belehrung ex cathedra über das innere Wesen der katholischen Kirche. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die letzten Kirchensteuerzahler von ihr abgewandt haben werden. Bleiben übrig die schönen veraltenden Bauten. Zur archäologischen Erinnerung an vergangene religiöse Zeiten. Teils immer noch in profaner Nutzung als voll funktionstüchtiger historischer Kindergarten, mit güldenen Türknäufen zum Antatschen, geeignet genausogut als Seniorentreff, Jugendclub, Bücherei mit angeschlossenem Museum. Darin sündteure Kunstgegenstände für immerhin 450.000 Euro, die der ehemalige Bistumsverweser einst anschaffen ließ, angeblich finanziert von der hundert Millionen schweren bischöflichen Schatulle aus altem Kirchenvermögen, die ihm unabhängig von den Kirchensteuergeldern zur persönlichen Verfügung gestanden haben soll. Ein reicher Mann muss das gewesen sein, wird man vielsagend raunen. Ein armer Wicht, der das alles aufgeben musste. Bleibt eine theologische Frage von Rang: Kommt so ein Bischof wegen Veruntreuung in die Hölle? Und trifft er dort auf Adolf Hitler? Wir werden die Glaubenskongregation um Aufklärung bitten. Obwohl: Glauben und Aufklärung haben natürlich nichts miteinander zu tun.



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    Die Nationen gibt es immer noch


    Die Nationen gibt es immer noch
    Der europäische Traum


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    Der europäische Traum

    Die Nationen gibt es immer noch

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 17. Oktober 2013
    -----
    Buchtitel: Der europäische Traum und die Wirklichkeit
    Buchautor: Andreas Wehr
    Verlag: PapyRossa Verlag



    Nur knapp hat die Alternative für Deutschland (AdF) den Einzug in den Bundestag verfehlt. Für die Europawahlen prophezeien die Wahlforscher, dass die Partei rechts von der CDU bei den Europawahlen gute Aussichten auf Parlamentssitze haben wird. Ihren Erfolg bezieht die Partei vorrangig aus ihrer Ablehnung des Euro und der scheinbaren Betonung des Nationalen. Auch deshalb ist das neue Buch von Andreas Wehr, das sich mit der EU und den Nationen auseinandersetzt, ein spannender Debattenbeitrag. Wehr arbeitet sich in guter intellektueller Tradition an anderen intellektuellen Positionen ab, wenn er unter dem Titel "Der europäische Traum und die Wirklichkeit" über die Rolle der Nationen in Europa nachdenkt.


    Es sind Jürgen Habermas, Jeremy Rifkin, Ulrich Beck, Daniel Cohn-Bendit, Guy Verhofstadt und Martin Schulz, an denen sich Andreas Wehr reibt, und deren Überlegungen er als Träume, sogar als Alpträume abtut. Wohl deshalb stellt der Autor zu Beginn fest: "Der Europäischen Union kommt die Legitimation abhanden." Diese Feststellung untermauert er mit dem "Nein" zur europäischen Verfassung bei den Volksabstimmungen in Frankreich und Holland, den sinkenden Wählerzahlen bei europäischen Wahlen und den aus der Bankenkrise stammenden Vorbehalten gegen eine Union des Kaputtsparens: "Nach Osteuropa entsteht im Süden (Europas) eine zweite Armutszone."


    Jeremy Rifkin, ein US-amerikanischer Autor, der von Wehr rezensiert wird, vergleicht den "american dream" mit seinem Traum von Europa und findet den letzteren einfach besser, weil er auf europäischen Straßen "nur selten Obdachlose" gesehen hat und auch weniger "schwergewichtige Menschen". Dann freut sich der Soziologe heftig: "Europäer sind gern faul. Sie nehmen sich Zeit an Rosen zu schnuppern." Diesen galoppierenden Subjektivismus nimmt ihm Wehr zu Recht übel und sieht Rifkin gern als Äpfel-mit-Birnen-Vergleicher, der willkürlich mit Zahlen und Ebenen jongliert, um dann zu einem gnadenlosen Urteil zu kommen: "Der Europäische Traum von Jeremy Rifkin ist Science Fiction."


    Jürgen Habermas will Wehr nicht als "Fiction" abtun. Immerhin ist der Philosoph gut sozialdemokratisch vernetzt und seine These der "Transnationalisierung der Demokratie" erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Aber nicht bei Wehr, der ziemlich schnell nachweist, dass die Verlagerung sozialer Probleme ins Transnationale, sprich auf die europäische Ebene, gern einem Transport ins Unverbindliche gleichkommt statt bereits auf nationaler Ebene den Kampf um soziale Gerechtigkeit aufzunehmen. Auch die (nicht nur) bei Habermas als völlig neu begriffene Globalisierung sieht Wehr in einer kapitalistischen Kontinuität, die er mit einem treffenden Zitat aus dem "Kommunistischen Manifest" belegt. Wenn Habermas einer Teilung der "Volkssouveränität zwischen den Bürgern der Europäischen Union und den Völkern Europas" das Wort redet, ist Wehr an der Wirklichkeit interessiert, die nun mal eine nationale Staatsangehörigkeit vor die Unionsbürgerschaft setzt und auch deshalb bisher kaum ein europäisches Bewusstsein zulässt.


    Auch dem Soziologen Ulrich Beck lässt der Autor die laxe Formulierung "Die Abgabe von Souveränitätsrechten geht einher mit einem Gewinn an politischer Gestaltungsmacht" nicht durchgehen. Bereits Wehrs Erinnerung an das wirtschaftliche Auseinanderdriften der europäischen Staaten entlarvt den von Beck konstatierten "Gewinn" als Phrase. Dem sprachgewaltigen "Manifest für Europa" von Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhofstadt attestiert Andreas Wehr "ein eurozentrisches, ja eurochauvinistisches Weltbild". Denn Cohn-Bendit und Verhofstadt begreifen Europa primär als ein Produkt der Konkurrenz zu Staaten wie China und Indien um, gemeinsam mit den USA, "die westliche Vormachtstellung verteidigen zu können." Selbstverständlich taucht in den Forderungen des "Manifest für Europa" das ebenso beliebte wie nebulöse "wir" auf: Das ist das "wir", dass uns alle in ein Boot verfrachtet und nicht fragt wer rudert und wer steuert.


    Schließlich macht uns Wehr noch mit den Positionen von Martin Schulz, dem Präsidenten des europäischen Parlamentes bekannt. Bei ihm sieht er nicht "den Hauch einer volkswirtschaftlichen Erklärung, was angesichts der ökonomischen und sozialen Probleme der EU schon erstaunlich ist. Und wenn der Präsident feststellt, dass die EU zur Zeit ein eher neoliberales Projekt ist, dann erlaubt sich Wehr den Sozialdemokraten Schulz daran zu erinnern, dass die Deregulierung der Märkte wesentlich von der sozialdemokratisch geführten Regierung Schröder betrieben wurde.

    Der EU-Mitarbeiter der Linkspartei Andreas Wehr legt ein sachkundiges, streitbares Buch vor, das mit einem Plädoyer für den "Nationalstaat als Raum politischer Kämpfe und Klassenauseinandersetzungen" endet. Nicht als Gegensatz zu einem vereinten Europa, sondern als Basis, von der aus ein anderes, ein soziales und gerechtes Europa zu erreichen wäre. Dass Wehr - angesichts der Militäroperationen diverser EU-Mitgliedsländer - die Beschwörung des europäischen "Friedensprojektes" als leeres Gerede demaskiert, ist ein kluges Additiv einer auf soziale und ideologische Fragen zentrierten Arbeit.

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    SPD-Zombie zappelt noch


    SPD-Zombie zappelt noch

    Europa ganz blau im Gesicht

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    SPD-Zombie zappelt noch

    Europa ganz blau im Gesicht

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 21. Oktober 2013


    Energisch schreitende Gruppen von Menschen, Türen klappen auf, klappen zu, Kameras müssen draußen bleiben, Wähler auch. Bayreuth ist nix dagegen: Wer geht mit wem? Wie ist das Koalition-Bett ausgestaltet? Fast einen Monat nach der Bundestags-Wahl ist nur eines klar: Es wird eine große Koalition geben. Zwar hatten die GRÜNEN ein wenig verhandelt. Aber weil man gerade Teile des Personals auswechselte, hätte man gar nicht sagen können, wer denn wo hätte Minister werden sollen. Das weiß die SPD schon und deshalb hat sie einen Konvent einberufen. Und der hat dann, ohne lange zu erröten, der möglichen großen Koalition zugestimmt. Jetzt, so scheint es, hält Europa den Atmen an, bis die SPD-Basis auch zustimmt. Dann setzen sich alle wieder in ihren Dienstwagen und die Politik geht weiter. Wie gehabt.


    Das arme Europa: Schon ganz blau im Gesicht vor lauter Atem anhalten. Durfte doch während des Wahlkampfes kein Laut der anhaltenden Euro-Krise in das wägende Deutschland dringen. Windstille sollte im deutschen Wasserglas herrschen. Denn Merkels Boot hätte einem ernsthaften Wellengang nicht standgehalten. Auch SPD- und GRÜNE-Beiboote sollten dem Seegang nicht ausgesetzt werden. Nur gute europäische Nachrichten erreichten das deutsche Ufer. Zum Beispiel jene, nach der Irland Ende des Jahres den Rettungsschirm verlassen wird. Der Preis? Leere Häuser, blinde Schaufensterscheiben, tote Dörfer, wachsende Arbeitslosigkeit in Irland. Banken gerettet, Bürger aufgebahrt. Und immer noch dürfen Firmen, die sich in Irland ansiedeln, nur 12,5 Prozent Körperschaftssteuer zahlen, die Hälfte von dem, was europäischer Durchschnitt ist. Steuerflucht bleibt in Irland das einzige Wirtschaftsprogramm.


    Das slowenische Wirtschaftsprogramm hieß derweil "Bad Bank". Irgendwo mussten die acht Milliarden fauler slowenischer Kredite ja geparkt werden. Doch die EU will sich die maroden slowenischen Banken erst genauer ansehen, bevor sie der finanziellen Parkraumbewirtschaftung zustimmt. Warum eigentlich? Das Land macht doch, nach EU-Maßstäben, alles richtig: Billiglöhne und Privatisierung. Und doch droht der Rettungsschirm, jenes Instrument, das die jeweiligen Regierungen entmachtet, Entlassungen programmiert und die sonderbarste Wirtschaftshilfe der Erde ausübt: Man gibt Geld, damit es der Bevölkerung schlechter geht als zuvor. Diese Logik kennt man auch in Portugal: Die EU garantiert dem Land 78 Milliarden Euro, damit die Portugiesen länger arbeiten und weniger Rente bekommen. In Italien wächst die Staatsverschuldung, in Frankreich die Arbeitslosenquote, in Spanien stagniert sie auf hohem Niveau: 26 Prozent. Bei den jüngeren Leuten sind es sogar 56. Griechenland? Bitte, kein Wort über Griechenland.


    "Wir können jetzt Gebäude mieten, Personal anheuern. Das ist ein guter Tag für Europa", das sagte vor ein paar Tagen Jörg Asmussen (SPD), als die EU-Finanzminister die Gründung der "Banken-Union" bekannt gaben. Jörg Asmussen? Richtig, das ist der Mann, der als rechte Hand des damaligen Finanzministers Steinbrück 2009 die Banken rettete, auf Kosten des Steuerzahlers. Versteht sich. Heute sitzt er im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Dort will er wieder Banken retten. Ohne den lästigen Umweg über die nationalen Parlamente soll mit der Gründung der Banken-Union die Zentralbank demnächst die diversen Rettungsschirme selbst aufspannen dürfen. Wenn die Gebäude angemietet sind. Vorsichtig, fast lautlos, atmet der europäische Finanzsektor wieder. Ein: Es wird Personal angeheuert, um eine neue Steuerzahler-Schröpfungsmaschine in Betrieb zu nehmen. Aus: Zug um Zug ersetzten wir den Hauch einer politischen Union durch die Union der Banken.


    Am Dienstag trifft sich der neue Bundestag. Aber atmen wird er noch nicht. Nichts Aktuelles wird behandelt werden. Noch fehlt der SPD-Mitgliederentscheid über die Große Koalition. Aber wer seinen Asmussen längst im eigentlichen Zentrum der Macht platziert hat, der muss sich um Wähler, Mitglieder oder anderen demokratischen Firlefanz keine Sorgen machen. Auch vor einem dauerhaften Atemstillstand muss die SPD sich nicht fürchten. Asmussen könnte sie jederzeit reanimieren. Mund-zu-Mund-Beatmungen sind zwar nicht vorgesehen. Aber Geld könnte in die Adern der Partei gepumpt werden. So wird eine alte Partei zum Wiedergänger ihrer selbst, zum Zombie. Man könnte ihr Zappeln für Bewegung halten. Wenn sie nicht so merkwürdig röcheln würde.

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  9. #49
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    Ein Handy-Dialog


    Ein Handy-Dialog

    Von A(ngie) nach B(arack) und zurück

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    Ein Handy-Dialog

    Von A(ngie) nach B(arack) und zurück

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 24. Oktober 2013


    Handy A:
    Hier ist Merkel.


    Handy B:
    Oh, Angie, schön das Du mich anrufst.


    Handy A:
    Aber ich habe Dich nicht angerufen, Du hast mich angerufen.


    Handy B:
    Das wüsste ich, Sweetie, es gibt gerade keinen Militäreinsatz an dem Deine Germans teilnehmen sollen, kein Handelsabkommen, keine UN-Resolution gegen Terrorismus, also warum sollte ich Dich anrufen?


    Handy A:
    Aber es hat doch bei mir geklingelt . . .


    Handy B:
    Ich will ja nicht unhöflich sein, Angie, aber im Alter hat man schon mal so ein Klingeln im Ohr, man nennt es bei uns Tinnitus.


    Handy A:
    Nun werd mal nicht unverschämt. Auf meinem Display steht Deine Nummer.


    Handy B:
    Na, dann hast Du doch einen prima Anschluss, wann immer Du auf Empfang drückst, immer hast Du mich dran.


    Handy A:
    Was soll denn die Europäische Union sagen, die denken, ich suche ständig Deine Nähe.


    Handy B:
    Wer sich mir anschließt, der kann mit dem Rest der Welt abschließen (lacht).


    Handy A:
    Kann denn Deine Sicherheitsagentur nicht ein bisschen unauffälliger zuhören? Ich gelte doch sonst als hörig, wenn jeder davon erfährt.


    Handy B:
    Angie, reg Dich nicht auf, jeder weiß doch, dass Du wild auf mich bist. Auf meine power, mein militärisches Charisma . . .


    Handy A:
    . . . auf Deine Schulden bin ich nicht so wild . . .


    Handy B:
    . . . hörig bleibt hörig. Und auch beim Telefonverkehr braucht man eine gewisse Sicherheit, wenn Du verstehst was ich meine.


    Handy A:
    Hältst Du die NSA für ein Polit-Kondom? Seit Snowdon sind die doch eher eine Agentur für Unsicherheit.


    Handy B:
    Komm mir nicht so Angie, sonst machen wir es französisch. . .


    Handy A:
    Du meinst bei denen hörst du 70 Millionen Mal ab, bei mir ist es exklusiv?


    Handy B:
    Ich bin nun mal kein Mann nur für eine Nummer.


    Handy A:
    Na schön, dann geh jetzt mal aus der Leitung.


    Handy B:
    Ich kann nicht aus der Leitung gehen, ich bin die Leitung. - Tuut, tuut, tuut.



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    LG.

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    José Manuel Barroso


    José Manuel Barroso

    Der Kaiser von Europa

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    José Manuel Barroso

    Der Kaiser von Europa

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 24. Oktober 2013


    Es gibt Tage, an denen José Manuel Barroso nur gebeugt gehen kann. Immer dann, wenn er seine elf Großkreuze trägt. Verliehen von Deutschland, Holland, Portugal oder wer sonst noch dem Präsidenten der Europäischen Kommission klimperndes Buntmetall spendieren wollte. Der Serenissimus der EU hat endlich sein Verlautbarungsorgan gefunden: Die BILDZEITUNG, jenes Blatt weiser Intelligenz, das in den letzten Tagen Barrosos Botschaften unter das deutsche Volk brachte: Alle Balkan-Staaten sollen nun in die EU, teilte der Kaiser von Europa ungefragt mit. Natürlich ohne vorher mal kurz mit dem Europäischen Parlament zu reden. Und auch: "Es wäre nicht weise, den bisherigen Weg der Haushaltskonsolidierung, Strukturreformen und zielgerichteten Investitionen zu verlassen" Das hätte das neue Zentralorgan Barrosos auch mit "Weiter so - Sparen bis die Völker quietschen!" übertiteln dürfen. Die Botschaft gilt den deutschen Koalitionsverhandlungen und dem EU-Gipfeltreffen.


    Der studierte Jurist und gelernte Maoist Barroso ist jetzt seit fast zehn Jahren an der EU-Macht: Der Mann wird von den Staatschefs der EU ernannt und von einem stramm formierten Parlament bestätigt. Fraglos hat sich Barroso bereits als portugiesischer Ministerpräsident um den neoliberalen Kurs der EU verdient gemacht: Gern verschleuderte er Staatsunternehmen an Private, zapfte die Pensionskasse der portugiesischen Post an, um den Staatshaushalt zu sanieren und bastelte ein Gesetz, das es möglich machte, Steuereinnahmen an der Börse zu verhökern. Selbstverständlich gehörte er zu den europäischen Staatschefs, die sich mit eigenen Truppen am Irak-Krieg der USA beteiligten und auch zu denen, die sich mit einer devoten öffentlichen Erklärung hinter den Krieg der USA stellten, als Donald Rumsfeld ein "neues Europa" forderte. Da ist es nur logisch, dass Barroso, als die NSA-Spionage-Angriffe gegen Büros der EU bekannt wurden, keinen Laut der Empörung von sich gab.


    Als über den "Lissabon-Vertrag", den erbärmlichen Ersatz für eine ordentliche Verfassung der Europäischen Union, erstmalig 2008 und nur in Irland abgestimmt wurde, gehörte Barroso zu denjenigen, die den Iren eine zweite Abstimmung aufzwangen. Denn beim ersten Mal hatten die irischen Wähler tatsächlich mit NEIN gestimmt. Die zweite Abstimmung - die Pro-Lissabon-Vertragskampagne wurde kräftig vom irischen Finanzsektor unterstützt - endete dann mit einem JA. Der Kaiser von Europa hatte es mal wieder geschafft, jeden Versuch demokratischer Verhältnisse in der EU zu verhindern. Als "Spiegel-Online" es einmal wagte, den großmächtigen EU-Präsidenten zu kritisieren, rief er seinen Apparat aus dem Urlaub zurück, um eine Erklärung in die Welt zu setzen, mit der er den Spiegel-Artikel als "rufschädigend" zurückwies. Majestätsbeleidigungen kann der Herr nicht dulden.


    Erst vor ein paar Tagen bewegte eine andere Barroso-Meldung die Medien: Der EU-Apparat würde sofort Pleite gehen, wenn das Parlament nicht augenblicklich 3,9 Milliarden Euro bewillige. Ob der Präsident einfach nur US-amerikanische Szenarien kopierte oder einfach nur mutwillig, übers Wochenende Nachrichten produzieren wollte, ist unbekannt. Bekannt ist, dass der Budgetausschuss der EU in einer geheimen Sitzung schleunigst Geld bewilligte.


    Leichen treiben im Mittelmeer, Särge mit toten Flüchtlingen werden verladen. Dem EU-Präsidenten fällt dazu ein, dass es keine "Zauberlösung" der Flüchtlingsfrage gäbe. Bisher kennt die EU nur den militärischen Zauber von FRONTEX, jener schwer bewaffneten europäischen Grenzpolizei, die den Flüchtlingen die Einreise verwehren soll. "Entweder wir schwimmen zusammen oder wir gehen einzeln unter." So war es in der Rede von Barroso zur Lage der Union zu hören. Gemeint waren nicht die ertrinkenden Flüchtlinge oder die ersoffenen europäischen Menschenrechte. Gemeint war die Erhebung von EU-eigenen Steuern, die der Eurokratie des José Manuel Barroso weiteren Auftrieb verleihen soll.

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