Seite 6 von 67 ErsteErste ... 23456789101656 ... LetzteLetzte
Ergebnis 51 bis 60 von 670

Thema: rationalgalerie.de - Uli Gellermann

  1. #51
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Überlebensübungen


    Überlebensübungen

    Folter als Herrschaftsinstrument

    Quelle Rationalgalerie

    Überlebensübungen

    Folter als Herrschaftsinstrument

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 24. Oktober 2013
    -----
    Buchtitel: Überlebensübungen
    Buchautor: Jorge Semprun
    Verlag: Suhrkamp


    Das ist doch alles ganz lange her: Als in Europa noch gefoltert wurde. Als sich Menschen illegal gegen ihre Regime organisierten. Als solche wie Jorge Semprun ihr Leben riskierten, um ein anderes, besseres Leben für alle zu erreichen. Bis zu seinem Tod vor zwei Jahren war das der Stoff, aus dem Semprun sorgsam Bücher schnitt wie man Filme schneidet. Seine letzte Arbeit - "Überlebensübungen" - liegt nun vor. Und die Frage, wie lange das denn alles her ist, stellt sich - angesichts der Foltergefängnisse, die von der CIA betrieben auch in Litauen, Polen und Rumänien existierten - anders als man denken mag. Der Guantanamo-Komplex hat sich wie eine gefährliche Seuche ausgebreitet, und seine Abwehr ist nur schwach, verdeckt von einem Menschenrechtsgesäusel, das immer die anderen betrifft, nie aber uns.



    "Der trockene, stechende, aber kaum anhaltende, flüchtigere Schmerz des Holzschlagsstocks ließ sich nicht mit dem dumpfen, beim Aufprall erträglicheren, aber sehr viel tieferen und dauerhafteren Schmerz des Gummiknüppels vergleichen" erinnert Semprun aus der Gestapo-Villa in Auxerre, in die man ihn verbracht hatte bevor er nach Buchenwald transportiert wurde. Und er erinnert auch, dass die Gestapo schon jene Wasserfolter nutzte, die uns heute als "Waterboarding" bekannt ist. Vom Schweigen während der Folter hing Leben ab. Auch als Semprun, dem KZ-Buchenwald entronnen, zehn lange Jahre illegal im faschistischen Spanien für die Änderung der Verhältnisse wirkte, war das Schweigen der anderen seine Überlebensgarantie: Sie haben ihn nie erwischt, den Mann, der sich Frederico Sanchez nannte und jener Jorge Semprun war, der bis zuletzt seine Erfahrungen in Literatur umsetzte, in Texte, deren Bilder als Mahnschriften an der Wand begriffen werden sollten und wurden.



    Alles ganz lange her? Bis 1974 herrschte der "Estado Nuevo" in Portugal, jene Diktatur als deren Begründer Antonio Salazar gilt und dessen Folterpolizisten sich auch nach der Diktatur unbehelligt in der Gesellschaft bewegen konnten. Der Caudillo Francisco Franco, der "Führer" Spaniens, herrschte bis in das Jahr 1975, und sein Erbe ist bis heute nicht aufgearbeitet, seine Folterer, wenn sie noch leben, wurden nie vor ein Gericht gestellt. Natürlich waren die Gefolterten im öffentlichen Bild immer Volksfremde, Verräter, im Zweifelsfall gern Kommunisten. Dank des europäischen Kriegexportes - ob als Willige im Irak oder als Menschenrechtler in Libyen - sind die Gefolterten dieser Tage zumeist Fremde: Dunkle Hautfarben, dunkle Haare und vorgeblich dunkle Beweggründe grenzen sie aus. Was sie wollen, will keiner so recht wissen. Sicher ist: Sie gehören nicht zu uns, das stellt sie außerhalb des Rechts.

    Jorge Sempruns letztes Buch konnte nicht vollendet werden, er hatte an Fortsetzungen gedacht, an ein "unendliches Buch". Stoff genug hätte er finden können.

    Quelle

    LG.

  2. #52
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Der Anlage-Notstand


    Der Anlage-Notstand

    Mobilmachung zur Abwehr des Bettel-Standes


    Quelle Rationalgalerie

    Der Anlage-Notstand

    Mobilmachung zur Abwehr des Bettel-Standes

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 28. Oktober 2013


    In Deutschland herrscht der Notstand. Er wurde jüngst an der Frankfurter Börse ausgerufen, als der DAX, jenes Instrument zur Messung des Aktienfiebers, erstmals in seiner Geschichte mehr als 9.000 Punkte erreichte: Die internationale Fettlebe, jene Schicht, die alles hat nur keine Moral, schmeisst mit Geld um sich und erzwingt so den ANLAGE-NOTSTAND. Nach der dritten Yacht, dem fünften Rolls Royce, dem Klo aus Gold und der Drittfrau in Diamanten gefasst, bleibt diesen Leuten nur noch der Aktienkauf. Es handelt sich um einen Akt der puren Verzweiflung. Denn die armen Spekulanten wurden zu diesen Käufen gezwungen: Die Zentralbanken drehen seit langem am Geldhahn und überschwemmen dabei die Anleger mit billigem Geld. Was soll er tun, der Spekulant? Er kauft Aktien, damit er nicht im Geldfluss untergeht.


    Neben dem ANLAGE-NOTSTAND hat sich zeitgleich auch der BETTEL-STAND herausgebildet. Eine durchaus ehrenwerte Zunft, die eine sinnvolle Verwendung für abgelaufene Lebensmittel findet, die dafür sorgt, dass die Pfandflaschen nicht unsere Mülleimer überquellen lassen, und so pittoresk vor unseren Supermärkten lungert. Im BETTEL-STAND hat UNICEF-Deutschland jüngst eine Million Kinder entdeckt. Das sichert der Zunft den Nachwuchs, früh übt sich was ein rechter Hungerleider werden will. Das Statistische Bundesamt löst mit seiner Beobachtung, nach der nur eine halbe Million Deutsche über 65 eine staatliche Zulage zu ihrer Rente benötig, Besorgnis aus: Warum sind mehr Kinder arm als Alte? Warum ist die Armut nicht gerecht auf die Generationenen verteilt? Trösten kann den Beobachter nur, dass die Zahl armer Rentner ordentlich wächst. Man darf erwarten, dass in absehbarer Zeit die Generationengerechtigkeit hergestellt sein wird. Immerhin hat sich für die deutschen Frauen der Kampf um die Emanzipation gelohnt: Es gibt deutlich mehr arme Frauen als Männer.


    Sogar im Armuts-Nationenvergleich hat Deutschland die Nase vorn: Jeder sechste Deutsche ist arm, sagt das Statistische Bundesamt. Damit liegen wir mit 16,1 Prozent Armen zwar hinter Griechenland (23,1 Prozent), aber deutlich vor den Tschechen, die es nur auf 9,6 Prozent bringen oder den Niederladen (10,1 Prozent) und den Franzosen (14,1 Prozent). Der internationale Wettbewerb ist hart, aber man darf von der startenden schwarz-roten Koalition erwarten, dass sie sich der Konkurrenz erfolgreich stellt. Hat sie doch schon mehr Bundestags-Vizepräsidentenposten geschaffen und arbeitet im Eiltempo daran auch mehr Minister aufzustellen als die Regierungen zuvor. Da wird doch ein Mehr an Armut nicht ausbleiben. Oder sollten wir wirklich hinter den Griechen zurückbleiben?


    Nun ist aus anderen unterentwickelten Ländern bekannt, dass ein ANLAGE-NOTSTAND in Kombination mit einem ausgeprägten BETTEL-STAND den sogenannten Neid-Faktor auslöst. Es handelt sich um eine krankhafte Deformation des Bewusstseins, die nicht selten zu sozialen Umwälzungen, linken Regierungen oder lokalen Revolten führen kann. Dem muss die kommende Bundesregierung vorbeugen, indem sie den inneren NOTSTAND nach Artikel 86 a, Abschnitt 4 GG erklärt: "Zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes kann die Bundesregierung . . . Streitkräfte . . beim Schutze von zivilen Objekten und bei der Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer einsetzen." Der "innere Notstand" kann von der Regierung bereits dann ausgerufen werden, wenn größere Naturkatastrophen eingetreten sind. Und die Geldflut des ANLAGE-NOTSTANDES trägt alle Merkmale einer natürlichen Katastrophe: Alle Dämme des Anstands sind längst gebrochen, in den Fluten des Geldflusses schwimmen die Trümmer einer Verfassung, die Gleichheit vor dem Gesetz vorsieht und die Geldschwemme erreicht langsam die Markierung der 20er-Jahre-Inflation.


    Das ist die Stunde der Exekutive. Börsen- und Regierungsviertel sollten in putativer Notwehr von Elitetruppen abgesichert werden. Fallschirmjäger-Kompanien müssten prophylaktisch über sozialen Brennpunkten abspringen, vor die Anleger-Villen werden Panzer postiert, ebenso vor Juwelen-Läden, um plündernden Massen Einhalt zu gebieten. Friseure sollten vorbeugend verhaftet werden, damit sie mit ihren neuen Mindestlöhnen nicht den ANLAGE-NOTSTAND durch Börsenspekulationen verschärfen. Im Fernsehen treten stündlich die Fischer-Chöre auf und singen "Üb immer Treu und Redlichkeit", die Stelle mit dem "kühlen Grab" wird von einer Gruppe Sargträger choreografiert. Im Regierungsbunker tagt der "Gemeinsame Ausschuss", jenes Gremium von 48 Leuten, das den Notstandsgesetzen entsprechend Bundestag und Bundesrat ersetzen soll. Einziger Tagesordnungspunkt: Wie schnell muss die Druckerpresse der Europäischen Zentralbank laufen, damit der ANLAGE-NOTSTAND die Notzüchtigung des BETTEL-STANDES dauerhaft sichert. Eine blonde Frau mit blauen Augen murmelt ständig vor sich hin: Das ist alles alternativlos. Ein fülliger Mann mit schwarzen Haaren sekundiert: Dieser Satz muss auf die Agenda. Und leise Musik durchweht den Bunker: "Näher mein Gott zu Dir".

    Quelle

    LG.

  3. #53
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Obama der Lügner


    Obama der Lügner

    Der Imperialismus war nie weg

    Quelle Rationalgalerie

    Obama der Lügner

    Der Imperialismus war nie weg

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 31. Oktober 2013


    Nun reisen sie zur Wahrheitsfindung in die USA: Delegationen der EU und der Bundesrepublik Deutschland. Bittstellend fragen sie diverse US-Militärs und Politiker, ob denn ihre langen Leitungen abgehört wurden, wer in ihren Computern sitzt und warum Obama so große Ohren hat. Sie alle hätten jüngst nach Deveselu fahren sollen. Deveselu liegt in der Walachei, in jenem Teil Rumäniens, der für seine Weltferne ebenso bekannt ist wie für die Herkunft Draculas. Aber die dort abgehaltene feierliche Zeremonie galt völlig anderen Flugobjekten. In Anwesenheit des rumänischen Präsidenten Traian Basescu, des stellvertretenden NATO-Generalsekretärs Alexander Vershbow und einer Reihe führender US-Politiker begannen die Arbeiten an jenem US-Raketenschild, der angeblich die Europäer vor Raketen aus dem Iran schützen soll. Obwohl jeder weiß, dass der Iran über solche Raketen nicht verfügt. Und obwohl keiner, der bei Verstand ist, dem Iran Angriffspläne gegen Europa unterstellt.


    In Deveselu hätten die versammelten Delegationen eine der vielen Obama-Lügen besichtigen können. Denn der US-Präsident hatte 2009 lächelnden Gesichts den protestierenden Russen versichert: Niemand hat die Absicht in Europa einen Raketenschild zu bauen. Den Russen war von Beginn an klar, dass nicht die Iraner mit dem Raketenabfang-System gemeint waren sondern sie. Und dass mit dem Raketen-Schild der US-gesteuerten NATO nur deren Erstschlagsfähigkeit erhöht werden sollte. Ein Schritt, der das Rüsten weiter anheizen und die Hegemonie der USA ausbauen würde. Trotz Obamas damaliger Zusicherung, in Deveselu beginnt der Militärbau. Den Polen sind Patriot-Raketen fest versprochen. Im spanischen Hafen Rota sind schwimmende Raketenabschussbasen stationiert. Der offiziell abgesagte Raketenschild wird also munter ausgebaut.


    Als sich vor mehr als zwanzig Jahren die früheren sozialistischen Länder zum Kapitalismus bekehrten, wurde das "Ende der Geschichte" ausgerufen: Die weltpolitischen Widersprüche sollten ein Ende gefunden haben und mit ihnen auch der militärische Wettkampf der Nationen. Flugs machten sich die USA auf, die Widersprüche in ihrer eigenen, imperialen Art zu beseitigen. Erst wurden 1999 Polen und Ungarn, ehemals Länder des Warschauer Paktes in die NATO aufgenommen. Das Territorium der DDR verkam stillschweigend zum NATO-Kommando-Gebiet. Die Ost-Paktländer Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien und die Slovakei folgten dann 2004 dem Lockruf des westlichen Militärbündnisses. Deutsche Mainstream-Medien fanden das gut und richtig. Dass es sich bei dieser Strategie um die klassische Einkreisungspolitik gegen Russland handelte, fiel kaum jemandem auf. Und wenn doch, dann funktionierte der alte Anti-Russenreflex, der seine Wurzeln in der Nazi-Theorie vom Untermenschen hat: Der Russe ist immer der Feind.

    Obwohl die NATO ein Militärbündnis gegen den Sozialismus war, und der nun schon länger verschwunden ist, wird es weiter ausgebaut. So wie das Spionage-Netz der USA immer größer und dichter wird, so breiten sich die NATO-Stützpunkte immer mehr aus. Mit einem einzigen Ziel: Dem US-Imperium die Kontrolle über die Welt zu sichern. Dafür befiehlt Obama die Drohnen-Morde, dafür lügt und betrügt er. Und die europäischen Politiker, unter ihnen auch die deutschen, beugen die Knie vor der Supermacht.

    Quelle

    LG.

  4. #54
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Rettet die Dosen


    Rettet die Dosen

    Schluss mit der Diskriminierung des Mülls

    Quelle Rationalgalerie

    Rettet die Dosen

    Schluss mit der Diskriminierung des Mülls

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 04. November 2013


    Das Wissenschaftsblatt NATURE macht sich Sorgen. Nur weil die Müllberge wachsen und wachsen. Statt sich zu freuen, dass die durch das Gletscher-Schmelzen kleiner werdenden Alpen einen Ausgleich durch Müll erfahren, jammern die Wissenschaftler darüber, dass sich die Müllproduktion von einst weltweit etwa 300.000 Tonnen Müll pro Tag (1900) auf sechs Millionen täglicher Tonnen im Jahr 2025 entwickeln wird. Zudem lamentieren sie noch über die Zusammensetzung des Mülls: "Den Wohlstand eines Landes", ist in NATURE zu lesen "kann man auch an der Zahl der weggeworfenen Handys ablesen." Um dann den modernen Müll als "toxisch" zu beschimpfen, statt ihn als neue Rohstoffquelle zu begreifen.


    Ganz anders Discounter und Getränke-Hersteller. Die haben sich jüngst zum "Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ)" zusammengeschlossen. Sie wollen die Dose retten, jenes kleine runde Ding, dass uns allen doch ein täglicher Begleiter sein kann: Handlich für Camping und Reise, bequem mitzuführen und schnell wegzuwerfen. Und so gerät dem neuen Bund der Kampf für die Dose auch zu einem Kampf für das Menschenrecht auf Müll: "Eine Diskriminierung von Einweggetränkeverpackungen darf es nicht geben”, erklärte BGVZ-Geschäftsführer Wolfgang Burgard. Es sind große Namen, die sich dem Kampf für den Müll verschrieben haben. An der Spitze liest man Handels-Marken wie Aldi und Lidl. Beides Unternehmen, die für den Fortschritt der Menschheit stehen, die mit immer weniger Personal immer größere Umsätze erzielen. Unternehmen, die rückschrittliche Einrichtungen wie Gewerkschaften und Betriebsräte konsequent zurückdrängen, um der Freiheit des Handels eine Bresche zu schlagen.


    Auch in der zweiten Reihe des Lobby-Verbandes stehen Antidiskriminierungskämpfer von hohem Rang. Zum Beispiel Pepsi-Cola: Der hohe Anteil von Phosphorsäure in der Brause schwächt vor allem bei Frauen den Knochenaufbau. Das macht die Damen flexibler, letztlich eleganter. Auch der gewaltige Zuckeranteil von 110 Gramm auf den Liter Pepsi ist zu loben: Die Energiezufuhr wird erhöht und so kann die Dose schneller und weiter geworfen werden. Zum Beispiel Red Bull: Der Zuckeranteil dieses Getränks steht dem von Pepsi kaum nach. Zudem bereichert das Unternehmen die Welt durch seine Teilnahme an den Formel-1-Rennen. Runde um Runde ziehen die Boliden ihre Bahn und erzählen so die wunderbare Geschichte vom Wachstum: Immer schneller dreht sich das Renn-Karussell, um an Ende dort anzukommen, wo man begonnen hat. Unter höchstmöglichem Einsatz von Benzin. Auch deshalb wollen Mediziner den bekannten Drehwurm demnächst in Vettel-Schwindel umtaufen.

    Es ist ein Akt der Demokratie, die Wirtschaft von hinderlichen Diskriminierungen zu befreien. Ob man dazu unbedingt einen Bund gründen muss ist zweifelhaft. Wie uns gerade ein großer Automobilhersteller bewiesen hat, reicht eine 690.000-Euro-Spende an die Merkel-Partei, um lästige Umweltvorschriften zu verhindern. Wenn die Kanzlerin außerdem dafür gewonnen werden könnte, ihr Handy wegzuwerfen, würden zugleich Sicherheits- wie Rohstoffprobleme gelöst werden.
    Quelle

    LG.

  5. #55
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Aufklärung der Aufklärung


    Aufklärung der Aufklärung

    Ein transatlantisches Projekt mit Edward Snowden

    Quelle Rationalgalerie

    Aufklärung der Aufklärung

    Ein transatlantisches Projekt mit Edward Snowden

    Autor: Wolfgang Blaschka
    Datum: 04. November 2013


    Wolfgang Blaschka hat den Brief von Edward Snowden gelesen. Und er macht sich Sorgen um die Sicherheit des Aufklärers.

    Hans-Christian Ströbele, dem beinahe letzten Einzelkämpfer für ehemals grüne Grundsätze, ist ein Coup gelungen: Mit einem Kamerateam traf er Edward Snowden an einem geheimen Ort in Moskau, redete drei Sunden mit ihm und kam mit dessen Schreiben an Bundesregierung, Bundestag und Generalbundesanwalt zurück, in dem der Whistleblower seine Bereitschaft signalisiert nach Deutschland zu kommen, wenn er danach auch hier gesichert bleiben oder zumindest unter freiem Geleit in ein vergleichbares Land reisen könne. Abgesehen davon, dass D-Land ja unvergleichlich ist, könnte das schwierig werden, denn zunächst müsste das Auslieferungs-Abkommen mit den USA ausgehebelt werden, was juristisch nicht ganz unmöglich scheint. Dennoch bliebe es ein riskantes Spiel. Er wäre nicht der Erste, der gekidnappt und in ein CIA-Flugzeug verfrachtet würde. Und es würde einen politischen Mut erfordern seitens deutscher Behörden gegenüber den USA, den sie bisher noch nie hatten. Dennoch zeigte sich die Bundesregierung nicht gänzlich abgeneigt. Man könnte in der Asylfrage punkten, wo in München und Berlin die viel zahlreicheren namenlosen Flüchtlinge um ihre Anerkennung hungern und protestieren gegen ihre menschenverachtende Unterbringung. Man stünde da als der Jonas gegen die Datenkrake, obwohl man mit dieser bisher geheimdienstlich blendend kollaborierte. Es wird auf eine Abwägung der Interessen in Europa und denen in den USA hinaus laufen. Nichtsdestoweniger wäre es ein Paradigmenwechsel in der Außenpolitik. Und ein kleiner Gewinn für die ausgehorchte Menschheit. Bürgerrechtlich einwandfrei, bündnispolitisch heikel. Ein Spagat, aber eben auch eine Gelegenheit, die sich nicht jeden Tag bietet: Aufmucken gegen den Großen Bruder als teutonische Heldentat! Denn der entpuppt sich als unziemlich übergriffig. Freundesmissbrauch ist das geradezu, wahllos flächendeckend! Aber eben auch ganz gezielt. Das schmerzt.

    Die Kanzlerin, weiterhin mächtigste Frau im Erdkreis, wenn auch nur auf Platz fünf nach dem neuen Papst Franziskus (auch nicht gerade ein Ruhmesblatt, aber sie hat ja noch keine Regierung zusammen!) bittet nun beim Großen Bruder abermals um Aufklärung, zusammen mit dem französischen Präsidenten Hollande (noch weiter hinten in der Liste). Immerhin hat sie jetzt mal protestiert und Rechenschaft gefordert. Die SPD, ihr vorgesehener Koalitions-Partner, schließt sich der Forderung der Opposition nach einem Untersuchungsausschuss an. Was soll da aufgeklärt werden? Dass die Kanzlerin abgehört wurde, wissen alle. Seit wann sie das ahnte oder wusste, wird sie selbst nicht mehr wissen wollen. Alles Übrige wird die NSA dem Deutschen Bundestag nicht auf die Nase binden. Die Welt-Aufklärer lassen da nichts heraus. Die Zeiten, als Karl Marx in den jungen USA die Fackel der Geistesfreiheit und Aufklärung leuchten sah, sind längst vorüber. Es geht also nur mit Snowden.

    Aufklärung klingt prima. Aufklärung ist ein historisches Anliegen unserer Epoche. Ein zivilisatorisches Ziel. Aber eben auch ein Zweck-Instrument spionierender Militärs, obskurer Geheimdienste und krimineller Diebesbanden, die etwa ein unbewohntes Objekt ausspähen vor dem Einbruch. Was jeweils "gut" und "böse" ist, darüber wachen Staatsanwälte und später vielleicht die Geschichtsbücher. Gegen aufklärerisches Treiben von Staats wegen hilft kaum eine Forderung nach Transparenz und selten Gegenaufklärung. Es geht um Information und Desinformation nach jeweiliger Interessenslage, zu offener Propaganda oder zur Bunkerung als Herrschaftswissen. Beim Aufdecken von Geheimdienst-Skandalen kommt meistens wenig heraus, außer dass klarer wird, dass bei allem Bemühen um Aufklärung das Meiste kunstvoll vernebelt wird. Umgekehrt kann aber auch schon das öffentliche Wissen um einen Geheimdienst oder um sein Spähprogramm dem angestrebten Effekt dienen oder zuwiderlaufen. Es kann Angst erzeugen oder Aufruhr. Snowdens Enthüllungen zwingen uns zur Entscheidung, wie wir umgehen mit dem Wissen über den "Massenüberwachungsstaat" (Julian Assange über die USA; die Charakterisierung mit dem Anklang an den vorgeblichen Irakkriegsgrund trifft aber genauso auf die BRD zu), individuell wie kollektiv.

    Wenn heute alle E-Mails den Betreff "Hackebeil", "Atombombe" oder einfach nur "Barrack" enthalten würden, dann käme die algorithmische Suchmaschinen-Schlauheit bald an ihr verdientes Ende. Vielleicht sucht sie auch nach dem Wort "groß", weil das Bestandteil der Floskel "Allah ist groß" sein könnte. Und ob die NSA etwas wissen will oder nicht, entscheiden ebenfalls Geheimdienstleute. Die CIA hatte einige der Nine-Eleven-Attentäter längst "auf dem Schirm". Warum sie sie gewähren ließ, bleibt allenfalls Vermutung, nicht Ergebnis von Aufklärung. Wir wissen es nicht, und wir werden es nicht erfahren. Jedenfalls nicht in den nächsten dreißig Jahren. Soweit zum Thema Aufklärung. Es gibt sie nicht. Außer vielleicht im Sexualkunde-Unterricht. Das ist ähnlich wie mit der "Sicherheit". Auch die gibt es nicht, bei aller Aufklärung. Selbst mit Kondom nicht.

    Aufklärung zur Sicherheit oder Sicherheit durch Aufklärung ist also ein doppelter Unsinn. Sicher ist nur, dass mit erhöhter Sicherheits-Aufklärung die Freiheit verloren geht, die es angeblich zu schützen gilt. Wo die Paranoia ausbricht, ist es mit der dann schnell vorbei. Wo alles Vertrauen aufgebraucht ist, gedeiht nur noch Misstrauen. Wüsste ein Gläubiger um den wahren Kassenstand seines Schuldners, würden in vielen Fällen schnell ein paar Wechsel fällig, die dem das Kreuz brächen, und dem Geprellten andererseits das Herz, aber vor allem seine Bilanz. Das ganze Kreditwesen basiert auf Treu und Glauben. Noch so akkurate Nachforschungen über die Kreditwürdigkeit helfen da nur sehr begrenzt, zumal wenn Täuschungsabsicht im Spiel ist.

    Letztere liegt gerade bei Obama signifikant vor. Es gelang ihm einen Nimbus aufzubauen, den er sich von Martin Luther King geliehen zu haben schien. Er machte aus dessen geflügeltem Wort "I have a dream" das Absturzbekenntnis: "I have a drone". Der Friedensnobelpreisträger auf Vorschuss debütierte im Amt zunächst mit Truppenaufstockungen. Von seinem Wahlkamf-Versprechen bezüglich Guantanamo-Auflösen war bald nichts mehr zu hören. Dazu reichte die Amtsgewalt dann nicht aus.

    Die nackte Wahrheit ist: Barrack Obama wurde von vielen verkannt und verklärt, nur weil er keine Cowboystiefel trug. Die Ent-Täuschung muss manchen Bewunderern sehr weh tun: Ihr Idol hat nicht nur diese 16 Geheimdienste von George W. Bush übernommen, sondern deren Budget teils um die Hälfte aufgestockt, wie der STERN berichtet. Darüber sind Dutzende Privat-Firmen als Zulieferer, als Dienstleister und Hersteller von Spionage-Software tätig, auch in Deutschland. Sie sind ihm nicht aus dem Ruder gelaufen, sondern er hat sich ihrer schamlos bedient. Er lässt aufgrund dubioser Informationen Personen mittels Drohnen töten, bisher über 3000 allein in Pakistan, ohne gerichtliche Untersuchung, ohne rechtliches Gehör, einfach per präsidial dekretiertem Todesurteil, nach Vorlage der Todeslisten durch die CIA. Sein Allmachtswahn scheint grenzenlos.

    Kill or capture, Töten oder Gefangennehmen ist das Motto des letzten Punkts von "Find, Fix and Final" (Finden, Festsetzen und dann eben: Absch(l)ießen). Mit Drohnen kann man natürlich niemanden gefangen nehmen. Das ist dem Sachwalter des US-Kapitals auch völlig egal, wie's ausgeht und wen es trifft. Beispielsweise ließ er Osama Bin Laden kaltblütig ermorden, nachdem ihm hinterbracht worden war, dass der sich zu 55 Prozent dort aufhalte, wo er dann auch war. Selbst diese kaum mehr als Fifty-fifty-Chance ließ der Machtpolitiker nicht ungenutzt verstreichen, um seine Wiederwahl mit einer extralegalen Exekution auf gut Glück zu sichern. Wäre sie schiefgelaufen, hätten wir nichts davon erfahren. In den Medien war von 90 Prozent Wahrscheinlichkeit die Rede, als ob die Erfolgsaussicht den heimtückischen Mord akzeptabler machte. Er ist nicht "nur" ein Lügner. Er ist US-Präsident. Egal Wievieltmächtigster, es reicht allemal zum straflosen politischen Mord in Serie.

    Das sollte Edward Snowden im Hinterkopf behalten, wenn er nach Berlin kommt, um vor dem Bundestags-Untersuchungs-Ausschuss auszusagen. Aber vielleicht wäre seine Sicherheitslage hierzulande tatsächlich besser als in Ecuador. Er müsste unter falschem Namen an geheimem Ort leben wie im Zeugenschutzprogramm, und sein Schicksal in die Hände deutscher Geheimdienste legen. Deren Verstrickungen in dunkelste Machenschaften wollen wir hier jetzt nicht ausbreiten. Da steht noch einiges an Aufklärungsarbeit aus. Sie hatten bisher wenig Berührungsängste, weder mit NSU noch mit NSA. Eine gewisse Affinität zu der Buchstabenkombination "NS" schimmert immer wieder durch. Sei es aus den Akten, sei es aus den Fakten. Sie könnten Snowdon aber schon deshalb effektiv beschützen, um den USA zu zeigen, dass sie auch was können. Keine schöne Motivation, aber eine wirksame. Sie gelten ja immer noch als Lehrbuben. Jetzt könnten sie ein Gesellenstück liefern. Zumindest bis sie endgültig aufgelöst werden.


    Christian Ströbele jedenfalls hat getan, was eigentlich ein Kanzleramtsminister oder ein anderer Unterhändler der Regierung hätte tun sollen. Doch für Ronald Pofalla war ja die Sache längst abgeschlossen. Er muss noch viel aufklären in seinem Hirn. Dass solche Leute mit derart herber Realitätsblindheit das Kanzleramt verwalteten, lässt nicht Gutes ahnen für die drohende Große Koalition, selbst wenn den Job ein Anderer machen dürfte. Auch den wird nämlich Frau Merkel ausgewählt haben. Sie telefoniert hoffentlich gern genug unbelauscht, als dass sie sich weiterhin wenn auch widerwillig abhören ließe. Sie gehört nicht zu den Digital Natives, die mit Facebook, Yahoo und Google sozialisiert wurden, sondern zu den digital Naiven, die noch nicht mit eingebautem Headset und angewachsenem Touchscreen geboren wurden. Sie könnte sich noch richtig aufregen und hintergangen fühlen. Ihr erster Vorstoß in die weltweite Protestbewegung gegen den globalen Datenklau der Yanks ist schon mal eine gemeinsame Resolution mit Brasilien an die Vollversammlung der Vereinten Nationen. Ein symbolischer Akt zunächst, aber wer weiß, vielleicht der Beginn einer Besinnung in Richtung Postgeheimnis und Schutz der Privatsphäre. Mit Aufklärung allein wird die zivilmilitärische "Aufklärung" des Planeten nicht auszuhebeln sein. Da braucht es schon technische Vorkehrungen, unabhängige unterseeische Glasfaserkabel, die nicht über die USA oder Großbritannien laufen. Und die strikte Kaltstellung der hauseigenen Geheimdienste. Das kann dauern. Zumindest einen sicheren Beraterjob hätte Snowden dann.

    Quelle

    LG.

  6. #56
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Hoeneß for President


    Hoeneß for President

    Wie man eine Republik ordentlich steuert

    Quelle Rationalgalerie

    Hoeneß for President

    Wie man eine Republik ordentlich steuert

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 06. November 2013


    Gut, man muss nicht so weit gehen wie Franz Josef Wagner von der BILD-Zeitung, der in diesen Tagen dem geplagten Uli Hoeneß eine Liebeserklärung machte: "Ich liebte Sie als Manager und Präsident des FC Bayern, der heute den besten Fußball der Welt spielt. Ich liebe Sie auch als Angeklagter." Aber die FAZ hat schon den richtigen Kurs abgesteckt wenn sie rechtfertigend schreibt: "Richtig bleibt (...), dass Hoeneß sich (...) selbst anzeigte", auch wenn er das erst in höchster Not tat, als die Illustrierte Stern seiner Steuerhinterziehung auf der Spur war. Deshalb kommentiert die "Süddeutsche Zeitung" nach der Anklageerhebung gegen den Präsidenten des FC Bayern München (FCB) auch erleichtert: "Jetzt kann gedealt werden" und die "Nürnberger Zeitung" warnt eindringlich "Gerichte können falsch liegen. Das zeigte nicht zuletzt der Skandal um den Psychiatrie-Insassen Gustl Mollath." Doch es geht um mehr, viel mehr als nur eine Hoeneß-Verteidigung. Es geht darum, dass die Bayern-München AG, ein Unternehmen das immerhin rund 400 Millionen Umsatz macht, ein Muster für die Deutschland AG ist, für jene Republik, der Uli Hoeneß vorsitzen sollte wenn es mit rechten Dingen zu ginge.


    Schon im Verwaltungsbeirat des FCB sitzen so honorige Menschen, wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Stoiber, der die legendäre Magnetschwebebahn beinahe vom Münchner Hauptbahnhof, äh, äh, in zehn Minuten, im Grunde genommen, äh, äh, am Flughafen hätte starten lassen. Ihm zur Seite steht der berühmte ehemalige Siemens-Chef, Heinrich von Pierer, der im Zuge der Siemens-Korruptions-Affäre, als Aufsichtsratschef seine Handlungen als Vorstandschef völlig objektiv prüfte. Zur Pierer-Zeit ging alles wie geschmiert. So einer versteht was von Geld, das braucht die Republik. Vom Geld versteht auch das FCB-Aufsichtsrat-Mitglied Martin Winterkorn nicht wenig. Der Mann steckt in seinem Nebenberuf als VW-Chef jährlich 14,6 Millionen Euro ein. Die versteuert er sogar. Aber die belgische VW-Konzerntochter Volkswagen Group Services kassierte im vergangenen Jahr einen komplett steuerfreien Gewinn von 153 Millionen Euro. Der Trick ist ganz einfach: VW zieht Eigenkapital aus Deutschland ab, um ihre belgischen Töchter damit zu füttern. Auf das übertragene Geld werden fiktive Zinsen angerechnet. Und schon geht alles am Fiskus vorbei.


    Ein weiterer gerichtsfester FCB-Aufsichtsrat ist Dieter Rampl. Der ist zugleich ein Chef bei der UniCreditGroup. Die ist im Fall Gustl Mollath so richtig bekannt geworden. Als die Group noch Hypovereinsbank hieß und der Rampl dort im Vorstand war, gab es jede Menge "Kundentransfers" in die Schweiz. Ein interner Revisionsbericht deckte das zwar auf, aber die Bank mochte ihre Erkenntnisse nicht zur Entlastung von Mollath nutzen: Es hätten dann womöglich andere sitzen müssen. Auch der unlautere Handel der Bank mit Schrott-Immobilien führte nie zu einer Bestrafung: So wie man seinen Kunden Steuern ersparte, so sparte man sich die Verantwortung. Mit dem Telekom-Boss Timotheus Höttges rundet sich das Finanzakrobaten-Bild des FCB auf das Schönste.



    Die Deutsche Telekom überweist als Sponsor jährlich um die 30 Millionen Euro an den bayerischen Fußballclub. Im Kern ist die Telekom ein Staatsbetrieb: 15 Prozent der Anteile hält die Bundesrepublik Deutschland direkt. Weitere 17 Prozent besitzt die rein staatliche "Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)". Wenn einer weiß, wie man Finanzen steuert, dann die Leute von der KfW. Die hatte der Lehman-Brother-Pleite-Bank schnell noch 320 Millionen Euro überwiesen, als alle Welt schon von deren Insolvenz wusste. Auch die KfW-Millionen-Investments bei isländischen Wackel-Banken und isländischen Schrott-Staatspapieren beweisen jene besondere pekuniäre Intelligenz, die unter der Führung von Uli Hoeneß bei Bayern München versammelt ist. Lasst die nächsten Euro-Krisen nur kommen: Ein Uli Hoeneß an der Spitze der Deutschland AG wird schon jene Schlupflöcher finden, die uns aus jedem Desaster steuern.
    Quelle

    LG.

  7. #57
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Von Atlantis bis Xanadu


    Von Atlantis bis Xanadu

    Umberto Ecos Handbuch der Hirngespinste

    Quelle Rationalgalerie

    Von Atlantis bis Xanadu

    Umberto Ecos Handbuch der Hirngespinste

    Autor: Botho Cude
    Datum: 06. November 2013
    -----
    Buchtitel: Die Geschichte der legendären Länder und Städte
    Buchautor: Umberto Eco
    Verlag: Hanser



    Träume sind nur der Abfall von Neuronengewittern im Gehirn.
    Moderne Weisheit


    Umberto Eco, die ragende Pinie auf einem Parnass voller Latschenkiefern, hat sich hoffentlich damit abgefunden, dass er den Mogelpreis nie kriegen wird. Zwischen den großen Romanen erholt er sich, indem er lehrreiche Bilderbücher für Erwachsene macht, die er mit seinen köstlichen Lesefrüchten garniert. 2009 erschien „Die unendliche Liste“, die für euch, liebe LeserInnen, in der RATIONALGALERIE rezensiert wurde. Jetzt hat Eco einen kunterbunten Prachtband verfertigt, der die geografischen Irrtümer und Spekulationen, die mythischen Orte und traditionellen Lügengeschichten von Orient und Okzident aus den ersten Quellen dokumentiert. Auch die Neuzeit mit ihrem uferlosen esoterischen Unfug und den überbordenden literarischen Fiktionen wurde nicht vergessen. Antike Reliefs, mittelalterliche Miniaturen, Gemälde durch die Zeitalter, alte Buchillustrationen und moderne Filmplakate bebildern das Opus. Naturgemäß sind deutscher Historismus, französisches Fin de Siècle und englischer Viktorianismus reichlich repräsentiert mit prächtigen Ölschinken voll praller Nymphenhinterbacken, wallender Odinsbärte und zingernder Blitze, wunderschön anzusehen, ohne dass darum das Dargestellte irgendwie realer würde.


    Der elende Zustand der Heimat hat fabulierfreudige Skribenten zu allen Zeiten dazu verführt, ihre Träume in ferne Länder zu verpflanzen. Alles andere wäre Anstiftung zum Aufruhr gewesen. Umberto Eco entführt uns in seinem Kompendium zu verrückten und fatalen Orten, die schon unsere Vorfahren entdecken wollten, ohne sie jemals finden zu können, egal, ob Eldorado oder Schloss Silling.


    Der Aufbau der fünfzehn Kapitel bleibt sich gleich. Am Anfang steht immer eine kenntnisreiche Einführung des Meisters in die Ideengeschichte der kuriosen Artefakte, gespickt mit sprechenden Bildern. Dann folgen ausgewählte Texte der maßgebenden Autoren.
    Eco beginnt sein Handbuch mit der Geschichte von der Gestalt der Erde. Im Anfang war sie bekanntlich platt wie ein Spiegelei (Hesiod). Zu Beginn des Mittelalters erhob sich in der Scheibenmitte ein riesiger Berg, hinter dem nachts die Sonne verschwand (Kosmas). In der frühen Neuzeit bekam die Erde Birnenform (Columbus). Erst dann wurde sie zur Kugel, wie von Aristoteles vorhergesagt. Schließlich vermaß man den Erdball im Barock und seitdem ist er abgeplattet wie eine Pampelmuse. Natürlich faszinieren die Antipoden, die mit dem Kopf nach unten an der Erde hängen.


    Die geografischen Phantasien waren ursprünglich nur Räuberpistolen, die sich Reisende am Lagerfeuer erzählten. Mit dem Gilgamesch-Epos (unerwähnt) beginnt die fiktionale Reiseliteratur. Zweitausend Jahre später berichtet die Thora vom Land Ophir und dem der Königin von Saba. Seit Homer und Herodot haben die alten Griechen das Sagen. Nicht der attische Bauer überlieferte seinem Sohn die Mär von der Insel Atlantis, sondern Platon schrieb sie nieder in den Dialogen Timaios und Kritias. Angeblich hatten ägyptische Priester dem weisen Solon diesen Bären aufgebunden. Bereits im Altertum galt der platonische Bericht als ein Märchen, erfunden zu pädagogischen Zwecken (die Schlechten werden versenkt). Was nicht verhindert hat, dass sich seitdem ganze Völkerscharen auf die Suche nach Atlantis begeben haben. So wechseln Phantasmagorien in die Realität.


    Die Ungeheuer und Wundermänner der fernen Länder des Orients folgen auf dem Fuße. Von Basiliken, Drachen und den Greifen, mit deren Hilfe sich Alexander der Große in die Luft erhebt, bis zu John Mandevilles Bericht über den Priesterkönig Johannes spannt sich der Bogen.
    Die Paradiese reichen vom Garten Eden bis Eldorado. Erstaunt liest der Önologe, dass das Paradies des Korans auch einen Bach enthält, der Wein mitführt, den zu trinken ein Genuss ist.
    Mehrere Kapitel handeln von Inseln. Da sind zum einen die sagenhaften: Atlantis, Ultima Thule, die Insel des heiligen Brendan, Morus’ Utopia und Swifts fliegendes Laputa; zum andern die heute realen: Taprobane (einst Ceylon, nunmehr Sri Lanka), die Salomon-Inseln und die Terra Australis.
    Die Berichte über geheimnisvolle Städte sind zumeist literarische Fiktion, wie Campanellas Sonnenstadt. Baco von Verulam schildert in Neu-Atlantis die Musterstadt Bensalem. Johann Valentin Andreae erfindet Christianopolis. Am Ende steht Italo Calvinos Fedora („Die unsichtbaren Städte“).
    Weitere Kapitel füllen wüste Mythen, wie der Alte vom Berge, der Gral, Graf Dracula, Agartha, Shambala und Rennes-le-Château, ohne dass damit der Fundus wahnhafter Ideen irgendwie erschöpft würde, liebe LeserInnen.


    Öfters begegnen wir der obskuren Ideenwelt des Nationalsozialismus. Hörbigers Welteislehre und Neuperts Hohlwelttheorie werden ebenso referiert wie Otto Rahns Gralssuche, Thulegesellschaft und Vril-Mythos inklusive. Alfred Rosenberg vermutete gar in seinem „Mythus des 20. Jahrhunderts“ die Urheimat des nordischen Menschen in Atlantis. Warum als Illustrationen Porträtfotos von Hitler, Himmler und Goebbels sowie Plastiken Thoraks und Brekers herhalten mussten, erschließt sich nicht ganz. Vermutlich wollte Eco auf das Missverhältnis zwischen banalen Kleinbürgerphysiognomien und olympischen Muskelmännern hindeuten. Hier hätte man eher Albert Speers Modell der Welthauptstadt Germania und die abstrusen Entwürfe von Wilhelm Kreis zu Totenburgen in der Ukraine erwartet. Oder auch Berlusconis monströses Mausoleum von Pietro Cascella.


    Das Erdinnere und der Polmythos bringen uns auf die Neuzeit und die utopische Literatur. Im Innern ist der Planet übrigens vorzugsweise von riesigen Pilzen überwuchert. Edward Bulwer Lyttons „Das kommende Geschlecht“ und Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (unzitiert) eröffnen den Reigen. Wunderbarerweise erwähnt Eco sogar Wladimir A. Obrutschews „Plutonien“, wenn auch nur en passant. Dieses und „Das Sannikowland“ waren Lieblingsbücher meiner Kindheit. Was fehlt hier? Gewiss ein Stückchen aus Dürrenmatts „Winterkrieg in Tibet“. Das große Finale liefert Jorge Louis Borges, der Altmeister des modernen Mythos, mit seiner Erzählung vom Aleph, durch das man einfach alles auf dieser Welt beobachten kann, ähnlich wie es heute die NSA tut.


    Für angehende Politikwissenschaftler, die in der Legislative Karriere machen wollen, ist dieses Buch Pflichtlektüre. Es lehrt sie nach berühmten Mustern, wie man erfolgreich das Volk verkohlt. Denn wer goldene Berge (Eldorado) und blühende Landschaften (Schlaraffenland) verspricht, kann hochelegant Raubzüge legitimieren, in denen es um Öl und Opium geht. Ganz nebenbei bekommt der Doktorand noch das korrekte Zitieren der ausgeschlachteten Literatur beigebracht.
    Heute existieren profitable Industrien, die den Konsumenten mit Sciencefictionfilmen, Mangas und Computerspielen zuschütten. Zu Recht verzichtet Eco auf diese modernen Sumpfblüten der Phantastik, denen schon etliche Monografien gewidmet wurden.
    „Die Geschichte der legendären Länder und Städte“ ist ein Buch, liebe LeserInnen, das nur in die Hände von klar denkenden Menschen gehört. Aber für die ist es eine Wohltat.

    Quelle

    LG.

  8. #58
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    HOCHVERRAT


    HOCHVERRAT

    Das Recht auf Asyl verkommt zum Witz

    Quelle Rationalgalerie

    HOCHVERRAT

    Das Recht auf Asyl verkommt zum Witz

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 11. November 2013


    Ein heiliges Merkel-Handy und Millionen nackte Deutsche: So sieht die Praxis aus, wenn es um die Folgen der schmutzigen US-Spionage und ihren Enthüller Edward Snowden in Deutschland geht. Und damit das nicht so auffällt, agieren Polit-Clowns auf der Medien-Bühne. Die Stimme seiner Herrin, Steffen Seibert, macht den Juristen und behauptet: "Dass die Voraussetzungen für eine Aufnahme (von Edward Snowden) nicht vorliegen“. Der künftige SPD-Innenminister Thomas Oppermann gibt den bedeutenden Politiker: "Eine Befragung in Deutschland steht im Augenblick nicht zur Debatte." Der Noch-Innenminister und Groß-Denker Hans-Peter Friedrich weiß genau: "Er ist kein politisch Verfolgter". Und fast allen Koalitionären fällt die originelle Variante der Straftat ein: Snowden habe nach den Gesetzen der USA Verrat begangen und es gäbe nun mal ein Auslieferungsabkommen und deshalb sei es geradezu fürsorglich, wenn man den Delinquenten nicht nach Deutschland hole.


    Die Verräter sitzen unter den Koalitionären. Denn nach dem Strafgesetzbuch der Bundesrepublik begeht jener Hochverrat, der versucht "die auf dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland beruhende verfassungsmäßige Ordnung zu ändern". Wer also einer fremden Macht ermöglicht, die informationelle Selbstbestimmung der Deutschen und die Souveränität des Landes zu verletzen, ist ein Hochverräter und dürfte getrost - nach den Paragraphen 81 und 82 des Strafgesetzbuches - mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren bedacht werden. Denn das Grundgesetz, das den Koalitionären Makulatur ist, sagt im Artikel 22: "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit" und "Die Freiheit der Person ist unverletzlich". Millionen Deutsche werden Tag für Tag von der US-Spionage-Maschine durchleuchtet, ihre Freiheit, zu sagen was sie wollen, wird permanent verletzt. Denn durch das falsche Wort in der Mail oder am Telefon, können sie zu Terroristen gemacht werden. Wer kann noch unbedenklich und frei seine Meinung äußern, wenn er weiß, dass jedes seiner Worte vom düsteren Imperium verzeichnet und gespeichert wird? Wer also, wie die Koalitionäre, grundsätzlich das Grundgesetz negiert, der verrät fraglos die Verfassung.


    Doch der Gesetzesbruch höret nimmer auf. Denn das Asyl, das Edward Snowden schon verweigert wird bevor er es überhaupt beantragen kann, findet sich im Artikel 16 des Grundgesetzes: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht." Selbst ein Laie kann unschwer erkennen, dass die NSA gegen die Rechte der Bürger verstösst, dass die Rechtsbrecher in der Schnüffelagentur sitzen und Snowden politisch verfolgt wird, weil die Autoritäten der USA ihn für Jahrzehnte hinter Gitter bringen wollen. Selbst der wissenschaftliche Dienst des Bundestages kommt in seinem Gutachten zu der Auffassung, nach der das Auslieferungsabkommen mit den USA nicht gilt, wenn jemand wegen einer "Straftat mit politischem Charakter" verfolgt wird. Aber weil Snowden zur Beantragung des Asyls den Boden der Bundesrepublik betreten muss, darf er auf keinen Fall in Deutschland zur Sache vernommen werden. Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl, bekannt für eine pikante Mischung von Homophobie und Islamophobie, hat eine weitere Angst: Wenn Snowden in der deutschen Botschaft in Moskau vernommen werden würde, sei "die Gefahr einfach zu groß", dass er sie nicht mehr verlassen wolle.


    Es gäbe, noch vor einer vertraglich organisierten Koalition, eine wunderbare Lücke in der Phalanx der Hochverräter: Am 18. November gibt es eine Sondersitzung des Bundestages zur NSA-Affäre. Falls SPD, GRÜNE und LINKE in dieser Sitzung mit ihrer Mehrheit von neun Stimmen die Regierung zwingen würden, Snowden Asyl zu gewähren, wäre die Bahn für Snowdens Aussage frei. Doch wissen wir schon heute, dass die Oppermänner in der SPD eine solche Abstimmung verhindern werden. Es bliebe dann nur die Hoffnung auf jene demokratischen, verfassungstreuen und mutigen Sozialdemokraten, die einen Koalitionsvertrag ohne das Snowden-Asyl mit Mehrheit ablehnen würden. Damit das Recht auf Asyl nicht zu einem Witz verkommt

    Quelle

    LG.

  9. #59
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Stell Dir vor, es geht und keiner kriegts hin! *



    Stell Dir vor, es geht und keiner kriegts hin! *

    Ein Interview mit Dieter Süverkrüp zum 90. Geburtstag von Wolfgang Neuss

    Quelle Rationalgalerie

    Stell Dir vor, es geht und keiner kriegts hin! *

    Ein Interview mit Dieter Süverkrüp zum 90. Geburtstag von Wolfgang Neuss

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 11. November 2013


    Sie kommen alle, die Kabarettisten Martin Buchholz, Arnulf Rating, Werner Schneyder, Frank Lüdecke, der Liedermacher Dieter Süverkrüp und die Neusschen Weggefährten Gisela Groenewold, Karl Dall, Gaston Salvatore, Jürgen Miermeister, Juppy Becher und Volker Kühn; Moderation: Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer. Sie kommen in das Berliner Wintergarten Varieté am 3. Dezember. Denn am 3. Dezember jährt sich zum 90. Mal der Geburtstag des wunderbaren Querdenkers Wolfgang Neuss.


    Die RATIONALGALERIE sprach im Vorfeld der Veranstaltung mit Dieter Süverkrüp.


    Wie kommst Du zu dem Vergnügen bei einer Veranstaltung zum 90. Wolfgang-Neuss-Geburtstag im Berliner Wintergarten aufzutreten, kanntest Du Wolfgang Neuss persönlich?


    Es kann ein veritables Vergnügen werden, wenn Neuss persönlich kommt. Er öffnet die Tür vorsichtig skeptisch, sieht uns, prescht herein und hat für jeden von uns einen angemessenen Schrägspruch. Schließlich haben wir allesamt mit ihm zu tun gehabt: gemeinsame Arbeiten, Auftritte, Sendungen und lauter so Zeug. - Wenn er nicht kommt, womit man auch rechnen muss, werden wir selber sehen müssen, wer uns gedanklich aufmischt.


    Wenn Du Wolfgang Neuss auch in seiner Wirkung beschreiben musst, was kommt dabei raus?


    Na, stell Dir vor, einer der Berühmtesten aus Filmfunkfernsehen schwenkt langsam und unerwartet ab von der wohlgesitteten Staats- und Wirtschaftsfrömmigkeit, treibt dann weiter und weiter und noch immer weiter, macht schließlich mit bei politischen Demonstrationen, bei Aktionen, die sich immer grundsätzlicher artikulieren, stellt den demokratischen Charakter der gängigen Demokratie-Praxis immer deutlicher in Frage . . . sowas kann nicht ohne Wirkung bleiben! Auch hierzulande nicht.


    Begonnen hatte er eher harmlos, wenn auch schon ziemlich ungebärdig mit den Filmen "Wirtshaus im Spessart" und "Wir Wunderkinder"; das ließ sich noch als zwar scharfe, aber immerhin als Satire beschmunzeln. Parallel machte Neuss jede Menge Kabarett, war in vielen Hör- und Kucksendungen präsent, gleichzeitig entwickelte sich politische Unzufriedenheit, hie und da im sonst so braven Volke, später wurde das Ostermarsch, Studentenbewegung. - Er mischte sich ein, witzig, hintersinnig oder grell, manchmal giftig, wütend, ohnmächtig, meistens sehr zielsicher, ohne Angst vor offizieller Gelehrsamkeit, und genussvoll plebejisch. Wie eine jäh auftauchende Elektrisiermaschine, die sich auch selbst elektrisieren konnte.


    Du lebst ja seit Jahr und Tag im beschaulichen Düsseldorf, fürchtest Du Dich ein wenig vor einem Besuch in der Reichshauptstadt?


    Im zarten Alter von neun oder zehn Jahren war ich mal dort. Anhalter Bahnhof, Zwischenstation auf unserer Flucht von Tilsit. Es wimmelte von ängstlichen, nervösen Reisenden. Überall, zwischen den dicht gepferchten Erwachsenen, Uniformen: Militär, SA, Bahnbeamte, Polizisten, Technische Nothilfe, Sanitäter, Flakhelfer, wasweißich. Ein Verwandter mit Parteiabzeichen besuchte uns, weißbärtig, groß, ernster Wissenschaftler, Professor; seine tiefe Stimme sagte, es werde so schlimm nicht werden, noch hätten wir den Führer, der sei schon mit ganz anderen Problemen fertig geworden. Und wir haben es geglaubt. (Er wohl auch.) - Viele Jahre später gab es Berlin im Doppelpack; ich war oft da, hüben und drüben, Auftritte, Konzerte, Fernsehen, Radio, Kneipen . . . aber das weißt Du doch alles, oder? Ich erinnere mich an Phasen, in denen ich mich dort heimlich heimischer fühlte als in Düsseldorf, kurze Phasen wohlgemerkt. Außerdem bin ich in Düsseldorf geboren: seinen Geburtsort zu ändern ist heutzutage sehr umständlich, und wer weiß, wo man dann angesiedelt wird. Davor fürchte ich mich, wenns sein muss, schon eher.


    Deine wilden Zeiten - vier Auftritte im Monat, eine Demonstration in der Woche, immer wieder Diskussionen - sind vorbei. Wie vertreibst Du Dir heute den Tag?


    Es waren nur zwei, höchstens drei Auftritte, aber in der Woche; Demonstrationen alle 14 Tage. Zwischendurch schreiben, komponieren, auswendig lernen, üben, korrigieren, diskutieren, wieder korrigieren, rumreisen quer durchs deutsche Sprachgebiet, rumgereicht werden, reagieren müssen auf Entwicklungen, Stimmungen, Nachrichten, immer schlimmere Nachrichten, Kopf hoch halten, Mut machen, anderen und sich selbst. Dabei kann man ganz schön wild werden! Das ist mir dann auch gelungen. Geplant war es keineswegs. - Aber schließlich ist man immer auch Zeitgenosse; das war ich als kleiner Junge während des Krieges, in der Adenauer- und Remilitarisierungszeit; ich sah aber ebenfalls, dass da Menschen waren, die gegen die unverblümte Restaurierung anzugehen versuchten, wenn ich das mal so pauschal sagen darf. Und am Ende war ich dann Polit-Sänger, der seinen Spaß an Spott, Wortspielerei, Musik, Gitarrenspiel, Grimassen und Gesang einigermaßen nützlich machen konnte, im Zusammenhang mit all den vielen Aktivitäten, Bestrebungen, Bewegungen, die auf Linkes-Demokratie-Sozialismus drängten. In diese Rolle bin ich gerutscht, aber sehr bereitwillig, fast begeistert, mitunter.


    Und nun zum zweiten Teil der Frage (wie ich als Politiker im Fernsehen sagen müsste): Vertreiben muss ich meine Tage nicht! Wenn sie mich nur aufstehen sehen, flüchten sie von selber. Endlich, seit etwas mehr als zehn Jahren, komme ich dazu, das zu machen, was ich gelernt und studiert habe: ich male. Kaum habe ich morgens angefangen, sind die Stunden rum, acht, zehn, auch mal zwölf. Und ich bin noch immer aufgekratzt. Tag für Tag. - Aber in den Jahren davor? Was habe ich da gemacht? Viel Angewandtes, gelegentlich Freies. Wenn ich davon erzählen soll, das wird ein Griff in die Grabbelkiste, alles Durcheinander: Drehbücher, Opernlibretto, Theatertexte, Plakate, Illustrationen, Zeichentrickentwürfe, jede Menge von dem Zeug, lange Bildergeschichten, alles Mögliche für die Sendung mit der Maus, Poetik unterrichten in der Folkwang-Hochschule, aber auch Radierungen in allen Techniken, den Kupferstich lernen! Lassen wir das, es liegt noch genug herum in der Kiste, soll da bleiben. Die nächste Frage bitte.


    Es gibt keinen neuen Neuss, auch keinen neuen Süverkrüp. Sind die Zeiten des scharfen linken künstlerischen Engagements vorbei?


    Klonen kann man solche Figuren nicht. Hätte auch wohl keinen Zweck. Degenhardt sagte mal, als wir auf Neuss zu sprechen kamen, der hat als erster von uns begriffen, dass wir verloren haben. - Und ein wiedergeborener Wolfgang Neuss, was würde der heute sagen, wenn er sich ein wenig umgesehen hätte? Wer würde ihm zuhören, wer würde ihn verstehen? Wenn er Glück hätte, könnte er nochmal anfangen, aber nur mit sehr, sehr, sehr viel Glück. Wahrscheinlich würde er wohl doch nicht abrücken von seiner betrüblichen Einsicht, vermute ich. - Ist deswegen schon alles verloren? Glaube ich nicht. Vielleicht weil, quer durch die Gesellschaft, hie und da sich der Gedanke meldet, dass man nicht Weltgeschichte nach simplen betriebswirtschaftlichen Glaubenssätzen laufen lassen kann. Dass die großen Kapital-Beweger sich mental kaum unterscheiden von den aristokratischen Raufbolden der Bronzezeit, wie wir sie schon aus der Ilias kennen. Dass dieser Kapitalismus längst zu einer prinzipiellen Frage geworden ist: Sozialismus oder Barbarei. Etwas knackig formuliert von F. Engels; aber in einigen Texten von heute aktiven Satirikern taucht das auf, ganz unübersehbar, nicht so rotzig-ruppig wie bei Neuss, aber genau so grundsätzlich.


    Ich kann mich erinnern, dass Dein Kinderlied vom Baggerführer Willibald ein Schul- und Kindergarten-Verbot durch die NRW-Regierung erreichte. Heute gibt es solche Regierungsreaktionen nicht. Liegt das an toleranteren Regierungen oder an zahmeren Künstlern?


    Jüngst erzählten mir ein Lehrer, das Lied werde auch heute noch für den Schulunterricht nicht empfohlen. Ausdrücklich. Behördlicherseits. Um 1970 gab es eine Plenarsitzung im Landtag eben wegen dieses Liedchens. Angestrengt hatte das, wenn ich mich nicht irre, der Haus- und Grundbesitzerverein. Neulich nun fragte genau dieser Verein bei mir an, ob er in seiner Jubiläums-Festschrift das Ding abdrucken dürfe. Die hatten den Text schon damals ganz offenbar nicht kapiert. Ob das heute anders ist, wage ich nicht zu beurteilen. Unabhängig davon kann ich getrost sagen, die Zeiten haben sich geändert. Ist doch prima. Oder?


    War früher alles besser?


    Falls Du mich damit meinst, mache ich von meinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.

    * Wolfgang Neuss (1923-89), dt. Kabarettist u. Schauspieler

    Hier geht´s zum Berliner Wintergarten:
    http://www.wintergarten-berlin.de/de.../neuss-90.html
    Und hier zum Baggerführer Willibald:



    Quelle

    LG.

  10. #60
    Administrator Avatar von zwirni
    Registriert seit
    25.02.2010
    Ort
    Meissen
    Beiträge
    129.372
    Mentioned
    193 Post(s)
    Follows
    0
    Following
    2
    Renommee: 43820

    Das rote Kaninchen



    Das rote Kaninchen

    Sigmar Gabriels Zauberhut

    Quelle Rationalgalerie

    Das rote Kaninchen

    Sigmar Gabriels Zauberhut

    Autor: U. Gellermann
    Datum: 13. November 2013


    Angst breitet sich aus. Bei Oppermann, Schwesig & Co. Die Verhandlungsführer der SPD-Koalitionäre hatten schon gut gepolsterte Ministersessel vor Augen. Sie konnten die Ledersitze der Dienstwagen fast schon riechen, die bedeutenden TV-Talkrunden beinahe hören, die reichlichen Pensionen zählen. Da gab es böse Nachrichten aus der SPD-Basis. Die Genossen finden, so entnahm man dem Murren in der Mitgliedschaft, die bisherigen Koalitions-Verhandlungsergebnisse als schlichtweg unzureichend. Aber es ist die Basis, die irgendwann im Dezember über den Koalitionsvertrag richten soll. Sie könnte die Blütenträume vom Macht-Zipfelchen zunichte machen. Denn die Liste der jetzt schon gebrochenen SPD-Wahlversprechen ist lang.


    Hatte sich die SPD doch vor den Bundestagswahlen geradezu als eine Art Anti-Agenda-2010-Partei dargestellt: Gerechtigkeit hieß der Schlachtruf, jetzt wolle man aber mal die Millionäre zur Kasse bitten, aber hallo! Jetzt würde man aber nicht schon wieder als Zustimmungsmaschine im Bankenrettungsfach auftreten. So nicht, Frau Kanzler! Und vornedran der kühne Oppermann, der die Kanzlerin in der NSA-Abhöraffäre vor sich hertrieb: "Heuchelei, Nichtinformation, Desinformation", Worte wie Steinwürfe in Richtung Kanzleramt. Sigmar Gabriel hatte sogar mal kurzzeitig ein Zeugenschutzprogramm für Edward Snowden gefordert. Jawoll! Und jetzt? Jetzt warnt der Herr Oppermann im Zusammenhang mit Snowden vor "emotionalen und moralischen Höhenflügen".


    Die SPD-Mitglieder gehören zu den Weltmeistern im Krötenschlucken. Man war einst schon mal gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, gegen die NATO, gegen die Notstandsgesetze. Natürlich immer vor einer Regierungsbeteiligung. Danach gingen die SPD-Chefs dann immer in die Ortsvereine und riefen ihre Waren aus: "Kröten, leckere Kröten, einmal schlucken und schon ist alles ganz anders." - Doch Zeiten ändern sich. Nach dem Agenda-2010-Anschlag auf die soziale Marktwirtschaft warfen nicht wenige Sozialdemokraten ihr Parteibuch hin. Noch mehr SPD-Wähler wählten nicht mehr oder was anderes. Was, so dachte sich der Gabriel, wenn die 470.000 SPD-Mitglieder plötzlich von einem moralischen Höhenflug gepackt würden und den Koalitionsvertrag ablehnten?


    Flugs guckte der schlaue Siggi in seinen Zylinder, sah das rote Linkspartei-Kaninchen, holte es heraus und schwenkte es vor dem Leipziger Parteitag in der Luft: Huhuh, in vier Jahren, hinter den sieben Bergen und wenn die sieben Brücken nicht brechen, dann sind wir vielleicht bereit, äh, oder so, äh, mit der Linkspartei zu koalieren. Siggi hält die Genossen für doof. Er denkt, die merken nicht, dass wir den Mindestlohn auch ohne Koalition schon erreicht hätten, wenn wir die knappe Mehrheit der SPD, der GRÜNEN und der LINKEN im Bundestag genutzt hätten. Dass mit der selben Mehrheit längst das Asyl für Edward Snowden durchgesetzt wäre. Ja, es wäre sogar eine rot-rot-grüne Regierungskoalition möglich gewesen. Aber was in vier Jahren ist, ob die SPD nach der üblichen Schrumpfkur in einer großen Koalition noch genug Stimmen für einen ordentlichen Gesangverein bekommen wird, das weiß keiner.


    Der SPD-Parteitag in Leipzig präsentiert statt eines irgendwie inhaltlichen Slogans ein "Hashtag" auf dem Bühnentransparent: #spdbpt. Hashtags sind jene Computer-Doppelkreuze, die einer Zeichenkette vorangestellt werden, wenn besonders Wichtiges markiert werden soll, wenn man mit einem Meta-Tag, also einer Über-Markierung, die Suche erleichtern will. Such´s Original-Sozialdemokratische ruft das Tag den Delegierten und Mitgliedern zu, und wenn ihr´s nicht in den Koalitionsverhandlungen findet, dann eben in Gabriels Zylinder. So doof kann die SPD-Basis nicht sein, oder?


    Quelle

    LG.

Seite 6 von 67 ErsteErste ... 23456789101656 ... LetzteLetzte

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •